Ratgeber Früchte

Baum mit schwarzen Beeren: welcher ist es?

Schau zuerst, wie die Beeren am Zweig hängen, dann auf das Blatt. Neun Bäume und große Sträucher mit schwarzen Früchten in Deutschland, Österreich und der Schweiz, und warum du keine davon kosten solltest.

Illustration schwarzer Baumfrüchte: eine hängende Traube glänzender schwarzer Kirschen, brombeerartige Früchte an gelappten Blättern, kleine schwarze Beeren dicht am Zweig und dunkelblaue Früchte an langen Stielen
Illustration (KI-generiert, nur zur Orientierung)

Kurz gesagt

Ein Baum mit schwarzen Beeren ist in Mitteleuropa meist ein Schwarzer Holunder (gefiederte Blätter, flache Schirme aus knapp 1 cm großen Beeren), eine Spätblühende Traubenkirsche (lange, hängende Trauben, glänzende Blätter) oder ein Faulbaum (ganzrandige Blätter, Früchte erst rot, dann schwarz). Immergrün mit ledrigen Blättern heißt meist Kirschlorbeer. Iss nie eine Beere, weil eine Webseite oder eine App sie benennt.

  • Flache Schirme aus vielen kleinen schwarzen Beeren und gefiederte Blätter: Schwarzer Holunder.
  • Beeren in langen, hängenden Trauben: Traubenkirsche. Glänzende Blätter und Blüte Ende Mai sprechen für die Spätblühende Traubenkirsche aus Nordamerika.
  • Rote und schwarze Früchte gleichzeitig am Zweig: Faulbaum oder Wolliger Schneeball. Das BfR stuft beide als giftig ein.

Einen Baum mit schwarzen Beeren bestimmst du am sichersten in zwei Schritten: Erst schaust du, wie die Früchte am Zweig sitzen (flacher Schirm, lange Traube, einzeln in den Blattachseln), dann auf das Blatt. Viele der Kandidaten sind große Sträucher, die wie kleine Bäume wirken, und mehrere sind giftig. Iss nie eine Beere, Nuss oder Frucht, nur weil eine Webseite oder eine App sie benennt; frag eine kundige Person vor Ort.

Schwarze Beeren nach Fruchtstand und Blatt: die Übersicht

Fruchtstand Blatt Baum oder Strauch BfR-Einstufung
Flacher Schirm, 13 bis 20 cm breit Gefiedert, 3 bis 9 Blättchen Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) Laut TU Dresden mittelschwer
Lange, hängende Traube Glänzend, bis 12 cm, gesägt Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina) –
Einzeln oder in Büscheln, erst rot, dann schwarz Ganzrandig, 7 bis 9 Nervenpaare Faulbaum (Frangula alnus) ++
In Büscheln, Zweigenden dornig 2 bis 3 Nervenpaare Kreuzdorn (Rhamnus cathartica) +
Kugelige Steinfrüchte nach aufrechter Rispe Schmal, oft als Hecke geschnitten Liguster (Ligustrum vulgare) +
Aufrechte Traube, erst grün, dann rot, dann schwarz Ledrig, glänzend, immergrün Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) ++
Schirm, erst rot, dann schwarz Runzlig, unterseits graufilzig Wolliger Schneeball (Viburnum lantana) +
Brombeerartige Sammelfrucht Rau, ei- bis herzförmig, teils gelappt Schwarzer Maulbeerbaum (Morus nigra) –
Blauschwarze Beeren im Winter, am Stamm kletternd Immergrün Efeu (Hedera helix) ++

Die Kreuze stammen aus der Broschüre Risiko Pflanze des BfR (Stand 2017): +++ heißt schwere bis tödliche Vergiftungen möglich, ++ Vergiftungen mit weniger schwerem Verlauf, + leichte Vergiftungen. Ein Strich heißt nur, dass die Pflanze dort nicht aufgeführt ist, nicht dass sie harmlos wäre.

Flache Schirme und gefiederte Blätter: Schwarzer Holunder

Der Schwarze Holunder ist der Baum mit schwarzen Beeren, den die meisten Menschen meinen. Die NC State University beschreibt ihn als großen, mehrstämmigen Strauch oder kleinen Baum von etwa 3 bis 6 m. Seine Blätter sind gefiedert, mit 3 bis 9 eiförmigen, gesägten Blättchen. Im Frühsommer trägt er flache, schirmartige Blütenstände von 13 bis 20 cm Breite, ab dem Spätsommer glänzend schwarze Beeren von knapp 1 cm in großen, nickenden Schirmen. Wie du Schwarzen und Roten Holunder und den Attich trennst, zeigt die Seite Holunder erkennen.

