Baumvergleich
Spitzahorn und Bergahorn: so unterscheidest du sie
Beide haben fünflappige, gegenständige Blätter und geflügelte Früchte. Lange Blattspitzen und Milchsaft heißen Spitzahorn; stumpfe, gesägte Lappen und Schuppenborke heißen Bergahorn.

Kurz gesagt
Der Unterschied zwischen Spitzahorn und Bergahorn zeigt sich am schnellsten am Blattstiel: Bricht man ihn ab, tritt beim Spitzahorn weißer Milchsaft aus, beim Bergahorn nicht. Dazu laufen die Blattlappen des Spitzahorns in lange Spitzen aus, die des Bergahorns sind stumpf und gesägt, unten graugrün behaart. Der Spitzahorn blüht im April in aufrechten Schirmen vor dem Laub, der Bergahorn in hängenden Rispen beim Austrieb.
- Blattstiel abbrechen: weißer Milchsaft heißt Spitzahorn, klarer Saft oder keiner heißt Bergahorn.
- Flügelwinkel der Früchte: fast rechtwinklig beim Bergahorn, deutlich weiter gespreizt beim Spitzahorn.
- Borke älterer Bäume: in Schuppen abblätternd beim Bergahorn, längsrissig und kaum abblätternd beim Spitzahorn.
Bestimmungsmerkmale auf einen Blick
- Wissenschaftlicher Name
- Acer platanoides und Acer pseudoplatanus
- Familie
- Sapindaceae (Seifenbaumgewächse)
- Typ
- Laubbaum, sommergrün
- Blattlappen
- Spitzahorn: fünf Lappen, die in lange, feine Spitzen auslaufen, mit wenigen spitzen Zähnen. Bergahorn: fünf stumpfere, einfach bis doppelt gesägte Lappen, Blattgrund herzförmig.
- Blattunterseite
- Spitzahorn: etwas heller, nur auf den Adern behaart. Bergahorn: graugrün und dicht behaart, mit bräunlichen Haarbüscheln in den Aderwinkeln.
- Milchsaft
- Spitzahorn: Blattstiel enthält weißen Milchsaft. Bergahorn: kein Milchsaft.
- Knospen
- Spitzahorn: kahl, eiförmig, rotbraun (TUM) bzw. grün und rot (Woodland Trust), liegen dem Zweig an. Bergahorn: kräftig, spitz, gelbgrün, abstehend, Endknospe von zwei kleineren flankiert.
- Blüte
- Spitzahorn: gelbgrün, in aufrechten Schirmrispen bis 8 cm, im April kurz vor dem Laub. Bergahorn: gelbgrün, in langen, hängenden Rispen, April bis Mai mit dem Laubaustrieb.
- Früchte
- Beide geflügelte Doppelfrüchte. Bergahorn: Flügel fast im rechten Winkel, Früchte um 5 cm. Spitzahorn: Flügel weiter gespreizt.
- Borke
- Spitzahorn: grau bis dunkelbraun, fein längsrissig, blättert kaum ab. Bergahorn: jung glatt und graugrün, im Alter in Schuppen abblätternd.
- Größe und Alter
- Spitzahorn: um 20 bis 25 m. Bergahorn: 30 bis 40 m, laut Woodland Trust 200 bis 400 Jahre alt, in Kultur über 500.
Spitzahorn (Acer platanoides) und Bergahorn (Acer pseudoplatanus) wachsen in Deutschland, Österreich und der Schweiz in Wäldern, Parks und an Straßen, oft nebeneinander. Beide haben fünflappige, gegenständige Blätter und die bekannten „Propeller“-Früchte. Mit sechs Merkmalen trennst du sie sicher, und das erste brauchst du nur ein frisches Blatt.
Der Milchsaft-Test und die Blattspitzen
Milchsaft. Brich einen Blattstiel ab oder drück ihn zusammen. Beim Spitzahorn tritt weißer Milchsaft aus; das nennen sowohl die Forstwissenschaft der TUM als auch der Woodland Trust. Der Bergahorn hat laut TUM keinen Milchsaft im Blattstiel. Das ist der schnellste Test, er funktioniert aber nur am frischen Blatt.
Blattspitzen. Der Spitzahorn trägt seinen Namen zu Recht: Die fünf Lappen laufen in lange, feine Spitzen aus, und am Rand sitzen nur wenige spitze Zähne. Die Lappen des Bergahorns sind stumpfer und am ganzen Rand einfach bis doppelt gesägt; der Blattgrund ist herzförmig. Der Woodland Trust gibt für das Bergahornblatt 7 bis 16 cm an.
