Baumporträt

Kirschbaum erkennen: die Vogelkirsche und ihre Verwandten

Quer laufende Korkwarzen auf glänzend rotbrauner Rinde, zwei rote Drüsen am Blattstiel und weiße Blüten in Büscheln vor dem Laub. So erkennst du die Vogelkirsche und jeden Süßkirschbaum.

Illustration eines Kirschzweigs mit weißen Blüten, zwei roten Kirschen an langen Stielen, einem gesägten Blatt und glänzender rotbrauner Ringelborke
Illustration (KI-generiert, nur zur Orientierung)

Kurz gesagt

Einen Kirschbaum erkennen kannst du zuerst an der Rinde: Bei der Vogelkirsche (Prunus avium), der Stammart aller Süßkirschen, ist sie lange glatt, glänzend rotbraun und trägt schmale, quer laufende Korkwarzen, entlang derer sie sich in Bändern ablöst. Das Blatt ist 7 bis 15 cm lang, grob gesägt und hat am 2 bis 5 cm langen Stiel zwei oder mehr rötliche Drüsen. Die weißen Blüten stehen in Büscheln vor dem Laub.

  • Rote Drüsen oben am Blattstiel: Vogel- oder Süßkirsche. Kürzerer Stiel mit grünlichen Drüsen: Sauerkirsche.
  • Blüten in Büscheln von 2 bis 4 vor dem Laub: Vogelkirsche. Lange Trauben mit mehr als 10 Blüten zusammen mit dem Laub: Traubenkirsche.
  • Die bandförmig abrollende Rinde heißt Ringelborke, ist botanisch aber eine Korkschicht; echte, längsrissige Borke bildet die Kirsche erst im Alter.

Bestimmungsmerkmale auf einen Blick

Wissenschaftlicher Name
Prunus avium
Familie
Rosaceae (Rosengewächse)
Typ
Laubbaum, sommergrün
Rinde
Lange glatt, glänzend rot- oder graubraun mit schmalen, quer verlaufenden Korkwarzen; löst sich in Querstreifen ab. Erst spät eine längsrissige, schwarzgraue Borke (LWF).
Blätter
Wechselständig, verkehrt eiförmig bis oval, zugespitzt, 7 bis 15 cm lang, grob gesägt, oft schlaff hängend; unterseits auf den Nerven behaart. Herbstfärbung rot oder gelb.
Blattstiel
2 bis 5 cm lang, mit zwei oder mehr glänzend rötlichen Drüsen nahe der Spreite (LWF; Info Flora: 1 bis 2 Drüsen).
Blüten
April bis Anfang Mai, kurz vor dem Laubaustrieb; zu 2 bis 4 (6) in Büscheln, lang gestielt, am Grund ohne Laubblätter. Fünf weiße Kronblätter.
Früchte
Reife im Juli. Kugelige Steinfrucht mit glattem Kern; Wildform unter 1 cm, schwarzrot. Info Flora: 8 bis 25 mm, rot bis schwarz.
Knospen und Triebe
Knospen ei- bis kegelförmig, spitz, mit vielen glänzend dunkelrotbraunen Schuppen; Seitenknospen stehen ab. Viele Kurztriebe mit Blütenknospen, alt als „Ringelspieße“.
Wuchs
Bis 20 (30) m (LWF), laut Info Flora bis 25 m; Stamm meist bis in den Wipfel durchgehend, junge Krone stockwerkartig, später breit kugelig.
Alter und Verbreitung
Höchstalter etwa 100 Jahre. Heimisch von Südengland und den Pyrenäen bis zum Kaukasus; in den Alpen regelmäßig bis 1.100 m (LWF).

