Ratgeber Obstbäume

Obstbäume bestimmen an Blatt, Rinde und Blüte

Apfel, Birne, Kirsche, Zwetschge und Pfirsich lassen sich auch ohne Früchte auseinanderhalten. Die Sorte ist eine andere Frage, und dafür brauchst du die Früchte und eine Fachperson.

Illustration blühender und fruchtender Zweige von Apfel, Birne, Pflaume, Kirsche und Pfirsich auf cremefarbenem Grund
Illustration (KI-generiert, nur zur Orientierung)

Kurz gesagt

Obstbäume bestimmst du zuerst am Blattstiel und an der Rinde. Rote Drüsen am Blattstiel und glänzende, quer gebänderte Rinde zeigen eine Kirsche; lange, schmale, eingerollte Blätter einen Pfirsich. Runde, silbrig behaarte Knospen und rosa überhauchte Blüten sprechen für den Apfel, spitze, kahle Knospen und eine längsrissige, gefelderte Borke für die Birne. Die Sorte lässt sich nur an reifen Früchten bestimmen.

  • Kirsche: 2 bis 3 rote Nektardrüsen am Blattstiel und Rinde mit waagrechten Korkwarzenbändern, die sich quer abrollt.
  • Apfel oder Birne im Winter: Der Hausapfel hat rundliche, silbrig behaarte Knospen, die Hausbirne spitze bis stumpfe, kahle, abstehende Knospen.
  • Für eine Sortenbestimmung verlangt Arche Noah 6 Äpfel oder Birnen beziehungsweise 10 Marillen, Kirschen oder Zwetschken, mit vollständigem Stiel.

Obstbäume bestimmen heißt zuerst: die Art erkennen. Ob Apfel, Birne, Kirsche, Zwetschge oder Pfirsich, verraten Blatt, Rinde, Knospen und Blüte, auch im Winter und ohne eine einzige Frucht. Die Sorte, etwa 'Boskoop' oder 'Williams Christ', ist eine andere Aufgabe, die reife Früchte und pomologische Erfahrung verlangt. Iss nie eine Frucht, einen Kern oder eine Nuss, nur weil eine Webseite oder eine App sie benennt; frag eine kundige Person vor Ort.

Die fünf Obstbäume im Vergleich

Apfel Birne Kirsche Zwetschge, Pflaume Pfirsich
Blatt Meist länglich, teilweise bis stark behaart Länglich, kahl bis behaart; Herbstfarbe gelb bis rot 8 bis 15 cm, unregelmäßig gesägt; 2 bis 3 rote Drüsen am Stiel Eiförmig, etwa 5 bis 10 cm, fein gesägt, oberseits behaart 5 bis 15 cm lang, schmal, lang zugespitzt; rollt sich längs der Mittelrippe ein
Knospe Groß, rundlich, silbrig behaart Spitz bis stumpf, kahl, abstehend Glänzend rotbraun, eiförmig Klein Klein
Rinde Plattig wie beim Bergahorn oder glatt Längsrissig, Borke grob gefeldert Glänzend rotbraun mit Querbändern, später grau und flach rissig Dünn, dunkelbraun, glatt Grau mit Querstreifen, im Alter rau und schuppig
Blüte Außen rosa bis rot, innen weiß; ungestielte Dolde Weiß; gestielte Doldentraube Weiß, 2 bis 6 in Dolden, kurz vor dem Laub Weiß, einzeln oder zu zweit, vor dem Laub Rosa, einzeln oder zu zweit, vor dem Laub

Apfel und Birne stammen aus den Tabellen der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft zu Haus- und Holzobst (LWF Wissen 23, Stand 2/99), die Kirsche vom Forstbotanischen Garten Göttingen, Zwetschge und Pfirsich aus den Pflanzenprofilen der NC State University. In Österreich heißt die Zwetschge Zwetschke, die Aprikose Marille.

