Baumporträt
Kiefer erkennen: Waldkiefer und ihre Verwandten
Gemeint ist der Nadelbaum, nicht der Kieferknochen. Zähl die Nadeln an einem Kurztrieb, schau auf die Rinde oben am Stamm und heb einen Zapfen auf.

Kurz gesagt
Eine Kiefer erkennen, also den Nadelbaum der Gattung Pinus, kannst du an den Nadeln: Sie sitzen in Bündeln an Kurztrieben, bei der heimischen Waldkiefer zu zweit, gedreht und blaugrün, 2,5 bis 8 cm lang. Zweites Merkmal ist die Rinde, unten graubraun und gefurcht, oben glatt und fuchsrot. Drittens die Zapfen, 3 bis 8 cm lang, kurz gestielt. Zirbe und Weymouthskiefer tragen fünf Nadeln.
- Zähl die Nadeln, die aus einer gemeinsamen Scheide kommen: zwei heißt Wald-, Schwarz- oder Bergkiefer, fünf heißt Zirbe oder Weymouthskiefer.
- Die fuchsrote, dünnschuppige Spiegelrinde im oberen Stamm ist das sicherste Fernmerkmal der Waldkiefer.
- Bis in die Krone dunkelgraue Rinde und Nadeln von 8 bis 15 cm sprechen für die Schwarzkiefer.
Bestimmungsmerkmale auf einen Blick
- Wissenschaftlicher Name
- Pinus sylvestris (Waldkiefer); Gattung Pinus
- Familie
- Pinaceae (Kieferngewächse)
- Typ
- Nadelbaum, immergrün
- Nadeln Waldkiefer
- Je zwei an einem Kurztrieb, gedreht, steif, blaugrün bis silbergrau; 3 bis 5 cm laut SDW-Text, 2,5 bis 8 cm laut SDW-Steckbrief.
- Nadeln andere Arten
- Schwarzkiefer zwei, 8 bis 15 cm, beiderseits dunkelgrün. Bergkiefer zwei, 3 bis 5 cm. Zirbe und Weymouthskiefer je fünf.
- Rinde
- Unten gefurchte, grau- bis rotbraune Schuppenborke, oben glatte, rotgelbe bis fuchsrote Spiegelrinde, die sich in dünnen Schuppen löst.
- Zapfen
- Dunkelbraun bis schwärzlich, kurz gestielt, 3 bis 8 cm lang; reif nach zwei Jahren, öffnet sich im dritten Jahr.
- Krone
- In der Jugend regelmäßig kegelförmig, im Alter schirmartig gewölbt und unregelmäßig, oft mit krummen Ästen.
- Größe und Alter
- Waldkiefer meist 20 bis 30 m, selten über 40 m; bis 600 Jahre alt.
- Häufigkeit
- Häufigste Baumart in Deutschland: 2,4 Mio. Hektar, 21,8 % der Holzbodenfläche (Bundeswaldinventur 2022).
- Regionale Namen
- Laut SDW auch Waldföhre, Weißkiefer oder Forche; Info Flora (Schweiz) führt die Arten als Föhren, die Zirbe als Arve.
„Kiefer“ ist im Deutschen zweierlei: ein Knochen und ein Baum. Hier geht es um den Baum, die Gattung Pinus, und vor allem um die Waldkiefer (Pinus sylvestris), die laut Bundeswaldinventur 2022 mit 2,4 Millionen Hektar die häufigste Baumart in Deutschlands Wäldern ist. Drei Blicke genügen meistens: auf das Nadelbündel, auf die Rinde und auf den Zapfen.
Die drei Merkmale der Waldkiefer
1. Die Nadeln, zu zweit. Zieh an einem Zweig ein Nadelbündel ab. Bei allen Kiefern stecken mehrere Nadeln in einer gemeinsamen, häutigen Scheide an einem Kurztrieb. Bei der Waldkiefer sind es genau zwei, gedreht, steif und blaugrün bis silbergrau. Das SDW-Faltblatt zur Waldkiefer nennt im Text 3 bis 5 cm, im Steckbrief 2,5 bis 8 cm. Die Nadeln bleiben laut SDW nur zwei bis vier Jahre am Zweig.
