Ratgeber Baumarten

Bäume der Schweiz erkennen

Welche Baumarten im Schweizer Wald stehen, wie sie sich zwischen Jura, Mittelland, Alpen und Alpensüdseite verteilen und welche Bäume bis an die Waldgrenze steigen.

Illustration eines Alpentals: Buchen unten, Fichten und Tannen am Hang, Lärchen und Arven an der Waldgrenze
Illustration (KI-generiert, nur zur Orientierung)

Kurz gesagt

Die häufigsten Bäume der Schweiz sind laut Landesforstinventar Fichte (36 % der Bäume ab 12 cm Brusthöhendurchmesser), Buche (18 %) und Weisstanne (11 %); zusammen rund zwei Drittel. Es folgen Lärche und Ahorn mit je 6 %, Esche, Föhre, Eiche, Kastanie und Arve. Beim Holzvorrat liegt die Fichte mit 42 % noch deutlicher vorn. Die Zahlen stammen aus dem LFI5 (2018–2022).

  • Drei Arten stellen rund zwei Drittel der Bäume im Schweizer Wald: Fichte, Buche und Weisstanne.
  • Im Jura hat die Buche den grössten Holzvorrat, auf der Alpensüdseite ist die Kastanie eine Hauptbaumart.
  • Arven wachsen in der Schweiz bis fast 2800 m ü. M.; die höchste LFI-Probefläche mit Arven liegt auf 2283 m.

Der Schweizer Wald bedeckt rund 1,3 Millionen Hektaren, 32 % der Landesfläche. Welche Bäume darin stehen, misst das Landesforstinventar (LFI) der WSL im Auftrag des BAFU auf rund 6700 Probeflächen. Der Waldbericht 2025 fasst die Zwischenergebnisse des fünften Inventars (Erhebungen 2018 bis 2022) zusammen. Diese Seite zeigt die Rangliste, die Unterschiede zwischen Jura, Mittelland, Alpen und Alpensüdseite, die Bäume an der Waldgrenze und die Bäume in den Städten. Wo Schweizer und deutsche Namen auseinandergehen, steht hier der Schweizer Name: Föhre statt Kiefer, Arve statt Zirbe.

Die häufigsten Baumarten im Schweizer Wald

Die Tabelle ordnet die Hauptbaumarten nach der Stammzahl, also nach dem Anteil an allen lebenden Bäumen ab 12 cm Brusthöhendurchmesser. Daneben steht der Anteil am Holzvorrat. Beide Werte stammen aus dem Waldbericht 2025 von BAFU und WSL (Abb. 4.1.1 und 1.2.2, Quelle LFI, Abegg et al. 2023). Der Gesamtvorrat beträgt 420,4 Millionen Kubikmeter.

Rang Baumart Anteil an der Stammzahl Anteil am Holzvorrat So erkennst du sie Unsere Seite
1 Fichte (Rottanne) 36 % 42,2 % Spitze Nadeln auf kleinen Stielchen, hängende Zapfen Tanne oder Fichte
2 Buche 18 % 18,0 % Silbergraue, glatte Rinde, die nie rissig wird Buche erkennen
3 Weisstanne 11 % 15,6 % Flache Nadeln mit zwei weissen Streifen, aufrechte Zapfen Tanne oder Fichte
4 Lärche 6 % 6,4 % Nadeln in Büscheln, im Herbst goldgelb, im Winter kahl Lärche erkennen
5 Ahorn 6 % 3,5 % Gegenständige, handförmig gelappte Blätter, Flügelfrüchte Ahorn erkennen
6 Esche 4 % 3,5 % Gegenständig gefiedert, samtschwarze Knospen Esche erkennen
7 Föhre (Waldföhre) 3 % 2,5 % Zwei Nadeln je Kurztrieb, Rinde oben fuchsrot Kiefer erkennen
8 Eiche 2 % 1,9 % Gelappte Blätter, Eicheln Stieleiche oder Traubeneiche
9 Kastanie (Edelkastanie) 2 % 1,3 % Lange, scharf gezähnte Blätter, stachelige Fruchtbecher
10 Arve 1 % 0,7 % Fünf Nadeln je Kurztrieb, aufrechte Zapfen Kiefer erkennen

