Baumporträt
Weißdorn erkennen: Eingriffeliger und Zweigriffeliger Weißdorn
Dornige Zweige, kleine gelappte Blätter, weiße Blütenschirme im Frühling und dunkelrote Früchte im Herbst. Hier liest du, wie du die beiden heimischen Arten trennst und warum das oft nicht ganz gelingt.

Kurz gesagt
Einen Weißdorn erkennen kannst du an drei Dingen: spitze Sprossdornen an den Zweigen, kleine, wechselständige Blätter mit 3 bis 5 Lappen und flache Schirme weißer, fünfzähliger Blüten im April bis Juni. Im Herbst folgen rote, 6 bis 15 mm große Früchte. Ein Griffel und ein Stein je Frucht zeigen den Eingriffeligen Weißdorn, zwei bis drei den Zweigriffeligen.
- Blätter bis weit über die Mitte gelappt, ein Stein in der Frucht: Eingriffeliger Weißdorn. Nur im äußeren Drittel gelappt, zwei bis drei Steine: Zweigriffeliger.
- Beide Arten kreuzen sich, deshalb tragen viele Sträucher Merkmale von beiden. Prüf immer mehrere Blätter und Früchte.
- Schlehe oder Weißdorn im Winter: Beim Weißdorn wächst der Dorn neben der Knospe, bei der Schlehe sitzen die Knospen am Dorn selbst.
Bestimmungsmerkmale auf einen Blick
- Wissenschaftlicher Name
- Crataegus monogyna, Crataegus laevigata
- Familie
- Rosaceae (Rosengewächse)
- Typ
- Laubbaum, sommergrün
- Dornen
- Sprossdornen an den Zweigen; beim Eingriffeligen Weißdorn sind auch die Kurztriebe dornig, beim Zweigriffeligen nicht. Im Winter wächst der Dorn an derselben Stelle wie die Knospe.
- Blätter
- Wechselständig, klein (um 6 cm), mit 3 bis 5 Lappen. Eingriffelig: bis weit über die Mitte eingeschnitten, unten weißlich-grün. Zweigriffelig: nur im äußeren Drittel gelappt, beide Seiten fast gleich gefärbt.
- Blüten
- Weiß, selten rosa, fünf Kronblätter, in flachen Schirmen; stark duftend. Zweigriffelig April bis Mai, eingriffelig Mai bis Juni.
- Griffel
- Das Namensmerkmal in der Blütenmitte: ein Griffel bei Crataegus monogyna, zwei bis drei bei Crataegus laevigata.
- Früchte
- Rund bis eiförmig. Eingriffelig dunkel weinrot, 6 bis 10 mm, ein Stein; zweigriffelig rot, 6 bis 15 mm, zwei bis drei Steine.
- Nebenblätter
- An blühenden Trieben: ganzrandig oder mit 1 bis 8 groben Zähnen (eingriffelig), mit 15 bis 50 feinen Zähnen (zweigriffelig).
- Wuchs und Alter
- Strauch bis 4 m (Info Flora) oder kleiner Baum; der Eingriffelige erreicht laut Woodland Trust bis 15 m. Der Zweigriffelige kann bis zu 500 Jahre alt werden.
- Rinde
- Graubraun, an älteren Stämmen knorrig und rissig.
Der Weißdorn ist der dornige Strauch oder kleine Baum aus Hecken und Waldrändern, der im Frühling weiß blüht und im Herbst voller roter Früchte hängt. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wachsen vor allem zwei Arten: der Eingriffelige Weißdorn (Crataegus monogyna) und der Zweigriffelige Weißdorn (Crataegus laevigata). Den Gattungsnamen erkennst du leicht, die Art ist schwieriger.
Iss nie eine Beere, Nuss oder Frucht, nur weil eine Webseite oder eine App sie benennt; frag eine kundige Person vor Ort.
Weißdorn erkennen in vier Schritten
1. Die Dornen. Fass einen Zweig vorsichtig an. Weißdorn trägt spitze Sprossdornen. Laut Info Flora sind beim Eingriffeligen Weißdorn auch die Kurztriebe dornig, beim Zweigriffeligen nicht.
2. Die Blätter. Die Blätter sind klein, wechselständig und in 3 bis 5 Lappen geteilt; der Woodland Trust gibt etwa 6 cm Länge an. Die Lappen sind zur Spitze hin gezähnt. Das junge Laub gehört laut Woodland Trust zu dem, was im Frühjahr als Erstes erscheint.