2. Die Rinde, zweifarbig. Die SDW nennt die Rinde das markanteste Merkmal der Kiefer. Am Stammfuß sitzt eine gefurchte, grau- bis rotbraune Schuppenborke, die mit dem Alter immer dicker wird. Weiter oben bleibt die Rinde glatt, leuchtend rotgelb bis fuchsrot und löst sich in dünnen Schuppen: die Spiegelrinde. Wenn du an einem Waldrand einen Nadelbaum mit orangefarbenem Oberstamm siehst, spricht das stark für eine Waldkiefer.
3. Die Zapfen. Die Zapfen der Waldkiefer sind dunkelbraun bis schwärzlich, 3 bis 8 cm lang, 3 bis 5 cm breit und kurz gestielt. Sie springen laut SDW nach zweijähriger Reife im dritten Jahr auf und entlassen geflügelte Samen von drei bis fünf Millimetern.
Die Waldkiefer ist in der Collection der App Tree Identifier enthalten. Hältst du die Kamera auf ein Nadelbündel und dann auf den Oberstamm, hast du beide Hauptmerkmale im Bild; ein einzelnes Foto genügt der App, prüf das Ergebnis aber mit den Merkmalen oben.
Fünf Kiefern, die du in Deutschland triffst
Laut SDW unterscheidet man Kiefernarten zuerst an der Zahl der Nadeln je Kurztrieb. Die Tabelle fasst die fünf Arten zusammen, die dir in Wald, Gebirge und Park begegnen.
| Art | Nadeln je Bündel | Nadellänge | Zapfen | Erkennungszeichen |
|---|---|---|---|---|
| Waldkiefer | 2 | 2,5 bis 8 cm, blaugrün | 3 bis 8 cm, kurz gestielt | Fuchsrote Spiegelrinde oben |
| Schwarzkiefer | 2 | 8 bis 15 cm, dunkelgrün | 4 bis 8 cm, fast sitzend | Dunkelgraue Rinde bis in die Krone |
| Bergkiefer, Latsche | 2 | 3 bis 5 cm, dunkelgrün | 2 bis 7 cm | Strauch oder kleiner Baum im Gebirge |
| Zirbe (Arve) | 5 | 4 bis 8 cm, steif | 5 bis 8 cm, eiförmig | Hochgebirge, ungeflügelte Samen |
| Weymouthskiefer | 5 | 8 bis 15 cm, weich | 10 bis 15 cm, gekrümmt, hängend | Park- und Forstbaum aus Nordamerika |
Die Werte für Schwarz-, Berg-, Zirbel- und Weymouthskiefer stammen aus den Artbeschreibungen von Info Flora (Flora Helvetica 2018).
Schwarzkiefer (Pinus nigra). Sie unterscheidet sich laut Info Flora von der Waldkiefer durch die bis in die Krone dunkelgraue Rinde und die 8 bis 15 cm langen, beiderseits dunkelgrünen Nadeln. Ihre Zapfen sind 4 bis 8 cm lang und sitzen fast ohne Stiel. Steht neben einer Waldkiefer ein Baum mit gleich gebündelten, aber doppelt so langen und dunkleren Nadeln und ohne rote Oberrinde, ist es meist eine Schwarzkiefer.
Bergkiefer und Latsche (Pinus mugo). Kurze, dunkelgrüne Nadeln zu zweit, dunkle Rinde und Zapfen von 2 bis 7 cm, die fast ohne Stiel schief oder waagrecht abstehen (Info Flora). Die Latsche oder Legföhre (Unterart mugo) wächst niederliegend als Strauch mit bogig aufsteigenden Ästen. Die Spirke oder Hakenkiefer (Unterart uncinata) ist ein aufrechter Baum mit asymmetrischen Zapfen, deren untere Schuppenschilde hakig nach unten gebogen sind.
