Ratgeber Baumgesundheit
Eichenprozessionsspinner erkennen, ohne ihm zu nahe zu kommen
Gespinstnester am Stamm, Raupen im Gänsemarsch und eine lichte Eichenkrone im Juni: Woran du einen Befall aus sicherem Abstand erkennst und wen du dann informierst.

Kurz gesagt
Den Eichenprozessionsspinner erkennst du an drei Zeichen, immer an einer Eiche: grauen, lang behaarten Raupen, die abends in bandförmigen Prozessionen von bis zu 10 m Länge den Stamm hinaufziehen, an Gespinstnestern aus Fäden, Kot und Häutungsresten am Stamm und in Astgabeln, und an einer auffällig lichten Krone ab Ende Mai. Ab dem dritten Raupenstadium tragen die Raupen Brennhaare: Fass weder Raupen noch Nester an.
- Nur an Eichen: Die Raupen fressen laut LWF an Stiel-, Trauben- und Roteiche. Ein Nest an einer anderen Baumart ist seltener und braucht einen zweiten Blick.
- Die Brennhaare sind nur 0,2 mm lang und bleiben laut LWF in alten Nestern über mehrere Jahre giftig, auch jetzt im Herbst.
- Nicht selbst entfernen: Nester saugen Fachleute mit Schutzausrüstung ab. Auskunft gibt das Ordnungsamt deiner Gemeinde.
Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist ein heimischer Nachtfalter, dessen Raupen an Eichen fressen. Gefährlich sind nicht die Falter, sondern die Brennhaare der Raupen: Sie lösen Hautausschlag, Augen- und Atemwegsreizungen aus und bleiben in alten Nestern über Jahre wirksam. Diese Seite zeigt dir, woran du einen Befall aus sicherem Abstand erkennst, in welchen Monaten du womit rechnen musst und wen du informierst. Sie enthält bewusst keine Anleitung zum Entfernen oder Bekämpfen; das ist Sache von Fachleuten.
Woran du einen Befall erkennst: von der Krone bis zum Stammfuß
Prüf die Zeichen in dieser Reihenfolge und bleib dabei auf Abstand. Ein Fernglas oder das Zoom deiner Kamera reicht.
1. Ist es eine Eiche? Laut LWF-Merkblatt 15 fressen die Raupen an Stiel- und Traubeneiche und an der amerikanischen Roteiche, das Pflanzenschutzamt Berlin nennt zusätzlich die Zerreiche. Gelappte Blätter, Eicheln im Herbst und eine tief gefurchte Borke sprechen für eine Eiche; Einzelheiten stehen unter Eiche erkennen. Die LWF beschreibt, dass Gespinstnester manchmal auch an anderen Baumarten hängen, an denen die Raupen aber nicht fressen.
2. Blätter und Krone. Der Fraß der jungen Raupen fällt kaum auf. Ab Ende Mai zeigen sich laut LWF deutliche Auflichtungen in der Krone, bei Massenvermehrung bis zum Kahlfraß ganzer Eichen. Eine Eiche, die im Juni fast ohne Laub dasteht, während die Nachbarbäume grün sind, ist ein Warnzeichen.
3. Raupen am Stamm. Die Raupen sind laut LWF grau, haben eine dunkle Rückenlinie und lange, silbrige Haare. Bei der Nahrungssuche ziehen sie mit bis zu 30 Tieren nebeneinander in bandförmigen Prozessionen von bis zu 10 m Länge in die Krone, meist abends. Daher kommt der Name.
4. Nester am Stamm und in Astgabeln. Ältere Raupen ziehen sich tagsüber in Gespinstnester zurück, die mit Kot und alten Larvenhäuten gefüllt sind und oft mehrere Tausend Raupen enthalten (LWF). Sie sitzen am Stamm und in Astgabelungen und sehen aus wie graue, verfilzte Polster aus Fäden. Zur Verpuppung bauen die Raupen kompakte Nester am Stamm oder an starken Ästen.
5. Am Stammfuß und am Boden. Alte Gespinste fallen herab oder werden bei Fällungen verteilt und reichern sich laut LWF im Unterholz und Bodenbewuchs an. Auch ein Nestrest im Gras unter einer Eiche ist gefährlich.
Wenn du unsicher bist, welcher Baum es ist, fotografiere Blätter oder Rinde aus sicherer Entfernung: Tree Identifier schlägt dir aus einem Foto den Baumnamen vor. Mit dem Werkzeug „Diagnostizieren“ bekommst du außerdem eine KI-Ersteinschätzung zum Zustand des Baums mit einer Schweregrad-Stufe. Das ist eine schnelle erste Meinung, keine Laboruntersuchung; bei einem Nest an einer Eiche, an der Menschen vorbeigehen, ist immer die Gemeinde zuständig.
