Ratgeber Baumgesundheit
Rußrindenkrankheit am Ahorn erkennen
Ein Pilz lässt vor allem Bergahorne welken und die Rinde abplatzen, darunter liegt schwarzer Sporenstaub. Woran du die Krankheit aus Abstand erkennst, warum die Sporen die Lunge belasten können und wen du anrufst.

Kurz gesagt
Die Rußrindenkrankheit erkennst du an einem Ahorn, meist einem Bergahorn, an dieser Folge: Zuerst welken die Blätter und die Krone bekommt tote Äste, am Stamm treiben viele Wasserreiser. Dann schwillt die Rinde polsterartig an und platzt schuppen- oder streifenförmig ab, darunter liegt ein schwarzer, rußartiger Sporenbelag. Die Sporen können laut LGL Bayern eine Entzündung der Lungenbläschen auslösen: Halte Abstand und fass nichts an.
- Schwarzer Staub unter abplatzender Rinde an einem Ahorn ist das Leitsymptom. Die zitierten Stellen nennen bisher nur Ahornarten als Wirte.
- Abstand mindestens in Höhe des Baums halten, rät das LGL Bayern; Allergiker und Menschen mit Lungenerkrankungen sind besonders gefährdet.
- Fällen nur durch Fachbetriebe mit Atemschutz. Eine Meldepflicht besteht laut LWF nicht, den Verdacht bestätigt der Pflanzenschutzdienst.
Die Rußrindenkrankheit ist eine Pilzkrankheit des Ahorns. Der Erreger, Cryptostroma corticale, lebt oft lange unbemerkt im Holz und bricht aus, wenn der Baum unter Hitze und Trockenheit leidet. Am Ende platzt die Rinde ab und gibt einen schwarzen Belag aus Millionen Sporen frei. Für den Baum endet das oft tödlich, für Menschen können die Sporen die Lunge belasten. Diese Seite zeigt dir die Symptome in der Reihenfolge, in der du sie am Baum siehst, und sagt, was du tun und lassen solltest. Anleitungen zum Fällen oder Behandeln stehen hier bewusst nicht; das gehört in die Hände von Fachleuten.
Symptome am Baum: von der Krone bis zum Stammfuß
Schau dir den Baum aus einigen Metern Abstand an. Das LGL Bayern rät, zu befallenen Bäumen mindestens so viel Abstand zu halten, wie der Baum hoch ist.
1. Ist es ein Ahorn? Laut LWF-Merkblatt Nr. 52 trifft die Krankheit vor allem den Bergahorn, deutlich seltener Spitz- und Feldahorn, in Städten auch Silberahorn und Eschenahorn. Ahorne haben gegenständige, handförmig gelappte Blätter und geflügelte Doppelfrüchte; wie du die Arten trennst, steht unter Spitzahorn und Bergahorn unterscheiden.
2. Blätter und Krone. Als erste Symptome nennt die LWF Welkeerscheinungen und Blattchlorosen, also gelblich verfärbte Blätter. Das Pflanzenschutzamt Berlin beschreibt vorzeitigen Blattfall und absterbende Äste in der Krone bis zum Tod des ganzen Baums. Stark geschwächte Bäume kann der Pilz laut Berlin innerhalb einer Vegetationsperiode zum Absterben bringen.
3. Stamm: Wasserreiser und Schleimfluss. Am unteren und mittleren Stamm treiben viele dünne Stresstriebe, die Wasserreiser. Zu Beginn zeigen sich laut Pflanzenschutzamt Berlin auch Rinden- und Kambiumnekrosen und Schleimflussflecken am Stamm.
4. Rinde: Polster, Abplatzungen, schwarzer Belag. Unter der Rinde bilden sich schwarzbraune Sporenlager, die Rinde schwillt bläschen- oder polsterartig an. Später platzt sie schuppen- oder streifenförmig am Stamm und an starken Ästen ab, und der namensgebende, schwarze, rußartige Belag wird sichtbar. Er ist laut LWF mehrere Millimeter dick und enthält über 100 Millionen Sporen je Quadratzentimeter; das LGL Bayern nennt 100 bis 170 Millionen.
5. Stammfuß. Wind und Regen tragen die Sporen nach unten: Die Vegetation am Stammfuß ist laut LGL typischerweise schwarz gefärbt.
6. Holz. Im Splintholz zeigen sich großflächige Verfärbungen, laut LWF grün-bräunlich, laut Pflanzenschutzamt Berlin blaugrün. Nach dem Absterben setzt laut Berlin oft rasch eine Weißfäule ein, die den Baum schnell seine Standfestigkeit verlieren lässt.
