Baumporträt
Holunder erkennen: Schwarzer Holunder, Roter Holunder und Attich
Gefiederte Blätter paarweise am Zweig, ein flacher, cremeweißer Blütenschirm im Juni und weißes Mark im Zweig: So erkennst du den Schwarzen Holunder und trennst ihn von seinen zwei häufigsten Verwandten.

Kurz gesagt
Holunder erkennen kannst du an drei Merkmalen: gefiederten Blättern mit meist 5 bis 7 gesägten Blättchen, die paarweise gegenüber am Zweig sitzen; einem flachen, cremeweißen Blütenschirm von 10 bis 20 cm im Juni; und weißem Mark im Zweig. Roter Holunder blüht schon im April gelbgrün und hat ockerfarbenes Mark. Attich ist eine Staude ohne Holz mit purpurnen Staubbeuteln.
- Weißes Mark und flacher Blütenschirm: Schwarzer Holunder. Ockerfarbenes Mark und eiförmige Rispe: Roter Holunder.
- Attich (Zwerg-Holunder) verholzt nicht. Er wächst als Staude bis 1,5 m und hat purpurne Staubbeutel.
- Iss nie Beeren oder Blüten, nur weil eine Webseite oder eine App den Holunder bestimmt hat.
Bestimmungsmerkmale auf einen Blick
- Wissenschaftlicher Name
- Sambucus nigra
- Familie
- Viburnaceae (früher Adoxaceae, Moschuskrautgewächse)
- Typ
- Laubbaum, sommergrün
- Wuchs
- Strauch oder kleiner Baum, laut Botanik im Bild (Naturhistorisches Museum Wien) 2 bis 7 m hoch; die Woodland Trust nennt für Großbritannien bis etwa 15 m. Kurzer Stamm, wenige Hauptäste.
- Blätter
- Unpaarig gefiedert mit 5 bis 7 ovalen, gesägten Blättchen, gegenständig am Zweig. Zerrieben riechen sie unangenehm (Woodland Trust).
- Blüten
- Weiß bis gelblich weiß, je 6 bis 8 mm breit, in einem flachen Schirm von 10 bis 20 cm Durchmesser. Sie erscheinen lange nach dem Laub (NHM Wien).
- Blütezeit
- Juni und Juli, an warmen Orten ab Ende Mai (NHM Wien).
- Früchte
- Schwarz, 5 bis 6 mm, mit dunkelpurpurnem Saft, in hängenden Fruchtständen; reif ab Spätsommer (NHM Wien, Woodland Trust).
- Mark
- Das Mark der Äste ist weiß (NHM Wien), junge Zweige sind teils hohl. Der wichtigste Test im Winter.
- Rinde
- Graubraun, korkig und gefurcht; junge Zweige grün und unangenehm riechend (Woodland Trust).
- Standort
- Nährstoffreiche Auwälder, Gebüsche, Wegränder und Schutthalden; Stickstoffzeiger, in Österreich in allen Bundesländern sehr häufig (NHM Wien).
Holunder wächst an fast jedem Waldrand, in Hecken und neben Schuppen. Bei uns sind drei Arten verbreitet: der Schwarze Holunder (Sambucus nigra), der Rote oder Trauben-Holunder (Sambucus racemosa) und der Attich oder Zwerg-Holunder (Sambucus ebulus). Alle drei haben gefiederte Blätter und Blütenschirme. Sie unterscheiden sich in Blütezeit, Blütenform, Fruchtfarbe, Wuchs und in einem Merkmal, das du nur mit einem Messer siehst: dem Mark im Zweig.
So erkennst du den Schwarzen Holunder: vier Merkmale
1. Gefiederte Blätter, paarweise gegenüber. Jedes Blatt besteht aus 5 bis 7 ovalen, gesägten Blättchen. Die Woodland Trust betont, dass die Blätter gegenständig sitzen, also zwei an einem Knoten. Zerreibst du ein Blatt, riecht es unangenehm. Das unterscheidet ihn schon von der Walnuss, deren Fiederblätter einzeln versetzt am Zweig stehen.
2. Ein flacher, cremeweißer Schirm im Juni. Laut Botanik im Bild des Naturhistorischen Museums Wien stehen die weißen bis gelblich weißen Blüten in einer flach-schirmförmigen Rispe von 10 bis 20 cm Durchmesser. Jede Einzelblüte misst 6 bis 8 mm. Die Blütezeit liegt im Juni und Juli, an warmen Orten beginnt sie Ende Mai, also lange nach dem Laubaustrieb.
3. Schwarze Beeren in hängenden Ständen. Aus den Schirmen werden schwarze Früchte von 5 bis 6 mm mit dunkelpurpurnem Saft.
