Baumporträt

Tanne und Fichte: so erkennst du den Unterschied

„Die Fichte sticht, die Tanne nicht“ stimmt meistens. Sicherer sind der Nadelfuß am Zweig und die Zapfen, die bei der Tanne nie am Boden liegen.

Illustration im Vergleich: Weißtannenzweig mit flachen Nadeln, zwei weißen Streifen und aufrechtem Zapfen, Fichtenzweig mit hängendem Zapfen
Illustration (KI-generiert, nur zur Orientierung)

Kurz gesagt

Der Unterschied zwischen Tanne und Fichte zeigt sich zuerst an den Nadeln: Weißtannennadeln sind flach, stumpf, oft vorn eingekerbt und tragen unten zwei weiße Streifen; Fichtennadeln sind spitz, stumpf vierkantig und ringsum gleich grün. Tannenzapfen stehen aufrecht und zerfallen am Baum, Fichtenzapfen hängen und fallen als Ganzes ab. Die Tannenrinde ist weißgrau, die Fichtenrinde rötlich braun.

  • Zieh eine Nadel ab: Bei der Fichte bleibt ein kleines Stielchen am Zweig, bei der Tanne eine glatte, runde Narbe.
  • Zapfen am Waldboden sind fast immer Fichtenzapfen: Tannenzapfen zerfallen oben in der Krone.
  • Die Nordmanntanne im Wohnzimmer ist eine Tanne, die Blaufichte eine Fichte, die Douglasie keins von beiden.

Bestimmungsmerkmale auf einen Blick

Wissenschaftlicher Name
Abies alba und Picea abies
Familie
Pinaceae (Kieferngewächse)
Typ
Nadelbaum, immergrün
Nadeln Tanne
Flach, bis 30 mm lang und 3 mm breit, nicht stechend, oft vorn eingekerbt; oben glänzend dunkelgrün, unten zwei breite weiße Streifen.
Nadeln Fichte
1 bis 2,5 cm lang, spitz, im Querschnitt stumpf vierkantig und auf allen Seiten gleich grün.
Nadelfuß
Tanne: grüner, saugnapfartig verbreiterter Fuß, kahle Zweige glatt. Fichte: rindenfarbenes Stielchen, kahle Zweige rau wie eine Raspel.
Zapfen Tanne
Aufrecht, nur in der obersten Krone; zerfallen nach der Samenreife am Baum, die Spindel bleibt einige Jahre stehen.
Zapfen Fichte
Hängend, 8 bis 16 cm lang, 3 bis 4 cm dick; fallen nach dem Ausfliegen der Samen als Ganzes ab.
Rinde
Tanne hell- bis weißgrau, lange glatt mit Harzblasen, ab 40 bis 60 Jahren dunkelgraue, rissige Schuppenborke. Fichte hell- bis rotbraun mit dünnen, runden Schuppen.
Krone
Fichte bis ins Alter spitz kegelförmig. Alte Tannen bilden oben ein abgeflachtes „Storchennest“.
Größe und Alter
Weißtanne bis 65 m und bis 500 Jahre; Fichte 30 bis 50 m (höchstens 60 m), bis 400 Jahre.
Häufigkeit
Fichte 20,9 % der Holzbodenfläche in Deutschland, Tanne 211.000 ha (Bundeswaldinventur 2022).

Tanne oder Fichte: Im Wald und auf dem Weihnachtsbaummarkt verwechseln die meisten die beiden. Der Spruch „Die Fichte sticht, die Tanne nicht“ hilft schon weit, aber er hat Lücken. Hier ist die Reihenfolge, die immer funktioniert: erst der Nadelfuß, dann die Nadel selbst, dann Zapfen und Rinde.

Der Unterschied in vier Schritten

1. Der Nadelfuß. Zieh eine Nadel vom Zweig. Bei der Fichte sitzt jede Nadel auf einem kleinen, rindenfarbenen Stielchen, das fest mit dem Zweig verwachsen ist. Es bleibt nach dem Nadelfall stehen, deshalb fühlt sich ein kahler Fichtenzweig rau an wie eine Raspel. So beschreibt es die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in ihrem Porträt der Fichte. Die Tannennadel sitzt dagegen mit einem grünen, saugnapfartig verbreiterten Fuß auf dem Zweig, und der kahle Zweig bleibt glatt (LWF, Weißtanne). Dieser Test ist der zuverlässigste, weil er auch bei Gartenfichten mit flachen Nadeln funktioniert.

