Ratgeber Baumarten
Die Baumarten in Österreich erkennen
Welche Baumarten den österreichischen Wald prägen, wie stark die Fichte zurückgeht, wo Zirbe und Schwarzföhre wachsen und welche Bäume an Wiens Straßen stehen.

Kurz gesagt
Die häufigste der Baumarten in Österreich ist die Fichte: Sie steht laut Österreichischer Waldinventur 2018/23 auf 47,6 % des Ertragswaldes und hält 60 % des Holzvorrats. Es folgen Rotbuche (11,2 % der Fläche), Lärche (4,4 %), Rotföhre (3,9 %) und Tanne (2,7 %). Seit 1992/96 ist der Fichtenanteil von 55,7 % gesunken, der Laubholzanteil gestiegen.
- Fast jeder zweite Hektar Ertragswald in Österreich ist Fichtenwald, 1992/96 waren es noch 56 %.
- Die Zirbe ist ein Baum des Hochgebirges: 38 % ihres Holzvorrats stehen im Schutzwald außer Ertrag.
- An Wiens Straßen ist der Ahorn der häufigste Baum, vor Linde und Rosskastanie.
Österreich gehört mit einem Waldanteil von fast der Hälfte der Staatsfläche zu den waldreichsten Ländern Europas. Welche Baumarten darin stehen, erhebt das Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) in der Österreichischen Waldinventur (ÖWI) auf mehr als 11.000 Probeflächen; seit 2016 wird jedes Jahr ein Sechstel davon neu gemessen. Die aktuellsten Zahlen sind die Zwischenauswertung 2018/23, Stand Juni 2024. Diese Seite zeigt die Rangliste der Baumarten, den Rückgang der Fichte, die Bäume der Alpen und des Wiener Beckens, die Straßenbäume in Wien und die invasiven Arten. Die Namen folgen dem österreichischen Gebrauch: Föhre statt Kiefer, Zirbe statt Arve.
Die häufigsten Baumarten im österreichischen Wald
Die Rangliste ordnet nach der Fläche im Ertragswald, also dem Wald, in dem Holz genutzt wird; sie umfasst 3,36 Millionen Hektar. Daneben steht der Anteil am Holzvorrat im Ertragswald (1.174 Millionen Vorratsfestmeter). Die Werte haben wir aus den Tabellen der Waldinventur berechnet: Waldfläche nach Baumarten und Vorrat nach Baumarten, beide Periode 2018/23.
| Rang | Baumart | Fläche im Ertragswald | Anteil an der Fläche | Anteil am Vorrat | So erkennst du sie | Unsere Seite |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Fichte | 1.598.000 ha | 47,6 % | 60,3 % | Spitze Nadeln auf kleinen Stielchen, hängende Zapfen | Tanne oder Fichte |
| 2 | Rotbuche | 377.000 ha | 11,2 % | 10,5 % | Silbergraue, glatte Rinde, die nie rissig wird | Buche erkennen |
| 3 | Lärche | 149.000 ha | 4,4 % | 6,6 % | Nadeln in Büscheln, im Herbst goldgelb, im Winter kahl | Lärche erkennen |
| 4 | Rotföhre (Weißkiefer) | 131.000 ha | 3,9 % | 6,0 % | Zwei gedrehte Nadeln je Kurztrieb, Rinde oben fuchsrot | Kiefer erkennen |
| 5 | Tanne | 90.000 ha | 2,7 % | 4,4 % | Flache Nadeln mit zwei weißen Streifen, aufrechte Zapfen | Tanne oder Fichte |
| 6 | Eiche | 67.000 ha | 2,0 % | 2,7 % | Gelappte Blätter, Eicheln | Stieleiche oder Traubeneiche |
| 7 | Schwarzföhre | 18.000 ha | 0,5 % | 0,9 % | Zwei lange, steife, dunkelgrüne Nadeln je Kurztrieb | Kiefer erkennen |
| 8 | Zirbe | 15.000 ha | 0,4 % | 0,4 % | Fünf Nadeln je Kurztrieb, aufrechte Zapfen | Kiefer erkennen |
Die übrigen Laubbäume fasst die Flächentabelle in zwei Gruppen zusammen: „sonstiges Hartlaub“ (285.000 ha, 8,5 %) und „Weichlaub“ (138.000 ha, 4,1 %). Die Vorratstabelle schlüsselt sie weiter auf: Esche und Ahorn halten je 1,7 % des Vorrats, Hainbuche und Schwarzerle je 0,8 %, Birke 0,6 %, Linde 0,4 %. Wie du Ahorn und Esche erkennst, steht unter Ahorn erkennen und Esche erkennen.
