Ratgeber Baumgesundheit

Eschentriebsterben erkennen

Was du an einer kranken Esche siehst, in der Reihenfolge, in der die Krankheit fortschreitet: vom braunen Fiederblatt bis zur Nekrose am Stammfuß, die einen Baum an der Straße gefährlich macht.

Illustration des Eschentriebsterbens: Eschenzweig mit schwarzen Knospen und welkenden, schwarz verfärbten Fiederblättchen, eine rautenförmige Rindennekrose an einem Seitentrieb und winzige weiße Fruchtkörper auf einer Blattspindel
Illustration (KI-generiert, nur zur Orientierung)

Kurz gesagt

Eschentriebsterben erkennen kannst du an fünf Zeichen: unregelmäßig braune Flecken auf den Fiederblättern im Sommer, beige- bis orangebraune Rindennekrosen an Trieben, welke Blätter, die am Zweig hängen bleiben, eine lichte, verbuschte Krone mit vielen Ersatztrieben und abgestorbene Rinde am Stammfuß. Auslöser ist der Pilz Hymenoscyphus fraxineus. Nekrosen am Stammfuß mit Hallimasch können die Standsicherheit schnell mindern.

  • Prüf zuerst, ob es überhaupt eine Esche ist: gegenständige Fiederblätter und samtschwarze Knospen.
  • Die Rindennekrosen an jungen Trieben siehst du am besten im Winter, wenn der Baum kahl ist.
  • Bei einer Esche an Weg, Straße oder Haus mit toten Kronenteilen oder Schäden am Stammfuß gehört die Beurteilung zu einer Fachperson für Baumkontrolle.

Das Eschentriebsterben ist eine Pilzkrankheit, die in Bayern laut LWF erstmals im Herbst 2008 beobachtet wurde und inzwischen fast in ganz Europa vorkommt. Bevor du nach Symptomen suchst, prüf, ob der Baum wirklich eine Gemeine Esche ist: gegenständige Fiederblätter, samtschwarze Knospen, Büschel von Flügelfrüchten. Wie das geht, steht unter Esche erkennen. Diese Seite zeigt dir die Zeichen der Krankheit in der Reihenfolge, in der du sie am Baum prüfst, und sagt, wann du wen holen solltest.

Symptome: so prüfst du eine Esche in fünf Schritten

Die Symptome folgen dem Weg des Pilzes, vom Blatt über den Trieb bis in die Krone und am Ende zum Stammfuß. Die Beschreibung stammt aus dem Merkblatt 28 der LWF (Oktober 2019).

  1. Fiederblätter (Sommer). Unregelmäßige braune Verfärbungen auf den Blattspreiten der Fiederblätter sind das erste Zeichen einer Infektion. Die Blattspreite wird an der Stelle braun, an der die Spore gelandet ist.
  2. Triebe (Herbst bis Frühjahr). Deutlich später erscheinen beige-braune bis orange-braune Rindennekrosen an den Trieben. Im unbelaubten Zustand siehst du sie sehr deutlich. Das Holz darunter ist blau-grau bis dunkelbraun verfärbt, und die Verfärbung reicht über die Nekrose hinaus.
  3. Welke Blätter, die nicht fallen. Umfasst eine Nekrose den ganzen Trieb, ist die Wasserversorgung des Astes unterbrochen. Die Blätter darüber welken und sterben ab, bleiben aber noch längere Zeit am Zweig hängen, weil keine Trennungszone gebildet wird.
  4. Krone. Unter den Nekrosen treiben schlafende Knospen aus. Die LWF nennt das eine „Verbuschung“: Die Krone wird lichter und buschiger, mit vielen kurzen Ersatztrieben. Junge Eschen sterben rasch ganz ab; bei alten Bäumen kann sich das Absterben über mehrere Jahre ziehen.
  5. Stammfuß. Am Fuß des Stammes entstehen Stammfußnekrosen, abgestorbene Rindenbereiche. Laut FVA Baden-Württemberg siehst du sie von außen oft erst, wenn das lebende Gewebe daneben dicker wird und die Rinde aufreißt. Sitzt Hallimasch darunter, lässt sich die Rinde meist leicht ablösen, und im Holz zeigen sich schwarze Linien.

Die Fruchtkörper des Erregers, das Falsche Weiße Stengelbecherchen, wachsen im Sommer unscheinbar auf den vorjährigen Blattspindeln am Boden. Du musst sie nicht finden, um die Krankheit zu erkennen.

Kronenstufen und Stammfuß: wie Fachleute den Zustand einstufen

Wer viele Eschen beurteilt, arbeitet mit Stufen. Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) bewertet die Krone in sechs Stufen von 0 bis 5, mit einem eigenen Schema für die belaubte Krone im Sommer und einem für die kahle Krone im Winter. Die Winteransprache hält sie für die bessere, weil kein Laub die Schäden verdeckt (NW-FVA auf waldwissen.net).

