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Baumporträt, Neophyt
Essigbaum (Rhus typhina) erkennen
Fass einen jungen Zweig an: Ist er dick, rotbraun und filzig wie ein Hirschgeweih im Bast und trägt der Strauch aufrechte rote Kolben, steht ein Essigbaum vor dir.

Kurz gesagt
Einen Essigbaum erkennen kannst du an drei Dingen: dicken, rotbraun filzig behaarten Zweigen, die an ein Hirschgeweih im Bast erinnern, an 30 bis 50 cm langen Fiederblättern mit 11 bis 31 scharf gesägten Teilblättern und an aufrechten, roten, behaarten Fruchtkolben. Er wird meist nur 5 bis 8 m hoch. Der Götterbaum hat dagegen fast ganzrandige Blättchen und riecht unangenehm.
- Streich über einen jungen Zweig: Rotbrauner Filz wie Samt auf einem Geweih ist das schnellste Merkmal, auch im Winter.
- Scharf gesägte Fiederblättchen trennen den Essigbaum vom Götterbaum, dessen Blättchen fast glatt sind und am Grund Drüsenlappen tragen.
- In der Schweiz steht der Essigbaum auf der Liste der verbotenen Arten; in der EU ist er nicht auf der Unionsliste (Stand 21.10.2026).
Bestimmungsmerkmale auf einen Blick
- Wissenschaftlicher Name
- Rhus typhina
- Familie
- Anacardiaceae (Sumachgewächse)
- Typ
- Laubbaum, sommergrün
- Wuchs
- Strauch oder kleiner Baum, 5 bis 8 m hoch (Info Flora), bis 6 m laut Kanton Glarus; bildet durch Wurzelbrut dichte Bestände.
- Zweige
- Dick, rotbraun filzig behaart, wie ein Hirschgeweih im Bast; daher der Name Hirschkolben-Sumach.
- Blätter
- Wechselständig, unpaarig gefiedert, 30 bis 50 cm lang, mit 11 bis 31 scharf gesägten Teilblättern (Info Flora).
- Teilblätter
- Lanzettlich, 5 bis 13 cm lang (NC State: 2 bis 5 inches), oben dunkelgrün, unterseits blaugrün.
- Herbstfarbe
- Leuchtend rot, dazu Gelb und Orange; NC State nennt Gold, Orange und Weinrot.
- Blüten
- Blütezeit Juni bis Juli (Info Flora), Mai bis Juni laut Kanton Glarus. Zweihäusig: männliche und weibliche Blüten wachsen auf getrennten Pflanzen (NC State).
- Früchte
- Nur an weiblichen Pflanzen: aufrechte, rote Kolben aus dicht purpurrot behaarten Steinfrüchten, die über den Winter am Strauch bleiben.
- Saft
- Milchsaft; laut Info Flora sind alle Teile, vor allem der Milchsaft, schwach giftig.
- Herkunft
- Östliches Nordamerika. In Deutschland zwischen 1630 und 1651 erstmals kultiviert (BfN).
Der Essigbaum (Rhus typhina) stammt aus dem östlichen Nordamerika und steht in vielen Gärten in Deutschland, Österreich und der Schweiz, wo er wegen seiner roten Herbstfarbe gepflanzt wurde. Von dort wandert er mit Wurzelbrut an Straßenränder und Brachen. Wer gefiederte Blätter an einem kleinen Baum sieht, denkt oft an Götterbaum oder Eberesche. Ein Griff an einen jungen Zweig und ein Blick auf den Blattrand klären die Frage in Sekunden.
So erkennst du einen Essigbaum: Zweige, Blätter, Kolben
1. Die samtigen Zweige. Fass einen jungen Zweig an. Beim Essigbaum ist er dick und rotbraun filzig behaart, so beschreibt es das Info-Flora-Infoblatt zum Essigbaum, ähnlich einem Hirschgeweih im Bast. Daher kommt der zweite Name Hirschkolben-Sumach. Dieses Merkmal funktioniert das ganze Jahr, auch ohne Laub.
2. Die Fiederblätter. Die Blätter sind unpaarig gefiedert und 30 bis 50 cm lang, mit 11 bis 31 scharf gesägten Teilblättern (Info Flora). Die Teilblätter sind lanzettlich, laut NC State Extension 2 bis 5 inches lang, also rund 5 bis 13 cm. Oben sind sie dunkelgrün, unten blaugrün. Im Herbst färben sie sich leuchtend rot, orange und gelb.
3. Die roten Kolben. Weibliche Pflanzen tragen aufrechte, kolbenförmige Fruchtstände aus kleinen Steinfrüchten, die dicht purpurrot behaart sind. Sie bleiben über den Winter am Strauch und werden dabei dunkler. Männliche Pflanzen tragen keine Kolben, denn der Essigbaum ist zweihäusig.
4. Wuchs und Bestand. Der Essigbaum wird laut Info Flora meist nur 5 bis 8 m hoch, oft wächst er als breiter Strauch. Wo einer steht, stehen oft viele: Aus den Wurzeln treiben neue Triebe, und so entstehen dichte Gruppen gleich hoher Stämmchen.