Zirbe oder Arve (Pinus cembra). Fünf derbe, dreikantige Nadeln von 4 bis 8 cm, innen bläulich-grün, und eiförmige Zapfen von 5 bis 8 cm (Info Flora). Die Samen, die Zirbelnüsse, sind bis 14 mm lang und haben keine Flügel. Info Flora ordnet sie den Bergwäldern der subalpinen Stufe zu, dem Lärchen-Arvenwald. Die Bundeswaldinventur nennt sie als Beispiel für seltene Baumarten, die ökologische Nischen im Gebirge füllen. Wer die Zirbe in Österreich sucht, findet sie im Ratgeber zu den Baumarten in Österreich.
Weymouthskiefer (Pinus strobus). Auch sie hat fünf Nadeln, aber zarte, weiche und 8 bis 15 cm lange, dazu hängende, gekrümmte Zapfen von 10 bis 15 cm, die sich schon am Baum öffnen (Info Flora). Sie stammt aus dem östlichen Nordamerika und gehört laut Bundeswaldinventur zu den eingeführten Baumarten, die zusammen knapp 5 % der Waldfläche ausmachen.
Kiefer, Fichte, Tanne oder Lärche
Die vier häufigsten Nadelbaumgattungen trennst du an einem einzigen Zweig. Entscheidend ist, wie die Nadeln am Zweig sitzen.
| Merkmal | Kiefer | Fichte | Tanne | Lärche |
|---|---|---|---|---|
| Nadeln | Zu 2 oder 5 in einer Scheide | Einzeln, rundum, auf Stielchen | Einzeln, flach, gescheitelt | 20 bis 50 im Büschel |
| Nadelform | Lang, steif, oft gedreht | Kurz, vierkantig, stechend | Flach, zwei weiße Streifen unten | Weich, hellgrün |
| Im Winter | Grün | Grün | Grün | Kahl |
| Zapfen | Holzig, kurz gestielt, öffnen sich im 3. Jahr | Hängend, fallen ganz ab | Aufrecht, zerfallen am Baum | Klein, eiförmig, bleiben Jahre am Ast |
| Rinde | Oben fuchsrot (Waldkiefer) | Rötlich braun, dünne Schuppen | Weißgrau, lange glatt | Im Alter rotbraun, tief gefurcht |
Fichte und Tanne vergleicht die Seite Tanne und Fichte im Detail; die Lärche bekommt eine eigene Seite, Lärche erkennen. Den vollständigen Schlüssel mit Douglasie und Eibe findest du im Ratgeber Nadelbäume bestimmen.
Kiefernwald, Gestalt und Standort
Die Waldkiefer ist ein Baum des Tief- und Hügellandes. Ihre Schwerpunkte liegen laut Bundeswaldinventur im nordostdeutschen Tiefland von Niedersachsen bis Brandenburg und Sachsen, dazu im Pfälzer Wald, in der Rhein-Main-Niederung und im Oberpfälzer Becken- und Hügelland. In Brandenburg erreicht sie laut SDW etwa 72 % der Waldfläche. Im Kiefernwald prägen laut SDW Himbeere, Sandrohr, Straußgras, Adlerfarn und Drahtschmiele den Boden.
Am Wuchs erkennst du sie auch von weitem. Die Hauptachse wächst weniger gerade als bei Fichte oder Tanne, weil die Mittelknospe oft schwach bleibt; alte Kiefern haben deshalb krumme Äste und eine schirmförmig gewölbte, unregelmäßige Krone.
Zur Gesundheit nur so viel: Laut Bundeswaldinventur hat auch die Kiefer zwischen 2012 und 2022 41.000 Hektar verloren, und ihr setzen Trockenheit, Borken- und Prachtkäfer sowie Pilze zu. Ob ein einzelner Baum krank ist, kann weder diese Seite noch ein Foto entscheiden. Die Diagnose-Funktion von Tree Identifier gibt eine KI-Einschätzung zum Zustand, ersetzt aber keine Fachleute vor Ort. Wenn du Kiefern an der Rinde vergleichen willst, hilft der Ratgeber Baum bestimmen an der Rinde.