Den Stammfuß stuft die NW-FVA in drei Stufen ein:

Stufe Stammfuß Was du siehst
0 gesund Rinde geschlossen, kein Hinweis auf Fäule
1 schwache oder frische Nekrose kleine abgestorbene Rindenstelle, Holz kaum zersetzt
2 starke oder fortgeschrittene Nekrose große oder mehrere Nekrosen, Holz deutlich zersetzt

Für die Einstufung zählen Größe, Anzahl und Lage der Nekrosen und wie weit das Holz zersetzt ist. Oft liegen sie unter Moos oder Borke; Fachleute klopfen deshalb mit einem Schonhammer, um totes Holz unter gesund wirkender Rinde zu hören. Dazu zählt die NW-FVA die Wasserreiser am Stamm, also Triebe direkt aus der Rinde (keine, wenige, viele).

Wie verbreitet das ist, zeigt eine Erhebung der FVA in Baden-Württemberg vom Sommer 2015 an 2.325 Eschen: Bei 39,2 % des Eschenvorrats waren mehr als 60 % der Krone entlaubt, bei 17,5 % gab es Stammfußnekrosen. Nur 6,7 % galten als langfristig überlebensfähig, ohne Stammfußnekrose und mit wenig Kronenschaden (FVA auf waldwissen.net, Stand der Erhebung 2015).

Standsicherheit: wann eine kranke Esche gefährlich wird

Die Krone allein sagt wenig darüber, ob ein Baum umfallen kann. Gefährlich wird es vor allem am Stammfuß. Laut FVA besiedelt der Hallimasch die vom Eschentriebsterben abgetötete Rinde und vergrößert die Nekrosen; er verursacht eine fortschreitende Fäule in Wurzeln und Stammfuß, die diese brüchig macht. Am häufigsten betroffen sind junge Bestände auf nassen Standorten. Die NW-FVA nennt Stammfußnekrosen einen Hauptgrund für das Absterben, weil sie die Standsicherheit und damit die Verkehrssicherheit stark beeinflussen.

Die LWF nennt vier Fälle, in denen schnelles Handeln nötig ist:

  • ältere, stark befallene Eschen mit mehr als 80 % Laubverlust,
  • großflächiges Absterben in jungen Pflanzungen,
  • Eschen mit Stammfußnekrosen, an denen das Myzel des Hallimaschs zu finden ist, weil er die Standfestigkeit schnell beeinträchtigen kann,
  • Eschen mit abgestorbenen Ästen und Kronenteilen entlang von Wegen.

Alte Eschen mit stark befallener Krone und viel Totholz an Wegen und in öffentlichen Anlagen sollten laut LWF öfter kontrolliert werden. Das Fällen einer kranken Esche ist keine Arbeit für Laien: Abgestorbene Kronenteile können brechen, und die LWF empfiehlt bei der Holzernte Maschinen oder Seilwinden. Wenn du Brennholz aus einem Eschenbestand selbst werben willst, frag vorher beim Förster nach.

Wen du anrufen solltest

  • Eschen im eigenen Garten oder an der Grundstücksgrenze: ein Baumpfleger oder Baumsachverständiger. Er beurteilt Krone und Stammfuß und sagt, ob der Baum stehen bleiben kann. Vorher lohnt ein Blick in die Baumschutzsatzung deiner Gemeinde.
  • Eschen im Wald: das zuständige Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (Bayern), sonst die Forstbehörde deines Bundeslands. Die LWF verweist für die Beratung zu geschädigten Waldbeständen auf diese Ämter.
  • Eschen an Straße, Schule oder Spielplatz: das Grünflächen- oder Ordnungsamt der Gemeinde, denn dort liegt meist die Pflicht zur Verkehrssicherung.

Fäll keine Esche, nur weil sie Symptome zeigt. Laut LWF gilt ein Baum als partiell resistent, wenn nicht mehr als 10 % seiner Triebe geschädigt sind, und solche Bäume sollten möglichst lange stehen bleiben, damit sie ihre Widerstandskraft an Nachkommen weitergeben können. Die FVA beschreibt diese Resistenz als genetisch bedingt und vererbbar.

Verwechslungen und Fotos für den Verlauf

Nicht jede welke Esche hat Eschentriebsterben. Trockenheit und Frost lassen Blätter ebenfalls welken, und Fiederblätter haben auch Eberesche, Götterbaum und Eschenahorn. Die Eberesche führt die LWF sogar als Ersatzbaumart für die Esche. Typisch für das Eschentriebsterben ist die Kombination: braune Fiederblätter, orangebraune Nekrosen an jungen Trieben, Ersatztriebe in der Krone. Andere Krankheiten nach Baumteil sortiert zeigt der Ratgeber Baumkrankheiten erkennen, die Pilze am Stammfuß der Ratgeber Baumpilze bestimmen.

