Ratgeber Dornen

Baum mit Dornen: welcher ist es?

Am Stamm, paarweise am Blatt oder als spitzes Zweigende: Wo die Dornen sitzen, trennt die dornigen Bäume und Sträucher in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Illustration von Weißdorn mit Blüten, Schlehe mit Dornen, einem Robinienzweig mit Stachelpaaren, Sanddorn mit orangen Beeren und dem verzweigten Dorn der Gleditschie
Illustration (KI-generiert, nur zur Orientierung)

Kurz gesagt

Ein Baum mit Dornen ist in Mitteleuropa meist ein Weißdorn (gelappte Blätter, Dornen an den Zweigen, Blüte im Mai nach dem Laub) oder eine Schlehe (weiße Blüten vor dem Laub, blaue bereifte Früchte). Paarige Dornen am Blattansatz und gefiederte Blätter zeigen die Robinie; bis 5 cm lange, verzweigte Dornen am Stamm die Gleditschie, einen gepflanzten Parkbaum.

  • Dornen direkt am Stamm, oft mit Nebendornen: Gleditschie, ein gepflanzter Baum aus Nordamerika.
  • Zwei Dornen links und rechts am Blattansatz, gefiederte Blätter: Robinie. Das BfN führt sie auf der Schwarzen Liste invasiver Arten.
  • Weiße Blüte vor dem Laub im Frühling: Schlehe. Weiße Blüte nach dem Laub im Mai und Juni: Weißdorn.

Ein Baum mit Dornen verrät sich durch die Stelle, an der seine Dornen sitzen: am Stamm, paarweise neben jedem Blatt oder als spitzes Ende eines kurzen Zweigs. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind die meisten dornigen Gehölze große Sträucher oder kleine Bäume an Hecken und Waldrändern; die großen Bäume mit Dornen, Robinie und Gleditschie, stammen aus Nordamerika. Einige dieser Gehölze tragen Früchte. Iss nie eine Frucht, Beere oder Nuss, nur weil eine Webseite oder eine App sie benennt; frag eine kundige Person vor Ort.

Dornige Bäume auf einen Blick

Baum Wo die Dornen sitzen Blatt Frucht Der entscheidende Test
Gleditschie (Gleditsia triacanthos) Am Stamm und an Ästen, bis 5 cm, oft mit Nebendornen Ein- bis zweifach gefiedert Bandförmige, oft gedrehte Hülsen, 8 bis 40 cm Dornen am Stamm
Robinie (Robinia pseudoacacia) Paarweise am Blattansatz, anstelle der Nebenblätter Unpaarig gefiedert, 3 bis 10 Paar Hülsen 4 bis 10 cm Dornenpaar an jedem Blatt
Eingriffeliger Weißdorn (Crataegus monogyna) Zweige und verdornte Kurztriebe Tief 3- bis 5-lappig Dunkel weinrot, ein Steinkern Gelappte Blätter
Schlehe, Schwarzdorn (Prunus spinosa) Zweige, dicht und sparrig Klein, ungelappt Blau, weißlich bereift Blüte vor dem Laub
Wildbirne (Pyrus pyraster) Dornige Zweige Breit oval, fein gesägt, langer Stiel Kleine Birnen mit Steinzellen Blattstiel fast so lang wie die Spreite
Holzapfel (Malus sylvestris) Meist dornige Zweige Oval, beidseits kahl Äpfel 2 bis 3 cm, sauer Fruchtfleisch ohne Steinzellen
Purgier-Kreuzdorn (Rhamnus cathartica) Zweigenden laufen in einen Dorn aus Fast gegenständig, 3 bis 4 bogige Seitennerven je Seite Schwarze Beeren, 6 bis 8 mm Bogige Blattnerven

Dornen am Stamm: Gleditschie

Dornen, die direkt aus der Rinde des Stammes wachsen, sind in Mitteleuropa ein typisches Zeichen der Gleditschie. Info Flora beschreibt glänzend rotbraune Dornen bis 5 cm Länge an Stamm und Ästen, oft mit kleineren Nebendornen, sodass sie verzweigt wirken. Der Baum wird bis 40 m hoch und hat ein- bis zweifach gefiederte Blätter mit 10 bis 24 nur 1 bis 2 cm langen Blättchen. Ihre Früchte sind bandförmige, oft spiralig gedrehte, rotbraune Hülsen von 8 bis 40 cm. Die Gleditschie stammt aus dem Nordosten Nordamerikas und wird bei uns als Park- und Straßenbaum gepflanzt. Das BfN führt sie in seinen Invasivitätsbewertungen von 2013 als unbeständige Art auf der Grauen Liste (Beobachtungsliste). Die Gleditschie gehört zur Collection in Tree Identifier, dem Katalog mit 138 Arten, der sich beim Bestimmen füllt.