Ähnliche Arten und wie du sie unterscheidest
Fichte (Picea abies)
Die Fichte trägt ihre Nadeln einzeln, rundum am Zweig, jede auf einem kleinen Stielchen; sie sind 1 bis 2,5 cm kurz und vierkantig. Die Kiefer bündelt längere Nadeln zu zweit oder zu fünft.
Europäische Lärche (Larix decidua)
Die Lärche trägt Büschel von 20 bis 50 weichen Nadeln an Kurztrieben und ist im Winter kahl. Eine Kiefer hat nie mehr als fünf Nadeln je Bündel und bleibt immergrün.
Was ein Foto nicht klären kann
- Wald-, Schwarz- und Bergkiefer haben alle zwei Nadeln je Bündel; ohne Maßband und ohne Blick auf die Rinde im oberen Stamm trennt ein Foto sie nicht sicher.
- Latsche und Spirke sind Unterarten der Bergkiefer und gehen ineinander über; die Form der Zapfenschuppen entscheidet, und dafür braucht es einen reifen Zapfen in der Hand.
- Ob eine Kiefer krank ist oder Borkenkäfer hat, gehört in die Hände von Fachleuten; die Kronenfarbe auf einem Foto reicht dafür nicht.
Häufige Fragen
Wie viele Nadeln hat eine Kiefer?
Kiefern bündeln ihre Nadeln an Kurztrieben. Waldkiefer, Schwarzkiefer und Bergkiefer haben zwei Nadeln je Bündel, Zirbe und Weymouthskiefer fünf. Laut SDW unterscheidet man fünf-, drei- und zweinadelige Kiefern.
Wie erkenne ich eine Kiefer am Zapfen?
Der Zapfen der Waldkiefer ist dunkelbraun bis schwärzlich, 3 bis 8 cm lang und sitzt an einem kurzen Stiel. Er braucht zwei Jahre bis zur Reife und öffnet sich im dritten. Zapfen über 10 cm, lang, gekrümmt und hängend, stammen eher von der Weymouthskiefer.
Was ist der Unterschied zwischen Kiefer und Föhre?
Keiner: Föhre ist ein anderer Name für die Kiefer. Die SDW nennt für die Waldkiefer unter anderem Waldföhre, Weißkiefer und Forche. Info Flora, die Schweizer Flora, führt etwa die Schwarzkiefer als Schwarz-Föhre und die Zirbe als Arve.
Ist die Kiefer giftig?
Diese Seite beurteilt keine Giftigkeit und keine Verwendung von Nadeln, Harz oder Samen. Iss nie eine Frucht, Nuss oder einen Samen, nur weil eine Webseite oder eine App sie benennt; frag eine kundige Person vor Ort.
Woran erkenne ich eine kranke Kiefer?
Das kann diese Seite nicht beurteilen. Die Bundeswaldinventur 2022 hält nur fest, dass Trockenheit sowie Borken- und Prachtkäfer und Pilze auch der als robust geltenden Kiefer zusetzen. Für einen Baum im Garten frag eine Baumpflegefirma oder dein Forstamt.
Quellen
- Die Waldkiefer, Pinus sylvestris L. (Faltblatt) — Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Bundesverband (SDW)
- Der Wald in Deutschland – Ausgewählte Ergebnisse der vierten Bundeswaldinventur — BMEL, Thünen-Institut für Waldökosysteme
- Pinus nigra Arnold (Schwarz-Föhre) — Info Flora (Flora Helvetica 2018)
- Pinus mugo Turra (Berg-Föhre) — Info Flora (Flora Helvetica 2018)
- Pinus cembra L. (Arve) — Info Flora (Flora Helvetica 2018)
- Pinus strobus L. (Weymouths-Kiefer) — Info Flora (Flora Helvetica 2018)