Nadelholz steht auf 59,8 % der Fläche und hält 78,8 % des Vorrats, Laubholz auf 25,8 % der Fläche; der Rest sind Lücken, Blößen und Strauchflächen. Dass die Fichte beim Vorrat noch deutlicher vorn liegt als bei der Fläche, liegt an ihren hohen, dicht stehenden Stämmen. Bei einer Rangliste nach der Zahl der Stämme könnten die Plätze wieder anders aussehen; die ÖWI führt dafür eine eigene Tabelle.
Die Fichte geht zurück, das Laubholz nimmt zu
In der Waldinventur 1992/96 stand die Fichte noch auf 1.866.000 Hektar oder 55,7 % des Ertragswaldes (ÖWI 1992/96). 2018/23 sind es 1.598.000 Hektar oder 47,6 %. In derselben Zeit wuchs die Fläche der Rotbuche von 309.000 auf 377.000 Hektar (von 9,2 % auf 11,2 %), und das Laubholz insgesamt stieg von 22,3 % auf 25,8 % der Fläche. Auch die Rotföhre hat Fläche verloren, von 182.000 auf 131.000 Hektar.
Das BFW fasst die Inventur 2018/23 so zusammen: Der Trend zu mehr Laub- und Mischwald hält an, und Trockenperioden, Windwürfe und Borkenkäferschäden haben den Holzzuwachs zuletzt verringert. Für dich heißt das: Ein Nadelbaum im österreichischen Wald ist immer noch sehr oft eine Fichte, aber in tieferen Lagen begegnest du zunehmend Buchen und Mischwäldern.
Zirbe und Lärche in den Alpen
Zwei Baumarten sind in Österreich typische Bäume des Hochgebirges, und die Inventur zeigt das deutlich. Die Waldinventur trennt den Ertragswald vom Schutzwald außer Ertrag, den steilen, hoch gelegenen Wäldern, die vor allem vor Lawinen, Steinschlag und Erosion schützen. Im Durchschnitt aller Baumarten stehen dort nur rund 3 % des Holzvorrats. Bei der Lärche sind es 10,6 %, bei der Zirbe 38 % (3,0 von 8,0 Millionen Vorratsfestmetern).
Die Zirbe erkennst du an ihren fünf Nadeln je Bündel, 4 bis 8 cm lang und steif; unter den heimischen Kiefern hat nur sie fünf. Die Lärche ist der einzige heimische Nadelbaum, der im Winter seine Nadeln abwirft; ihre Nadeln stehen in Büscheln zu 20 bis 50 und färben sich im Herbst goldgelb. Wo beide zusammen wachsen, ist das ein Zeichen dafür, dass du nahe der Waldgrenze bist. In der Schweiz heißt die Zirbe Arve; was das dortige Inventar über die Waldgrenze sagt, steht im Ratgeber Bäume der Schweiz.
Die Schwarzföhre im südöstlichen Niederösterreich
Eine Baumart ist in Österreich etwas Besonderes: die Schwarzföhre. Laut BFW auf waldwissen.net ist sie eine Charakterbaumart des südöstlichen Niederösterreich, und in Österreich hat sie ihr nördlichstes natürliches Vorkommen. Über Jahrhunderte war die Pecherei, die Harzgewinnung, dort ein wichtiger Erwerb; sie dauerte bis in die 1960er-Jahre. Ein niederösterreichisches Gesetz von 1920 schrieb sogar vor, dass Schwarzföhrenwald gepecht und als Schwarzföhrenwald erhalten werden musste.
