Ratgeber Baumarten

Die häufigsten Baumarten in Deutschland

Die Rangliste der Bundeswaldinventur 2022 nach Fläche im Wald, wie sie sich seit 2012 verändert hat, und welche Bäume an Berliner Straßen stehen.

Illustration deutscher Wälder: Kiefern im Flachland, Buchen und Eichen im Hügelland, Fichten und Tannen im Bergland
Illustration (KI-generiert, nur zur Orientierung)

Kurz gesagt

Die häufigsten Baumarten in Deutschland sind laut Bundeswaldinventur 2022 die Kiefer (21,8 % des Holzbodens), die Fichte (20,9 %), die Buche (16,6 %) und die Eiche (11,5 %). Zusammen stehen sie auf 71 % der Waldfläche. Es folgen mit Abstand Birke, Ahorn, Lärche, Erle, Douglasie, Tanne und Esche. Gemessen wird die Fläche, nicht die Zahl der Bäume.

  • Seit der Inventur 2022 ist die Kiefer die häufigste Baumart; die Fichte hat seit 2012 rund 461.000 Hektar verloren.
  • Elf Baumarten bzw. Baumartengruppen nehmen 90 % des Holzbodens ein.
  • An Berliner Straßen ist es anders: Dort sind Linde, Ahorn, Eiche, Platane und Rosskastanie vorn.

Wer wissen will, welche Bäume in Deutschland am häufigsten wachsen, findet die Antwort in der Bundeswaldinventur. Sie ist die einzige Zählung, die den ganzen Wald nach einem einheitlichen Verfahren erfasst: Für die vierte Inventur haben Trupps in den Jahren 2021 und 2022 rund 521.000 Bäume an fast 80.000 Stichprobenpunkten vermessen. Die Ergebnisse hat das Thünen-Institut 2024 veröffentlicht. Diese Seite zeigt die Rangliste, erklärt, was gemessen wird, und gibt dir für jede Art ein Merkmal, an dem du sie draußen erkennst.

Die Rangliste der Bundeswaldinventur 2022

Gemessen wird hier die Fläche: der Anteil am Holzboden, also an der Waldfläche, auf der Bäume wachsen oder wachsen sollen. Die Inventur rechnet dafür jede Baumart auf einen „rechnerischen Reinbestand“ um. Basis sind 10.971.061 Hektar Holzboden (BMEL und Thünen-Institut, Broschüre zur BWI 2022, S. 17). Die Prozentwerte für Birke, Lärche, Erle und Tanne haben wir aus den dort genannten Hektarzahlen berechnet; die übrigen stehen so in der Broschüre.

Rang Baumart Fläche (BWI 2022) Anteil am Holzboden So erkennst du sie Unsere Seite
1 Kiefer 2,40 Mio. ha 21,8 % Zwei gedrehte Nadeln je Kurztrieb, Rinde oben glatt und fuchsrot Kiefer erkennen
2 Fichte 2,30 Mio. ha 20,9 % Spitze, vierkantige Nadeln auf kleinen Stielchen, hängende Zapfen Tanne oder Fichte
3 Buche (Rotbuche) 1,82 Mio. ha 16,6 % Silbergraue, glatte Rinde, die nie rissig wird Buche erkennen
4 Eiche (Stiel- und Traubeneiche) 1,27 Mio. ha 11,5 % Gelappte Blätter und Eicheln Stieleiche oder Traubeneiche
5 Birke 521.000 ha 4,7 % Weiße Rinde, unten schwarz und rissig Birke erkennen
6 Ahorn 329.000 ha 3,0 % Gegenständige, handförmig gelappte Blätter, Flügelfrüchte Ahorn erkennen
7 Lärche 314.000 ha 2,9 % Nadeln in Büscheln, im Herbst goldgelb, im Winter kahl Lärche erkennen
8 Erle 281.000 ha 2,6 % Kleine, holzige Zäpfchen, die den Winter über hängen
9 Douglasie 261.000 ha 2,4 % Weiche Nadeln, die zerrieben nach Orange riechen Tanne oder Fichte
10 Tanne (Weißtanne) 211.000 ha 1,9 % Flache Nadeln mit zwei weißen Streifen, aufrechte Zapfen Tanne oder Fichte
11 Esche 201.000 ha 1,8 % Gegenständige, gefiederte Blätter, samtschwarze Knospen Esche erkennen

