Ratgeber Baumgesundheit

Baumpilze bestimmen

Ein Pilz am Stamm ist fast immer ein Zeichen für Fäule im Holz. Hier siehst du, welcher Pilz an welchem Baum wächst, welche Fäule er verursacht und wann ein Baum dadurch gefährlich werden kann.

Illustration von drei Baumpilzen: ein großer Flacher Lackporling am Stamm, gezonte Schmetterlingstrameten auf einem Ast und ein Birkenporling an einem weißen Birkenstamm
Illustration (KI-generiert, nur zur Orientierung)

Kurz gesagt

Baumpilze bestimmen beginnt mit drei Fragen: An welchem Baum und wo wächst der Pilz (Stammfuß, Stamm, Ast)? Ist der Fruchtkörper eine harte, mehrjährige Konsole oder ein weicher, einjähriger Pilz? Sitzt er einzeln, in Büscheln oder als schwarze Kruste? Zunderschwamm, Birkenporling, Riesenporling und Brandkrustenpilz lassen sich so meist eingrenzen. Fruchtkörper sind laut BFW immer ein Warnsignal für die Stand- und Bruchsicherheit.

  • Weißfäule baut Zellulose und Lignin ab, das Holz wird hell und faserig; Braunfäule baut vor allem Zellulose ab, das Holz wird braun und zerfällt würfelig.
  • Der Brandkrustenpilz gilt laut BFW als einer der gefährlichsten Holzzersetzer; seine schwarzen Krusten am Stamm übersieht man leicht.
  • Diese Seite behandelt keine Essbarkeit. Keine App und kein Foto kann einen Pilz sicher essbar machen.

Pilze, die am Stamm, am Stammfuß oder an Ästen eines Baumes wachsen, ernähren sich fast immer vom Holz. Ihr Geflecht, das Myzel, lebt unsichtbar im Stamm; was du siehst, ist nur der Fruchtkörper (WSL). Diese Seite hilft dir, die acht häufigsten Baumpilze in Deutschland, Österreich und der Schweiz einzugrenzen und einzuschätzen, was sie für den Baum bedeuten. Essbarkeit ist hier kein Thema: Keine App und kein Foto kann einen Pilz sicher essbar machen.

Pilz am Baum: so liest du die Zeichen

Bevor du einen Namen suchst, schau auf vier Dinge. Sie grenzen die Möglichkeiten stärker ein als die Farbe.

  1. Welcher Baum? Viele Pilze sind wählerisch. Der Birkenporling wächst nur an Birken, der Zunderschwamm in Mitteleuropa vor allem an Buchen und Birken, der Riesenporling sehr häufig an Buchen. Bestimme also zuerst den Baum.
  2. Wo am Baum? Pilze am Stammfuß und an den Wurzeln deuten auf Fäule im Wurzelbereich, die die Standsicherheit betrifft. Pilze hoch am Stamm oder an Ästen betreffen eher die Bruchsicherheit.
  3. Hart oder weich? Harte, holzige Konsolen, die viele Jahre am Baum bleiben, sind etwas anderes als fleischige Fruchtkörper, die nach wenigen Wochen verschwinden. Ein einjähriger Pilz kann monatelang unsichtbar sein.
  4. Form. Einzelne Konsolen, dachziegelartig übereinander stehende Hüte, Büschel mit Stiel und Ring oder flache schwarze Krusten: Jede Form passt zu anderen Arten.

Fotografier immer den ganzen Baum, den Pilz von oben und von unten und die Stelle, an der er sitzt.