Ein Foto eines Zweigs mit Blatt oder eines Fruchtkolbens genügt Tree Identifier für einen Namensvorschlag. Der Essigbaum steht nicht in der Collection der App mit ihren 138 Arten, die App kann ihn aber trotzdem aus einem Foto benennen. Sie zeigt keine Konfidenz und keine Liste ähnlicher Arten; prüf den Zweigfilz und den gesägten Blattrand selbst.
Essigbaum oder Götterbaum: der Unterschied
Info Flora nennt den Götterbaum als die Art, mit der der Essigbaum am häufigsten verwechselt wird. Beide haben große Fiederblätter, beide gelten als Neophyten. So trennst du sie:
| Merkmal | Essigbaum | Götterbaum |
|---|---|---|
| Blattlänge | 30 bis 50 cm | 40 bis 90 cm |
| Teilblätter | 11 bis 31, scharf gesägt | 9 bis 25, fast ganzrandig, Drüsenlappen am Grund |
| Junge Zweige | Dick, rotbraun filzig | Fein behaart, große herzförmige Blattnarben |
| Blüten | Juni bis Juli, zweihäusig | Gelblich-weiß, vielblütige Rispen |
| Früchte | Aufrechte rote, behaarte Kolben | Hängende, gedrehte Flügelfrüchte |
| Geruch zerriebener Blätter | Kein auffälliger Geruch genannt | Sehr unangenehm |
| Höhe | 5 bis 8 m | 20 bis 25 m und mehr |
Die Spalten folgen dem Info-Flora-Infoblatt zum Essigbaum; die Angaben zu Zweigen und Höhe des Götterbaums stammen aus dem Porträt Götterbaum erkennen, das auch die Drüsen am Blättchengrund zeigt. Die schnellste Probe: Fahr mit dem Finger über den Rand eines Teilblatts. Spürst du Zähne, ist es kein Götterbaum.
Auch die Eberesche hat gesägte Fiederblättchen. Ihre Zweige sind aber nicht samtig rotbraun, und ihre Früchte sind glatte, scharlachrote Kugeln von etwa 1 cm in Büscheln, kein aufrechter Kolben. Mehr dazu im Porträt Eberesche erkennen.
Herkunft und Ausbreitung in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Der Essigbaum kam früh nach Mitteleuropa. Laut der Invasivitätsbewertung des BfN von 2013 wurde er zwischen 1630 und 1651 in einem braunschweigischen Garten kultiviert und 1675 in Leipzig. Verwildert beschrieben wurde er 1883 bei Gramzow in Brandenburg und Schönebeck in Sachsen-Anhalt, vor 1914 auch in Bayern.
Heute wächst er laut BfN zerstreut vor allem in den wärmeren und dicht besiedelten Gebieten Deutschlands, in Deutschland bisher nur in Sekundärlebensräumen: aufgelassenen Gärten, Straßenrändern, Deponien und Ablagerungsflächen. Verschleppt wird er vor allem mit Gartenabfällen. Info Flora beschreibt für die Schweiz dasselbe Muster: In den 1960er- und 1970er-Jahren oft als Ziergehölz gepflanzt, wanderten Wurzelsprosse mit Gartenerde in die Umgebung. Am stärksten ausgebreitet hat er sich im Tessin.
Seine Stärke ist die Wurzelbrut. Das Artenblatt des Kantons Glarus nennt Wurzeln bis 10 m weit und Ausbreitung schon über kleinste Wurzelstücke. Nach dem Absägen treibt er laut Info Flora rasch wieder aus.
Status in Deutschland, Österreich und der Schweiz (Stand 21.10.2026)
EU, also Deutschland und Österreich. Der Essigbaum steht nicht auf der Unionsliste invasiver Arten, die das BfN führt; die letzte Erweiterung trat am 07.08.2025 in Kraft. Die EU-Verbote für Haltung, Handel und Pflanzung gelten für ihn also nicht.
Deutschland. Das BfN stuft ihn seit 2013 als potenziell invasive Art ein, Graue Liste, Beobachtungsliste. Begründung: Er kann schnell dichte Dominanzbestände bilden, die die Krautschicht ausdunkeln; ob heimische Arten gefährdet sind, ist laut BfN unbekannt.
Schweiz. Info Flora führt den Essigbaum als Art der Schwarzen Liste. In der Freisetzungsverordnung steht er auf der Liste der verbotenen invasiven gebietsfremden Pflanzen: Er darf weder verkauft noch ausgepflanzt werden. Einzelne Kantone gehen weiter; Glarus etwa macht ihn im ganzen Kanton bekämpfungs- und meldepflichtig. Weitere Neophyten unter den Bäumen stellt der Ratgeber Invasive Baumarten vor.
