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Baumporträt
Traubenkirsche erkennen: Blüten, Blätter, Rinde, Gespinste
Weiße Blüten in hängenden Trauben im April, eine Rinde, die verletzt unangenehm riecht, oft silbrige Gespinste: So erkennst du die Traubenkirsche und trennst sie von der invasiven Spätblühenden.

Kurz gesagt
Eine Traubenkirsche erkennen kannst du an ihren Blüten: Im April hängen weiße, duftende Blüten in langen, vielblütigen Trauben mit meist mehr als zehn Blüten, zusammen mit dem frischen Laub. Die Blätter sind 5 bis 10 cm lang, fein und gleichmäßig gesägt und eher matt. Die dunkle Rinde riecht verletzt unangenehm. Die Früchte sind glänzend schwarze, erbsengroße Steinfrüchte von 7 bis 9 mm.
- Hängende Trauben im April zusammen mit dem Laub: Gewöhnliche Traubenkirsche. Glänzende, ledrige Blätter und Blüte erst Ende Mai: Spätblühende Traubenkirsche aus Nordamerika.
- Bleibt an der reifen Frucht der Kelch sitzen, ist es laut Info Flora die Spätblühende Traubenkirsche.
- Silbrig eingesponnene, kahl gefressene Sträucher im Frühjahr sind meist Traubenkirschen mit Gespinstmotten. Laut LWF treiben sie zwei bis drei Wochen später wieder aus.
- Der Kern der Früchte enthält laut LWF giftige Blausäureglykoside. Iss nie eine Frucht, weil eine Seite oder eine App sie benannt hat.
Bestimmungsmerkmale auf einen Blick
- Wissenschaftlicher Name
- Prunus padus
- Familie
- Rosaceae (Rosengewächse)
- Typ
- Laubbaum, sommergrün
- Blätter
- Breit lanzettlich bis verkehrt-eiförmig, 5 bis 10 cm, fein und gleichmäßig gesägt, eher matt; Seitennerven oben eingesenkt und nicht bis zum Rand laufend.
- Blattdrüsen
- Am oberen Ende des Blattstiels sitzen zwei Nektardrüsen (LWF, nach Schütt et al.).
- Blüten
- Weiß, 1 bis 1,5 cm, in überhängenden, vielblütigen Trauben, meist mehr als 10 Blüten; erscheinen im April zusammen mit dem Laub; Duft angenehm, honigartig.
- Früchte
- Kugelig, glänzend schwarz, 7 bis 9 mm, erbsengroß, bitter; Stein grubig. Reif ab Juli und August.
- Rinde
- Dunkelgrau, glatt; riecht bei Verletzung unangenehm, laut SDW essigartig.
- Wuchs
- Strauch oder Baum bis 10 m (Info Flora), laut SDW 10 bis 15 m, laut LWF bis 18 m; bildet Wurzelbrut und Stockausschläge.
- Standort
- Au- und Bruchwälder, Bachufer, feuchte Waldränder; meist mit Esche und Roterle. Trockene Standorte meidet sie.
- Giftigkeit
- Laut LWF enthält der Kern giftige Blausäureglykoside. Nichts davon essen.
Im April, wenn Pappeln, Erlen und Eschen noch kahl sind, stehen die Traubenkirschen an Bächen und in Auwäldern schon grün und voller weißer Blütentrauben. Bei uns wachsen zwei Arten: die heimische Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus) und die Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina) aus Nordamerika, die als invasiv gilt. Prüf in dieser Reihenfolge: Blüte, Blatt, Rinde, Frucht. Iss dabei nie eine Frucht, nur weil eine Webseite oder eine App den Baum benennt.