Rotföhre und Schwarzföhre tragen beide zwei Nadeln je Kurztrieb. Die Schwarzföhre hat 8 bis 15 cm lange, beiderseits dunkelgrüne Nadeln und eine dunkelgraue Rinde bis in die Krone; die Rotföhre kürzere, gedrehte, blaugrüne Nadeln und im oberen Stamm eine fuchsrote Rinde. Im Ertragswald hält die Schwarzföhre nur 0,9 % des Vorrats, im südöstlichen Niederösterreich aber bestimmt sie das Bild ganzer Wälder. Mehr zu allen Föhren im Porträt Kiefer erkennen.
Straßenbäume in Wien
Im Wald und in der Stadt wachsen verschiedene Bäume. Die Stadt Wien veröffentlicht jedes Jahr eine Tabelle der Straßenbäume nach Gattungen aus dem Baumkataster der Wiener Stadtgärten (Stadt Wien, Statistik, Tabelle 1.1.7). Mit Stichtag 28. April 2025 sind das 102.234 Bäume an öffentlichen Gemeindestraßen.
| Rang | Gattung | Anzahl | Anteil | So erkennst du sie |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Ahorn | 25.323 | 24,8 % | Gegenständige, gelappte Blätter, Flügelfrüchte |
| 2 | Linde | 15.608 | 15,3 % | Herzförmige, am Grund schiefe Blätter |
| 3 | Rosskastanie | 9.330 | 9,1 % | Handförmig gefingerte Blätter, stachelige Fruchtschalen |
| 4 | Esche | 9.225 | 9,0 % | Gegenständig gefiedert |
| 5 | Zürgelbaum | 4.695 | 4,6 % | Schiefe, zugespitzte Blätter, glatte graue Rinde |
| 6 | Platane | 4.492 | 4,4 % | Rinde blättert in Platten ab, Fruchtkugeln |
Bei den jungen Bäumen bis 19 Jahre zeigt die Tabelle eine Verschiebung: Mehr als die Hälfte der Zürgelbäume und Birnen sind so jung, während von 9.330 Rosskastanien nur 828 so jung sind. Die Stadt pflanzt also andere Arten nach als früher. Wie du eine Linde erkennst, zeigt Linde erkennen.
Heimisch oder invasiv
Die meisten Baumarten der Rangliste sind in Österreich heimisch. Eingeführt und im Wald selten sind etwa Douglasie (0,1 % des Vorrats) und Robinie (0,2 %). Einige eingeführte Arten breiten sich aber von selbst aus und verdrängen heimische Pflanzen. Das Umweltbundesamt führt im Aktionsplan für die Pfade invasiver gebietsfremder Arten den Götterbaum unter den Pflanzen der EU-Unionsliste, für die in Österreich Maßnahmen gegen die Verschleppung gelten. In der Wiener Straßenbaumtabelle stehen noch 441 Götterbäume.
Die ältere Übersicht Neobiota in Österreich des Umweltbundesamts (2002) nennt 17 gebietsfremde Pflanzenarten, die als invasiv gelten, weil sie natürliche und naturnahe Lebensräume besiedeln und heimische Arten verdrängen. Unter den Bäumen sind das Götterbaum, Robinie, Eschen-Ahorn, Pennsylvanische Esche (Fraxinus pennsylvanica) und Hybridpappel. Welche Arten von Natur aus heimisch sind und wie das deutsche Bundesamt für Naturschutz die Begriffe definiert, steht im Ratgeber heimische Bäume.
Für das Bestimmen gilt: erst Nadel oder Blatt, dann Blattstellung, Blattform, Rinde, Knospen und Früchte, wie im Ratgeber Baum bestimmen. Wenn die Krone zu hoch ist, hilft ein Foto: Tree Identifier nennt nach einem Bild von Nadeln, Blatt, Rinde oder Zapfen den deutschen und den wissenschaftlichen Namen; die iPhone-App braucht dafür eine Internetverbindung. Sie zeigt keine Liste ähnlicher Arten, also zähl bei Föhren und Zirben trotzdem selbst die Nadeln.
