Ratgeber Baumgesundheit
Baumkrankheiten erkennen
Was du an einem kranken Baum in welcher Reihenfolge anschaust, welche Krankheiten in Deutschland, Österreich und der Schweiz dahinterstecken und wann ein Baumpfleger oder der Pflanzenschutzdienst übernehmen sollte.

Kurz gesagt
Baumkrankheiten erkennen heißt, den Baum von oben nach unten abzusuchen: zuerst Blätter (Flecken, Minen, Welke), dann die Krone (lichte Stellen, tote Äste, Ersatztriebe), die Rinde (Risse, Ablösungen, schwarzer Sporenbelag), der Stammfuß (Teerflecken, abgestorbene Rinde), Bohrlöcher mit Bohrmehl und zuletzt Pilze. Pilzfruchtkörper am Stamm und tote Äste über Wegen sind Warnsignale für die Standsicherheit und gehören zu Fachleuten.
- Bestimme zuerst die Baumart: Eschentriebsterben gibt es nur an Eschen, Rußrinde vor allem am Bergahorn, Massaria an Platanen.
- Ein einzelnes Symptom beweist selten eine Krankheit; Trockenheit kann Welke, kleine Blätter und lichte Kronen ebenfalls auslösen.
- Bei Raupennestern an Eichen und schwarzem Sporenbelag am Ahorn gilt: nicht anfassen, Fachleute holen.
Ein kranker Baum zeigt sich selten an einem einzigen Merkmal. Diese Seite gibt dir eine Reihenfolge, mit der du deinen Baum in zwei Minuten absuchst, und ordnet die Zeichen den Krankheiten zu, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz am häufigsten sind. Bestimme vorher die Baumart, denn die meisten Krankheiten befallen nur eine Gattung. Behandlungsanleitungen findest du hier bewusst nicht: Was zu tun ist, entscheidet eine Fachperson vor Ort.
Symptome nach Baumteil: so suchst du den Baum ab
Geh einmal um den Baum herum und arbeite dich von oben nach unten vor. Vergleich, wenn möglich, mit einem gesunden Baum derselben Art in der Nähe.
| Baumteil | Worauf du achtest | Mögliche Ursache |
|---|---|---|
| Blätter | braune Flecken auf Fiederblättern | Eschentriebsterben |
| Blätter | braune Minen, Laub fällt ab August | Rosskastanien-Miniermotte |
| Blätter | noch grüne Blätter welken und rollen sich ein, ab Juni | Ulmenwelke |
| Krone | klein, schütter, den ganzen Sommer gelblich | Wurzelhalsfäule der Erle |
| Krone | verbuscht, viele Ersatztriebe, tote Triebspitzen | Eschentriebsterben |
| Äste | rosa bis rötliche Streifen oben auf Ästen | Massaria der Platane |
| Rinde | blasig, platzt ab, darunter schwarzbrauner Sporenbelag | Rußrindenkrankheit am Ahorn |
| Rinde | braunes Bohrmehl in Rindenschuppen, Harztropfen | Borkenkäfer an Fichten |
| Stammfuß | orangebraune bis schwarze Teerflecken | Wurzelhalsfäule der Erle |
| Stammfuß | abgestorbene Rinde, Pilze am Fuß | Stammfußnekrosen, Hallimasch |
| Eichenstamm und Äste | Raupennester, behaarte Raupen ab Mai | Eichenprozessionsspinner |
| Stamm und Wurzeln | Konsolen, Krusten oder Pilzbüschel | holzzersetzende Pilze |
Ein einzelnes Merkmal ist nur ein Hinweis. Welke und kleine Blätter können auch von Trockenheit oder verdichtetem Boden kommen. Erst das Muster aus mehreren Zeichen an der passenden Baumart spricht für eine bestimmte Krankheit.
Die acht häufigsten Fälle in Mitteleuropa
Eschentriebsterben (Esche)
Der Pilz Hymenoscyphus fraxineus lässt laut LWF-Merkblatt 28 zuerst die Fiederblätter braun werden, dann erscheinen beige- bis orangebraune Rindennekrosen an Trieben, und die Krone verbuscht. Gefährlich sind Stammfußnekrosen mit Hallimasch, weil sie die Standfestigkeit schnell beeinträchtigen können. Alle Schritte stehen unter Eschentriebsterben erkennen.
Rußrindenkrankheit (Bergahorn)
Der aus Nordamerika stammende Pilz Cryptostroma corticale befällt vor allem den Bergahorn, seltener Spitz-, Feld-, Silber- und Eschenahorn. Erste Zeichen sind Welke, dann schuppige oder streifenförmige Rindenabplatzungen und schwarzbraune Sporenlager unter blasig anschwellender Rinde (LWF-Merkblatt 52). Die Gesundheitsgefahr durch intensives Einatmen der Sporen ist laut LWF nicht abschließend beurteilt. Fass befallene Bäume nicht an und fäll sie nicht selbst; mehr unter Rußrindenkrankheit erkennen.