Wenn du einen kranken Ahorn fotografierst, tu das aus Abstand und ohne die Rinde zu berühren. Mit dem Werkzeug „Diagnostizieren“ in Tree Identifier bekommst du aus einem Foto eine KI-Ersteinschätzung mit Schweregrad-Stufe und möglicher Ursache, und du kannst unter dem Ergebnis nachfragen. Das ist eine erste Meinung, keine Laboruntersuchung: Bei Verdacht auf Rußrindenkrankheit, bei einem großen Baum oder einem Baum an Weg, Haus oder Spielplatz gehört die Entscheidung zu Fachleuten.
Die Sporen: was sie für Menschen bedeuten
Das LGL Bayern beschreibt zwei Krankheitsbilder durch die Sporen:
- Allergie: Eine Sensibilisierung, bei erneutem Kontakt allergische Reaktionen wie allergischer Schnupfen oder Asthma.
- Exogen-allergische Alveolitis, auch Holzarbeiter-Lunge genannt, eine Entzündung der Lungenbläschen. Die akute Form beginnt 4 bis 12 Stunden nach dem Kontakt mit grippeähnlichen Beschwerden, Atemnot in Ruhe, Reizhusten, Fieber, Schüttelfrost sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Die chronische Form führt zu einem Umbau des Lungengewebes mit Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Leistungsabfall, Gewichtsabnahme und zunehmender Atemnot unter Belastung.
Wer besonders gefährdet ist. Laut LGL Beschäftigte mit intensivem, häufigem Kontakt zu den Sporen, etwa in der Forstarbeit, und Menschen mit allergischer Grunderkrankung oder vorbelasteter Lunge. Das Pflanzenschutzamt Berlin nennt Waldarbeiter und Baumpfleger, die bei Schnitt- und Fällarbeiten länger mit den Sporen in Kontakt sind. Spaziergänger gelten laut LGL nach derzeitigem Wissensstand als gering gefährdet; Allergiker können im Einzelfall vorsorglich Schutzmaßnahmen erwägen.
Was du tun solltest. Halte mindestens eine Baumlänge Abstand, berühr weder Rinde noch Sporenbelag und nimm kein Holz mit. Achte auch auf herabfallende Äste: Das LGL rät, sich in weit fortgeschrittenen Befallsbeständen nur mit erhöhter Vorsicht aufzuhalten. Hast du nach einem Kontakt Beschwerden, lass sie ärztlich abklären und erwähne die Ahornsporen. Bei Atemnot oder einer schweren Reaktion wähl den Notruf 112.
Fällen, Brennholz und Meldepflicht
Fällen ist Sache von Fachbetrieben. Ein befallener Ahorn an einer Straße, einem Weg oder einem Haus sollte laut LWF zeitnah entnommen werden, weil der Eigentümer für die Verkehrssicherheit verantwortlich ist. In geschlossenen Wäldern dürfen erkrankte Bäume dagegen stehen bleiben, weil sich der Pilz nicht mehr eindämmen lässt. Die LWF beschreibt, dass absterbende Bäume beim Fällen wie Glas zersplittern können, und empfiehlt maschinelle Verfahren, Atemschutz und Schutzausrüstung; das LGL nennt grundsätzlich Partikelfilter-Atemmaske und Schutzkleidung. Fäll einen solchen Baum deshalb nicht selbst, sondern beauftrage einen Baumpfleger oder Fachbetrieb, der mit der Rußrindenkrankheit Erfahrung hat.
Kein Brennholz. Die LWF rät, erkrankte und auch gesunde Ahorne aus befallenen Beständen weder weiterzuverarbeiten noch als Brennholz zu nutzen, weil sich auf gelagertem Holz Sporen entwickeln können. In Deutschland wurde der Pilz 1964 in Berlin erstmals an gelagertem Holz nachgewiesen. Wie du Ahorn im Holzstapel überhaupt erkennst, steht im Ratgeber Brennholz erkennen.
Meldepflicht. In LWF aktuell 1/2022 schreibt die LWF: Ein Verdacht kann vom zuständigen Pflanzenschutzdienst untersucht und bestätigt werden, in Bayern von der LWF für Waldflächen und von der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) für Flächen außerhalb des Waldes. Eine Meldepflicht besteht nicht (Stand der Quelle 2022, gelesen am 30.10.2026). In anderen Bundesländern, in Österreich und der Schweiz fragst du den Pflanzenschutzdienst oder die Forstbehörde deines Landes beziehungsweise Kantons. Für einen Baum auf öffentlichem Grund ist die Gemeinde der erste Ansprechpartner.