2. Die Nadel. Die Weißtannennadel ist flach, bis 30 mm lang und 3 mm breit, oben glänzend dunkelgrün und unten mit zwei breiten, weißen Spaltöffnungsstreifen. Die Spitze ist stumpf und hat oft eine kleine Kerbe. Die Fichtennadel ist mit 1 bis 2,5 cm kürzer, spitz, im Querschnitt stumpf vierkantig und auf allen Seiten gleich grün. Roll eine Fichtennadel zwischen den Fingern: Sie dreht sich wie ein kleiner Stab, die Tannennadel liegt flach wie ein Band.

3. Die Zapfen. Tannenzapfen stehen aufrecht auf den Zweigen, und zwar nur ganz oben in der Krone. Nach der Samenreife im Herbst zerfallen sie am Baum in Schuppen und Samen; die Spindel bleibt noch einige Jahre am Zweig stehen. Fichtenzapfen hängen nach unten, sind 8 bis 16 cm lang und 3 bis 4 cm dick und fallen nach dem Ausfliegen der Samen als Ganzes ab. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald sagt es deutlich: Die „Tannenzapfen“, die man am Boden findet, sind fast immer Fichtenzapfen.

4. Die Rinde. Die Weißtanne hat ihren Namen von der hellen, grauweißen Rinde. Sie bleibt lange glatt, mit kleinen Harzblasen, und wird erst ab 40 bis 60 Jahren zu einer dunkelgrauen, rissigen Schuppenborke. Die Fichte ist hell- bis rotbraun und blättert in dünnen, abgerundeten Schuppen; deshalb heißt sie auch Rotfichte.

Wenn die Zweige zu hoch hängen, fotografier einen heruntergefallenen Zweig oder die Rinde mit Tree Identifier. Die App zeigt keinen Sicherheitswert und keine Liste ähnlicher Arten, also prüf ihr Ergebnis mit dem Nadelfuß aus Schritt 1.

Stimmt „Die Fichte sticht, die Tanne nicht“?

Für die meisten Zweige ja, aber nicht für alle.

  • Die Fichte sticht wirklich, aber nur leicht. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald spricht im Weihnachtsbaumlexikon von „leicht stechenden Nadeln“. An Schattenzweigen können Fichtennadeln sogar abgeflacht sein (LWF).
  • Die Blaufichte sticht viel stärker. Ihre Nadeln stehen rundum vom Zweig ab, sind steif und haben eine scharfe Spitze, daher der Name Stechfichte.
  • Auch Tannennadeln sind nicht alle gleich. An Schattenzweigen sind sie lang, flach und in einer Ebene gescheitelt. Oben in der sonnigen Krone sind sie kürzer, im Querschnitt rautenförmig und stehen allseitig ab (LWF). Ein Zweig aus der Krone sieht deshalb weniger „typisch Tanne“ aus.
  • Die Douglasie sticht nicht, ist aber weder Tanne noch Fichte.

Der Spruch ist also ein guter Anfang. Wenn er nicht eindeutig ist, entscheidet der Nadelfuß.

Nordmanntanne, Blaufichte und andere Weihnachtsbäume

Die Weihnachtsbäume im Handel sind meist keine heimischen Arten. Früher standen vor allem Fichte und Weißtanne im Wohnzimmer; heute werden überwiegend fremdländische Tannen und Fichten angebaut (waldwissen.net, LWF).

Nordmanntanne. Sie stammt aus dem Kaukasus, wo sie vor allem zwischen 1.000 und 2.000 m wächst, und ist die wichtigste Baumart im europäischen Christbaumanbau; eine Kultur braucht neun bis zehn Jahre. Laut Schutzgemeinschaft Deutscher Wald entscheiden sich knapp 80 Prozent der Käuferinnen und Käufer für sie. Ihre Nadeln sind weich, glänzend tiefgrün und stechen nicht, sie hält bis zu drei Wochen, duftet aber kaum. Als Tanne hat sie den grünen, runden Nadelfuß.