Zeitraum: wann die Raupen aktiv und wann sie gefährlich sind
Die Entwicklung hängt von der Witterung ab; warme Frühjahre beschleunigen sie laut Pflanzenschutzamt Berlin. Die Quellen nennen leicht unterschiedliche Monate, deshalb stehen hier beide.
| Zeitraum | Was passiert | Quelle |
|---|---|---|
| Anfang April bis Anfang Mai | Raupen schlüpfen aus den Eiern in der oberen Krone | Berlin: Anfang bis Mitte April; LWF: Ende April, Anfang Mai |
| April bis Mitte Mai | Ab dem dritten von sechs Raupenstadien bilden sie Brennhaare | UBA: meist April bis Mai; Berlin: meist Mitte Mai |
| Mai bis Ende Juni | Fraß in der Krone, Prozessionen und Tagesnester am Stamm | LWF, Berlin |
| Mitte Juni bis Anfang Juli | Verpuppung in festen Kokons im Gespinstnest | LWF |
| Juli bis August, teils September | Die unscheinbaren grauen Falter fliegen nachts | LWF |
| Ganzjährig, über Jahre | Alte Nester bleiben am Baum; das Gift der Brennhaare ist mehrere Jahre aktiv | LWF |
Für die Suchanfrage „Eichenprozessionsspinner im Herbst“ heißt das: Im Oktober siehst du keine Raupen mehr, aber die Nester vom Sommer hängen oft noch am Stamm. Laut Merkblatt des Pflanzenschutzamts Berlin verlieren die Brennhaare darin ihre allergische Wirkung über Jahre nicht.
Brennhaare: was sie bei Menschen und Hunden auslösen
Jede ältere Raupe trägt laut LWF bis zu 700.000 Brennhaare von nur 0,2 mm Länge. Sie brechen leicht ab, tragen Widerhaken und enthalten das Eiweiß Thaumetopoein. Das Pflanzenschutzamt Berlin beschreibt, dass schon die Prozessionen Haare abbrechen lassen und Wind sie über weite Strecken trägt. Du musst eine Raupe also nicht berühren, um Haare abzubekommen.
Die FAQ des Umweltbundesamts nennt diese Folgen:
- Haut: Rötungen und oft starker Juckreiz über mehrere Tage, die Raupendermatitis. Berlin beschreibt insektenstichähnliche Flecken, Quaddeln und Knötchen bis zur Nesselsucht, etwa 24 Stunden nach der Berührung.
- Atemwege: seltener Husten, Bronchitis oder Asthma.
- Augen: Rötung, Juckreiz, Bindehautentzündung.
- Allgemein: sehr selten Fieber und Kreislaufreaktionen. Die LWF nennt als sehr seltene Folge einen allergischen Schock.
Hunde und andere Tiere. Die LWF schreibt, dass auch Tiere gefährdet sind: durch Hautkontakt und durch Brennhaare, die sie mit der Nahrung aufnehmen, mit der Gefahr einer Magenschleimhautentzündung. Das Pflanzenschutzamt Berlin nennt die Raupen ab dem dritten Stadium eine Gefahr für Mensch und Tier. Lass deinen Hund nicht an Nestern oder Raupen schnüffeln. Zeigt er nach einem Spaziergang unter Eichen Beschwerden, ruf sofort die Tierarztpraxis an und sag dort, wo ihr wart.
Was du nach einem Kontakt tust. LWF und Pflanzenschutzamt Berlin raten: Kleidung wechseln und waschen, duschen, Haare waschen, Augen spülen, Schuhe und Geräte reinigen, damit keine Haare in die Wohnung gelangen. Bei starken Beschwerden geh zum Arzt und sag dort, dass du Kontakt mit Raupenhaaren hattest. Bei Atemnot oder einer schweren Reaktion wähl den Notruf 112.
Wen du informierst und warum du nichts selbst entfernst
Wen du informierst. Die LWF verweist für Auskunft und Maßnahmen zum Gesundheitsschutz an das Ordnungsamt deiner Gemeinde. Liegt der Befall im Wald, ist in Bayern das örtliche Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zuständig. Eine allgemeine Meldepflicht für Privatleute nennen die hier zitierten Stellen nicht (gelesen am 30.10.2026). Ein Nest an einem Spielplatz, einem Schulweg oder einer Bushaltestelle solltest du trotzdem immer melden. In Österreich und der Schweiz frag bei der Gemeinde nach, wer zuständig ist.
Warum du nichts selbst entfernst. Laut UBA sollen Nester von geschulten Fachleuten professioneller Schädlingsbekämpfungsfirmen entfernt werden, die dafür eine vollständige Schutzausrüstung brauchen. Die LWF schreibt, dass auf keinen Fall in Selbsthilfe Methoden wie Abflammen oder ein Wasserstrahl angewendet werden dürfen, weil sie die Brennhaare weiter verteilen. Auch das Fällen einer befallenen Eiche empfiehlt das UBA nicht. Steht die Eiche in deinem Garten, ruf einen Fachbetrieb oder frag die Gemeinde, wer in deiner Gegend Nester absaugt.