Daneben fasst die Inventur seltenere Laubbäume in zwei Sammelgruppen zusammen: „sonstige Laubbäume mit hoher Lebensdauer“ (304.977 ha, darunter Linde, Kastanie, Mehlbeere, Speierling, Robinie und Ulme) und „sonstige Laubbäume mit niedriger Lebensdauer“ (396.727 ha, darunter Pappel, Weide, Vogelbeere, Vogelkirsche und Wildobst). Die Linde steht damit in keiner eigenen Zeile, obwohl sie in Städten einer der häufigsten Bäume ist; mehr dazu unter Linde erkennen.

Ein Hinweis zur Lesart: Eine Rangliste nach der Zahl der Bäume oder nach dem Holzvorrat sähe anders aus. Viele dünne Stämme auf kleiner Fläche heben eine Art in der Stammzahl nach oben, wenige dicke Stämme heben sie im Vorrat. Wer „häufigste Bäume“ sagt, sollte deshalb immer dazusagen, was gezählt wurde. Die Broschüre zur BWI 2022 ordnet die Baumarten nach Fläche, und so ordnet auch diese Seite.

Was sich seit 2012 verändert hat

Die größte Verschiebung betrifft die Fichte. Zwischen den Inventuren 2012 und 2022 hat sie laut Bundeswaldinventur 461.000 Hektar verloren, das sind 16,8 % ihrer Fläche. Ursache waren Stürme, Dürre und die nachfolgende Borkenkäfer-Massenvermehrung ab 2018, besonders in Harz, Solling, Sauerland, Rothaargebirge, Thüringer Wald und Erzgebirge. Die Kiefer verlor im selben Zeitraum nur 41.000 Hektar und ist dadurch an der Fichte vorbeigezogen. Zugelegt haben die Laubbäume: die Buche um 130.000 Hektar (von 15,8 % auf 16,6 %), die Eiche um 119.000 Hektar und der Ahorn um 71.000 Hektar (von 2,3 % auf 3,0 %). Auch Douglasie (plus 47.000 Hektar) und Weißtanne (plus 28.000 Hektar) haben gewonnen. Verloren hat dagegen die Esche: minus 56.000 Hektar, eine Folge des Eschentriebsterbens.

Insgesamt stehen Laubbäume inzwischen auf 47 % des Holzbodens (2012: 43 %), Nadelbäume auf 50 % (2012: 54 %). Mischwälder prägen mit 79 % Flächenanteil den deutschen Wald.

Wo die vier Hauptbaumarten wachsen

Die Rangliste ist ein Bundesdurchschnitt. Welche Art du im Wald vor dir hast, hängt stark von der Region ab. Die Broschüre zur BWI 2022 nennt die Schwerpunkte:

  • Kiefer: das nordostdeutsche Tiefland von Niedersachsen bis Brandenburg und Sachsen, dazu der Pfälzer Wald, die Rhein-Main-Niederung und das Oberpfälzer Becken- und Hügelland.
  • Fichte: vom Alpenvorland bis in die Hochlagen Süd- und Südwestdeutschlands und die Mittelgebirge Nordostbayerns. Von Natur aus ist sie bei uns ein Baum des Berglands; auf großer Fläche außerhalb davon wurde sie gepflanzt.
  • Buche: die Mittelgebirge von der Schwäbisch-Fränkischen Alb über Pfälzerwald, Vogelsberg, Eifel, Odenwald und Spessart bis zum Solling.
  • Eiche: besonders der Pfälzer Wald, der Spessart und die warmen Tieflagen.