Blaufichte. Etwa zehn Prozent der Käufe. Spitze, stechende Nadeln mit blauem Schimmer und harzigem Duft; sie nadelt nach acht bis zehn Tagen. Als Fichte sitzen ihre Nadeln auf Stielchen.

Fichte. Nur rund sieben Prozent der Käufe. Mild duftend, aber sie nadelt im warmen Zimmer schon nach wenigen Tagen.

Douglasie. Sie bildet eine eigene Gattung. Ihre Nadeln sind 1,5 bis 4 cm lang, flach, unten mit zwei silbergrauen Streifen und riechen zerrieben fruchtig nach Orange. Die braunen Zapfen sind 4 bis 11 cm lang und gestielt, und ihre langen, dreispitzigen Deckschuppen bleiben sichtbar (LWF, Douglasie). Mit 261.000 ha ist sie die wichtigste eingeführte Baumart im deutschen Wald.

Wo Tanne und Fichte in Deutschland wachsen

Die Fichte ist bei uns von Natur aus ein Baum der Gebirge: der Alpen, des Schwarzwalds, vom Bayerischen Wald bis zum Fichtelgebirge, des Thüringer Walds, des Erzgebirges und des Harzes. Sie wurde aber auf großer Fläche weit außerhalb davon angepflanzt. Laut Bundeswaldinventur 2022 steht sie noch auf 2,3 Mio. Hektar, 20,9 % der Holzbodenfläche. Seit 2012 hat sie 461.000 Hektar verloren, durch Stürme, Dürre und die folgende Borkenkäfer-Massenvermehrung. Die Kiefer hat sie als häufigste Baumart abgelöst.

Die Weißtanne ist viel seltener: 211.000 Hektar, davon über die Hälfte in Baden-Württemberg und ein weiteres Drittel in Bayern. Ihre Fläche ist seit 2012 um 28.000 Hektar gewachsen. Sie ist ein Baum der Mittelgebirge und Alpen, im Schwarzwald bis etwa 1.000 m, in den Bayerischen Alpen bis etwa 1.550 m. Mit bis zu 65 m Höhe ist sie die größte heimische Baumart.

Wenn du in Norddeutschland einen hohen Nadelbaum mit hellgrauer, glatter Rinde siehst, ist es also eher eine gepflanzte Tanne oder eine Douglasie als eine wilde Weißtanne. Mehr zu Kiefer, Lärche und Eibe steht im Ratgeber Nadelbäume bestimmen.

Tanne und Fichte aus der Ferne

Ohne Zweig in der Hand hilft die Form. Die Fichte hat bis ins hohe Alter eine spitz kegelförmige Krone mit einem einzigen, aufrechten Gipfeltrieb. Bei alten Tannen wachsen die oberen Seitenäste dem Gipfel nach, bis die Spitze abgeflacht ist und wie ein Storchennest aussieht. Die Äste der Tanne stehen fast waagrecht vom Stamm ab.

Für den Weg zur Bestimmung mit Foto, auch für Zweige, die du nicht erreichst, lies Baum bestimmen mit Foto. Wenn du einen bestimmten Baum später wiederfinden willst, etwa um im Herbst nach den Spindeln der Tannenzapfen zu schauen, speichert Tree Identifier jeden Fund mit Standort in der Kartenansicht der App.

Ähnliche Arten und wie du sie unterscheidest

Nordmanntanne (Abies nordmanniana)

Eine echte Tanne aus dem Kaukasus: weiche, glänzend tiefgrüne, nicht stechende Nadeln mit dem typischen Tannenfuß. Im Wald kaum zu finden, als Weihnachtsbaum fast überall.

Blaufichte oder Stechfichte (Picea pungens)

Eine Fichte mit steifen, rundum abstehenden Nadeln und scharfer Spitze, oft blau bereift. Sie sticht stärker als die heimische Fichte, die Nadeln sitzen auf Stielchen.