Wenn in Deutschland, Österreich oder der Schweiz von „dem Kirschbaum“ die Rede ist, ist fast immer die Vogelkirsche (Prunus avium) gemeint oder eine ihrer Kultursorten, die Süßkirschen. In der Schweiz heißt die Kirsche Chriesi. Die Gattung Prunus umfasst laut Gregor Aas (LWF) etwa 200 Arten; in Mitteleuropa sind neben der Vogelkirsche vier weitere heimisch, darunter die Traubenkirsche, und dazu kommen Sauerkirsche, Pflaume und Zierkirschen. Den Kirschbaum erkennst du an drei Merkmalen, die du am besten in dieser Reihenfolge prüfst.

Ein Hinweis vorab, weil es um Früchte geht: Iss nie eine Beere, Nuss, einen Samen oder eine Hülse nur auf Grundlage einer Webseite oder einer App; frag eine kundige Person vor Ort.

So erkennst du einen Kirschbaum: Rinde, Blattstiel, Blüte

1. Die Rinde. Sie ist das auffälligste Merkmal: Laut LWF Wissen 65 behalten Stämme und Äste lange eine glatte, glänzend rotbraune Rinde mit schmalen, quer verlaufenden Korkwarzen. Entlang dieser Streifen lösen sich dünne Bänder und rollen sich seitlich ein, ähnlich wie bei der Birke. Der Volksname dafür ist Ringelborke. Aas weist darauf hin, dass der Name botanisch nicht stimmt, weil es sich um die Korkschicht handelt; eine echte, längsrissige, schwarzgraue Borke bildet die Kirsche erst im höheren Alter und nur an kräftigen Stämmen.

2. Der Blattstiel. Pflück ein Blatt und schau dort, wo der Stiel in die Blattfläche übergeht. Bei der Vogelkirsche sitzen dort zwei oder mehr glänzend rötliche Knötchen, die extrafloralen Nektardrüsen. Der Stiel ist 2 bis 5 cm lang, das Blatt 7 bis 15 cm, zugespitzt und grob gesägt. Laut LWF holen sich Ameisen an diesen Drüsen Nektar und schützen den Baum im Gegenzug vor blattfressenden Raupen.

3. Die Blüte. Im April und Anfang Mai blüht die Vogelkirsche, kurz bevor das Laub austreibt. Die weißen Blüten hängen an langen Stielen zu zwei bis vier, selten sechs, in Büscheln. Info Flora betont ein feines Detail: Am Grund dieser Büschel sitzen nur Knospenschuppen, keine kleinen Laubblätter.

Hast du nur ein Foto der Rinde oder eines Blattes, kann Tree Identifier damit die Art bestimmen. Die App zeigt keine Liste ähnlicher Arten, also prüf das Ergebnis am Blattstiel. Wann die Kirsche im Vergleich zu anderen Bäumen blüht, zeigt Welcher Baum blüht jetzt.

Vogelkirsche, Sauerkirsche oder Traubenkirsche

Am Waldrand und im Garten wachsen mehrere Kirschenarten nebeneinander. Die Tabelle zeigt die Merkmale, die sie trennen.

Merkmal Vogelkirsche Sauerkirsche Traubenkirsche Spätblühende Traubenkirsche
Blütenstand Büschel, 2–4 (6) Blüten – Lange Traube, über 10 Blüten –
Blütezeit April bis Anfang Mai, vor dem Laub – Zusammen mit dem Laub Mai bis Juni
Blatt 7–15 cm, grob gesägt Kürzer gestielt 5–10 cm, fein und gleichmäßig gezähnt Ledrig, oberseits glänzend
Drüsen am Stiel Rötlich Grünlich oder fehlend – –
Frucht Rot bis schwarz, glatter Kern – Glänzend schwarz, 7–9 mm Kelch bleibt an der Frucht

Ein Strich heißt: In den genutzten Quellen nicht angegeben. Die Angaben zur Sauerkirsche stammen aus LWF Wissen 65, die zur Traubenkirsche und zur Spätblühenden Traubenkirsche von Info Flora.

