Baumporträt

Ginkgo-Baum erkennen: Fächerblätter, Kurztriebe, Geschlecht

Ein Blatt wie ein kleiner Fächer, Nerven ohne Netz und im November leuchtendes Gold. So erkennst du den Ginkgo und siehst, ob ein Baum männlich oder weiblich ist.

Illustration zweier Ginkgozweige mit fächerförmigen Blättern, ein weiblicher mit orangefarbenen Samen und ein männlicher mit Pollenkätzchen, dazu ein goldgelbes Herbstblatt und graue Rinde
Illustration (KI-generiert, nur zur Orientierung)

Kurz gesagt

Einen Ginkgo-Baum erkennen kannst du an seinen ledrigen, fächerförmigen Blättern von 6 bis 12 cm Breite, deren Nerven fast parallel aus dem Stiel laufen statt ein Netz zu bilden; viele Blätter haben in der Mitte einen Spalt. An kurzen Seitentrieben stehen sie in Büscheln, und im Oktober oder November färben sie sich leuchtend gelb. Gelbe, ranzig riechende Samen trägt nur ein weiblicher Baum.

  • Das Fächerblatt mit fast parallelen Nerven hat kein anderer Baum in Mitteleuropa: Laut Forstbotanischem Garten Göttingen kann der Ginkgo schon vom Blatt her nicht mit einem Laubbaum verwechselt werden.
  • Ob ein Ginkgo männlich oder weiblich ist, zeigen erst Blüten oder Samen, und die bildet er laut Göttingen erst nach 40 bis 50 Jahren.
  • Der ranzige Geruch im Herbst kommt von der fleischigen Samenhülle weiblicher Bäume, die nach Buttersäure riecht.

Bestimmungsmerkmale auf einen Blick

Wissenschaftlicher Name
Ginkgo biloba
Familie
Ginkgoaceae (Ginkgogewächse)
Typ
Laubbaum, sommergrün
Blatt an Kurztrieben
Breit fächerförmig, fast ganzrandig, ohne Spalt; 7 bis 10 cm lang, 6 bis 12 cm breit, an einem 4 bis 7 cm langen Stiel; ledrig und frischgrün.
Blatt an Langtrieben
Keilförmig, 5 bis 7 cm breit, bis 10 cm lang, mit sehr unregelmäßigem Rand und einem Spalt in der Mitte.
Blattnerven
Fast parallel, ohne Netz aus feinen Adern wie bei den Laubbäumen.
Stellung
An Langtrieben einzeln und wechselständig, an kurzen, höckerartigen Kurztrieben in Büscheln.
Herbst
Austrieb Ende April; im Oktober und November leuchtend gelbe Herbstfärbung, dann fällt das ganze Laub.
Samen
Nur an weiblichen Bäumen: mirabellenähnlich, erst grün, reif orange-gelb, mit fleischiger Hülle; am Boden riechen sie ranzig nach Buttersäure.
Blüten
April bis Mai. Männliche Bäume: hängende Kätzchen von 3 bis 5 cm, zu 3 bis 5 zusammen. Weibliche Bäume: unscheinbar grün, gestielt, 3 bis 5 cm.
Rinde und Wuchs
Borke grau, längsrissig, breit gefurcht. Krone jung kegelförmig und sparrig, im Alter breit und gedrungen; 30 bis 40 m hoch.

Der Ginkgo ist der Baum, den du an einem einzigen Blatt erkennst. Er stammt aus China, steht heute weltweit in Städten und Parks und ist nach Angaben des Forstbotanischen Gartens Göttingen die einzige lebende Art einer Gattung, die es seit rund 250 Millionen Jahren gibt. Bevor es um die Samen geht, ein Hinweis: Iss nie eine Beere, Nuss, Frucht oder einen Samen, nur weil eine Webseite oder eine App den Baum benennt; frag eine kundige Person vor Ort.

So erkennst du einen Ginkgo: Blatt, Nerven, Kurztriebe

1. Das Fächerblatt. Ginkgoblätter sind ledrig, frischgrün und geformt wie ein kleiner, offener Fächer mit langem Stiel. Der Göttinger Steckbrief unterscheidet zwei Blattformen. An den kurzen Seitentrieben sind die Blätter breit fächerförmig, fast ganzrandig und ohne Spalt, 7 bis 10 cm lang und 6 bis 12 cm breit. An den langen, wachsenden Trieben sind sie keilförmig, mit sehr unregelmäßigem Rand und einem Spalt in der Mitte. Die Universität Münster beschreibt die Blattform als fächerartig und häufig zweigeteilt.