Blätter: zuerst den Stiel ansehen

Nimm ein typisches Blatt aus dem äußeren, sonnigen Teil der Krone und schau dort hin, wo die Blattspreite in den Stiel übergeht.

  • Kirsche. Der Forstbotanische Garten Göttingen beschreibt bei der Vogelkirsche einen 2 bis 5 cm langen Blattstiel mit 2 bis 3 auffälligen roten Nektardrüsen. Die Blätter sind 8 bis 15 cm lang, verkehrt eiförmig mit langer Spitze, tief und unregelmäßig gesägt, oben glänzend. Im Herbst färben sie sich leuchtend orangerot.
  • Pfirsich. Laut NC State sind die Blätter 2 bis 6 Zoll (etwa 5 bis 15 cm) lang, aber nur 1 bis 4 cm breit, lang zugespitzt und gesägt, mit zwei kleinen Drüsen nahe am Blattgrund. Typisch: Sie rollen sich längs der Mittelrippe nach innen.
  • Zwetschge. Die Blätter der Pflaume (Prunus domestica) sind laut NC State eiförmig, 2 bis 4 Zoll (etwa 5 bis 10 cm) lang, fein gesägt und auf der Oberseite behaart.
  • Apfel und Birne. Am Blatt allein sind sie schwer zu trennen: Die LWF nennt beide Blätter „meist länglich“ und unterschiedlich stark behaart. Hier helfen Knospen, Rinde und Blüte weiter.

Alle fünf Obstbäume haben wechselständige Blätter. Mehr zu Blattformen und Blatträndern steht im Ratgeber Baum bestimmen nach Blatt.

Rinde und Knospen: Obstbäume im Winter erkennen

Im Winter, wenn Gärtnerinnen und Gärtner schneiden, fragen viele nach den Knospen. Die LWF-Tabellen geben für Apfel und Birne klare Unterschiede:

  • Hausapfel: Knospen größer und rundlich, braun, durch Behaarung silbrig; Zweige behaart; Rinde plattig, ähnlich wie beim Bergahorn, oder glatt.
  • Hausbirne: Knospen größer, spitz bis stumpf, abstehend und kahl; Zweige rotbraun; Rinde längsrissig, die Borke grob gefeldert.

Die Kirsche erkennst du an ihrer Rinde fast sofort. Junge Bäume haben laut Göttingen eine glatte, glänzend rotbraune Rinde mit waagrechten Bändern aus Korkwarzen, die sich in Querstreifen abrollt; alte Stämme werden grau und flach rissig. Die Knospen sind glänzend rotbraun und eiförmig, die Zweige glatt und rötlich. Die Zwetschge hat laut NC State eine dünne, dunkelbraune Rinde, die auch am alten Baum glatt bleibt, und kann einzelne Dornen tragen. Der Pfirsich zeigt eine graue Rinde mit waagrechten Korkwarzen, die mit dem Alter rau und schuppig wird. Wie du Rinde allgemein liest, erklärt der Ratgeber Baum bestimmen an der Rinde.

Blüte: Farbe, Blütenstand und Zeitpunkt

Im Frühjahr ist die Bestimmung am leichtesten, weil die fünf Bäume verschieden blühen:

  • Pfirsich: rosa, einzeln oder zu zweit, 2,5 bis 4 cm groß, duftend, vor dem Laubaustrieb.
  • Zwetschge: weiß, fünf Kronblätter mit langen Staubblättern, einzeln oder zu zweit, vor dem Laub.
  • Kirsche: reinweiß, zu 2 bis 6 in doldenartigen Büscheln an 2 bis 5 cm langen Stielen, im April und Mai kurz vor dem Laubaustrieb.
  • Birne: weiß, in gestielten Doldentrauben; Blüte laut LWF etwa Mitte April bis Anfang Mai, je nach Jahr, Standort und Höhenlage.
  • Apfel: außen rosa bis rot, innen weiß, in ungestielten, armblütigen Dolden; Blüte etwa Ende April bis Anfang Juni.