Was ein Foto nicht klären kann
- Die Waldinventur beschreibt den Ertragswald. In Gärten, Parks und an Straßen stehen viele gepflanzte Arten, die im Inventar kaum vorkommen, etwa Zürgelbaum, Platane oder Schnurbaum.
- Das Inventar fasst seltenere Laubbäume in Sammelgruppen wie „sonstiges Hartlaub“ und „Weichlaub“ zusammen. Welche Art vor dir steht, sagt die Tabelle nicht.
- Rotföhre, Schwarzföhre und Zirbe sind auf einem Foto vom ganzen Baum schwer zu trennen. Zähl die Nadeln je Kurztrieb und fotografier einen Zweig aus der Nähe.
Häufige Fragen
Was ist der häufigste Baum in Österreich?
Die Fichte. Laut Österreichischer Waldinventur 2018/23 wächst sie auf 1,6 Millionen Hektar oder 47,6 % des Ertragswaldes und hält rund 60 % des Holzvorrats. An zweiter Stelle steht die Rotbuche mit 11,2 % der Fläche.
Wie stark geht die Fichte in Österreich zurück?
Ihr Flächenanteil im Ertragswald sank von 55,7 % in der Waldinventur 1992/96 auf 47,6 % in der Periode 2018/23, von 1,87 auf 1,60 Millionen Hektar. Im selben Zeitraum stieg die Fläche der Rotbuche von 309.000 auf 377.000 Hektar.
Ist Föhre dasselbe wie Kiefer?
Ja. In Österreich sagt man meist Föhre: Rotföhre für die Weißkiefer (Pinus sylvestris), Schwarzföhre für die Schwarzkiefer (Pinus nigra). Beide tragen zwei Nadeln je Kurztrieb. Die Zirbe ist eine Kiefer mit fünf Nadeln.
Wo wächst die Schwarzföhre in Österreich?
Sie ist laut Bundesforschungszentrum für Wald eine Charakterbaumart des südöstlichen Niederösterreich; in Österreich liegt ihr nördlichstes natürliches Vorkommen. Bis in die 1960er-Jahre wurde sie dort zur Harzgewinnung gepecht.
Welche Baumarten sind in Österreich invasiv?
Der Götterbaum steht auf der Unionsliste invasiver gebietsfremder Arten der EU, die das Umweltbundesamt im Aktionsplan für Österreich behandelt. Die Studie „Neobiota in Österreich“ des Umweltbundesamts zählte 2002 auch Robinie, Eschen-Ahorn und Hybridpappel zu den invasiven Pflanzen.
Quellen
- Österreichische Waldinventur 2018/23: Waldfläche nach Baumarten, Ertragswald, Österreich — Bundesforschungszentrum für Wald (BFW), waldinventur.at
- Österreichische Waldinventur 2018/23: Vorrat nach Baumarten und Betriebsarten, Österreich — Bundesforschungszentrum für Wald (BFW), waldinventur.at
- Österreichische Waldinventur 1992/96: Waldfläche nach Baumarten und Betriebsarten, Österreich — Bundesforschungszentrum für Wald (BFW), waldinventur.at
- Klimakapriolen fordern Österreichs Wald heraus (Österreichische Waldinventur 2018/23) — Bundesforschungszentrum für Wald (BFW), Pressemeldung
- Die Schwarzföhre — Bundesforschungszentrum für Wald (BFW), waldwissen.net (Kohlross, H.)
- Aktionsplan für die Pfade invasiver gebietsfremder Arten in Österreich, 3. Fassung (DP-204) — Umweltbundesamt, Wien 2026
- Neobiota in Österreich (Essl, F. und Rabitsch, W.) — Umweltbundesamt, Wien 2002
- Straßenbäume nach Baumgattungen und Altersgruppen (Tabelle 1.1.7) — Stadt Wien, Statistik; Daten Wiener Stadtgärten, Stichtag 28. 4. 2025
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