2. Die Nerven. Halt ein Blatt gegen das Licht. Die Nerven laufen fast parallel vom Stiel zum Rand und bilden kein Netz feiner Adern wie bei den Laubbäumen. Göttingen schreibt deshalb, dass der Ginkgo schon vom Blatt her nicht mit einem Laubbaum verwechselt werden kann. Wie du andere Blattformen liest, zeigt der Ratgeber Baum bestimmen am Blatt.

3. Die Kurztriebe. Schau dir einen älteren Ast an: Er trägt kurze, höckerartige Seitentriebe, aus denen jedes Jahr ein Büschel Blätter wächst. An den Langtrieben sitzen die Blätter dagegen einzeln und wechselständig.

4. Die Herbstfarbe. Ende April treibt der Ginkgo aus, im Oktober und November färbt er sich leuchtend gelb, dann fällt das Laub. Laut Universität Münster werden die Blätter goldgelb, bevor sie abfallen.

5. Rinde und Wuchs. Die Borke ist grau, längsrissig und breit gefurcht. Junge Bäume wachsen kegelförmig mit sparrig abstehenden Ästen, alte Bäume bilden eine breite, gedrungene Krone. In seiner Heimat wird der Ginkgo 30 bis 40 m hoch.

Der Ginkgo gehört zu den Arten in der Collection der App Tree Identifier. Ein einzelnes Blatt reicht der App als Foto; die Frage nach dem Geschlecht kannst du danach im Chat unter dem Ergebnis stellen, die Antwort prüfst du aber an Blüten oder Samen.

Männlich oder weiblich: so erkennst du das Geschlecht

Der Ginkgo ist zweihäusig: Es gibt männliche und weibliche Bäume. Du erkennst das Geschlecht nur zur Blütezeit oder an den Samen. Blätter, Rinde und Wuchs sehen bei beiden Geschlechtern gleich aus.

Merkmal Männlicher Ginkgo Weiblicher Ginkgo
Blüten im April und Mai Hängende Kätzchen, 3 bis 5 cm, zu 3 bis 5 zusammen Unscheinbar grün, gestielt, 3 bis 5 cm, mit zwei Samenanlagen an der Spitze
Im Herbst Keine Samen Mirabellenähnliche Samen, reif orange-gelb
Am Boden im Herbst Nur Laub Samen, die ranzig nach Buttersäure riechen

Die Angaben folgen dem Steckbrief aus Göttingen. Ein junger Baum verrät sein Geschlecht noch gar nicht: Göttingen nennt eine Blühreife nach 40 bis 50 Jahren, die Universität Münster einen Beginn der Fruchtbildung mit 20 bis 30 Jahren. Ein Straßenbaum ohne Samen kann also männlich sein oder schlicht noch zu jung.

Warum manche Ginkgos im Herbst stinken

Die Samen weiblicher Bäume reifen im Oktober und November und fallen dann herab. Sie sind erst grün, reif orange-gelb und laut dem Botanischen Garten der TU Dresden blassgelb, mirabellenähnlich und mit einer dünnen Wachsschicht überzogen. Unter der fleischigen Außenschicht liegt eine verholzte Schale, aber kein Steinkern wie bei einer Pflaume. Wenn sich die fleischige Hülle am Boden zersetzt, riecht sie unangenehm ranzig nach Buttersäure.

Dresden weist außerdem darauf hin, dass diese Außenschicht Ginkgotoxin und Ginkgolsäuren enthält, die ätzend wirken und Kontaktallergien auslösen können. Fass die Samen deshalb nicht mit bloßen Händen an. Die beiden alten Ginkgos im Dresdner Garten sind männlich und bilden keine Samen.

Herkunft, Alter und Goethes Ginkgo

Der Ginkgo stammt aus China; laut Universität Münster ist er seit 1730 als Zierbaum in Europa bekannt, vermutlich brachten ihn holländische Seefahrer aus Japan mit. Er kann über 1.000 Jahre alt werden. In Göttingen wird er wegen seiner Fortpflanzung als besonders altertümliche Pflanze beschrieben: Seine männlichen Geschlechtszellen schwimmen mit Geißeln aktiv zur Eizelle, wie es sonst nur bei Palmfarnen, Farnen, Moosen und Algen vorkommt. Auch die drei Mammutbäume gelten als lebende Fossilien.