Gesundheit und Umgang
Gesundheit. Laut Info Flora sind alle Teile, vor allem der Milchsaft, schwach giftig. Größere Mengen führen zu Magen-Darm-Beschwerden, der Saft kann Haut und Augen entzünden. Das BfN nennt die Pflanze in größeren Mengen giftig. Trag beim Schneiden Handschuhe und eine Schutzbrille. Nie eine Frucht oder einen Kolben essen oder verarbeiten, nur weil eine Webseite oder eine App die Art benennt; frag eine Fachperson vor Ort.
Umgang. Der Kanton Glarus rät, Pflanzen samt Wurzeln auszureißen, große Bäume zu ringeln und alles Pflanzenmaterial in den Kehricht zu geben, nicht in den Gartenkompost. Info Flora empfiehlt mehrjährige Nachkontrollen. Lass dich von deiner Gemeinde beraten, bevor du etwas unternimmst. Wenn du Bestände in deiner Umgebung erfasst, speichert die Baumkarte in Tree Identifier jeden Fund mit Standort. Andere Bäume mit roter Herbstfarbe sammelt der Ratgeber Baum mit roten Blättern.
Ähnliche Arten und wie du sie unterscheidest
Götterbaum (Ailanthus altissima)
Blätter 40 bis 90 cm lang mit 9 bis 25 fast ganzrandigen Teilblättern, die am Grund kleine Drüsenlappen tragen. Zerrieben riechen sie sehr unangenehm, die Zweige sind nicht samtig, und statt roter Kolben hängen gedrehte Flügelfrüchte.
Eberesche (Sorbus aucuparia)
Auch gesägte Fiederblättchen, aber die Zweige sind nicht rotbraun filzig. Statt eines aufrechten, behaarten Kolbens trägt sie Büschel glatter, scharlachroter Früchte von etwa 1 cm.
Gemeine Esche (Fraxinus excelsior)
Blätter und Knospen stehen paarweise gegenüber, die Knospen sind schwarz. Der Essigbaum hat wechselständige Blätter und samtige, rotbraune Zweige ohne schwarze Knospen.
Was ein Foto nicht klären kann
- Gartenformen wie 'Dissecta' haben fein zerschlitzte Teilblätter, die nicht dem Bild scharf gesägter Blättchen entsprechen. Prüf dann vor allem die filzigen Zweige.
- Ein Foto zeigt nicht, ob ein Trieb aus Wurzelbrut zu einem größeren Bestand gehört; laut Kanton Glarus reichen die Wurzeln bis 10 m weit.
- Ob ein Essigbaum entfernt werden muss, regeln Kantone und Gemeinden unterschiedlich. Frag deine Gemeinde oder die Naturschutzfachstelle, bevor du handelst.
Häufige Fragen
Wie unterscheide ich Essigbaum und Götterbaum?
Am Blattrand und am Zweig. Der Essigbaum hat scharf gesägte Teilblätter und dicke, rotbraun filzige Zweige. Der Götterbaum hat fast ganzrandige Blättchen mit Drüsenlappen am Grund, glatte Zweige und riecht beim Zerreiben unangenehm. Seine Früchte sind gedrehte Flügel, keine roten Kolben.
Ist der Essigbaum giftig?
Info Flora nennt alle Teile, vor allem den Milchsaft, schwach giftig: Größere Mengen verursachen Magen-Darm-Beschwerden, der Saft kann Haut und Augen entzünden. Das BfN führt ihn als in größeren Mengen giftig. Iss nie Teile davon und trag beim Schneiden Handschuhe.
Ist der Essigbaum in Deutschland verboten?
Nein. Er steht nicht auf der EU-Unionsliste invasiver Arten (Stand 21.10.2026), das BfN führt ihn seit 2013 auf der Grauen Liste als potenziell invasiv. In der Schweiz dagegen steht er nach Freisetzungsverordnung auf der Liste der verbotenen invasiven Pflanzen.
Warum trägt mein Essigbaum keine roten Kolben?
Der Essigbaum ist zweihäusig: Männliche und weibliche Blüten wachsen auf getrennten Pflanzen, und nur weibliche tragen Fruchtkolben. Ein Strauch ohne Kolben ist also oft ein männlicher. Zweige und gesägte Teilblätter bestätigen die Art trotzdem.
Wie erkenne ich den Essigbaum im Winter?
An den dicken, rotbraun filzigen Zweigen, die wie ein Geweih im Bast aussehen, und an weiblichen Pflanzen an den aufrechten roten Kolben, die laut NC State über den Winter dunkelrot am Strauch bleiben.
Quellen
- Rhus typhina, Essigbaum (Infoblatt invasive Neophyten) — Info Flora (2012), bereitgestellt von der Gemeinde Frenkendorf
- Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen für in Deutschland wild lebende gebietsfremde Gefäßpflanzen (BfN-Skripten 352) — Bundesamt für Naturschutz (Nehring, Kowarik, Rabitsch, Essl, 2013)
- Art. 4: Unionsliste — Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- Rhus typhina (Staghorn Sumac) — NC State Extension Gardener Plant Toolbox
- Artenblatt Essigbaum (Invasive Neophyten) — Kanton Glarus, Abteilung Umwelt, und Naturzentrum Glarnerland
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