Baumporträt, invasive Art

Götterbaum (Ailanthus altissima) erkennen

Dreh ein Fiederblättchen um und schau an seinen Grund: Ein bis vier kleine Lappen mit dunklen Drüsen und ein unangenehmer Geruch beim Zerreiben verraten den Götterbaum.

Illustration des Götterbaums: langes Fiederblatt mit lanzettlichen Blättchen, Nahaufnahme einer Drüse am Blättchengrund, ein Büschel gedrehter, rötlicher Flügelfrüchte und ein heller Stamm
Illustration (KI-generiert, nur zur Orientierung)

Kurz gesagt

Einen Götterbaum erkennen kannst du an seinen riesigen, wechselständigen Fiederblättern, 40 bis 80 cm lang, mit bis zu 40 ganzrandigen, zugespitzten Fiederblättchen. Am Grund jedes Blättchens sitzen ein bis vier kleine Lappen mit dunklen Drüsen. Zerriebene Blätter riechen unangenehm scharf. Weibliche Bäume tragen gedrehte, geflügelte Früchte von 3 bis 5 cm, die rötlich werden. Der Essigbaum hat gezähnte Blättchen, die Esche schwarze Knospen.

  • Schau an den Grund eines Fiederblättchens: Lappen mit dunklen Drüsen auf sonst glattem Rand sind das Kennzeichen.
  • Zerreib ein Blättchen: Ein unangenehm scharfer Geruch bestätigt den Götterbaum.
  • Der Götterbaum steht seit dem 15.08.2019 auf der EU-Unionsliste und in der Schweiz unter Umgangsverbot (Stand 21.10.2026).

Bestimmungsmerkmale auf einen Blick

Wissenschaftlicher Name
Ailanthus altissima
Familie
Simaroubaceae (Bittereschengewächse)
Typ
Laubbaum, sommergrün
Blätter
Wechselständig, unpaarig gefiedert, 40 bis 60 cm (Info Flora) oder bis 80 cm lang (Österreichische Bundesforste), mit 4 bis 12 Fiederpaaren und einem Endblättchen.
Fiederblättchen
Lanzettlich, zugespitzt, ganzrandig, 5 bis 18 cm lang; am Grund 1 bis 4 Lappen mit dunklen Drüsen. Unterseite weißlich-grün.
Geruch
Zerriebene Blätter riechen unangenehm scharf; die ganze Pflanze riecht unangenehm, besonders zur Blütezeit.
Zweige
Junge Triebe fein behaart, mit großen, herzförmigen Blattnarben.
Rinde
Grau, mit rautenförmigen Lentizellen; ältere Stämme mit rautenförmigen Rissen.
Blüten
Grünlich-gelb bis weißlich-grün, stark duftend, in großen Rispen von 10 bis 20 cm; Juni bis Juli. Zweihäusig: männliche und weibliche Blüten auf verschiedenen Bäumen.
Früchte
Gedrehte, geflügelte Nüsschen, 3 bis 5 cm lang, erst gelblich, dann rot, in hängenden Büscheln; ab August, sie fallen von September bis Mai.
Wuchs
20 bis 25 m, auch darüber; bis 15 m in 25 Jahren, selten älter als 100 Jahre. Bildet Wurzelbrut und Stockausschläge.
Herkunft
China und Nordkorea. In Europa seit dem 18. Jahrhundert; um 1780 in Potsdam kultiviert (BfN).

Der Götterbaum (Ailanthus altissima) stammt aus China und Nordkorea und wächst heute an Bahndämmen, auf Schuttflächen, an Straßen und in Gärten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Er wird leicht mit Esche, Essigbaum oder Robinie verwechselt, weil alle gefiederte Blätter haben. Ein Blick auf den Grund eines Fiederblättchens und ein Riechtest klären die Frage.

So erkennst du einen Götterbaum: Drüsen, Geruch, Blattgröße

1. Die Drüsen am Blättchengrund. Nimm ein Blatt und schau dir den Grund eines Fiederblättchens an, dort, wo es an der Blattspindel sitzt. Die Blättchen sind lanzettlich, zugespitzt und am Rand glatt, aber am Grund sitzen ein bis vier kleine Lappen mit schwarzen Drüsen. So beschreibt es das Info-Flora-Merkblatt zum Götterbaum. Die Unterseite der Blättchen ist weißlich-grün.

2. Der Geruch. Zerreib ein Blättchen zwischen den Fingern. Laut Österreichischen Bundesforsten riechen die Blätter dann unangenehm scharf; Info Flora beschreibt den unangenehmen Geruch der ganzen Pflanze, besonders zur Blütezeit. Wasch dir danach die Hände: Der Saft kann die Haut reizen.

