Ratgeber Blattfarbe

Baum mit roten Blättern: welcher ist es?

Erst die Jahreszeit, dann die Blattform. Mit diesen zwei Fragen trennst du die roten Bäume in Gärten, Parks und an Straßen in Deutschland.

Illustration eines Parks mit Blutbuche, rotem Fächerahorn und Blutpflaume vor grünen Linden
Illustration (KI-generiert, nur zur Orientierung)

Kurz gesagt

Ein Baum mit roten Blättern im Sommer ist fast immer eine rotlaubige Sorte: Blutbuche (eiförmige Blätter mit welligem Rand, glatte graue Rinde), Blutpflaume (kleine Blätter, kirschgroße Früchte), Spitzahorn 'Crimson King' (fünf spitze Lappen, gegenständig) oder Fächerahorn. Ist der Baum im Sommer grün und erst im Herbst rot, kommen Amberbaum, Rot-Eiche und Scharlach-Eiche in Frage.

  • Rot von Mai bis Oktober: eine gepflanzte Sorte. Rot nur im Oktober: eine Art, deren grünes Laub sich im Herbst verfärbt.
  • Rote Blätter und Früchte wie Kirschen: meist eine Blutpflaume, eine rotlaubige Sorte der Kirsch-Pflaume.
  • Die Rot-Eiche war Baum des Jahres 2025; das BfN hat sie 2013 als invasive Art eingestuft (Schwarze Liste, Managementliste).

Ein Baum mit roten Blättern ist entweder eine Sorte, die den ganzen Sommer rot oder purpurn bleibt, oder ein Baum, der grün ist und sich erst im Herbst rot färbt. Frag dich also zuerst, wann du ihn rot gesehen hast, und schau dann auf das Blatt. Einige dieser Bäume tragen Früchte: Iss nie eine Frucht, Nuss oder Beere, nur weil eine Webseite oder eine App sie benennt; frag eine kundige Person vor Ort.

Den ganzen Sommer rot: rotlaubige Sorten

Rotes oder schwarzrotes Laub im Juli bedeutet fast immer eine Sorte, die wegen ihrer Farbe gezüchtet und gepflanzt wurde. Die wichtigsten in deutschen Gärten, Parks und Straßen:

Baum Blatt Weiteres Merkmal Wuchs
Blutbuche (Fagus sylvatica, rotlaubige Form) Eiförmig, Rand ganz oder wellig, wechselständig Glatte, hellgraue Rinde; Bucheckern Großer Parkbaum
Blutpflaume (Prunus cerasifera, rotlaubige Sorten) Klein, verkehrt eiförmig, fein gesägt Blüte im März und April vor dem Laub; kirschgroße Früchte Kleiner Baum bis 8 m
Spitzahorn 'Crimson King' (Acer platanoides) Groß, 5 bis 7 spitze Lappen, gegenständig Den ganzen Sommer tief purpurrot Baum, 8 bis 12 m
Fächerahorn (Acer palmatum), rote Sorten Tief eingeschnitten, 5 bis 7 schmale Lappen, gegenständig Oft mehrstämmig Strauch oder kleiner Baum
Perückenstrauch (Cotinus coggygria), rote Sorten Rundlich, ganzrandig Federartige, „perückenähnliche“ Fruchtstände im Sommer Großer Strauch
Blut-Hasel (Corylus maxima 'Purpurea') Rundlich, doppelt gesägt Haselnüsse in langer Hülle Strauch

Die Blutbuche ist eine Rotbuche mit dunkelroten bis tief violettroten Blättern. Der Forstbotanische Garten der Universität Göttingen erklärt die Farbe so: Rote Farbstoffe im Zellsaft, die Anthocyane, überdecken das grüne Chlorophyll. Die Rotfärbung ist genetisch bedingt und so stabil, dass auch die Sämlinge oft rot sind; Göttingen nennt Blutbuchen die größten roten Pflanzen der Welt. Erkennen kannst du sie wie jede Buche: Blattrand ganz oder leicht wellig, glatte graue Rinde, spitze, lange Knospen. Mehr dazu auf der Seite Buche erkennen.