Die übrigen Laubhölzer kommen zusammen auf 10 % der Stammzahl, aber nur 3,8 % des Vorrats; die übrigen Nadelhölzer auf 1 % und 0,5 %. Der Unterschied zwischen den beiden Spalten ist kein Fehler: Ahorne und Eschen sind im Schnitt dünner als Fichten und Tannen, deshalb zählen sie bei den Stämmen mehr als beim Holz. Insgesamt besteht der Vorrat zu 68 % aus Nadel- und zu 32 % aus Laubbäumen. Der Waldbericht nennt dazu 39 einheimische Laub- und 7 Nadelbaumarten unter den typischen Waldpflanzen.

Was sich seit dem LFI4 verändert hat

Zwischen dem LFI4 (2009–2017) und dem LFI5 (2018–2022) hat die Fichte bei der Stammzahl um 0,5 % pro Jahr abgenommen. Weil sie die weitaus häufigste Baumart ist, trägt sie am meisten zur Veränderung bei. Beim Vorrat hat sie im Mittelland um 15 % und im Jura um 10 % verloren, in den Alpen dagegen um 6 % zugelegt. Der Waldbericht nennt die Fichte in tieferen Lagen eine standortfremde Baumart, die unter den Wetterextremen stark gelitten hat.

Gewonnen haben der Ahorn (Stammzahl plus 1,4 % pro Jahr) und die Arve (plus 1,1 % pro Jahr). Der Bergahorn ist die einzige Baumart, deren Vorrat in allen Regionen signifikant zugenommen hat, im Schnitt um 19 %. Am stärksten verloren hat die Esche, landesweit 2,2 % der Stämme pro Jahr, wegen des Eschentriebsterbens; nur auf der Alpensüdseite nahm sie leicht zu. Auch die Waldföhre ging fast überall deutlich zurück, in den Regionen Mittelland West und Alpen Nordost um je 4 % pro Jahr.

Jura, Mittelland, Alpen und Alpensüdseite

Die Landesrangliste verdeckt grosse regionale Unterschiede. Am stärksten bewaldet ist die Alpensüdseite mit knapp 55 %, es folgen Jura (40 %), Voralpen (35 %) und Alpen (28 %); im dicht besiedelten Mittelland sind es 24 %.

  • Jura. Hier hat die Buche mit 31 % den grössten Holzvorrat, auch wenn er um 7 % gesunken ist. Die Weisstanne ist im Jura und in den Voralpen verhältnismässig stark vertreten.
  • Mittelland. Die Fichte hält noch viel Vorrat, ist aber hier oft gepflanzt und verliert am meisten. Die Buche kommt auf 26 % des Vorrats. Für tiefe Lagen nennt der Waldbericht Spitzahorn und Eiche als Zukunftsbaumarten.
  • Alpen und Voralpen. Die Fichte ist hier die vorratsreichste Art und hat zugelegt. Lärche und Arve bilden die Wälder der höheren Lagen. Fast 75 % der neuen Waldfläche der letzten Dekade entstanden über 1400 m ü. M., meist auf aufgegebenem Weideland.
  • Alpensüdseite. Die Edelkastanie wächst fast nur hier und stellt 15 % der Bäume und 13 % des Vorrats. Buche (plus 20 %) und Weisstanne (plus 18 %) haben im Vorrat stark zugelegt.

Wenn du im Tessin einen Laubbaum mit langen, scharf gezähnten Blättern siehst, ist eine Kastanie deshalb eine gute erste Vermutung. Im Jura ist ein glattrindiger grauer Baum meist eine Buche, im Engadin ein Nadelbaum mit Nadelbüscheln meist eine Lärche.