4. Weißes Mark im Zweig. Schneidest du einen jungen Zweig quer durch, siehst du weißes, schwammiges Mark; manche Zweige sind innen hohl. Das ist der sicherste Test, wenn weder Blüten noch Beeren da sind.
Mit Tree Identifier reicht ein Foto: am besten ein Zweig mit mehreren Blattpaaren und dem Blüten- oder Fruchtstand im selben Bild. Die App zeigt keine Liste ähnlicher Arten. Prüf ihr Ergebnis deshalb selbst an Blütezeit und Mark.
Schwarzer Holunder, Roter Holunder und Attich im Vergleich
Die drei Arten trennst du am besten in einer Tabelle. Alle Angaben stammen aus Botanik im Bild (NHM Wien) für Sambucus racemosa und Sambucus ebulus.
| Merkmal | Schwarzer Holunder | Roter Holunder | Attich |
|---|---|---|---|
| Wuchs | Strauch oder Baum, 2 bis 7 m | Strauch, 1 bis 3 (4) m | Staude, 50 bis 150 cm, nicht verholzt |
| Blütenstand | Flacher Schirm, 10 bis 20 cm | Eiförmige Rispe, 3 bis 6 cm | Flache Schirmrispe |
| Blütenfarbe | Weiß bis gelblich weiß | Grünlich gelb | Weiß bis rötlich, Staubbeutel purpurn |
| Blütezeit | Juni bis Juli | April bis Mai | Juni bis August |
| Früchte | Schwarz, 5 bis 6 mm | Rot, 4 bis 5 mm | Schwarz, 5 bis 6 mm |
| Mark der Äste | Weiß | Ockerfarben | Keine verholzten Äste |
| Geruch | Blätter unangenehm | – | Unangenehm, nicht holunderartig |
Beim Roten Holunder erscheinen die Blüten gleichzeitig mit den Blättern. Statt Nebenblättern trägt er kleine, warzenähnliche Drüsen am Blattgrund. Er wächst vor allem auf Waldschlägen im Bergland. Wie du ihn im Herbst von der Eberesche trennst, zeigt der Ratgeber Baum mit roten Beeren.
Beim Attich ist der Blattgrund das Erkennungszeichen: Seine Nebenblätter sind laubblattartig. Seine Blätter haben 5 bis 9 Blättchen, der Stängel ist meist unverzweigt und deutlich gefurcht. Er wächst in Gruppen auf nährstoffreichen Waldschlägen und an Wegrändern. Weil er im Spätsommer schwarze Beeren in Schirmen trägt, heißt er im Volksmund auch „falscher Holunder“.
Holunder im Winter erkennen
Ohne Laub bleiben dir Zweige, Knospen und Rinde. Die Woodland Trust beschreibt die Rinde als graubraun, korkig und gefurcht, junge Zweige als grün und unangenehm riechend, die Knospen als zerzaust, oft mit Blattspitzen, die schon zwischen den Knospenschuppen hervorschauen. Die Knospen sitzen wie die Blätter paarweise gegenüber.
Dann der Schnitt durch einen Zweig: weißes Mark beim Schwarzen, ockerfarbenes beim Roten Holunder. Der Attich ist im Winter verschwunden, weil seine Stängel absterben; an seiner Stelle stehen höchstens trockene Reste. Mehr Winterregeln für Laubbäume findest du im Ratgeber Bäume bestimmen im Winter.
Giftigkeit: was die Quellen sagen
Die NC State Extension stuft den Schwarzen Holunder als Pflanze mit mittelschwerer Giftwirkung ein. Giftig sind dort Blätter, Wurzeln, Samen und Stängel; der Wirkstoff sind cyanogene Glykoside, die Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auslösen. Die Woodland Trust schreibt, dass rohe Beeren und andere Teile von Pflanzen der Gattung Sambucus giftig sind. Den Attich führt das NHM Wien ausdrücklich als giftig.
Daraus folgt eine einfache Regel: Iss nie Beeren, Blüten oder andere Pflanzenteile, nur weil eine Webseite oder eine App den Holunder bestimmt hat. Auch die Toxikologie-Notizen in Tree Identifier sind KI-geschrieben und keine Freigabe zum Essen. Hat ein Kind oder ein Haustier Holunderteile gegessen, ruf den Giftnotruf deines Bundeslandes, die Vergiftungsinformationszentrale in Wien oder Tox Info Suisse (145) an.
Weitere Bäume und Sträucher mit dunklen Früchten vergleicht der Ratgeber Baum mit schwarzen Beeren.