3. Die Blüten. Weiße, selten rosa Blüten mit fünf Kronblättern stehen in flachen Schirmen und duften stark. Sie öffnen sich nach dem Laubaustrieb, je nach Art von April bis Juni.
4. Die Früchte. Im Herbst färben sich die kleinen Apfelfrüchte rot bis dunkel weinrot. Schneid eine auf oder drück sie vorsichtig auseinander und zähl die harten Steine im Inneren: Das ist der sicherste Weg zur Art.
Wenn du nur aus der Ferne fotografieren kannst, nimm mit Tree Identifier einen Zweig mit Blättern und Blüten oder Früchten von nah auf. Die App nennt Namen, wissenschaftlichen Namen und Merkmale, aber keinen Sicherheitswert; den Griffel oder die Steine musst du selbst zählen.
Eingriffelig oder zweigriffelig
Der Name sagt, wo du hinschauen musst: in die Mitte der Blüte. Dort steht beim Eingriffeligen Weißdorn ein einzelner Griffel, beim Zweigriffeligen sind es zwei bis drei (Info Flora, Crataegus laevigata). Aus der Blüte wird eine Frucht mit ebenso vielen Steinen.
| Merkmal | Eingriffeliger Weißdorn | Zweigriffeliger Weißdorn |
|---|---|---|
| Griffel je Blüte | 1 | 2–3 |
| Steine je Frucht | 1 | 2–3 |
| Blattlappen | bis weit über die Mitte eingeschnitten | nur im äußeren Drittel, breit gerundet |
| Blattunterseite | weißlich-grün, heller als oben | fast gleich gefärbt wie oben |
| Blütenstiele | behaart | kahl |
| Nebenblätter | ganzrandig oder 1–8 grobe Zähne | 15–50 feine Zähne |
| Blütezeit | Mai bis Juni | April bis Mai |
| Frucht | dunkel weinrot, 6–10 mm | rot, 6–15 mm |
| Standort | wärmer und trockener | kühler und feuchter, Waldränder |
Der Botanische Garten der Universität Mainz weist auf ein Problem hin: Beide Arten sehen sich auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich und kreuzen sich, so dass sich die Merkmale vermischen. Prüf deshalb mehrere Blüten oder Früchte desselben Strauchs. Der Zweigriffelige Weißdorn kommt fast nur in Europa vor und hat sein Hauptverbreitungsgebiet in Deutschland; er kann bis zu 500 Jahre alt werden.
Weißdorn oder Schlehe
Die Schlehe, auch Schwarzdorn, wächst in denselben Hecken und hat ebenfalls Dornen und weiße Blüten. Drei Prüfungen trennen sie:
- Blütezeit. Die Schlehe blüht laut Info Flora im April, und zwar bevor die Blätter erscheinen; ihre Blüten stehen einzeln. Der Weißdorn blüht später, wenn das Laub schon da ist, und in Schirmen.
- Blatt. Das Schlehenblatt ist ungeteilt, lanzettlich, 2 bis 4 cm lang und gesägt. Das Weißdornblatt ist gelappt.
- Frucht. Schlehen sind blau und bereift, Weißdornfrüchte rot.
Im Winter hilft ein Trick des Woodland Trust: Beim Weißdorn wächst der Dorn an derselben Stelle wie die Knospe, bei der Schlehe sitzen die Knospen auf dem Dorn selbst. Weitere dornige Gehölze stellt der Ratgeber Baum mit Dornen vor.
Weißdorn durchs Jahr und in der Stadt
- Frühjahr: Das junge Laub gehört laut Woodland Trust zu dem, was im Frühjahr als Erstes erscheint.
- April bis Juni: weiße Blütenschirme, zuerst beim Zweigriffeligen, dann beim Eingriffeligen. Was gerade sonst noch blüht, zeigt Welcher Baum blüht jetzt.
- Herbst: rote bis dunkel weinrote Früchte, die viele Singvögel fressen; im dornigen Geäst finden sie auch geschützte Nistplätze.
- Winter: dornige, graubraune Zweige, an alten Stämmen knorrige, rissige Rinde.
Nicht jeder Weißdorn im Park ist heimisch: Weltweit gibt es laut Universität Mainz etwa 200 Arten. Der nordamerikanische Hahnensporn-Weißdorn hat laut Morton Arboretum glänzend dunkelgrüne Blätter mit runder Spitze und Dornen von 5 bis 8 cm Länge, deutlich länger als bei den heimischen Arten. Bei rosa oder rot blühenden Sträuchern lohnt ein zweiter Blick: Info Flora nennt die Blüten beider Wildarten weiß, nur selten rosa.