Im Brandenburger Kiefernwald ist ein Nadelbaum also fast immer eine Kiefer, im Schwarzwald eher Fichte oder Tanne. Mehr als die Hälfte der Tannenfläche liegt in Baden-Württemberg, ein weiteres Drittel in Bayern. Die Douglasie ist mit 2,4 % des Holzbodens die wichtigste eingeführte Baumart; sie stammt aus dem westlichen Nordamerika. Welche Arten von Natur aus hier wachsen und welche eingeführt wurden, zeigt der Ratgeber heimische Bäume.

Die häufigsten Stadtbäume

Waldstatistik ist nicht das, was du auf dem Weg zur Arbeit siehst. An Straßen stehen Bäume, die Hitze, Streusalz und wenig Wurzelraum vertragen. Eine bundesweite Zählung der Straßenbäume gibt es nicht, aber die großen Städte führen Baumkataster. Berlin veröffentlicht seine Zahlen offen: Laut Senatsverwaltung stehen an den Berliner Straßen mehr als 439.000 Bäume aus über 50 Gattungen, im Schnitt rund 80 je Kilometer Stadtstraße. Grundlage ist das Grünflächeninformationssystem mit Stand jeweils 31. Dezember des Vorjahres.

Rang Gattung in Berlin Anteil an den Straßenbäumen So erkennst du sie
1 Linde gut ein Drittel Herzförmige, schief ansetzende Blätter; bevorzugt gepflanzt wird die Winterlinde
2 Ahorn ca. 20 % Gegenständige, gelappte Blätter; an Straßen vor allem Spitzahorn
3 Eiche rund 9 % Gelappte Blätter; meist Stieleiche, im Regierungsviertel die Sumpfeiche
4 Platane etwa 6 % Rinde blättert in Platten ab, Fruchtkugeln hängen im Winter
5 Rosskastanie ca. 5 % Gegenständige, handförmig gefingerte Blätter, stachelige Fruchtschalen

Zusammen machen diese fünf Gattungen rund 75 % des Berliner Straßenbaumbestands aus. Die Linde gilt laut Senatsverwaltung seit Jahren als der berlintypische Straßenbaum. Die Zahlen gelten nur für Berlin; andere Städte pflanzen andere Mischungen, aber Linde, Ahorn und Platane sind in vielen deutschen Städten oben auf der Liste. Wie du eine Linde sicher erkennst, steht unter Linde erkennen, den Ahorn im Detail unter Ahorn erkennen. In Parks und Gärten fallen außerdem rotlaubige Sorten auf, etwa die Blutbuche, eine Form der Rotbuche, oder der Spitzahorn 'Crimson King'; sie trennt der Ratgeber Baum mit roten Blättern.

So nutzt du die Rangliste beim Bestimmen

Häufigkeit ist ein Werkzeug. Wenn zwei Arten in Frage kommen, ist die häufigere die bessere erste Vermutung, die du dann mit einem harten Merkmal prüfst. So gehst du vor:

  1. Wald oder Stadt? Im Wald gilt die Inventur, an der Straße das Baumkataster.
  2. Nadel oder Blatt? Bei Nadeln sind Kiefer und Fichte die ersten Kandidaten, bei Blättern Buche und Eiche.
  3. Ein hartes Merkmal prüfen. Zwei Nadeln je Kurztrieb heißt Kiefer, Nadeln auf Stielchen heißt Fichte, glatte graue Rinde heißt Buche, Eicheln heißen Eiche.
  4. Passt nichts? Dann ist es vermutlich eine der selteneren Arten. Die Schritte dafür stehen im Ratgeber Baum bestimmen.