Douglasie (Pseudotsuga menziesii)

Weiche, flache Nadeln mit zwei silbergrauen Streifen, die zerrieben nach Orange riechen. Die Zapfen tragen dreispitzige Deckschuppen, die zwischen den Schuppen herausschauen.

Omorika- und Sitka-Fichte

Fichten mit abgeflachten Nadeln und weißlichen Streifen unten, also tannenähnlich. Der Nadelfuß entscheidet: Sie sitzen auf rindenfarbenen Stielchen, der Zweig ist rau.

Was ein Foto nicht klären kann

  • Der Nadelfuß und der vierkantige Querschnitt sind auf einem Foto vom ganzen Baum nicht zu sehen. Fotografier einen Zweig von nahem oder halte eine abgezogene Nadel vor die Kamera.
  • Gartenformen wie Omorika- und Sitka-Fichte haben flache, gestreifte Nadeln wie eine Tanne. Ein Foto der Nadeloberseite reicht dann nicht, der Zweig ohne Nadeln entscheidet.
  • Ein Zapfen am Boden kann auch von Kiefer, Lärche oder Douglasie stammen. Bestimme den Baum, unter dem er liegt, nicht den Zapfen allein.

Häufige Fragen

Welcher Baum nadelt nicht?

Jeder Nadelbaum verliert irgendwann Nadeln. Im warmen Zimmer hält die Nordmanntanne laut Schutzgemeinschaft Deutscher Wald bis zu drei Wochen, Blaufichte und Douglasie nadeln schon nach acht bis zehn Tagen, die heimische Fichte nach wenigen Tagen.

Sind Tannenzapfen am Boden wirklich von Tannen?

Fast nie. Tannenzapfen stehen aufrecht in der obersten Krone und zerfallen dort in Schuppen und Samen; am Zweig bleibt nur die Spindel. Ganze Zapfen am Waldboden stammen meist von der Fichte, deren Zapfen hängen und als Ganzes abfallen.

Ist mein Weihnachtsbaum eine Tanne oder eine Fichte?

Zieh eine Nadel ab. Bleibt ein kleines, braunes Stielchen am Zweig, ist es eine Fichte, etwa die Blaufichte. Löst sich die Nadel mit einem runden, grünen Fuß und bleibt eine glatte Narbe, ist es eine Tanne, meist die Nordmanntanne.

Wie erkenne ich eine Douglasie?

Zerreib ein paar Nadeln: Die Douglasie riecht fruchtig nach Orange. Ihre Nadeln sind weich, flach und unten silbergrau gestreift. Die braunen Zapfen sind 4 bis 11 cm lang und haben dreispitzige Deckschuppen, die sichtbar herausragen.

Warum heißt die Fichte auch Rotfichte?

Wegen ihrer rötlichen Rinde. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald nennt sie deshalb auch Rotfichte; die Weißtanne hat ihren Namen umgekehrt von der hellen, grauweißen Rinde.

Quellen

  1. Die Weißtanne (Abies alba) – Dendrologische Anmerkungen (LWF Wissen 45) — Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF)
  2. Die Fichte (Picea abies): Verwandtschaft, Morphologie und Ökologie (LWF Wissen 80) — Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF)
  3. Abies alba / Weiß-Tanne: Biologie — Forstbotanischer Garten, Georg-August-Universität Göttingen
  4. Tanne oder Weißtanne (Abies alba), Steckbrief — Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, bereitgestellt vom Regierungspräsidium Freiburg (Forst BW)
  5. Weihnachtsbaumlexikon — Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW)
  6. Baumwahl für Christbaumkulturen — waldwissen.net, Redaktion LWF
  7. Die Douglasie (Pseudotsuga menziesii) in Nordamerika: Verbreitung, Variabilität und Ökologie (LWF Wissen 59) — Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF)
  8. Der Wald in Deutschland – Ausgewählte Ergebnisse der vierten Bundeswaldinventur — BMEL, Thünen-Institut für Waldökosysteme

Aktualisiert am · Geschrieben vom Tree-Identifier-Team · So schreiben wir unsere Ratgeber

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