Traubenkirsche erkennen in vier Schritten
1. Die Blüte. Laut LWF sitzen die Blüten in überhängenden, vielblütigen Trauben; jede Einzelblüte hat fünf freie, weiße Kronblätter. Info Flora nennt Blüten von 1 bis 1,5 cm, meist mehr als zehn pro Traube, die zusammen mit den Blättern erscheinen. Die Blüten duften angenehm honigartig; die SDW spricht von stark duftenden, herabhängenden Trauben, die dem Baum den Namen geben.
2. Das Blatt. Es ist breit lanzettlich bis verkehrt-eiförmig, 5 bis 10 cm lang, fein und gleichmäßig gesägt und eher matt, mit am Grund herzförmiger oder abgerundeter Spreite. Die Seitennerven sind oben eingesenkt. Ein feines, aber sicheres Detail: Laut LWF reichen die Blattnerven bei der Gewöhnlichen Traubenkirsche nicht bis zum Blattrand, bei der Spätblühenden schon. Am oberen Ende des Blattstiels sitzen zwei Nektardrüsen.
3. Die Rinde. Sie ist dunkelgrau und glatt. Kratz mit dem Fingernagel ein wenig an einem Zweig und riech daran: Die Rinde riecht bei Verletzungen unangenehm, laut SDW-Steckbrief essigartig. Die LWF nennt als Grund das Blausäureglykosid Amygdalin. Wasch dir danach die Hände.
4. Die Früchte. Aus den Blüten werden erbsengroße, glänzend schwarze Steinfrüchte von 7 bis 9 mm mit grubigem Stein; manche sind laut LWF auch dunkelrot. Vögel fressen sie ab Juli und August; die LWF zählt 24 Vogelarten, darunter Amsel, Singdrossel und Mönchsgrasmücke. Daher auch der englische Name „Bird Cherry“.
Ein Foto einer Blütentraube oder eines Zweiges mit Blättern reicht Tree Identifier für einen Namensvorschlag. Die App zeigt keinen Sicherheitswert und keine Liste ähnlicher Arten; prüf das Ergebnis deshalb am Blattrand und an der Blütezeit. Im Chat unter dem Ergebnis kannst du nachfragen, etwa wie sich die beiden Traubenkirschen ohne Blüten unterscheiden.
Gewöhnliche oder Spätblühende Traubenkirsche
Die Spätblühende Traubenkirsche kam laut LWF Wissen 65 im 17. Jahrhundert als Ziergehölz nach Europa und wurde bis Mitte des letzten Jahrhunderts in Kiefernwäldern als Laubholz beigemischt. Heute breitet sie sich vor allem in lichten Wäldern auf nährstoffarmen, sandigen Böden aus. Das Bundesamt für Naturschutz führt sie auf der Managementliste der invasiven Arten, zusammen mit acht weiteren Baumarten wie Götterbaum und Robinie (Stand 30.10.2026). Laut einem Baumartenporträt der Universität Göttingen verdrängt sie andere Arten in lichten Eichen-, Kiefern- und Lärchenbeständen und ist auf der ganzen Waldfläche Deutschlands als nicht anbauwürdig eingestuft.
| Merkmal | Gewöhnliche Traubenkirsche | Spätblühende Traubenkirsche |
|---|---|---|
| Blatt | 5–10 cm, matt, fein gesägt | bis 12 cm, ledrig, oben glänzend, unten hell |
| Blattnerven | erreichen den Rand nicht | reichen bis zum Rand |
| Blütezeit | April, mit dem Laub | um Ende Mai, Mai bis Juni |
| Frucht | glänzend schwarz, 7–9 mm, Stiel 8–15 mm | violettrot, reif schwarz, Kelch bleibt an der Frucht, Stiel 3–7 mm |
| Herkunft | heimisch | östliches Nordamerika |
| Standort | feuchte bis nasse Böden, Auen | lichte Wälder auf Sand, oft Kiefernwälder |
Angaben nach LWF, Info Flora (P. serotina) und der Universität Oldenburg. Info Flora ergänzt, dass zerriebene Blätter der Spätblühenden nach Marzipan riechen und ihre Blattzähne nach innen gebogene Spitzen haben. Wer eine Spätblühende Traubenkirsche fällen will, sollte vorher die Gemeinde oder die Naturschutzbehörde fragen: Laut Universität Oldenburg treibt sie aus Stöcken und Wurzelstücken wieder aus. Alle invasiven Bäume im Überblick zeigt der Ratgeber invasive Baumarten.