Verbreitung und warum die Krankheit zunimmt
Die LWF fasst die Geschichte so zusammen: Erstbefund 1945 in England an Bergahorn, in Deutschland 1964 in Berlin an gelagertem Holz, erste Waldschäden 2005 im Rheingraben in Baden-Württemberg, in Bayern der Erstfund im Sommer 2018 auf der Fränkischen Platte bei Würzburg. Im Berliner Stadtgebiet wies das Pflanzenschutzamt den Pilz 2013 an absterbenden Bergahornen nach. Die breite Verbreitung in Mitteleuropa folgte laut LWF auf das Trockenjahr 2003.
Der Pilz gilt als wärmeliebend. Laut LWF aktuell tritt die Krankheit meist nach Trockenstress und Hitze auf, und mit dem Klimawandel ist eine weitere Ausbreitung zu erwarten. In jungen Beständen, den Stangenhölzern, tritt sie laut LWF öfter auf und schreitet schneller voran. Wenn du einen verdächtigen Ahorn über mehrere Sommer beobachtest, speichert Tree Identifier jedes Foto mit Datum im Verlauf, und die Baumkarte merkt sich den Standort; das hilft, wenn du der Gemeinde oder dem Pflanzenschutzdienst zeigen willst, seit wann die Krone welkt. Weitere Krankheiten nach Baumteil sortiert der Ratgeber Baumkrankheiten erkennen.
Was ein Foto nicht klären kann
- Ein Foto kann den Pilz nicht nachweisen. Den Befall bestätigt der Pflanzenschutzdienst mit einer Untersuchung.
- Ob ein befallener Ahorn noch standsicher ist, beurteilt eine Fachperson für Baumkontrolle vor Ort; abgestorbene Bäume können laut Pflanzenschutzamt Berlin rasch ihre Standfestigkeit verlieren.
- Ob deine Beschwerden von Sporen kommen, klärt nur eine Ärztin oder ein Arzt.
Häufige Fragen
Ist die Rußrindenkrankheit für Menschen gefährlich?
Die Sporen können laut LGL Bayern eine Allergie und eine exogen-allergische Alveolitis auslösen, eine Entzündung der Lungenbläschen. Besonders gefährdet sind Menschen, die intensiv mit Sporen arbeiten, und Menschen mit Allergien oder Lungenvorerkrankungen. Hast du nach Kontakt Beschwerden, lass sie ärztlich abklären; bei Atemnot ruf den Notruf 112.
Welche Symptome hat die Rußrindenkrankheit beim Menschen?
Das LGL Bayern beschreibt für die akute Alveolitis grippeähnliche Beschwerden 4 bis 12 Stunden nach Kontakt: Atemnot in Ruhe, Reizhusten, Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen. Die chronische Form zeigt sich mit Müdigkeit, Gewichtsabnahme und zunehmender Atemnot unter Belastung. Sag dem Arzt, dass du Kontakt mit Ahornsporen hattest.
Gibt es eine Meldepflicht für die Rußrindenkrankheit?
Laut LWF aktuell 1/2022 besteht keine Meldepflicht. Ein Verdacht kann in Bayern vom Pflanzenschutzdienst untersucht und bestätigt werden, im Wald von der LWF, außerhalb des Waldes von der LfL. In anderen Bundesländern, in Österreich und der Schweiz frag den dortigen Pflanzenschutzdienst (gelesen am 30.10.2026).
Kann ich befallenes Ahornholz als Brennholz nutzen?
Nein. Die LWF rät, erkrankte und auch gesunde Ahorne aus befallenen Beständen weder weiterzuverarbeiten noch als Brennholz zu nutzen, weil sich auf gelagertem Holz Sporen entwickeln können.
Befällt die Rußrindenkrankheit auch Buche, Linde oder Kastanie?
Die hier zitierten Stellen nennen nur Ahornarten: vor allem Bergahorn, seltener Spitz-, Feld- und Silberahorn sowie den Eschenahorn. Ob weitere Baumarten betroffen sind, wird laut LWF noch untersucht. Schwarzer Belag an einer Buche oder Linde kann andere Ursachen haben; lass ihn von einer Fachperson ansehen.
Quellen
- Rußrindenkrankheit — Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)
- Ahorn-Rußrindenkrankheit, LWF-Merkblatt Nr. 52 — Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), auf waldwissen.net
- Rußrindenkrankheit an Ahorn (Nicole Burgdorf, LWF aktuell 1/2022, S. 24) — Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF)
- Rußrindenkrankheit am Ahorn, Merkblatt Januar 2026 — Pflanzenschutzamt Berlin