Dornen paarweise am Blatt: Robinie

Sitzen die Dornen immer zu zweit links und rechts am Ansatz eines Blattes, ist es eine Robinie. Laut Info Flora bildet sie Dornen anstelle der Nebenblätter; Botaniker sprechen von Nebenblattdornen. Der Baum wird bis 25 m hoch, seine unpaarig gefiederten Blätter haben 3 bis 10 Paare ovaler, ganzrandiger Blättchen von 2 bis 5 cm, und im Mai und Juni hängen weiße, duftende Blütentrauben. Die Hülsen sind 4 bis 10 cm lang. Die Robinie stammt aus Nordamerika und kam laut Info Flora 1601 nach Europa. Das BfN stuft sie als etablierte invasive Art ein (Schwarze Liste, Managementliste). Mehr auf der Seite Robinie erkennen; auch sie steht in der Collection von Tree Identifier.

Dornen an den Zweigen: Weißdorn und Schlehe

An Hecken und Waldrändern sind die dornigen Gehölze fast immer Weißdorn oder Schlehe. Bei beiden sind die Dornen umgewandelte Kurztriebe, also verkürzte Zweige mit harter Spitze. Am sichersten trennst du sie im Frühling an der Reihenfolge von Blüte und Blatt.

Die Schlehe oder der Schwarzdorn ist laut Info Flora ein sparriger, stark verzweigter Strauch über 3 m mit dunkler Rinde und Dornen. Ihre weißen Blüten sitzen einzeln an kurzen, steifen Stielen und öffnen sich, bevor die Blätter austreiben; eine Hecke voll weißer Blüten an kahlen, schwarzen Zweigen ist also eine Schlehe. Danach trägt sie aufrechte, blaue, weißlich bereifte Früchte mit großem Stein.

Der Weißdorn blüht dagegen erst im Mai und Juni, wenn die Blätter schon da sind. Beim Eingriffeligen Weißdorn verdornen laut Info Flora auch die Kurztriebe; beim Zweigriffeligen Weißdorn trägt der Strauch zwar Dornen, seine Kurztriebe verdornen aber nicht. Die tief gelappten Blätter beider Arten unterscheiden sich deutlich vom ungelappten Schlehenblatt. Wie du die beiden Weißdorne an Blatt und Frucht trennst, zeigt der Ratgeber Baum mit roten Beeren und die Seite Weißdorn erkennen.

Dornige Wildobstbäume: Wildbirne, Holzapfel, Kreuzdorn

Die Wildbirne wird laut Info Flora bis 20 m hoch und hat dornige Zweige. Ihre breit ovalen, fein gesägten oder ganzrandigen Blätter sitzen an einem Stiel, der bis so lang wie die Blattspreite sein kann. Die kleinen, kugeligen bis birnenförmigen Früchte haben Steinzellen im Fruchtfleisch.

Der Holzapfel ist mit bis 10 m kleiner und hat meist dornige Zweige. Info Flora beschreibt breit ovale, fein gesägte Blätter, die ausgewachsen beidseits kahl sind, und Äpfel von nur 2 bis 3 cm mit saurem Fruchtfleisch ohne Steinzellen. Die Steinzellen trennen also Wildbirne und Holzapfel, auch wenn die Früchte ähnlich klein sind.

Der Purgier-Kreuzdorn ist ein Strauch bis 3 m, dessen Zweige oft in einen Dorn auslaufen. Laut Info Flora stehen seine Blätter gegenständig oder fast gegenständig und haben auf jeder Seite 3 bis 4 nach vorn gebogene Seitennerven; die Früchte sind schwarze, kugelige Beeren von 6 bis 8 mm.