Bis dahin: Halte Abstand, beachte Warnschilder und Absperrungen, und halte Kinder und Hunde von der Eiche fern. Die LWF nennt als Risikogruppen unter anderem Menschen auf Park- und Rastplätzen, Besucher von Spielplätzen, Schwimmbädern und Campingplätzen, Eichenbesitzer im Garten und alle, die Brennholz aus Befallsgebieten verwenden. Selbst Brennholz aus Befallsgebieten nennt die LWF einen Risikofaktor.
Wie es den Eichen geht
Für die Bäume ist ein einzelner Kahlfraß meist kein Problem: Laut LWF sind wegen der Regenerationskraft der Eichen nach einmaligem Kahlfraß keine Folgeschäden zu erwarten. Mehrere Jahre starker Fraß hintereinander führen jedoch zu Zuwachsverlusten, Vitalitätsschwäche, dem Absterben einzelner Bäume und zu Folgeschädlingen wie dem Eichenprachtkäfer. Fressen gleichzeitig Eichenwickler, Frostspanner oder Schwammspinner, kann ein ganzer Bestand bedroht sein.
Die Art ist wärmeliebend. Die LWF beschreibt, dass sich die Befallsgebiete in Bayern seit den 1990er Jahren von der Fränkischen Platte nach Süden und Osten ausgebreitet haben, und das UBA rechnet mit einer weiteren Ausbreitung, weil die Frühjahre wärmer werden. Wenn du eine befallene Eiche Jahr für Jahr beobachten willst, speichert Tree Identifier jedes Foto mit Datum im Verlauf, und die Baumkarte merkt sich den Standort; so kannst du der Gemeinde zeigen, seit wann ein Nest dort hängt. Andere Schäden an Eichen und weiteren Bäumen ordnet der Ratgeber Baumkrankheiten erkennen nach Baumteil.
Was ein Foto nicht klären kann
- Die Brennhaare sind nur 0,2 mm lang. Kein Foto zeigt, ob ein altes Nest noch Brennhaare enthält; behandle jedes Nest an einer Eiche als gefährlich.
- Ob ein Gespinst an einer anderen Baumart vom Eichenprozessionsspinner stammt, entscheidet eine Fachperson vor Ort, nicht ein Bild.
- Ob und wie ein Befall bekämpft wird, entscheiden Gemeinde, Waldbesitzende und Fachbetriebe. Weder diese Seite noch eine App ersetzt das.
Häufige Fragen
Wann ist der Eichenprozessionsspinner gefährlich?
Ab dem dritten Raupenstadium, wenn die Raupen Brennhaare bilden: laut UBA meist April bis Mai, laut Pflanzenschutzamt Berlin je nach Jahr meist Mitte Mai. Vorbei ist die Gefahr mit dem Falterflug im Juli nicht: Die Brennhaare in alten Nestern verlieren ihre Wirkung laut Berlin über Jahre nicht.
Ist der Eichenprozessionsspinner für Hunde gefährlich?
Ja. Die LWF schreibt, dass auch Tiere gefährdet sind, durch Hautkontakt und durch Brennhaare, die sie mit der Nahrung aufnehmen, mit der Gefahr einer Magenschleimhautentzündung. Halte deinen Hund von befallenen Eichen und Nestern fern und ruf bei Beschwerden nach einem Spaziergang sofort die Tierarztpraxis an.
Was tun nach Kontakt mit Eichenprozessionsspinner?
LWF und Pflanzenschutzamt Berlin raten: Kleidung wechseln und waschen, duschen, Haare waschen, Augen spülen, Schuhe und Geräte reinigen. Bei starken Beschwerden geh zum Arzt und sag dort, dass du mit Raupenhaaren in Kontakt warst. Bei Atemnot ruf den Notruf 112.
Muss man den Eichenprozessionsspinner melden?
Eine allgemeine Meldepflicht für Privatleute nennen die hier zitierten Stellen nicht (gelesen am 30.10.2026). Die LWF verweist für Auskunft und Gesundheitsschutz an das Ordnungsamt der Gemeinde, bei Befall im Wald an das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Melde ein Nest an einem Spielplatz oder Weg trotzdem.
Darf ich ein Nest selbst entfernen?
Nein. Laut UBA gehört das in die Hände geschulter Fachleute mit voller Schutzausrüstung. Die LWF warnt ausdrücklich vor Selbsthilfe wie Abflammen oder Wasserstrahl, weil das die Brennhaare weiter verteilt.
Quellen
- Merkblatt 15: Eichenprozessionsspinner (aktualisierte Onlineausgabe 1. August 2018) — Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF)
- Eichenprozessionsspinner: Haarige Gefahr für Eiche und Mensch (Faltblatt) — Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF)
- Häufig gestellte Fragen zum Eichenprozessionsspinner — Umweltbundesamt (UBA)
- Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea), Merkblatt Januar 2025 — Pflanzenschutzamt Berlin