Gespinstmotten: eingesponnene Traubenkirschen
Im Frühjahr fallen manche Traubenkirschen schon von weitem auf: ganz in silbrig glänzende Gespinste gehüllt, die Blätter kahl gefressen. Laut LWF ist das die Traubenkirschen-Gespinstmotte (Yponomeuta evonymellus), einer der wenigen streng monophagen Schmetterlinge, sie lebt also nur an dieser Baumart. Wenn die Blätter austreiben, schlüpfen die Raupen, fressen die jüngsten Blättchen und spinnen Gespinste an den Zweigspitzen. Diese wachsen, bis sie große Teile von Krone und Stamm einnehmen.
So dramatisch das aussieht: Laut LWF treiben die Traubenkirschen zwei bis drei Wochen nach dem Kahlfraß wieder aus und wachsen meist unversehrt weiter, und auch die SDW schreibt, dass das Aussehen die Pflanze nicht dauerhaft schädigt. Zwischen Baum und Motte hat sich laut LWF im Lauf der Koevolution eine Art Gleichgewicht entwickelt. Ein eingesponnener Strauch ist also meist ein Naturschauspiel, kein Notfall. Sieht ein Baum nach dem Kahlfraß auch Wochen später noch krank aus, frag eine Baumschule oder einen Baumpfleger vor Ort.
Wenn du unsicher bist, ob der eingesponnene Strauch überhaupt eine Traubenkirsche ist, fotografier den neuen Austrieb ein paar Wochen später. Mit der Kartenansicht in Tree Identifier findest du den Strauch dafür wieder.
Wo die Traubenkirsche wächst
Die Gewöhnliche Traubenkirsche hat laut LWF ein riesiges Verbreitungsgebiet, von der Iberischen Halbinsel und den Britischen Inseln über Skandinavien, Mittel- und Osteuropa bis Nordasien und Japan. Bei uns ist sie eine Halbschattholzart der Au- und Bruchwälder, feuchter Laubwälder und der Gehölze an Bächen und Flüssen, meist zusammen mit Esche und Roterle. Sie bevorzugt nährstoffreiche, feuchte Lehm- und Tonböden und meidet trockene Standorte; LWF Wissen 65 nennt sie einen typischen Grundwasserzeiger. Sie bildet intensiv Wurzelbrut und Stockausschläge, deshalb steht sie oft in Gruppen.
Für die Tierwelt ist sie wertvoll: Die LWF nennt 21 Großschmetterlingsarten, die an ihr leben, und sie ist früh im Jahr eine wichtige Bienenweide. Weitere Bäume mit weißen Blüten, von der Vogelkirsche bis zur Robinie, vergleicht der Ratgeber Baum mit weißen Blüten. Die Unterschiede zur Vogelkirsche, zur Sauerkirsche und zu Zierkirschen stehen auf Kirsche erkennen.
Ähnliche Arten und wie du sie unterscheidest
Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina)
Fass ein Blatt an: Es ist ledrig, oben glänzend, bis 12 cm lang, und die Seitennerven reichen bis zum Rand. Sie blüht erst um Ende Mai, und an der reifen Frucht bleibt der Kelch sitzen. Ein invasiver Neophyt aus Nordamerika.
Vogelkirsche (Prunus avium)
Ihre Blüten stehen laut LWF zu zwei bis vier, selten sechs, in Büscheln an langen Stielen, nicht in langen Trauben, und erscheinen kurz vor dem Laubaustrieb. Die Rinde ist glänzend rot- oder graubraun mit schmalen, quer laufenden Korkwarzen.
Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus)
Auch er blüht in weißen Trauben, aber sie stehen aufrecht, und die ledrigen Blätter bleiben im Winter grün. Die Traubenkirsche treibt im April neues Laub aus, und ihre Trauben hängen über.
Was ein Foto nicht klären kann
- Ohne Blüten und Früchte sehen sich Gewöhnliche und Spätblühende Traubenkirsche ähnlich. Fotografier ein ganzes Blatt von oben und von unten, und prüf Glanz und Nervatur selbst.
- Eine kahl gefressene, eingesponnene Traubenkirsche ist auf einem Foto kaum zu bestimmen. Warte auf den neuen Austrieb oder fotografiere Rinde und Wuchsform.
- Ob ein Kind oder ein Tier nach dem Essen von Früchten in Gefahr ist, entscheidet weder diese Seite noch eine App. Ruf den Giftnotruf an oder frag den Tierarzt.
Häufige Fragen
Ist die Traubenkirsche giftig?
Laut LWF enthält der runzelige Kern der Früchte giftige Blausäureglykoside, und die Rinde riecht wegen des Glykosids Amygdalin unangenehm. Bei der Spätblühenden Traubenkirsche nennt die Universität Oldenburg Rinde und Samen giftig. Iss nichts davon. Hat ein Kind Früchte gegessen, ruf den Giftnotruf an.
Sind die Früchte der Traubenkirsche essbar?
Diese Seite beantwortet keine Fragen zur Essbarkeit. Die Kerne enthalten laut LWF giftige Blausäureglykoside, und neben der Traubenkirsche wachsen Sträucher mit ähnlichen schwarzen Früchten. Iss nie eine Frucht, nur weil eine Webseite oder eine App sie benannt hat.
Was ist der Unterschied zwischen Traubenkirsche und Vogelkirsche?
Die Blüte: Die Traubenkirsche trägt meist mehr als zehn Blüten in langen, hängenden Trauben, die Vogelkirsche zwei bis vier in Büscheln. Die Vogelkirsche hat außerdem glänzend rotbraune Rinde mit Querbändern, die Traubenkirsche eine dunkelgraue, glatte Rinde, die verletzt unangenehm riecht.
Warum ist meine Traubenkirsche eingesponnen?
Fast immer wegen der Traubenkirschen-Gespinstmotte (Yponomeuta evonymellus). Laut LWF lebt sie nur an der Traubenkirsche; die Raupen spinnen beim Blattaustrieb Gespinste und fressen den Baum oft kahl. Zwei bis drei Wochen später treibt er wieder aus und wächst meist unversehrt weiter.
Ist die Traubenkirsche heimisch?
Die Gewöhnliche Traubenkirsche ja: Laut LWF reicht ihr Areal von der Iberischen Halbinsel und den Britischen Inseln bis Nordasien und Japan. Die Spätblühende Traubenkirsche dagegen stammt aus dem östlichen Nordamerika und gilt in Deutschland als invasiv.
Quellen
- Blütenwunder Traubenkirsche (LWF aktuell 3/2016) — Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), Olaf Schmidt
- Prunus padus L. (Traubenkirsche) — Info Flora
- Prunus serotina Ehrh. (Herbst-Traubenkirsche) — Info Flora
- Traubenkirsche (Prunus padus), Steckbrief — Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, bereitgestellt vom Regierungspräsidium Freiburg (Forst BW)
- Gebietsfremde Baumarten/Invasivität — Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- Infoseite Prunus serotina (Späte Traubenkirsche) — Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, ICBM
- Die Vogelkirsche (Prunus avium) und ihre Verwandtschaft (LWF Wissen 65) — Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), Gregor Aas
- Potenziale und Risiken eingeführter Baumarten: Spätblühende Traubenkirsche (GöForst Band 7) — Universitätsverlag Göttingen, Vor, Spellmann, Bolte, Ammer (Hrsg.)
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