Mit der iPhone-App Tree Identifier kannst du zuerst prüfen, ob der Baum eine Esche ist. Das Werkzeug „Diagnostizieren“ gibt dir aus einem Foto eine KI-Ersteinschätzung mit einer Schweregrad-Stufe von gesund bis schwer, einer wahrscheinlichen Ursache und Hinweisen zu Behandlung und Vorbeugung; darunter kannst du Fragen stellen. Das ist eine schnelle erste Meinung, keine Laboruntersuchung und kein Gutachten zur Standsicherheit. Nützlich ist die App vor allem als Fotoprotokoll: Fotografier dieselbe Esche jedes Jahr im Juli und im Winter aus derselben Richtung. Jede Bestimmung bleibt mit Datum in deinem Verlauf in Tree Identifier, und wenn du den Standort erlaubst, liegt der Baum auf der Baumkarte. So siehst du, ob die Krone lichter wird, und kannst dem Baumpfleger zeigen, wie sie vor zwei Jahren aussah.

Was ein Foto nicht klären kann

  • Ein Foto zeigt Blätter und Krone, aber keine Stammfußnekrose unter Moos oder dicker Borke: Die findet eine Fachperson oft erst mit dem Schonhammer.
  • Ob eine Esche standsicher ist, kann weder eine App noch diese Seite beurteilen. Für einen Baum an Weg oder Haus ist eine Baumkontrolle durch Fachleute nötig.
  • Welke Eschenblätter können auch von Trockenheit oder Frost kommen; erst das Muster aus Blatt, Trieb und Krone spricht für Eschentriebsterben.

Häufige Fragen

Wie sieht Eschentriebsterben am Anfang aus?

Laut LWF zeigen unregelmäßige Braunfärbungen auf den Blattspreiten der Fiederblätter die erste Infektion. Die orangebraunen Rindennekrosen an den Trieben werden erst deutlich später sichtbar, im Herbst des Infektionsjahres oder im folgenden Frühjahr.

Ist Eschentriebsterben ansteckend für andere Bäume?

Der Pilz befällt Eschen. Die Infektion läuft laut LWF ausschließlich über Sporen, die im Sommer auf vorjährigen Blattspindeln am Boden entstehen. Befallenes Holz ist nicht infektiös; gefällte kranke Eschen können laut LWF im Bestand bleiben.

Muss ich eine Esche mit Eschentriebsterben fällen?

Nicht automatisch. Die LWF rät, wenig befallene Eschen möglichst lange stehen zu lassen, weil sie partiell resistent sein könnten. Schnelles Handeln nennt sie bei Stammfußnekrosen mit Hallimasch und bei toten Kronenteilen an Wegen. Ob dein Baum dazu gehört, entscheidet ein Baumpfleger oder Baumsachverständiger vor Ort.

Kann man Eschentriebsterben behandeln?

Eine direkte Bekämpfung, etwa mit Fungiziden oder durch Beseitigen des Laubs, ist laut LWF wegen der weiten Verbreitung des Pilzes und der langen Infektionszeit von Juni bis Oktober nicht möglich. Auch ein Rückschnitt befallener Triebe ergibt nach LWF keinen Sinn, weil jedes Jahr neue Infektionen folgen.

Wie gefährlich ist eine kranke Esche?

Laut FVA lässt Hallimasch an Stammfußnekrosen Wurzeln und Stammfuß faulen, sodass sie brechen können. Die NW-FVA nennt Stammfußnekrosen einen Hauptgrund für das Absterben, weil sie die Standsicherheit stark beeinflussen. Eine Esche an Straße, Spielplatz oder Haus gehört deshalb zur Baumkontrolle.

Quellen

  1. Merkblatt 28: Eschentriebsterben (Oktober 2019) — Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF)
  2. Sicherheitsrisiko durch Stammfußnekrosen an Eschen, insbesondere auf Nassstandorten — waldwissen.net, FVA Baden-Württemberg (Metzler und Herbstritt, 2014)
  3. Eschentriebsterben: vielfältige Symptome im Blick bei der Bonitur geschädigter Eschen — waldwissen.net, NW-FVA (Peters, Langer und Kätzel)
  4. Monitoring zu Ausmaß und Entwicklung des Eschentriebsterbens — waldwissen.net, FVA Baden-Württemberg

Aktualisiert am · Geschrieben vom Tree-Identifier-Team · So schreiben wir unsere Ratgeber

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