Die acht wichtigsten Baumpilze

Pilz Typischer Baum Wo Fruchtkörper Fäule
Zunderschwamm Buche, Birke Stamm hart, aschgrau, konsolenförmig, mehrjährig Weißfäule
Birkenporling nur Birke Stamm korkig, bleibt bis ins nächste Jahr sitzen Braunfäule
Schwefelporling ältere Robinien, Kirsche Stamm Hüte dachziegelartig übereinander, auffällig gefärbt Braunfäule im Kernholz
Riesenporling Buche befällt über die Wurzeln sehr groß, fleischig, cremefarben bis hellbraun, Spätsommer und Herbst Wurzelfäule
Hallimasch Buche, Kirsche und viele andere Stamm, Stammfuß Büschel mit Stiel und Ring, Herbst Schwächeparasit, auch im Kambium
Flacher Lackporling Buche, Kirsche starkes Holz erscheint bei fortgeschrittener Zersetzung Weißfäule
Schuppiger Porling Kirsche Stamm lebender Bäume Hut mit Schuppen Weißfäule
Brandkrustenpilz Buche und zahlreiche Laubbäume Stamm, alte Stöcke schwarze Krusten, im Frühjahr grau mit weißem Rand intensive Weißfäule, dazu Moderfäule

Zunderschwamm (Fomes fomentarius)

Konsolenförmig, meist aschgrau, mit konzentrischen Zonen; jung zäh und korkig, alt hart und holzig. Die Fruchtkörper können laut WSL bis zu 30 Jahre alt werden. Der Pilz befällt geschwächte und absterbende Bäume als Schwäche- oder Wundparasit und verursacht eine Weißfäule, die Holz relativ schnell zerstört. Wichtig für die Sicherheit: Große, noch belaubte Buchen mit Fruchtkörpern können plötzlich zusammenbrechen.

Birkenporling (Fomitopsis betulina)

Nur an Birken. Laut LWF ist er ein aggressiver Parasit, der eine äußerst aggressive Braunfäule verursacht und die Birke ziemlich schnell zum Absterben bringt. Die Fruchtkörper sind korkig, nicht holzhart; sie sterben im Winter ab, sitzen aber oft noch am Holz, wenn im nächsten Jahr neue nachwachsen. Tote Birken zerbrechen deshalb beim Umstürzen oft in mehrere Stücke.

Schwefelporling (Laetiporus sulphureus)

Seine Konsolen stehen dachziegelartig übereinander und fallen laut LWF aktuell durch ihre intensive Färbung auf; der Name verweist auf das Schwefelgelb. Die LWF nennt ihn einen Braunfäulepilz an alten, lebenden und toten Laubbäumen. Er befällt laut LWF öfters ältere Robinien und verursacht dort eine Braunfäule im Kernholz; als Braunfäuleerreger kennt die LWF ihn auch an Kirschen.

Riesenporling (Meripilus giganteus)

Der Pilz mit den größten Fruchtkörpern Mitteleuropas wächst sehr häufig an Buchen (LWF). Die fleischigen, cremefarbenen bis hellbraunen Fruchtkörper entstehen im Spätsommer und Herbst innerhalb weniger Wochen und können ebenso schnell wieder verschwinden. Ralf Petercord vom NRW-Landwirtschaftsministerium nennt ihn einen typischen Schwächeparasiten, der ältere Bäume über die Wurzeln befällt; befallene Bäume können mit verfaultem Wurzelwerk bei vergleichsweise guter Belaubung nahezu unvermittelt umstürzen (top agrar). Fruchtkörper sind ein Zeichen für einen weit fortgeschrittenen Befall.

Hallimasch (Armillaria)

Büschelige Fruchtkörper mit Stiel und Ring, die im Herbst ganze Buchenstämme überziehen können. Der häufigste an der Buche, der Fleischfarbene Hallimasch, hat blasse Hüte und gelbe Flocken am Ring, am Hutrand und am Stiel. Er tritt als Schwächeparasit auf. An Kirschen können sich Hallimasch-Arten laut LWF im Kambium festsetzen und einen raschen Tod des Baumes herbeiführen. An Eschen folgt er oft dem Eschentriebsterben, siehe Eschentriebsterben erkennen.