Massaria (Platane)
Laut Pflanzenschutzamt Berlin zeigt sich die Krankheit zuerst als rosa bis rötliche Streifen meist auf der Oberseite von Ästen im Kroneninneren und im unteren Kronenbereich. Eine schnell fortschreitende Weißfäule lässt die Äste unter ihrem Gewicht oder bei Wind abbrechen, teils noch belaubt. Kleine abgebrochene Äste mit dunklem Sporenstaub unter einer Platane sind ein Grund, die Krone prüfen zu lassen. Als krankheitserregend beschrieben wurde Massaria in Süddeutschland 2003.
Rosskastanien-Miniermotte (Rosskastanie)
Die Larven dieses Kleinschmetterlings minieren in den Blättern der weißblühenden Rosskastanie. Bei starkem Befall bräunen die Blätter und werden vorzeitig abgeworfen; kahle Bäume schon im August sind laut LWF keine Seltenheit. Entdeckt wurde die Motte 1984 in Mazedonien, 1989 fiel sie in Österreich auf.
Ulmenwelke (Ulme)
Die Ulmenwelke, auch Holländische Ulmenkrankheit, wird vom Pilz Ophiostoma novo-ulmi verursacht, den Ulmensplintkäfer übertragen. Typisch sind laut WSL welkende, sich einrollende, oft noch grüne Blätter im Sommer, braun verfärbtes Splintholz unter der Rinde und tote Triebspitzen, die sich abwärts krümmen. Viele Bäume sterben innerhalb eines Jahres.
Wurzelhalsfäule (Erle)
Phytophthora-Arten, pilzähnliche Organismen, die sich über das Wasser ausbreiten, töten die Rinde am Stammgrund ab. Laut WSL-Factsheet bleibt die Krone schütter, kleinblättrig und den ganzen Sommer gelblich, und im unteren Stammbereich entstehen orangebraune bis schwarze Teerflecken mit einer zungenförmigen, rötlichbraunen Verfärbung unter der Rinde. Weil andere Phytophthora-Arten ähnliche Zeichen machen, bringt nur eine genetische Untersuchung Klarheit.
Borkenkäfer (Fichte)
Beim Buchdrucker ist braunes Bohrmehl das wichtigste Zeichen. Es sammelt sich hinter Rindenschuppen, auf Moos am Stammfuß und in Spinnweben. Später fällt Rinde bei noch grüner Krone ab, und Spechte schlagen Rindenstücke ab; die rötliche Krone ist ein spätes Zeichen (LWF auf waldwissen.net). Harztropfen allein beweisen keinen Befall. Wie du die Fichte selbst erkennst, steht unter Fichte erkennen.
Eichenprozessionsspinner (Eiche)
Die Raupen bilden laut Umweltbundesamt ab dem dritten Larvenstadium Brennhaare, die auch in hoher Konzentration in den Nestern sitzen. Mögliche Folgen sind ein Hautausschlag (Raupendermatitis), Bindehautentzündung, Atemwegsreizungen, Schwindel oder Fieber. Raupen und Nester sollst du auf keinen Fall berühren oder selbst entfernen; zuständig sind Gesundheits-, Forst- oder Pflanzenschutzämter. Bei Beschwerden geh zum Arzt, mit dem Hund zur Tierarztpraxis. Mehr unter Eichenprozessionsspinner erkennen.
Wann ein kranker Baum gefährlich wird
Die meisten Krankheiten schwächen einen Baum über Jahre. Gefährlich für Menschen wird er, wenn Äste oder der ganze Baum brechen können. Achte besonders auf:
- tote Äste über Wegen, Spielplätzen, Parkplätzen und Dächern, etwa bei Massaria oder Eschentriebsterben;
- abgestorbene Rinde und Pilze am Stammfuß, denn Fäule in Wurzeln und Stammfuß sieht man von außen kaum;
- Pilzkonsolen, schwarze Krusten oder Pilzbüschel am Stamm: Welche Pilze welche Fäule verursachen, erklärt der Ratgeber Baumpilze bestimmen;
- Risse, Höhlen und eine Neigung, die neu ist.
Steht ein solcher Baum an einer Stelle, wo Menschen unterwegs sind, geh nicht darunter, bis eine Fachperson ihn angesehen hat. Fälle einen geschädigten Baum nie selbst: Totholz in der Krone kann beim Fällen unberechenbar brechen.
Wen du anrufen solltest
- Baum im eigenen Garten: ein Baumpfleger oder Baumsachverständiger. Er beurteilt Krone, Stamm und Stammfuß und sagt, ob der Baum bleiben kann.
- Fragen zu Schaderregern und Meldepflichten: der Pflanzenschutzdienst deines Bundeslands, in Österreich der Pflanzenschutzdienst des Landes, in der Schweiz der kantonale Pflanzenschutzdienst. Welche Erreger meldepflichtig sind, regelt das Pflanzengesundheitsrecht, und die Listen ändern sich; frag dort nach, statt dich auf eine ältere Liste zu verlassen.
- Bäume im Wald: das Forstamt, in Bayern das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.
- Bäume an Straßen, in Parks, an Schulen: das Grünflächenamt oder Ordnungsamt der Gemeinde.