Wo Holunder wächst
Der Schwarze Holunder ist ein Stickstoffzeiger. Laut NHM Wien wächst er in frischen bis feuchten, nährstoffreichen Edellaubwäldern, besonders in Auwäldern, in Gebüschen und auf Schutt- und Ruderalstellen, von der Ebene bis in die untere Bergstufe. In Österreich ist er in allen Bundesländern sehr häufig.
Der Rote Holunder bevorzugt das Bergland: frische, meist kalkarme Waldschläge und Edellaubwälder der montanen Stufe, in allen österreichischen Bundesländern zerstreut. Der Attich wächst auf nährstoffreichen Waldschlägen und Ruderalstellen, oft auf Lehmböden.
Wer im Garten einen Strauch mit gefiederten Blättern findet und unsicher ist, kann in Tree Identifier unter dem Ergebnis im Chat nachfragen, etwa nach dem Unterschied zum Roten Holunder. Der Holunder gehört nicht zum 138-Arten-Katalog der Sammlung (Collection) in der App, die Bestimmung per Foto funktioniert trotzdem. Für einen Baum mit ähnlich gefiederten Blättern und roten Beeren lohnt sich ein Blick auf die Seite Eberesche erkennen.
Ähnliche Arten und wie du sie unterscheidest
Roter Holunder, Trauben-Holunder (Sambucus racemosa)
Blüht schon im April und Mai, gleichzeitig mit dem Laubaustrieb, gelbgrün in einer eiförmigen Rispe von nur 3 bis 6 cm. Die Beeren sind rot, das Mark der Zweige ockerfarben. Wächst eher im Bergland als Strauch von 1 bis 3 m.
Attich, Zwerg-Holunder (Sambucus ebulus)
Keine Holzpflanze: Die Stängel sterben jeden Winter ab und werden 50 bis 150 cm hoch. Blüht von Juni bis August mit purpurnen Staubbeuteln, hat blattartige Nebenblätter am Blattgrund und riecht unangenehm. Laut NHM Wien giftig.
Walnuss (Juglans regia)
Auch gefiederte Blätter, aber sie sitzen wechselständig, also einzeln versetzt am Zweig, nicht paarweise gegenüber. Die Frucht ist eine grüne Nuss statt eines Beerenschirms.
Was ein Foto nicht klären kann
- Ob die Blätter gegenständig sitzen und welche Farbe das Mark hat, zeigt kein Foto eines einzelnen Blatts oder Blütenschirms. Fotografier einen Zweig mit mehreren Blattpaaren.
- Gartensorten des Schwarzen Holunders mit dunkelroten oder geschlitzten Blättern sehen anders aus als die Wildform; eine App nennt die Art, nicht die Sorte.
- Ob ein Pflanzenteil giftig ist, kann keine Bestimmung per Foto beantworten. Bei Verdacht auf eine Vergiftung ruf eine Giftinformationszentrale an.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich giftigen Holunder?
Alle drei Arten enthalten laut Fachquellen giftige Stoffe; die NC State Extension nennt für den Schwarzen Holunder Blätter, Wurzeln, Samen und Stängel. Den Attich trennst du am Wuchs: eine Staude ohne Holz, purpurne Staubbeutel, Blüte bis August. Iss nie Beeren oder Blüten nach einer Bestimmung aus dem Netz oder einer App.
Was ist der falsche Holunder?
Meist ist der Attich oder Zwerg-Holunder (Sambucus ebulus) gemeint. Er sieht in Blatt und Blütenschirm dem Schwarzen Holunder ähnlich, wird aber nur 50 bis 150 cm hoch, verholzt nicht, riecht unangenehm und trägt purpurne Staubbeutel. Das NHM Wien führt ihn als giftig.
Wie erkenne ich Holunder im Winter?
Schneide einen jungen Zweig quer durch: Weißes Mark spricht für Schwarzen Holunder, ockerfarbenes für Roten Holunder. Dazu kommen korkige, gefurchte Rinde und Knospen, die paarweise gegenüber sitzen. Der Attich ist im Winter oberirdisch verschwunden.
Wann blüht Holunder?
Der Rote Holunder blüht laut NHM Wien im April und Mai, zusammen mit dem Laubaustrieb. Der Schwarze Holunder folgt im Juni und Juli, an warmen Orten ab Ende Mai. Der Attich blüht als letzter von Juni bis August.
Quellen
- Sambucus nigra (Schwarz-Holunder) — Botanik im Bild, Naturhistorisches Museum Wien
- Sambucus racemosa (Trauben-Holunder) — Botanik im Bild, Naturhistorisches Museum Wien
- Sambucus ebulus (Zwerg-Holunder, Attich) — Botanik im Bild, Naturhistorisches Museum Wien
- Elder (Sambucus nigra) — Woodland Trust
- Sambucus nigra (Black Elder) — North Carolina Extension Gardener Plant Toolbox
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