Waldgrenze und die Bäume der Alpen

An der oberen Waldgrenze bleiben nur wenige Arten übrig: Laut WSL bilden Arve, Lärche und Fichte in der Schweiz die obere Waldgrenze. In Europa wächst die Arve höher als jede andere Baumart, gefolgt von der Lärche. Darüber, in der Kampfzone, sind niedrige Wuchsformen typisch. Die WSL unterscheidet dabei zwei Grenzen (Lässig und Brändli, waldwissen.net): Die Waldgrenze liegt dort, wo Bäume nach internationaler Walddefinition noch mindestens 5 m hoch werden; die Baumgrenze wird von Bäumen mit mindestens 2 bis 3 m Höhe gebildet, je nach Autor.

Die höchste Probefläche des LFI mit Arven liegt auf 2283 m ü. M. Einzelne Bäume steigen viel höher. Die WSL hat Funde gesammelt, mit Stand Januar 2016:

Baumart Höchster bekannter Fund Ort
Lärche 2971 m ü. M., 21 cm hoch Ausserberg (VS)
Hängebirke 2860 m ü. M. höchster Laubbaum der Liste
Arve 2805 m ü. M. bei Orsières (Unterwallis)
Arve 2765 m ü. M., 11 cm hoch Unterrothorn bei Zermatt, 2015

Ein Wacholder auf 3020 m führt die Liste an, wächst aber meist strauchförmig, und die Autoren fragen selbst, ob er als Baum zählt. Die Arve erkennst du an den fünf Nadeln je Kurztrieb, die Lärche an ihren Nadelbüscheln, die sie im Herbst gelb färbt und abwirft. Beide Arten stehen unter Kiefer erkennen und Lärche erkennen.

Stadtbäume und eingeführte Arten

In den Städten sieht die Schweiz ganz anders aus als im Wald. Die WSL hat Baumkataster aus 26 Schweizer Städten mit über 500 000 Stadtbäumen ausgewertet (Medienmitteilung der WSL, September 2024). Dort wachsen mehr als 1300 Baumarten, die meisten nicht einheimisch, in den umliegenden Wäldern dagegen nur 76. Zahlenmässig dominieren in den Städten wenige Gattungen wie Ahorne und Linden, in den Wäldern im Umkreis von 10 km vor allem Fichten und Buchen. Eine Rangliste mit Prozentwerten für Zürich oder Basel haben wir in den Quellen nicht gefunden.

Im Wald spielen eingeführte Baumarten eine kleine Rolle: Laut Waldbericht 2025 dominieren sie nur 0,7 % der Waldfläche, fast ausschliesslich unter 1000 m ü. M. Die wichtigsten sind Douglasie, Roteiche und Schwarzföhre; im Jura und im Mittelland zeigen Douglasie und Strobe (Weymouthsföhre) eine Tendenz zur spontanen Ausbreitung. Insgesamt zählen 22 Gehölzarten zu den invasiven Neophyten, zehn weitere gelten als potenziell invasiv.

Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora ist Info Flora. Dort findest du Verbreitungskarten und Infoblätter zu invasiven Arten, zum Beispiel zum Götterbaum: Er stammt aus China und Nordkorea, kam im 18. Jahrhundert als Zierbaum nach Mitteleuropa, breitet sich in der ganzen Schweiz stark aus und unterliegt einem Umgangsverbot nach Anhang 2.1 der Freisetzungsverordnung. Erkennen kannst du ihn an den 40 bis 60 cm langen, gefiederten Blättern, deren Teilblätter am Grund kleine Lappen mit schwarzen Drüsen tragen, und am unangenehmen Geruch zerriebener Blätter. Welche Bäume in Mitteleuropa von Natur aus wachsen, zeigt der Ratgeber heimische Bäume.

Schweizer Bäume bestimmen

Die Schritte zum Bestimmen sind dieselben wie überall: erst Nadel oder Blatt, dann Blattstellung, Blattform, Rinde, Knospen und Früchte. Sie stehen im Ratgeber Baum bestimmen. Für die Schweiz helfen zwei Abkürzungen. Bei Nadelbäumen trennen Nadelfuss und Zapfen Fichte und Weisstanne, die zusammen fast die Hälfte der Bäume stellen; den Vergleich findest du unter Tanne oder Fichte. Und die Höhe ist ein Merkmal: Nahe der Waldgrenze sind Arve, Lärche und Fichte die wahrscheinlichsten Kandidaten.