Vor dem Fällen gilt in vielen Gemeinden eine Baumschutzsatzung, auch für kranke Bäume im eigenen Garten.
Fotos, die einer Fachperson helfen
Gute Fotos sparen Zeit, wenn du einen Baumpfleger oder das Amt kontaktierst: die ganze Krone von zwei Seiten, ein Blatt oder Zweig mit Symptom in Nahaufnahme, die Rinde in Brusthöhe, der Stammfuß rundherum und jeder Pilz mit einem Gegenstand für den Maßstab. Notier Datum und Standort.
Die iPhone-App Tree Identifier hilft dabei zweimal. Mit „Identifizieren“ bekommst du aus einem Foto den Namen der Baumart, damit du weißt, welche Krankheiten überhaupt in Frage kommen; Tree Identifier ist dabei auf eine Internetverbindung angewiesen. Mit „Diagnostizieren“ erhältst du eine KI-Ersteinschätzung zum Zustand mit einer Schweregrad-Stufe, einer wahrscheinlichen Ursache sowie Hinweisen zu Behandlung und Vorbeugung, und du kannst unter dem Ergebnis nachfragen. Nimm das als schnelle erste Meinung, nicht als Laborbefund: Ein gemeldeter Schaderreger, ein großer Baum oder einer an Weg und Haus gehört immer zu einer Fachperson. Jede Diagnose bleibt mit Foto und Datum im Verlauf der App, und mit Standort liegt der Baum auf der Baumkarte, sodass du Veränderungen über Monate vergleichen kannst.
Was ein Foto nicht klären kann
- Fäule im Stamminneren und in den Wurzeln ist auf einem Foto nicht zu sehen; das prüfen Fachleute mit Schonhammer oder Messgeräten.
- Viele Erreger, etwa Phytophthora an Erlen, lassen sich nur im Labor sicher nachweisen.
- Ob ein Baum gefällt werden muss oder darf, entscheiden Fachleute und die Gemeinde, nicht eine App.
Häufige Fragen
Welche Baumkrankheiten gibt es in Deutschland?
Häufig sind Eschentriebsterben, Rußrindenkrankheit am Ahorn, Massaria an Platanen, Ulmenwelke, die Wurzelhalsfäule der Erle durch Phytophthora, die Rosskastanien-Miniermotte, Borkenkäfer an Fichten und der Eichenprozessionsspinner. Dazu kommen holzzersetzende Pilze, die an vielen Baumarten die Standsicherheit mindern.
Wie erkenne ich, ob ein Baum krank ist?
Vergleich ihn mit gesunden Bäumen derselben Art in der Nähe und prüf von oben nach unten: Blätter, Krone, Rinde, Stammfuß, Bohrlöcher, Pilze. Tote Äste, eine lichte Krone mitten im Sommer, abplatzende Rinde und Pilzkonsolen am Stamm sind Zeichen, die eine Fachperson ansehen sollte.
Welche Baumkrankheiten sind für Menschen gefährlich?
Die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners können laut Umweltbundesamt Hautausschlag, Bindehautentzündung und Atemwegsreizungen auslösen. Bei der Rußrindenkrankheit des Ahorns ist die Gefahr durch intensives Einatmen der Sporen laut LWF nicht abschließend beurteilt. Fass beides nicht an und geh bei Beschwerden zum Arzt.
Wer ist für kranke Bäume zuständig?
Im Garten ein Baumpfleger oder Baumsachverständiger, für Fragen zu Schaderregern der Pflanzenschutzdienst deines Bundeslands oder Kantons, im Wald das Forstamt. Bei Bäumen an Straßen und öffentlichen Plätzen das Grünflächen- oder Ordnungsamt der Gemeinde.
Kann eine App Baumkrankheiten erkennen?
Eine App kann aus einem Foto eine erste Einschätzung geben, etwa die Funktion Diagnostizieren in Tree Identifier mit einer Schweregrad-Stufe und einer wahrscheinlichen Ursache. Sie ersetzt keine Laboruntersuchung und kein Gutachten zur Standsicherheit; Fäule im Stamm und Nekrosen unter Moos sieht kein Foto.
Quellen
- Merkblatt 28: Eschentriebsterben (Oktober 2019) — Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF)
- LWF-Merkblatt Nr. 52: Ahorn-Rußrindenkrankheit — waldwissen.net, LWF (Burgdorf, Straßer und Hahn, 2023)
- Pilzliche Schaderreger: Massaria — Pflanzenschutzamt Berlin
- Die Rosskastanien-Miniermotte, der auffälligste Schädling der weißblühenden Rosskastanie (LWF-Wissen 48) — Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF)
- Ulmenwelke (Merkblatt für die Praxis 20) — waldwissen.net, Eidg. Forschungsanstalt WSL
- Factsheet Neomyceten: Wurzelhalsfäule der Erle — waldwissen.net, Eidg. Forschungsanstalt WSL
- Befallssuche beim Borkenkäfer — waldwissen.net, LWF (Triebenbacher, Lemme und Bork, 2023)
- Eichenprozessionsspinner — Umweltbundesamt (UBA)