Die Blutpflaume ist eine rotlaubige Sorte der Kirsch-Pflaume. FloraWeb beschreibt die Art mit bis zu 8 m Höhe, kleinen, 3 bis 7 cm langen, verkehrt eiförmigen Blättern und Blüten im März und April, kurz vor dem Laub. Die kugeligen Früchte sind 2 bis 3 cm groß, rot, braunrot oder gelb mit roten Tupfen. Das erklärt die häufige Suche nach einem „Baum mit roten Blättern und Kirschen“: Gemeint ist fast immer eine Blutpflaume.

Der Spitzahorn 'Crimson King' behält laut der Royal Horticultural Society seine Blätter den ganzen Sommer tief purpur-karmesinrot und wird 8 bis 12 m hoch. Die Blattform ist die des Spitzahorns: fünf bis sieben Lappen mit fein ausgezogenen Spitzen, Blätter und Flügelfrüchte gegenständig. Wie du ihn von Berg- und Feldahorn trennst, steht auf der Seite Ahorn erkennen.

Der Fächerahorn hat tief eingeschnittene, gegenständige Blätter. Es gibt rote Sorten, die den ganzen Sommer rot sind, und grüne, die sich erst im Herbst färben. Er gehört zur Sammlung (Collection) von Tree Identifier, dem Katalog mit 138 Arten, der sich füllt, während du Bäume bestimmst.

Perückenstrauch und Blut-Hasel sind Sträucher, keine Bäume, stehen aber oft als hohe Solitäre im Garten. Eine rote Hecke ist meist Blut-Hasel, Blutbuche als Hecke oder Glanzmispel.

Erst im Herbst rot: Amberbaum, Rot-Eiche, Scharlach-Eiche

Diese Bäume sind den Sommer über grün.

Der Amberbaum (Liquidambar styraciflua) aus dem Südosten der USA wird laut Universität Bayreuth heute oft als Straßen- und Parkbaum gepflanzt, nicht zuletzt wegen seiner auffallend roten Herbstfarbe. Seine Blätter sehen aus wie Ahornblätter mit meist fünf spitzen Lappen, stehen aber wechselständig, nicht gegenständig wie beim Ahorn. Das ist der Test, der entscheidet. Weitere Merkmale: Zweige oft mit Korkleisten und kugelige Fruchtstände aus stacheligen Kapseln, die bis in den Winter am Baum hängen. Auch der Amberbaum ist Teil der Collection in Tree Identifier.

Die Rot-Eiche (Quercus rubra) stammt aus dem Osten Nordamerikas. Laut LWF Bayern hat sie lang gestielte (2 bis 5 cm), 10 bis 25 cm große Blätter mit 4 bis 5 Lappen je Seite, deren wenige Zähne in eine feine Grannenspitze auslaufen; die Buchten reichen meist nicht tiefer als bis zur Mitte der Blatthälfte. Im Herbst färbt sich das Laub typischerweise leuchtend orange bis scharlachrot, manche Bäume werden aber nur braun. Ihre Eicheln reifen erst im zweiten Herbst und sitzen in einem flachen Becher. Mit Stiel- und Traubeneiche, deren Lappen rund sind, ist sie nicht zu verwechseln; den Unterschied der heimischen Eichen erklärt die Seite Stieleiche oder Traubeneiche.

Die Rot-Eiche ist nicht heimisch und umstritten. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald nennt sie mit 0,5 Prozent Anteil die zahlenmäßig häufigste nicht-heimische Laubbaumart in deutschen Wäldern; 2025 war sie Baum des Jahres. Das Bundesamt für Naturschutz stuft sie in seinen Invasivitätsbewertungen von 2013 als invasive Art ein (Schwarze Liste, Managementliste), weil sie auf trockenen Standorten die heimische Traubeneiche ausdunkelt und ihr Laub schwer abbaubar ist. Die SDW weist darauf hin, dass sie im rechtlichen Sinn, nach Bundesnaturschutzgesetz und EU-Liste, nicht als invasiv gilt.