Laut derselben Quelle enthalten Blätter, Wurzeln, Samen und Stängel Glykoside, die Blausäure freisetzen können. Die Beeren-Tabelle der TU Dresden stuft die schwarzen Holunderbeeren als mittelschweres Risiko ein. Ob und wie man Holunder verarbeitet, ist eine Frage für eine kundige Person vor Ort, nicht für eine Bestimmungsseite.

Achtung beim Verwechseln: Der Wollige Schneeball trägt ebenfalls Schirme, hat aber ungeteilte Blätter mit gesägtem Rand, die unterseits graufilzig sind; seine Früchte sind laut BfR erst rot, dann glänzend schwarz.

Lange Trauben: die Traubenkirschen

Hängen die Beeren in langen Trauben wie an einer Schnur, ist es eine Traubenkirsche. Die Spätblühende Traubenkirsche stammt aus Nordamerika und breitet sich in Wäldern aus. Die Universität Oldenburg beschreibt sie als Baumstrauch bis 20 m mit länglich-eiförmigen, zugespitzten, fein gesägten Blättern bis 12 cm, die oberseits glänzen und unterseits hell sind. Die weißen, duftenden Blüten erscheinen gegen Ende Mai; die Früchte sind erst violett-rot und reif schwarz. Die heimische Gewöhnliche Traubenkirsche hat dagegen matte, runzlige Blätter und blüht früher.

Beide sind Kirschen, und die Blüten- und Blattmerkmale der ganzen Gattung zeigt die Seite Kirsche erkennen.

Rot und schwarz zugleich: Faulbaum, Kreuzdorn, Liguster

Der Faulbaum wächst laut BfR als Strauch bis 5 m in Feuchtgebieten, Kiefernwäldern und Anlagen. Seine Rinde trägt helle Korkwarzen, die Blätter sind ganzrandig mit 7 bis 9 Paaren bogiger Nerven. Die Früchte sind erst rot, später glänzend schwarz, sodass du oft beide Farben an einem Zweig siehst. Giftig sind laut BfR vor allem unreife Früchte, frische Rinde und Blätter.

Der Kreuzdorn wird bis 3 m hoch. Er hat dornige Zweigenden, Blätter mit nur 2 bis 3 Nervenpaaren und schwarze, beerenartige Früchte ab September. Die Dornen trennen ihn sofort vom Faulbaum, der keine hat. Weitere dornige Gehölze, auch die Schlehe mit ihren blauen, bereiften Früchten, zeigt der Ratgeber Baum mit Dornen.

Der Liguster ist ein Strauch bis 4 m an Waldrändern und vor allem in Hecken. Er hat schmale, je nach Form immer- oder sommergrüne Blätter, weiße Blüten in aufrechten Rispen im Juni und kugelige, schwarze Steinfrüchte ab September. Das BfR nennt Beeren und Blätter giftig.

Immergrün im Garten: Kirschlorbeer

Ledrige, glänzend dunkelgrüne Blätter, die auch im Winter bleiben, und schwarze, glänzende Früchte: Das ist meist ein Kirschlorbeer. Die Stadt Bern beschreibt ihn als 2 bis 6 m hohen, immergrünen Strauch mit breit lanzettlichen, kahlen Blättern, die unterseits hellgrün und matt sind. Er blüht von April bis Mai weiß in 10 bis 15 cm langen, aufrechten Trauben. Von August bis Oktober reifen die Früchte, erst grün, dann rot, schließlich schwarz, etwa so groß wie Heidelbeeren. Alle Pflanzenteile, besonders Blätter und Samen, enthalten laut Bern Blausäureglykoside.

In der Schweiz gilt der Kirschlorbeer als invasiver Neophyt: Laut der Stadt Bern darf er nach Anhang 2.2 der Freisetzungsverordnung weder verkauft noch gepflanzt, vermehrt oder verschenkt werden. In Deutschland und Österreich steht er in vielen Gärten als Sichtschutz.

Brombeerartige Früchte und Beeren am Stamm

Maulbeerbaum. Sehen die Früchte aus wie Brombeeren, aber hängen an einem Baum, ist es ein Maulbeerbaum. Laut dem Lexikon der Biologie hat der aus Vorderasien stammende Schwarze Maulbeerbaum oberseits raue Blätter und purpurne bis schwärzlich-violette Fruchtstände; der Weiße Maulbeerbaum hat glatte Blätter. Trotz seines Namens reifen seine Früchte laut Trees and Shrubs Online meist rot, dann dunkelviolett bis schwarz; nur manche Sorten bleiben weiß oder rosa. Die Fruchtfarbe trennt die beiden also nicht, die Blattoberseite schon. Die Blätter beider Arten sind ei- bis herzförmig, gezähnt und manchmal buchtig gelappt, und die Zweige führen Milchsaft. Mehr Merkmale stehen auf der Seite Maulbeerbaum erkennen.