Im deutschsprachigen Raum ist der Ginkgo auch durch Goethe bekannt. Münster berichtet, dass Goethe 1815 Marianne von Willemer einen Brief mit einem Ginkgo-Gedicht schrieb und zwei Blätter beilegte. Wer einen alten Ginkgo im Stadtpark findet, kann ihn in Tree Identifier mit Standort speichern und im November auf der Baumkarte der App wiederfinden, wenn er golden leuchtet. Ähnlich goldgelb färbt sich im Herbst die Lärche, ein Nadelbaum, der ebenfalls Kurztriebe hat und im Winter kahl ist.

Ähnliche Arten und wie du sie unterscheidest

Europäische Lärche (Larix decidua)

Färbt sich im Herbst ebenfalls goldgelb und trägt Büschel an Kurztrieben, aber jedes Büschel besteht aus 20 bis 40 schmalen Nadeln statt aus wenigen breiten Fächerblättern.

Mirabelle (Obstbaum)

Gelbe, mirabellenähnliche Kugeln am Boden unter einem Baum mit Fächerblättern, die ranzig nach Buttersäure riechen, sind Ginkgosamen. Unter der Hülle liegt eine verholzte Schale, aber kein Steinkern.

Was ein Foto nicht klären kann

  • Ein junger Ginkgo zeigt sein Geschlecht weder an Blättern noch an Rinde; weder ein Foto noch die App kann es vor der ersten Blüte bestimmen.
  • Die App bestimmt die Art, nicht die Sorte. Säulenförmige oder zwergige Gartensorten sehen in der Gestalt anders aus, haben aber dieselben Fächerblätter.
  • Ob Ginkgosamen oder -blätter für Menschen oder Tiere gefährlich sind, beurteilt diese Seite nicht; dafür ist eine Giftinformationszentrale oder ein Tierarzt zuständig.

Häufige Fragen

Wie erkenne ich, ob ein Ginkgo männlich oder weiblich ist?

Nur an Blüten oder Samen. Im April und Mai trägt ein männlicher Baum hängende, 3 bis 5 cm lange Kätzchen, ein weiblicher unscheinbare grüne, gestielte Blüten. Im Herbst hängen nur am weiblichen Baum gelbe Samen. Blätter, Rinde und Wuchs verraten das Geschlecht nicht, und junge Bäume blühen noch gar nicht.

Warum stinkt der Ginkgo-Baum?

Der Geruch kommt von den Samen weiblicher Bäume. Wenn sie im Oktober und November herabfallen, zersetzt sich ihre fleischige Hülle, und sie riechen unangenehm ranzig nach Buttersäure. Männliche Bäume bilden keine Samen und riechen deshalb nicht.

Ist der Ginkgo ein Laubbaum oder ein Nadelbaum?

Weder noch. Laut Forstbotanischem Garten Göttingen ist der Ginkgo die einzige Art seiner Gattung und gehört zu den Nacktsamern, wie die Nadelbäume, ist aber keine Übergangsform zwischen Nadel- und Laubbäumen. Er wirft im Herbst seine Blätter ab und gilt als lebendes Fossil.

Ist der Ginkgo giftig?

Die fleischige Außenschicht der Samen enthält laut Botanischem Garten Dresden Ginkgotoxin und Ginkgolsäuren, die ätzend wirken und Kontaktallergien auslösen können. Fass herabgefallene Samen deshalb nicht mit bloßen Händen an. Ob dein Haustier gefährdet ist, kann nur eine Tierärztin oder ein Tierarzt beurteilen.

Wie alt wird ein Ginkgo?

Laut Universität Münster über 1.000 Jahre. Die Gattung gibt es seit rund 250 Millionen Jahren, so der Forstbotanische Garten Göttingen. In Europa ist der Ginkgo seit etwa 1730 als Zierbaum bekannt.

Quellen

  1. Ginkgo biloba / Ginko, Mädchenhaarbaum — Forstbotanischer Garten und Pflanzengeographisches Arboretum der Universität Göttingen
  2. Ginkgo (Kleine Baumschule) — Universität Münster
  3. Bisherige Pflanzen der Woche: Der Ginkgo — Botanischer Garten der TU Dresden
  4. Die Europäische Lärche – Taxonomie, Verbreitung, Morphologie (LWF Wissen 69) — Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), Gregor Aas

Aktualisiert am · Geschrieben vom Tree-Identifier-Team · So schreiben wir unsere Ratgeber

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