Flacher Lackporling (Ganoderma lipsiense)

Er zeigt laut LWF die deutlichste Vorliebe aller häufigen Pilze für starkes Holz und kommt in buchenreichen Wäldern regelmäßig vor; an Kirschen erscheint er bei fortgeschrittener Zersetzung. Lackporling-Arten verursachen laut LWF an Robinien eine Weißfäule.

Schuppiger Porling (Polyporus squamosus)

Die LWF zählt ihn zu den Weißfäuleerregern, die regelmäßig an Kirschen auftreten, oft schon am Stamm noch lebender Bäume. Wie sein Name sagt, trägt der Hut Schuppen. Für die genaue Bestimmung hilft eine Pilzberatungsstelle.

Brandkrustenpilz (Kretzschmaria deusta)

Der unscheinbarste und einer der gefährlichsten. Das BFW beschreibt eine intensive Weißfäule, zu der eine Moderfäule kommen kann; bei hoher Holzfeuchte kann er die Stand- und Bruchsicherheit stark gefährden. An der Buche bildet er schwarze, blasenförmige Krusten; im Frühjahr erscheint darauf eine graue Form mit weißem Rand, die laut LWF am Stamm oft besser zu erkennen ist als die schwarzen Krusten.

Weißfäule, Braunfäule: was das für die Standsicherheit heißt

Holz besteht vor allem aus Zellulose und Lignin. Bei der Weißfäule bauen Pilze beides ab; das Holz wird weißlich und oft faserig. Bei der Braunfäule bauen sie hauptsächlich die Zellulose ab; das Holz wird bräunlich und zerfällt würfelig (WSL). Häufig ist die Stabilität des Baumes durch eine Kernfäule beeinträchtigt, und er kann am Stamm oder am Stock brechen.

Laut BFW beeinflussen holzzerstörende Pilze massiv die Stand- und Bruchsicherheit. Viele Fäulepilze sind nur kurz sichtbar oder bleiben im Holz oder Wurzelbereich verborgen. Manche zersetzen Holz langsam oder Teile, die für die Stabilität weniger wichtig sind; dann kann ein Baum lange leben, ohne seine Verkehrssicherheit zu verlieren. Ein Fruchtkörper ist deshalb kein Todesurteil, aber immer ein Grund zu prüfen.

Wen du fragen solltest

  • Pilz an einem Baum im Garten, an Weg, Spielplatz oder Haus: ein Baumpfleger oder Baumsachverständiger. Er prüft, wie weit die Fäule reicht. Geh bis dahin nicht unter den Baum, wenn er an einer Stelle mit Publikumsverkehr steht.
  • Baum an Straße oder in einem Park: das Grünflächen- oder Ordnungsamt der Gemeinde.
  • Waldbäume: das Forstamt.
  • Nur die Art des Pilzes: eine Pilzberatungsstelle in deiner Nähe.

Schlag den Pilz nicht ab und fäll den Baum nicht selbst. Ein Baum mit Fäule bricht anders, als man erwartet. Andere Krankheitszeichen an Blättern, Krone und Rinde findest du im Ratgeber Baumkrankheiten erkennen.

Fotos und die App

Mit Tree Identifier bestimmst du zuerst den Baum: Ein Foto von Blatt, Rinde oder ganzem Baum reicht für einen Namensvorschlag, wenn du etwa nicht weißt, ob die Konsole an einer Buche oder einer Hainbuche sitzt (mehr dazu unter Buche erkennen). Das Werkzeug „Diagnostizieren“ gibt aus einem Foto des befallenen Stamms eine KI-Ersteinschätzung mit Schweregrad-Stufe und wahrscheinlicher Ursache, und du kannst darunter nachfragen, etwa welche Fäule ein Pilz verursacht. Das ist eine schnelle erste Meinung, keine Pilzbestimmung durch Fachleute und kein Gutachten zur Standsicherheit. Weil viele Fruchtkörper nach wenigen Wochen verschwinden, ist das Foto mit Datum im Verlauf der App oft der einzige Beleg, den du dem Baumpfleger später zeigen kannst.