Wenn ein Ast zu hoch hängt, hilft ein Foto. Tree Identifier nennt nach einem Bild von Blatt, Rinde, Zapfen oder ganzem Baum den deutschen und den wissenschaftlichen Namen; die iPhone-App braucht dafür eine Internetverbindung, im Gebirge also Empfang. Sie zeigt keine Liste ähnlicher Arten, prüf das Ergebnis deshalb mit dem Merkmal aus der Tabelle. In der Sammlung von Tree Identifier stehen unter anderem Europäische Lärche, Waldföhre (Pinus sylvestris) und Eibe.

Was ein Foto nicht klären kann

  • Die LFI-Zahlen beschreiben den Wald. In Gärten, Pärken und an Strassen stehen viele gepflanzte Arten aus anderen Erdteilen, die im Inventar kaum auftauchen.
  • Das Inventar fasst Arten zusammen: „Ahorn“ umfasst Berg-, Spitz- und Feldahorn, „Eiche“ mehrere Eichenarten. Welche Art vor dir steht, musst du am Blatt prüfen.
  • In der Kampfzone über der Waldgrenze wachsen Bäume oft strauchförmig und kaum kniehoch. Ein Foto zeigt die Art, aber nicht, ob es ein Baum oder ein Krüppelwuchs ist.

Häufige Fragen

Was ist der häufigste Baum der Schweiz?

Die Fichte. Laut Waldbericht 2025 von BAFU und WSL ist gut jeder dritte Baum ab 12 cm Brusthöhendurchmesser eine Fichte (36 %), und sie hält 42 % des Holzvorrats. Sie ist in allen Regionen ausser dem Jura die vorratsreichste Baumart.

Wie viele einheimische Baumarten hat die Schweiz?

Der Waldbericht 2025 nennt 39 einheimische Laub- und 7 Nadelbaumarten unter den typischen Waldpflanzen. Zum Vergleich: In 26 Schweizer Städten zählte die WSL über 1300 Baumarten, die meisten davon nicht einheimisch.

Wo ist die Waldgrenze in der Schweiz?

Das hängt von Region und Definition ab. Die höchste LFI-Probefläche mit Arven liegt auf 2283 m ü. M. Einzelne junge Arven fand die WSL bis 2765 m, eine Lärche auf 2971 m. Als Waldgrenze gilt, wo Bäume noch 5 m hoch werden; die Baumgrenze liegt darüber.

Ist Föhre dasselbe wie Kiefer?

Ja. In der Schweiz heisst die Waldkiefer (Pinus sylvestris) meist Föhre oder Waldföhre. Das Landesforstinventar führt sie als Föhre; sie hat zwei Nadeln je Kurztrieb. Die Arve, in Österreich Zirbe genannt, ist eine Kiefer mit fünf Nadeln.

Welche Bäume sind in der Schweiz invasiv?

Laut Waldbericht 2025 zählen 22 Gehölzarten zu den invasiven Neophyten, zehn weitere gelten als potenziell invasiv. Der Götterbaum steht laut Info Flora auf der Liste der invasiven gebietsfremden Arten und unterliegt einem Umgangsverbot nach Freisetzungsverordnung.

Quellen

  1. Waldbericht 2025: Entwicklung, Zustand und Nutzung des Schweizer Waldes — Bundesamt für Umwelt BAFU und Eidg. Forschungsanstalt WSL
  2. Der höchstgelegene Baum der Schweiz — WSL, waldwissen.net (Lässig, R. und Brändli, U.-B.)
  3. Mehr als 1300 Baumarten leben in Städten: Sind sie Einfallstore für Waldschädlinge? — Eidg. Forschungsanstalt WSL, Medienmitteilung über idw
  4. Götterbaum (Ailanthus altissima), Infoblatt invasive Neophyten — Info Flora, nationales Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora

Aktualisiert am · Geschrieben vom Tree-Identifier-Team · So schreiben wir unsere Ratgeber

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