Wenn die Zweige zu hoch hängen, hilft ein Foto. Tree Identifier schlägt nach einem Bild von Blatt, Rinde, Frucht oder ganzem Baum einen Namen vor; die iPhone-App braucht dafür eine Internetverbindung. Sie zeigt keine Liste ähnlicher Arten, deshalb lohnt der Abgleich mit dem Merkmal aus der Tabelle oben. In der Sammlung von Tree Identifier stehen unter anderem Waldkiefer, Europäische Lärche, Hängebirke und Winterlinde; jeder Fund mit Standort landet auf der Baumkarte der App.

Was ein Foto nicht klären kann

  • Die Rangliste gilt für den Wald. Ein Foto aus Park, Garten oder Straße zeigt oft gepflanzte Arten wie Platane, Robinie oder Zierkirsche, die in der Waldstatistik kaum vorkommen.
  • Die Inventur fasst Arten zu Gruppen zusammen: „Eiche“ umfasst vor allem Stiel- und Traubeneiche, „Birke“ Hänge- und Moorbirke. Welche Art genau vor dir steht, sagt die Rangliste nicht.
  • Junge Bäume, Schattenblätter und Stockausschläge sehen untypisch aus. Weder eine Tabelle noch eine App ordnet sie zuverlässig zu.

Häufige Fragen

Welche drei Baumarten sind in Deutschland am häufigsten?

Kiefer, Fichte und Buche. Laut Bundeswaldinventur 2022 steht die Kiefer auf 21,8 %, die Fichte auf 20,9 % und die Buche auf 16,6 % des Holzbodens. Auf Platz vier folgt die Eiche mit 11,5 %.

Was ist der häufigste Baum in Deutschland?

Im Wald die Kiefer, gemessen an der Fläche: 2,4 Millionen Hektar oder 21,8 % des Holzbodens (Bundeswaldinventur 2022). Bis zur Inventur 2012 war es die Fichte. An Straßen sieht es anders aus; in Berlin ist gut jeder dritte Straßenbaum eine Linde.

Gibt es in Deutschland mehr Laubbäume oder Nadelbäume?

Nach Fläche fast gleich viele. Nadelbäume stehen laut Bundeswaldinventur 2022 auf 50 % des Holzbodens, Laubbäume auf 47 %, der Rest sind Lücken und Blößen. 2012 lag der Nadelbaumanteil noch bei 54 %.

Welche Bäume stehen in Berlin am häufigsten an der Straße?

Linde, Ahorn, Eiche, Platane und Rosskastanie. Laut Senatsverwaltung machen diese fünf Gattungen rund 75 % der mehr als 439.000 Straßenbäume aus; die Linde allein gut ein Drittel, der Ahorn rund 20 %.

Warum ist die Fichte nicht mehr die häufigste Baumart?

Stürme, Dürre und die folgende Borkenkäfer-Massenvermehrung ab 2018 haben große Fichtenflächen vernichtet, vor allem in Mittelgebirgen wie Harz, Sauerland und Thüringer Wald. Zwischen 2012 und 2022 verlor die Fichte 461.000 Hektar, die Kiefer nur 41.000 Hektar.

Quellen

  1. Der Wald in Deutschland – Ausgewählte Ergebnisse der vierten Bundeswaldinventur — BMEL, Thünen-Institut für Waldökosysteme
  2. Lebensraum Wald (Ergebnisse der vierten Bundeswaldinventur 2022) — Bundesministerium für Landwirtschaft / Thünen-Institut, bundeswaldinventur.de
  3. Daten und Fakten: Stadtbäume — Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt Berlin

Aktualisiert am · Geschrieben vom Tree-Identifier-Team · So schreiben wir unsere Ratgeber

Veröffentlicht am

Diese Seite bietet allgemeine Informationen zur Baumbestimmung. Entscheide nie anhand einer Seite oder App, ob eine Pflanze essbar, hautverträglich oder für Tiere unbedenklich ist; frage eine fachkundige Person vor Ort.