Blattunterseite. Dreh das Blatt um. Beim Bergahorn ist die Unterseite graugrün und dicht behaart, mit bräunlichen Haarbüscheln in den Aderwinkeln, die Oberseite dunkelgrün und kahl. Beim Spitzahorn ist die Unterseite nur etwas heller und bloß auf den Adern behaart. Junge Bergahorne haben laut Woodland Trust oft rote Blattstiele; die TUM beschreibt die Stiele als lang und rötlich.
| Merkmal | Spitzahorn | Bergahorn |
|---|---|---|
| Milchsaft im Blattstiel | ja, weiß | nein |
| Blattlappen | lang zugespitzt, wenige Zähne | stumpfer, rundum gesägt |
| Blattunterseite | etwas heller, Adern behaart | graugrün, dicht behaart |
| Blüte | aufrecht, April, vor dem Laub | hängend, April bis Mai, mit dem Laub |
| Flügelwinkel | weit gespreizt | fast rechtwinklig |
| Knospen | eiförmig, rötlich, anliegend | spitz, gelbgrün, abstehend |
| Borke im Alter | längsrissig, kaum abblätternd | in Schuppen abblätternd |
| Höhe | um 20 bis 25 m | 30 bis 40 m |
Wenn das Blatt zu hoch hängt, fotografier es mit Tree Identifier von unten oder heb ein frisch gefallenes Blatt auf. Die App nennt Namen und Merkmale, aber keinen Sicherheitswert und keine Liste ähnlicher Arten. Den Milchsaft musst du ohnehin selbst prüfen.
Blüte im Frühling: aufrecht oder hängend
Im April lohnt ein Blick in die Krone, denn die beiden Ahorne blühen unterschiedlich.
Spitzahorn. Die gelbgrünen Blüten stehen laut TUM in aufrechten Schirmrispen bis 8 cm und öffnen sich im April kurz vor dem Laubaustrieb. Ein blühender Spitzahorn leuchtet deshalb von Weitem gelbgrün, während die meisten anderen Bäume noch kahl sind. Der Woodland Trust zählt bis zu 30 Blüten je Büschel.
Bergahorn. Seine kleinen gelbgrünen Blüten hängen in langen, behaarten Rispen und erscheinen vor allem im April und Mai, während die Blätter austreiben. Laut TUM blüht ein Bergahorn meist erst ab einem Alter von etwa 30 Jahren.
Hängende Blütentrauben zwischen jungen Blättern heißen also Bergahorn, aufrechte Blütenbüschel an noch kahlen Zweigen Spitzahorn.
Früchte und Knospen
Flügelwinkel. Beide Arten tragen geflügelte Doppelfrüchte, die beim Fallen kreiseln. Beim Bergahorn stehen die beiden Flügel laut TUM fast im rechten Winkel zueinander, die Früchte sind um 5 cm lang. Beim Spitzahorn ist der Winkel weniger spitz, die Flügel stehen weiter auseinander. Der Woodland Trust nennt den engeren Flügelwinkel als das Merkmal, das den Bergahorn von Spitz- und Feldahorn trennt. Andere Bäume mit „Propellern“, von der Esche bis zur Ulme, vergleicht der Ratgeber Baum mit Propeller-Samen.
Knospen im Winter. Der Bergahorn hat kräftige, spitze, gelbgrüne Knospen mit wenigen Schuppen, die vom Zweig abstehen; an der Spitze sitzt eine große Endknospe zwischen zwei kleineren. Seine Zweige beschreibt der Woodland Trust als rosabraun und kahl. Die Knospen des Spitzahorns sind kahl und eiförmig, laut TUM rotbraun mit leicht gefransten Schuppen, laut Woodland Trust grün und rot; die seitlichen Knospenpaare liegen eng am Trieb. Wie du andere Bäume an ihren Knospen bestimmst, erklärt der Ratgeber Bäume bestimmen im Winter.
Borke, Wuchs und Standort
Borke. Der Bergahorn hat in der Jugend eine glatte, graugrüne Rinde; im Alter wird sie silbrig bis graubraun, reißt auf und blättert in Schuppen ab. Der Woodland Trust beschreibt alte Borke als rau und grau, grün und braun gefleckt. Der Spitzahorn behält eine dunklere, fein längsrissige Borke, die kaum abblättert. Diese Schuppenborke unterscheidet den Bergahorn auch auf Abstand.
Größe. Der Bergahorn erreicht laut TUM 30 bis 40 m und gehört damit zu den großen Laubbäumen. Der Spitzahorn bleibt mit etwa 20 bis 25 m deutlich kleiner.
Standort. Der Bergahorn liebt laut TUM kühles, feuchtes Klima und lockere, nährstoffreiche Böden; am häufigsten ist er in buchenreichen Wäldern des Hügel- und Berglands, in Städten leidet er oft unter Trockenheit und wenig Wurzelraum. Der Spitzahorn ist ein verbreiteter Straßen- und Parkbaum; der Woodland Trust nennt seine Toleranz für verdichtete Böden, Schatten und Abgase als Grund dafür. Steht also ein Ahorn an einer heißen Innenstadtstraße, ist es häufiger ein Spitzahorn.