Wann welcher Baum in Deutschland blüht, zeigt Welcher Baum blüht jetzt. Zur Kirsche und ihren Zierformen gibt es eine eigene Seite: Kirsche erkennen.

Wildobst oder verwilderter Kulturbaum

Auf Streuobstwiesen, an Waldrändern und Feldwegen stehen oft kleinfrüchtige Bäume, die wie Wildobst aussehen. Die LWF-Tabellen (Rudolf Kühn, 2000) nennen die Merkmale der echten Holzbirne (Pyrus pyraster): Seitentriebe mit echter Dornenspitze, kleine, fast runde Blätter an langen Stielen, die halb bis anderthalb so lang sind wie die Blattspreite, und runde Früchte von etwa 2 bis 3 cm mit großen, erhaltenen Kelchblättern. Beim Holzapfel (Malus sylvestris) sind es dünne, „filigrane“ Zweige, kleine spitze, rotbraune Knospen, Scheindornen aus Kurztrieben und gelbe Früchte von 2 bis 3,5 cm mit herbsaurem, bitterem Geschmack.

Kühn warnt aber, dass sich Holz- und Kulturobst seit Jahrtausenden gekreuzt haben. Von über 300 untersuchten Bäumen, meist auf der Schwäbischen Alb, erfüllten nur rund 10 Birnen und 10 Äpfel seine strengen Kriterien. Ein dorniger, kleinfrüchtiger Birnbaum ist also meist eine Kreuzung oder eine Mostbirne. Kühn schreibt außerdem, dass 95 % der heutigen Kulturobstsorten aus Zufallssämlingen entstanden sind; ein Baum, der aus einem Kern gewachsen ist, hat deshalb oft gar keinen Sortennamen.

Die Sorte bestimmen: Früchte und Fachleute

Die Art kannst du selbst bestimmen, die Sorte meist nicht. Sorten unterscheiden sich vor allem an Form, Farbe, Geschmack und Reifezeit der Früchte. Wie aufwendig das ist, zeigt das Einsendeformular des österreichischen Vereins Arche Noah: Für eine Bestimmung braucht der Verein bei Apfel und Birne 6 gut ausgebildete, durchschnittliche Früchte, bei Marille, Kirsche und Zwetschke 10, ohne Wurm und Fäulnis und mit vollständigem Stiel. Dazu kommen Angaben zum Baum: landläufiger Name, Alter, Standort, Seehöhe, Baumform, Reifezeit und Haltbarkeit der Früchte. Arche Noah betont, dass keine Garantie besteht, dass jede Einsendung zweifelsfrei bestimmt werden kann, weil Standort, Jahr oder Reifegrad sortentypische Merkmale verwischen.

Sammle also im Herbst reife, typische Früchte, notiere das Erntedatum und frag beim örtlichen Obst- und Gartenbauverein oder bei einer pomologischen Bestimmungsstelle nach. Auch alte Pflanzpläne oder Etiketten der Baumschule sind wertvoll. Ein Walnussbaum ist übrigens kein Kernobst, sondern hat eine eigene Seite: Walnuss erkennen.

Mit dem Foto bestimmen

Ein scharfes Foto eines Blattes, der Blüte oder der Rinde reicht Tree Identifier, einer iPhone-App, meist für die Art: Apfel, Birne, Kirsche (Prunus avium), Pflaume, Pfirsich, Aprikose und Mandel gehören zur Collection, dem Katalog mit 138 Arten, der sich füllt, während du Bäume bestimmst. Eine Sorte nennt die App nicht, und sie zeigt keinen Konfidenzwert; prüf das Ergebnis also mit den Tests oben, etwa den Drüsen am Blattstiel. Für Schnitt- und Pflegefragen hilft der Chat unter dem Ergebnis. Sieht ein Obstbaum krank aus, kann die Funktion Diagnose von Tree Identifier eine erste Einschätzung geben; bei Verdacht auf eine ernste Krankheit wie Feuerbrand gehört die Frage aber an den Pflanzenschutzdienst deines Bundeslands oder Kantons. NC State nennt die Steine des Pfirsichs wegen ihrer Blausäureverbindungen giftig: Was du essen darfst, entscheidet keine App.