Was ein Foto nicht klären kann

  • Ein Foto zeigt den Fruchtkörper, nicht die Fäule im Holz. Wie weit sie reicht, messen Fachleute mit Schonhammer oder Bohrwiderstand.
  • Viele Baumpilze sind einjährig und nur wenige Wochen sichtbar; wo kein Pilz zu sehen ist, kann trotzdem Fäule sein.
  • Die genaue Art mancher Pilze, etwa der Hallimasch-Arten, lässt sich nur mit Mikroskop oder Labor bestimmen.

Häufige Fragen

Ist ein Pilz am Baum gefährlich?

Nicht jeder, aber jeder verdient einen zweiten Blick. Laut BFW ist ein Fruchtkörper immer ein Warnsignal, das genauer hinterfragt werden muss, und er kann höchste Gefahr anzeigen. Manche Pilze zersetzen Holz langsam oder in Teilen, die für die Stabilität wenig zählen. Den Unterschied beurteilt ein Baumsachverständiger.

Welche Baumpilze sind essbar?

Diese Seite behandelt keine Essbarkeit. Viele Baumpilze haben giftige Doppelgänger, und keine App und kein Foto kann einen Pilz sicher essbar machen. Iss nie einen Pilz, den du über eine Webseite oder eine App bestimmt hast.

Was ist der weiße Pilz am Baumstamm?

Das hängt vom Baum ab. Große, fleischige, cremefarbene bis hellbraune Fruchtkörper an einer Buche im Spätsommer können der Riesenporling sein; an Birken wächst der korkige Birkenporling. Myzel unter loser Rinde am Stammfuß kann Hallimasch sein. Ein Foto des Pilzes mit dem ganzen Baum hilft der Fachperson.

Kann man Baumpilze entfernen, um den Baum zu retten?

Nein. Der Fruchtkörper ist nur der sichtbare Teil; das Myzel wächst laut WSL im Holz. Wer den Pilz abschlägt, entfernt die Fäule nicht und nimmt der Fachperson ein wichtiges Merkmal. Lass ihn dran und frag einen Baumpfleger.

Wie schnell fällt ein Baum mit Riesenporling um?

Das lässt sich ohne Untersuchung nicht sagen. Laut Ralf Petercord vom NRW-Landwirtschaftsministerium können befallene Buchen mit verfaultem Wurzelwerk bei guter Belaubung nahezu unvermittelt umstürzen, andere sterben langsam. Fruchtkörper zeigen einen weit fortgeschrittenen Befall. Das beurteilen nur Fachleute.

Quellen

  1. Baumschwämme (Rigling, 2021) — waldwissen.net, Eidg. Forschungsanstalt WSL
  2. Echter Zunderschwamm (Artenporträt) — Eidg. Forschungsanstalt WSL, Totholz und Habitatbäume
  3. Pilzfächer: Bestimmungshilfe für Baumpilze — waldwissen.net, Bundesforschungszentrum für Wald (BFW), Wien
  4. Die Pilzwelt der Buche (LWF Wissen 86) — Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF)
  5. Pilze an Birke (LWF-Bericht 28) — Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF)
  6. Pilze an der Kirsche (LWF Wissen 65) — Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF)
  7. Biotische Schaderreger an Robinie (LWF Wissen 84) — Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF)
  8. Riesenporling an Buche: Ist der Baum noch standsicher? — top agrar (Antwort von Dr. Ralf Petercord, Landwirtschaftsministerium NRW, 16.03.2024)

Aktualisiert am · Geschrieben vom Tree-Identifier-Team · So schreiben wir unsere Ratgeber

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Diese Seite bietet allgemeine Informationen zur Baumbestimmung. Entscheide nie anhand einer Seite oder App, ob eine Pflanze essbar, hautverträglich oder für Tiere unbedenklich ist; frage eine fachkundige Person vor Ort.