Gesundheit. Der Woodland Trust weist darauf hin, dass der Bergahorn anfällig für Pilzkrankheiten ist, darunter die Rußrindenkrankheit, die Welke und Absterben der Krone verursachen kann. Fällt dir an einem Bergahorn abblätternde Rinde mit schwarzem, rußartigem Belag auf, fass sie nicht an und frag beim zuständigen Forst- oder Grünflächenamt nach. Die Diagnose-Funktion von Tree Identifier kann einen ersten Hinweis zum Zustand geben, ersetzt aber keine Fachperson vor Ort.
Feldahorn, Platane und Gartenahorne
Nicht jeder Ahorn ist Spitz- oder Bergahorn. Der Feldahorn, der dritte heimische Ahorn, hat viel kleinere, stumpf gelappte Blätter und waagrecht gespreizte Flügel; alle drei vergleicht das Porträt Ahorn erkennen. Einen Ahorn mit gefiederten Blättern beschreibt Eschenahorn erkennen.
Häufig verwechselt wird auch die Platane, deren Blätter wie ein Ahornblatt gelappt sind. Sie stehen aber einzeln und versetzt am Zweig, nicht paarweise gegenüber, und die Platane trägt Kugeln statt Flügelfrüchten. Ein Hinweis zum Namen: Britische Quellen nennen den Bergahorn „Sycamore“. Das ist kein Baum, den du hier suchen musst, sondern genau unser Bergahorn.
Rotlaubige Spitzahorn-Sorten und Gartenahorne mit fein geschlitzten Blättern passen oft nicht in die Tabelle. Der Spitzahorn gehört zur Sammlung (Collection) von Tree Identifier, dem Katalog mit 138 Arten, der sich füllt, während du Bäume bestimmst; den Fundort kannst du auf der Baumkarte der App speichern und im Frühjahr zur Blüte wiederkommen.
Ähnliche Arten und wie du sie unterscheidest
Feldahorn (Acer campestre)
Der dritte heimische Ahorn hat viel kleinere Blätter mit drei bis fünf stumpfen Lappen und Früchte, deren Flügel waagrecht auseinanderstehen. Beim Bergahorn ist der Flügelwinkel laut Woodland Trust enger als bei Feld- und Spitzahorn.
Platane (Platanus)
Ahornähnliche, gelappte Blätter, aber einzeln und versetzt am Zweig statt paarweise gegenüber. Dazu Rinde, die in Platten abblättert, und kugelige Fruchtstände an langen Stielen statt Flügelfrüchten.
Was ein Foto nicht klären kann
- Die Blattform schwankt je nach Stelle im Baum und zwischen Jungpflanzen und alten Bäumen. Vergleiche mehrere Blätter, nicht nur eines.
- Den Milchsaft siehst du nur am frischen Blatt, nie auf einem Foto. Bei Falllaub vom Vortag ist der Test oft nicht mehr eindeutig.
- Sorten mit roten, gefleckten oder geschlitzten Blättern passen oft nicht in die Tabelle. Die gegenständige Stellung zeigt dann nur, dass es ein Ahorn ist.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich den Spitzahorn am schnellsten?
Brich einen Blattstiel ab oder drück ihn zusammen: Tritt weißer Milchsaft aus, ist es ein Spitzahorn. Der Bergahorn hat keinen Milchsaft. Zur Kontrolle schau auf die Blattlappen: Beim Spitzahorn laufen sie in lange, feine Spitzen aus.
Welcher Ahorn hat hängende Blüten?
Der Bergahorn. Seine kleinen gelbgrünen Blüten hängen in langen, behaarten Rispen und erscheinen im April und Mai zusammen mit den Blättern. Der Spitzahorn blüht in aufrechten Schirmrispen, schon im April kurz vor dem Laubaustrieb, so dass der Baum gelbgrün leuchtet.
Wie unterscheide ich Spitzahorn und Bergahorn im Winter?
An den Knospen: Der Bergahorn hat kräftige, spitze, gelbgrüne Knospen, die vom Zweig abstehen. Die Knospen des Spitzahorns sind kahl, eiförmig, rötlich und liegen enger am Zweig. Dazu die Borke: Schuppig abblätternd heißt Bergahorn.
Welcher Ahorn wird größer?
Der Bergahorn. Die TUM gibt ihm 30 bis 40 m, der Woodland Trust bis 35 m. Der Spitzahorn erreicht laut TUM um 20 m, laut Woodland Trust etwa 25 m.
Sind Spitzahorn und Bergahorn heimisch?
Ja, beide gehören mit dem Feldahorn zu den heimischen Ahornen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In Großbritannien dagegen gelten beide als eingeführt; deshalb nennen britische Quellen den Bergahorn Sycamore, was im Deutschen nichts mit der Platane zu tun hat.
Quellen
- Acer platanoides L. - Spitzahorn — Forstwissenschaft & Ressourcenmanagement (TUM), BayernCollab
- Acer pseudoplatanus L. - Bergahorn — Forstwissenschaft & Ressourcenmanagement (TUM), BayernCollab
- Sycamore (Acer pseudoplatanus) — Woodland Trust
- Norway maple (Acer platanoides) — Woodland Trust
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