Weißdorn ist nicht der einzige Strauch mit roten Früchten am Waldrand. Die Eberesche hat ähnliche weiße Blütenschirme, aber gefiederte Blätter und keine Dornen; mehr dazu unter Eberesche erkennen, weitere Kandidaten unter Baum mit roten Beeren. Mit Tree Identifier kannst du einen Fundort auf der Baumkarte speichern und im Herbst nachsehen, wie viele Steine die Früchte haben.
Ähnliche Arten und wie du sie unterscheidest
Schlehe, Schwarzdorn (Prunus spinosa)
Die Schlehe blüht im April vor dem Laubaustrieb, mit einzeln stehenden Blüten; ihre Blätter sind ungeteilt, lanzettlich und 2 bis 4 cm lang. Ihre Früchte sind blau bereift, nicht rot. Im Winter sitzen ihre Knospen am Dorn selbst.
Eberesche (Sorbus aucuparia)
Gleiche Familie, ebenfalls weiße Blütenschirme und rote Früchte, aber keine Dornen und gefiederte Blätter mit 9 bis 19 gesägten Blättchen.
Hahnensporn-Weißdorn (Crataegus crus-galli)
Nordamerikanische Art: glänzend dunkelgrüne, ungelappte Blätter mit runder Spitze und 5 bis 8 cm lange Dornen, viel länger als bei den heimischen Weißdornen.
Was ein Foto nicht klären kann
- Eingriffeliger und Zweigriffeliger Weißdorn kreuzen sich. Laut Universität Mainz vermischen sich dabei die Merkmale; manche Sträucher lassen sich nur einer Mischform zuordnen.
- Weltweit gibt es etwa 200 Weißdorn-Arten. Gepflanzte Arten aus Nordamerika und Zuchtsorten in Parks passen nicht immer zu den Merkmalen auf dieser Seite.
- Ob eine Frucht essbar ist, entscheidet nie ein Foto und nie eine Webseite.
Häufige Fragen
Ist Weißdorn ein Baum oder ein Strauch?
Meist ein Strauch, aber beide heimischen Arten können zu kleinen Bäumen heranwachsen. Info Flora beschreibt sie als Sträucher bis 4 m; der Woodland Trust nennt für den Eingriffeligen Weißdorn bis 15 m, als Baum mit einzelnem Stamm. In Hecken wird er meist niedrig geschnitten.
Wie unterscheide ich Eingriffeligen und Zweigriffeligen Weißdorn?
Zähl in der Blüte die Griffel und in der Frucht die Steine: einer beim Eingriffeligen, zwei bis drei beim Zweigriffeligen. Dazu die Blätter: tief bis über die Mitte gelappt oder nur im äußeren Drittel. Weil beide Arten Mischformen bilden, prüf mehrere Blüten oder Früchte.
Ist Weißdorn giftig?
Ob eine Frucht essbar ist, klärt weder diese Seite noch ein Foto in einer App. Iss nie eine Beere, Nuss oder Frucht, nur weil eine Webseite oder App sie benennt, und frag eine kundige Person vor Ort. Bei Verdacht auf Vergiftung ruf den Giftnotruf an.
Wann blüht der Weißdorn?
Laut Info Flora blüht der Zweigriffelige Weißdorn von April bis Mai, der Eingriffelige von Mai bis Juni. Die Blüten erscheinen nach dem Laubaustrieb. Weiße Blüten an kahlen, dornigen Zweigen im April gehören eher zur Schlehe.
Wie erkenne ich Weißdorn im Winter?
An den Dornen und ihrer Stellung: Beim Weißdorn wächst der Dorn an derselben Stelle wie die Knospe, daneben. Bei der Schlehe sitzen die Knospen am Dorn selbst. Oft hängen noch dunkelrote Früchte am Strauch.
Quellen
- Crataegus monogyna Jacq. — Info Flora
- Crataegus laevigata (Poir.) DC. — Info Flora
- Prunus spinosa L. — Info Flora
- Zweigriffeliger Weißdorn (Crataegus laevigata), Projekt WIPs-De — Botanischer Garten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
- Hawthorn (Crataegus monogyna) — Woodland Trust
- Cockspur hawthorn (Crataegus crus-galli) — The Morton Arboretum