Efeu. Wer „Baum mit Beeren am Stamm“ sucht, sieht oft Efeu. Das BfR beschreibt ihn als Kletterstrauch bis 20 m an Mauern und Bäumen, mit immergrünen Blättern, grünlichen Blüten in Dolden und blauschwarzen Beeren ab November, die den Winter über bleiben. Beeren und Blätter sind laut BfR giftig.

Tollkirsche. Kein Baum, aber die gefährlichste Verwechslung: eine Staude bis 150 cm auf Kahlschlägen und an Wegrändern, mit glänzenden, blauschwarzen, kirschähnlichen Beeren von Juli bis Oktober. Das BfR stuft sie mit +++ ein, der höchsten Stufe. Nördlich des Mains ist sie laut BfR sehr selten.

Mit dem Foto bestimmen

Für Tree Identifier, eine iPhone-App, reicht ein einziges Foto. Am besten fotografierst du einen Zweig, auf dem Fruchtstand und ganze Blätter zusammen zu sehen sind, bei Tageslicht und scharf. Die App nennt deutschen und wissenschaftlichen Namen, aber keine Liste ähnlicher Arten; prüf den Vorschlag deshalb mit der Tabelle oben, vor allem bei Liguster, Kreuzdorn und Kirschlorbeer. Im Chat unter dem Ergebnis kannst du nachfragen, etwa wie sich Faulbaum und Kreuzdorn unterscheiden. Die Toxikologie-Notizen in Tree Identifier sind KI-geschrieben und keine Freigabe zum Essen. Hat ein Kind oder ein Tier Beeren gegessen, ruf den Giftnotruf oder die Tierärztin an. Rote Früchte behandelt der Ratgeber Baum mit roten Beeren.

Was ein Foto nicht klären kann

  • Ein Foto der Beeren allein reicht oft nicht: Liguster, Kreuzdorn und Kirschlorbeer haben ähnliche glänzend schwarze Früchte. Fotografiere ganze Blätter und den Fruchtstand mit.
  • Ob eine Frucht giftig ist, beantwortet keine Bestimmungs-App verbindlich. Die Toxikologie-Notizen in Tree Identifier sind KI-geschrieben und ersetzen keinen Giftnotruf.

Häufige Fragen

Welcher Baum hat schwarze Beeren in Dolden?

Fast immer der Schwarze Holunder. Er trägt flache, schirmartige Blütenstände von 13 bis 20 cm Breite, aus denen glänzend schwarze Beeren von knapp 1 cm werden, und hat gefiederte Blätter mit 3 bis 9 gesägten Blättchen. Auch der Wollige Schneeball hat Schirme, aber ungeteilte, unterseits graufilzige Blätter.

Welcher Strauch hat schwarze Beeren und weiße Blüten?

Mehrere: Holunder (weiße Schirme im Frühsommer), Liguster (weiße, aufrechte Rispen im Juni), Kirschlorbeer (weiße, aufrechte Trauben von 10 bis 15 cm im April und Mai) und Traubenkirsche (weiße, hängende Trauben). Das Blatt trennt sie: gefiedert, schmal, ledrig-immergrün oder gesägt.

Sind schwarze Beeren an Bäumen giftig?

Viele ja. Das Bundesinstitut für Risikobewertung führt Faulbaum, Kreuzdorn, Liguster, Kirschlorbeer, Wolligen Schneeball und Efeu als Giftpflanzen, die Tollkirsche sogar in der höchsten Stufe. Iss nie eine Beere, weil eine Seite oder eine App sie benennt. Hat ein Kind Beeren gegessen, ruf den Giftnotruf an.

Welcher Baum hat Beeren wie Brombeeren?

Ein Maulbeerbaum. Seine Früchte sind Sammelfrüchte, die wie Brombeeren aussehen. Der Schwarze Maulbeerbaum hat oberseits raue Blätter und purpurne bis schwärzlich-violette Früchte, der Weiße Maulbeerbaum glatte Blätter. Seine Früchte reifen meist ebenfalls dunkelviolett bis schwarz, nur manche Sorten weiß oder rosa.

Quellen

  1. Risiko Pflanze – Einschätzung und Hinweise (Stand 2017) — Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
  2. Risikobewertung für ausgewählte Pflanzen-Beeren — Institut für Rechtsmedizin, TU Dresden
  3. Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus L.), Invasiver Neophyt — Stadt Bern, Stadtgrün Bern
  4. Infoseite Prunus serotina (Späte Traubenkirsche) — Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, ICBM
  5. Sambucus nigra (Black Elder) — North Carolina Extension Gardener Plant Toolbox, NC State University
  6. Morus alba — Trees and Shrubs Online, International Dendrology Society (T. Christian & P. Coles, 2022)
  7. Maulbeerbaum (Lexikon der Biologie) — Spektrum der Wissenschaft

Aktualisiert am · Geschrieben vom Tree-Identifier-Team · So schreiben wir unsere Ratgeber

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