3. Die Blattgröße. Götterbaumblätter sind auffallend groß, 40 bis 60 cm laut Info Flora, bis 80 cm laut Bundesforste, mit bis zu 40 Fiederblättchen von 5 bis 18 cm Länge. Sie sitzen wechselständig am Zweig. Fällt ein Blatt ab, bleibt eine große, herzförmige Blattnarbe.

4. Früchte und Rinde. Weibliche Bäume tragen ab August Büschel gedrehter, geflügelter Früchte von 3 bis 5 cm, die sonnenseitig leuchtend rot werden und bis in den Mai fallen. Die Rinde ist grau, mit rautenförmigen Lentizellen und bei älteren Stämmen rautenförmigen Rissen.

Ein Foto eines Blatts mit Blättchengrund, eines Fruchtbüschels oder der Rinde genügt Tree Identifier für einen Namensvorschlag. Der Götterbaum steht nicht in der Collection der App mit ihren 138 Arten, die App kann ihn aber trotzdem aus einem Foto benennen. Sie zeigt keine Konfidenz und keine Liste ähnlicher Arten; prüf die Drüsen selbst, bevor du einen Fund meldest oder etwas unternimmst.

Götterbaum, Esche, Essigbaum und Robinie im Vergleich

Info Flora nennt Esche, Blasenesche und Essigbaum als Verwechslungsarten, die Bundesforste dazu den Eschenahorn. Häufig gefragt wird auch der Unterschied zur Robinie.

Merkmal Götterbaum Esche Essigbaum Robinie
Blattstellung Wechselständig Gegenständig Wechselständig Wechselständig
Fiederpaare 4 bis 12 Höchstens 6 k. A. 3 bis 10
Blättchenrand Glatt, Drüsenlappen am Grund k. A. Gezähnt Glatt, oval, 2 bis 5 cm
Knospen, Dornen Große herzförmige Blattnarben Schwarze Knospen k. A. Dornenpaare
Früchte Gedrehte Flügelfrüchte in Büscheln Einsamige Flügelnuss Purpurrot behaarte Früchte Flache Hülsen
Höhe 20 bis 25 m und mehr k. A. 5 bis 8 m Bis 25 m

Die Spalten folgen den Merkblättern von Info Flora zu Götterbaum und Robinie und dem Steckbrief der Bundesforste; k. A. heißt, dass diese Quellen dazu nichts angeben. Die Esche erkennst du sicher an ihren schwarzen, gegenständigen Knospen, mehr dazu im Porträt Esche erkennen. Die Robinie mit ihren Dornenpaaren und Hülsen stellt das Porträt Robinie erkennen vor.

Die Blasenesche (Koelreuteria paniculata) hat laut Info Flora nur 7 bis 15 Fiederblättchen mit gelappten oder gekerbten Rändern, aufrechte Blütenstände bis 50 cm und laternenförmige Früchte. Info Flora führt sie wie den Götterbaum als Neophyten.

Junge Götterbäume, Sämlinge und Wurzelbrut

Junge Pflanzen tragen dieselben Drüsenlappen und riechen genauso, der Test funktioniert also bei jeder Größe. Info Flora beschreibt junge Blätter zu Beginn der Saison als rötlich gefärbt. Zwei Eigenschaften machen junge Götterbäume schwer zu überblicken:

  • Wuchsgeschwindigkeit. Laut Bundesforste wächst der Götterbaum rund 50 cm im Jahr, in der Jugend mehr; Info Flora nennt bis 15 m in 25 Jahren.
  • Wurzelbrut. Die Wurzeln reichen laut Info Flora bis 27 m weit, beobachtet wurden Klone bis 120 m Länge. Nach Rückschnitt oder Fällung treiben zahlreiche Stockausschläge, bis 20 m vom Mutterbaum entfernt, und schon ein 1 cm langes Wurzelstück kann austreiben.

Ein weiblicher Baum kann laut Info Flora bis zu 325.000 Flügelfrüchte im Jahr bilden, die größten Bäume über eine Million. Der Wind trägt sie über 100 m weit, das Wasser in Einzelfällen über 4 km. Andere Bäume mit Flügelfrüchten, von Ahorn bis Esche, sammelt der Ratgeber Baum mit Propellersamen.

Status in Deutschland, Österreich und der Schweiz (Stand 21.10.2026)

EU, also Deutschland und Österreich. Der Götterbaum steht laut BfN-Übersicht zur Unionsliste seit dem 15.08.2019 auf der Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung. Für diese Arten gelten weitreichende Verbote: Sie dürfen nicht absichtlich in die EU gebracht, gehalten, gezüchtet, gehandelt, verwendet, getauscht, vermehrt oder in die Umwelt freigesetzt werden. Weil der Götterbaum in Deutschland schon weit verbreitet ist, verlangt die Liste hier Managementmaßnahmen statt sofortiger Beseitigung.