Die Scharlach-Eiche (Quercus coccinea) ist laut LWF ein beliebter Park- und Straßenbaum, der der Rot-Eiche sehr ähnlich sieht. Unterschied: Ihre Blätter sind zwischen den Lappen tiefer gebuchtet, oft bis nahe an die Mittelrippe, und unterseits glänzend grün; bei der Rot-Eiche sind die Buchten flacher und die Unterseite matt.

Weitere Herbstrote: Der Essigbaum (Rhus typhina) mit langen, gefiederten Blättern und samtigen Zweigen färbt sich ebenfalls rot; das BfN führt ihn auf der Grauen Liste (Beobachtungsliste) potenziell invasiver Arten. Felsenbirnen, meist Sträucher oder kleine Bäume, und Fächerahorne leuchten im Herbst rot. Wilder Wein an Hauswänden ist eine Kletterpflanze, kein Baum.

Warum Blätter rot werden

Drei Farbstoffgruppen färben ein Blatt. Das grüne Chlorophyll überdeckt im Sommer alle anderen. Die gelben bis orangen Carotinoide sind die ganze Zeit im Blatt und werden sichtbar, wenn der Baum im Herbst das Chlorophyll abbaut. Die roten Anthocyane dagegen werden laut dem Beitrag von Konrad Müller auf waldwissen.net erst in dieser Übergangsphase neu gebildet, als Nebenprodukt der sehr hohen Stoffwechselaktivität. Ausgelöst wird die Verfärbung durch die kürzer werdenden Tage, verstärkt durch sinkende Temperaturen; Roteichen fallen dabei durch ihr Feuerrot auf.

Bei rotlaubigen Sorten wie der Blutbuche sind die Anthocyane schon im Frühjahr da und überdecken das Chlorophyll den ganzen Sommer. Deshalb ist eine Blutbuche ab Mai rot, ein Amberbaum erst im Oktober.

Im Frühjahr rot, im Sommer grün

Viele Bäume treiben rötlich oder bronzefarben aus und vergrünen dann. Ein rotes Blatt im April ist also noch kein Beweis: Schau im Juli wieder hin. Bleibt der Baum rot, ist es eine rotlaubige Sorte; ist er grün geworden, hilft die Blattform weiter, etwa mit dem Ratgeber Baum bestimmen nach Blatt. Auch Blüten helfen im Frühjahr: Wann welcher Baum blüht, zeigt Welcher Baum blüht jetzt.

Schnelltabelle: welcher rote Baum steht vor dir

Was du siehst Wahrscheinlich Der entscheidende Test
Kleine rote Blätter, kleiner Baum, rote oder gelbe „Kirschen“ Blutpflaume Blätter nur 3 bis 7 cm lang
Große rote Blätter mit spitzen Lappen, gegenständig Spitzahorn 'Crimson King' Doppelte Flügelfrüchte
Rote, eiförmige Blätter mit welligem Rand, glatte graue Rinde Blutbuche Bucheckern im Herbst
Rote, fein geschlitzte Blätter, kleiner Gartenbaum Fächerahorn Gegenständige Blätter
Sternförmige Blätter, im Oktober rot, wechselständig Amberbaum Stachelige Fruchtkugeln
Große Eichenblätter mit spitzen Lappen, im Oktober rot Rot- oder Scharlach-Eiche Tiefe der Buchten, Blattunterseite
Lange gefiederte Blätter, samtige Zweige Essigbaum Aufrechte rote Fruchtstände im Winter

Mit dem Foto bestimmen

Ein scharfes Foto eines ganzen Blattes bei Tageslicht reicht Tree Identifier, einer iPhone-App, für einen Namensvorschlag mit deutschem und wissenschaftlichem Namen. Meist nennt sie die Art (Spitzahorn, Kirsch-Pflaume, Rotbuche), nicht die Sorte. Ein Konfidenzwert wird nicht angezeigt, prüf den Vorschlag also mit dem Test aus der Tabelle. Ist der Baum schon kahl, fotografiere Rinde und Früchte am Boden und stell im Chat unter dem Ergebnis eine Rückfrage, etwa wie sich Rot- und Scharlach-Eiche unterscheiden.