Die Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus) ist laut Aas ein Grundwasserzeiger und wächst auf feuchten bis nassen Böden, besonders in Auen. Die Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina) stammt aus dem östlichen Nordamerika, kam im 17. Jahrhundert als Ziergehölz nach Europa und wurde später in Kiefernwäldern als Laubholz beigemischt. Laut LWF breitet sie sich als Neophyt auf nährstoffarmen, sandigen Böden weiter stark aus.

Den Kirschbaum im Winter und als jungen Baum erkennen

Ohne Laub bleibt die Rinde das sicherste Merkmal. Dazu kommen die Zweige: Die Vogelkirsche gliedert ihre Krone laut LWF streng in Lang- und Kurztriebe. Die Kurztriebe bleiben unverzweigt, tragen eine schlanke Endknospe und mehrere dickere, seitliche Blütenknospen und werden mit den Jahren zu kleinen, geringelten Stummeln, den „Ringelspießen“. Ein Ast voller solcher Stummel mit Knospenbüscheln ist typisch für Kirschen. Die Knospen selbst sind ei- bis kegelförmig, spitz und glänzend dunkelrotbraun, oft mit hellem Rand; die Seitenknospen stehen vom Zweig ab. Mehr Winterknospen vergleicht der Ratgeber Bäume bestimmen im Winter.

Einen jungen Kirschbaum erkennst du an der Krone: Weil nur die obersten Knospen eines Langtriebs wieder Langtriebe bilden, baut sich die Krone laut LWF stockwerkartig auf, ähnlich wie bei einer Kiefer. Schon dünne Stämme tragen die glänzende Rinde mit Querstreifen. Wie sich diese Rinde von Birke, Buche oder Erle unterscheidet, zeigt Baum bestimmen an der Rinde, und die weiße Querbänderung der Birke erklärt Birke erkennen.

Wildkirsche und Kultursorten

Die Vogelkirsche ist laut LWF die Stammart der vielen Hundert Süßkirschsorten, die meist veredelt vermehrt werden. Die Wildform (Wilde Vogelkirsche, Waldkirsche) hat kleine, schwarzrote Früchte unter 1 cm Durchmesser; Süßkirschen tragen in der Regel größere. Die LWF unterscheidet zwei Sortengruppen: Herzkirschen mit weichen, sehr saftigen, dunkel- bis schwarzroten Früchten und dunkelrotem Saft, und Knorpelkirschen mit festen, gelben bis roten Früchten und farblosem Saft. Kirschkerne aus Siedlungen der Mittel- und Jungsteinzeit zeigen, dass die Früchte in Mitteleuropa seit acht- bis zehntausend Jahren genutzt werden.

Im Wald ist die Vogelkirsche nie häufig. Laut Aas wächst sie einzeln in krautreichen Laubmischwäldern, vor allem an Waldrändern und in Hecken, am besten auf frischen, nährstoffreichen Lehmböden. Sie erreicht 20, selten 30 m und laut LWF ein Höchstalter von etwa 100 Jahren. Die Vogelkirsche treibt weniger Wurzelbrut als Sauer- und Traubenkirsche; ein Dickicht aus Ausläufern rund um den Stamm spricht also eher für eine der beiden anderen. Andere Obstbäume im Garten, von Apfel bis Zwetschge, trennt der Ratgeber Obstbäume bestimmen.

Die Vogelkirsche und die Japanische Blütenkirsche (Prunus serrulata) gehören zu den Arten der Sammlung in Tree Identifier, einem Katalog von 138 Arten, der sich beim Bestimmen füllt. Speicherst du einen Fund mit Standort, findest du den Baum zur nächsten Blüte auf der Karte der App wieder.

Ähnliche Arten und wie du sie unterscheidest

Sauerkirsche, Weichsel (Prunus cerasus)

Das Blatt ist kürzer gestielt, und die Drüsen am Blattstiel sind, wenn überhaupt vorhanden, grünlich statt rot. Laut LWF bildet die Sauerkirsche außerdem mehr Wurzelbrut als die Vogelkirsche.

Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus)

Mehr als 10 Blüten hängen in langen Trauben und öffnen sich zusammen mit dem Laub statt davor. Die Blätter sind fein und gleichmäßig gezähnt, die Früchte glänzend schwarz und nur 7 bis 9 mm groß. Sie wächst gern auf nassen Böden.

Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina)

Ledrig derbe, oberseits glänzende Blätter, Blüten in Trauben erst im Mai und Juni, und an der reifen Frucht sitzt noch der Kelch. Ein Neophyt aus Nordamerika, vor allem auf sandigen Böden in Kiefernwäldern.

Hängebirke (Betula pendula)

Auch ihre Rinde löst sich in Querbändern, aber sie ist weiß mit schwarzen Rissen statt rotbraun-glänzend. Das Blatt ist klein, dreieckig bis rautenförmig und doppelt gesägt, ohne Drüsen am Stiel.

Was ein Foto nicht klären kann

  • Kultursorten, veredelte Bäume und Zierkirschen mischen Merkmale. Ein Foto bestimmt die Art, nicht die Sorte.
  • Die Drüsen am Blattstiel sind wenige Millimeter groß. Fotografiere sie aus der Nähe, sonst zeigt das Bild nur ein gesägtes Blatt.
  • Krankheiten des Kirschbaums sind nicht Thema dieser Seite. Für Gesundheitsfragen hilft eine Baumschule oder ein Baumpfleger vor Ort.

Häufige Fragen

Wie erkenne ich einen Kirschbaum im Winter?

An der glatten, glänzend rotbraunen Rinde mit quer laufenden Korkwarzen und an den Zweigen: Laut LWF sind die Knospen ei- bis kegelförmig, spitz, glänzend dunkelrotbraun, und viele sitzen in Büscheln an kurzen, geringelten Kurztrieben. Die dicken, runden Knospen dort sind Blütenknospen.

Woran erkenne ich einen jungen Kirschbaum?

An der Rinde, die schon an dünnen Stämmen glänzend rotbraun ist und Querstreifen aus Korkwarzen trägt, und am Blatt mit roten Drüsen am Stiel. Junge Vogelkirschen bauen ihre Krone laut LWF stockwerkartig auf, ähnlich wie eine Kiefer.

Wie unterscheide ich Süßkirsche und Sauerkirsche?

Am Blattstiel: Bei der Süßkirsche ist er 2 bis 5 cm lang und trägt rötliche Drüsen. Bei der Sauerkirsche ist er laut LWF kürzer, und die Drüsen sind, falls vorhanden, grünlich. Sauerkirschen treiben außerdem mehr Wurzelbrut.

Kann ich die Kirschsorte am Baum erkennen?

Nur grob. Die LWF unterscheidet zwei Sortengruppen der Süßkirsche: Herzkirschen mit weichen, dunklen Früchten und dunkelrotem Saft, Knorpelkirschen mit festen, gelben bis roten Früchten und farblosem Saft. Die einzelne Sorte bestimmt eine Baumschule oder ein Pomologe, keine App.

Ist die Vogelkirsche dasselbe wie die Süßkirsche?

Botanisch ja. Laut LWF ist die Vogelkirsche (Prunus avium) die Stammart der vielen Hundert Süßkirschsorten. Die Wildform hat kleine, schwarzrote Früchte unter 1 cm, Kultursorten tragen meist größere.

Quellen

  1. Die Vogelkirsche (Prunus avium) und ihre Verwandtschaft (LWF Wissen 65) — Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), Gregor Aas
  2. Prunus avium L. (Süsskirsche) — Info Flora, das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora
  3. Prunus padus L. (Traubenkirsche) — Info Flora
  4. Prunus serotina Ehrh. (Herbst-Traubenkirsche) — Info Flora

Aktualisiert am · Geschrieben vom Tree-Identifier-Team · So schreiben wir unsere Ratgeber

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