Was ein Foto nicht klären kann

  • Ein Foto kann die Art (Apfel, Birne, Kirsche, Zwetschge, Pfirsich) nennen, aber nicht die Sorte: Arche Noah bestimmt Sorten nur an mehreren typischen Früchten und gibt selbst dann keine Garantie.
  • Veredelte Obstbäume können unterhalb der Veredelungsstelle aus der Unterlage austreiben; ein solcher Trieb gehört zu einer anderen Pflanze als die Krone darüber.
  • Zierkirschen, Blutpflaumen und Zieräpfel sind enge Verwandte der Obstbäume; ohne Früchte trennt ein Foto sie nicht immer.

Häufige Fragen

Wie erkenne ich einen Apfelbaum ohne Äpfel?

An Knospen, Rinde und Blüte. Die LWF beschreibt die Knospen des Hausapfels als größer, rundlich und durch Behaarung silbrig, die Rinde als plattig wie beim Bergahorn oder glatt. Die Blüten sind außen rosa bis rot und innen weiß und sitzen in ungestielten Dolden.

Wie unterscheide ich Apfelbaum und Birnbaum?

Im Winter an den Knospen: rundlich und behaart beim Apfel, spitz bis stumpf, kahl und abstehend bei der Birne. Die Birnenborke ist längsrissig und gefeldert. Im Frühjahr blüht die Birne rein weiß in gestielten Doldentrauben, der Apfel rosa überhaucht in ungestielten Dolden.

Wie erkenne ich einen Kirschbaum?

Am Blattstiel: Bei der Vogelkirsche trägt er laut Forstbotanischem Garten Göttingen 2 bis 3 auffällige rote Nektardrüsen. Junge Rinde ist glatt, glänzend rotbraun, mit waagrechten Korkwarzenbändern, die sich quer abrollen. Die weißen Blüten öffnen sich im April und Mai kurz vor dem Laub.

Gibt es eine App, die Obstsorten erkennt?

Eine Foto-App kann die Art benennen, also Apfel, Birne, Kirsche oder Zwetschge, aber keine Sorte zuverlässig. Sorten unterscheiden sich vor allem an den Früchten. Selbst Fachleute brauchen dafür mehrere typische Früchte und Angaben zu Reifezeit, Standort und Alter des Baums.

Ist das eine Wildbirne oder eine verwilderte Kulturbirne?

Die echte Holzbirne trägt laut LWF Seitentriebe mit echter Dornenspitze, kleine, fast runde Blätter an langen Stielen und 2 bis 3 cm große Früchte mit großen, erhaltenen Kelchblättern. Keines dieser Merkmale reicht allein; viele Bäume sind Kreuzungen mit Kulturbirnen.

Quellen

  1. Charakteristisches vom Holzobst für den forstlichen Praktiker (LWF Wissen 23, Tab. 5 und 6) — Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), Rudolf Kühn
  2. Prunus avium / Vogel-Kirsche — Forstbotanischer Garten, Georg-August-Universität Göttingen
  3. Obstsortenbestimmung (Einsendeformular) — Verein Arche Noah, Schiltern (Österreich)
  4. Prunus domestica (common plum) — North Carolina Extension Gardener Plant Toolbox, NC State University
  5. Prunus persica (peach) — North Carolina Extension Gardener Plant Toolbox, NC State University

Aktualisiert am · Geschrieben vom Tree-Identifier-Team · So schreiben wir unsere Ratgeber

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