Was ein Foto nicht klären kann

  • Ein Foto zeigt meist die Art (Spitzahorn, Kirsch-Pflaume, Rotbuche), aber nicht die Sorte: Ob ein Ahorn 'Crimson King' oder 'Royal Red' heißt, steht auf dem Etikett der Baumschule.
  • Rot-Eiche und Scharlach-Eiche sind im Herbst auf einem Foto schwer zu trennen; entscheidend sind die Blattbuchten und die Blattunterseite, die man aus der Nähe ansehen muss.

Häufige Fragen

Welcher Baum hat rote Blätter und Kirschen?

Meist eine Blutpflaume, also eine rotlaubige Sorte der Kirsch-Pflaume. Laut FloraWeb trägt die Art kugelige, 2 bis 3 cm große, rote, braunrote oder gelbe Früchte. Iss nie eine Frucht, nur weil eine Webseite oder eine App sie benennt; frag eine kundige Person vor Ort.

Welcher Baum hat das ganze Jahr rote Blätter?

Kein Laubbaum trägt im Winter rote Blätter, aber rotlaubige Sorten sind von Mai bis Oktober rot: Blutbuche, Blutpflaume, Spitzahorn 'Crimson King' und rote Fächerahorne. Ein immergrünes Gehölz mit roten Trieben ist meist eine Glanzmispel (Photinia), ein Strauch.

Welcher Ahorn hat rote Blätter?

Den ganzen Sommer rot sind der Spitzahorn 'Crimson King', laut RHS tief purpur-karmesinrot, und die rotlaubigen Sorten des Fächerahorns. Grüne Fächerahorne färben sich erst im Herbst rot. Alle Ahorne haben gegenständige Blätter; ein rotes, ahornähnliches Blatt in wechselständiger Stellung gehört zum Amberbaum.

Ist die Rot-Eiche invasiv?

Das BfN hat sie in seiner Bewertung von 2013 als invasive Art eingestuft (Schwarze Liste, Managementliste): Auf trockenen Standorten kann sie die Traubeneiche ausdunkeln. Die SDW betont, dass sie im rechtlichen Sinn, nach Bundesnaturschutzgesetz und EU-Liste, nicht als invasiv gilt.

Warum hat die Blutbuche rote Blätter?

Laut Forstbotanischem Garten der Universität Göttingen überdecken rote Farbstoffe, die Anthocyane, im Zellsaft das grüne Chlorophyll. Die Rotfärbung ist genetisch bedingt und recht stabil; auch die Sämlinge einer Blutbuche sind oft rot.

Quellen

  1. Das Geheimnis der herbstlichen Laubverfärbung — waldwissen.net, Eidg. Forschungsanstalt WSL
  2. Fagus sylvatica / Rot-Buche: Besonderes — Forstbotanischer Garten, Georg-August-Universität Göttingen
  3. Prunus cerasifera Ehrh. (Kirsch-Pflaume), Pflanzensteckbrief — FloraWeb, Bundesamt für Naturschutz (BfN)
  4. Acer platanoides 'Crimson King' — Royal Horticultural Society
  5. Die Roteiche (Quercus rubra): Verwandtschaft, Morphologie, Verbreitung und Ökologie (LWF Wissen 89) — Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), Gregor Aas
  6. Die Roteiche, Baum des Jahres 2025 (Infoblatt, Stand März 2025) — Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW)
  7. Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen für in Deutschland wild lebende gebietsfremde Gefäßpflanzen (BfN-Skripten 352) — Bundesamt für Naturschutz (BfN)
  8. Amerik. Amberbaum (UBTrees) — Universität Bayreuth

Aktualisiert am · Geschrieben vom Tree-Identifier-Team · So schreiben wir unsere Ratgeber

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