Dornen, Stacheln und stachelige Blätter

Was an den Bäumen auf dieser Seite sticht, sind umgewandelte Pflanzenteile: bei Weißdorn und Schlehe verkürzte Zweige, bei der Robinie laut Info Flora die Nebenblätter. Für die Bestimmung zählt vor allem, wo das stechende Gebilde sitzt.

Stachelig gezähnte, immergrüne Blätter ohne Dornen am Zweig gehören zur Stechpalme. Sie ist auf der Seite über rote Beeren beschrieben, weil ihre Früchte das auffälligere Merkmal sind.

Im Winter sind die Dornen oft das beste Merkmal, das ein kahler Strauch bietet; was du sonst an Knospen und Zweigen prüfen kannst, zeigt der Ratgeber Bäume im Winter bestimmen.

Mit dem Foto bestimmen

Tree Identifier, eine iPhone-App, braucht nur ein Foto. Bei dornigen Gehölzen fotografierst du am besten einen Zweig mit Dornen und mindestens einem ganzen Blatt, im Frühling auch die Blüten. Die App zeigt deutschen und wissenschaftlichen Namen, aber keinen Konfidenzwert; prüf den Vorschlag deshalb mit dem Test aus der Tabelle. Bei Zweifeln, etwa ob ein kahler Strauch eine Schlehe oder ein Weißdorn ist, kannst du im Chat unter dem Ergebnis nachfragen.

Was ein Foto nicht klären kann

  • Im Winter, ohne Blätter und Früchte, sehen sich Weißdorn, Schlehe und Wildbirne auf einem Foto ähnlich. Fotografiere Knospen und Dornen aus der Nähe und, wenn möglich, Früchte am Boden.
  • Wildbirne und Holzapfel kreuzen sich mit Kulturbirnen und -äpfeln; ob ein dorniger Baum eine reine Wildart ist, kann ein Foto nicht klären.

Häufige Fragen

Welcher Baum hat Dornen am Stamm?

In Mitteleuropa meist die Gleditschie, ein gepflanzter Park- und Straßenbaum aus Nordamerika. Info Flora beschreibt glänzend rotbraune Dornen bis 5 cm am Stamm und an den Ästen, oft mit kleineren Nebendornen. Weißdorn, Schlehe, Wildbirne und Holzapfel tragen ihre Dornen an den Zweigen.

Welcher Baum hat Dornen und rote Beeren?

Meist ein Weißdorn. Er trägt Dornen an den Zweigen, gelappte Blätter und dunkel weinrote bis rote Früchte mit einem bis drei Steinkernen. Wie du die rotfruchtigen Gehölze am Blatt trennst, zeigt der Ratgeber zum Baum mit roten Beeren.

Welcher Baum hat Dornen und gefiederte Blätter?

Die Robinie oder die Gleditschie. Die Robinie hat 3 bis 10 Paar ovale, ganzrandige Fiederblättchen und paarige Dornen am Blattansatz. Die Gleditschie hat ein- bis zweifach gefiederte Blätter mit 10 bis 24 kleinen Blättchen und Dornen am Stamm.

Quellen

  1. Crataegus monogyna Jacq. (Eingriffeliger Weissdorn) — Info Flora (nach Flora Helvetica 2018)
  2. Prunus spinosa L. (Schwarzdorn) — Info Flora (nach Flora Helvetica 2018)
  3. Robinia pseudoacacia L. (Robinie) — Info Flora (nach Flora Helvetica 2018)
  4. Gleditsia triacanthos L. (Gleditschie) — Info Flora (nach Flora Helvetica 2018)
  5. Pyrus pyraster Burgsd. (Wilder Birnbaum) — Info Flora (nach Flora Helvetica 2018)
  6. Malus sylvestris Mill. (Holz-Apfelbaum) — Info Flora (nach Flora Helvetica 2018)
  7. Rhamnus cathartica L. (Purgier-Kreuzdorn) — Info Flora (nach Flora Helvetica 2018)
  8. Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen für in Deutschland wild lebende gebietsfremde Gefäßpflanzen (BfN-Skripten 352, 2013) — Bundesamt für Naturschutz (BfN)

Aktualisiert am · Geschrieben vom Tree-Identifier-Team · So schreiben wir unsere Ratgeber

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