Deutschland. Das BfN stufte den Götterbaum schon in seinen Invasivitätsbewertungen von 2013 als invasiv ein, Schwarze Liste, Managementliste. Es nennt ihn vor allem in sommerwarmen Gebieten und Städten weit verbreitet, mit starker Ausbreitung ab 1950. Erstmals verwildert nachgewiesen wurde er 1900 bis 1901 bei Freienwalde in Brandenburg.

Österreich. Die Bundesforste beschreiben das Vorkommen vor allem im pannonischen Raum, auf Bahndämmen, Schuttflächen und in Gärten. Trümmerflächen nach dem Zweiten Weltkrieg haben seine Ausbreitung laut Bundesforste begünstigt.

Schweiz. Info Flora führt den Götterbaum auf der Liste der invasiven gebietsfremden Arten. Nach Art. 15 Abs. 2 und Anhang 2.1 der Freisetzungsverordnung ist der direkte Umgang mit ihm in der Umwelt verboten. Erste wilde Vorkommen beobachtete man um 1920 im Südtessin; heute wächst er im ganzen Land in tieferen Lagen. Funde meldest du der Gemeinde oder dem Kanton oder über das Feldbuch und die InvasivApp von Info Flora.

Herkunft, Gesundheit und Umgang

Der Götterbaum kam laut Bundesforste 1743 nach Paris; laut BfN wurde er um 1780 in Potsdam kultiviert. Info Flora nennt neben dem Zierbaum einen zweiten Einführungsgrund: Mitte des 19. Jahrhunderts wurde er als Futterpflanze für den Götterbaum-Seidenspinner (Samia cynthia) aus China eingeführt.

Gesundheit. Info Flora berichtet, dass Rinde und Blätter starke Hautreizungen auslösen können und dass die Haare junger Zweige und der Pollen Allergien verursachen können. Die Bundesforste nennen Samen und Rinde giftig, die Blätter leicht giftig. Fass den Baum nur mit Handschuhen, langer Kleidung und Schutzbrille an. Nie eine Frucht oder einen Samen essen, nur weil eine Webseite oder eine App sie benennt; frag eine Fachperson vor Ort.

Umgang. Fällen allein hilft laut Bundesforste nicht, weil der Baum mit Stockausschlägen und Wurzelbrut antwortet; Info Flora rät, vor der Blüte zu handeln und Fruchtstände und Schnittgut nicht in den Gartenkompost zu geben. Lass dich von deiner Gemeinde oder einer Fachperson beraten, bevor du etwas unternimmst. Wenn du Götterbäume in deiner Umgebung erfasst, speichert die Baumkarte in Tree Identifier jeden Fund mit Standort, damit du ihn der Gemeinde zeigen kannst.

Ähnliche Arten und wie du sie unterscheidest

Gemeine Esche (Fraxinus excelsior)

Schwarze Knospen und Blätter mit höchstens sechs Fiederpaaren, die paarweise gegenüber am Zweig stehen. Ihre Früchte sind einsamige, nicht in sich gedrehte Flügelnüsse.

Essigbaum (Rhus typhina)

Nur 5 bis 8 m hoch, oft strauchig, mit gezähnten Fiederblättchen ohne Drüsenlappen, kompakten, kegelförmigen Blütenständen und Früchten mit purpurroten Haaren.

Blasenesche (Koelreuteria paniculata)

Nur 7 bis 15 Fiederblättchen mit gelappten oder gekerbten Rändern, aufrechte Blütenstände bis 50 cm und laternenförmige, aufgeblasene Früchte statt gedrehter Flügel.

Robinie (Robinia pseudoacacia)

Dornenpaare am Blattstiel, rundliche, ganzrandige Blättchen von nur 2 bis 5 cm ohne Drüsen und flache Hülsen statt Flügelfrüchten.

Was ein Foto nicht klären kann

  • Der Götterbaum ist zweihäusig: Männliche Bäume tragen nie Früchte. Verlass dich deshalb auf Drüsen und Geruch, nicht auf die Flügelfrüchte.
  • Junge Triebe aus Wurzelbrut sehen aus wie Sämlinge. Ein Foto zeigt nicht, ob ein Trieb zu einem größeren Klon gehört; laut Info Flora erscheinen Stockausschläge bis 20 m vom Mutterbaum.
  • Ob und wie ein Götterbaum entfernt werden muss, regeln Gemeinden, Kantone und Länder unterschiedlich, und Fällen allein fördert Ausschläge. Frag deine Gemeinde oder die Naturschutzbehörde, bevor du handelst.

Häufige Fragen

Wie unterscheide ich Götterbaum und Esche?

Am Zweig und am Blättchen. Die Esche hat schwarze Knospen, ihre Blätter stehen paarweise gegenüber und tragen höchstens sechs Fiederpaare. Der Götterbaum hat wechselständige Blätter mit bis zu zwölf Paaren, ganzrandige Blättchen mit Drüsenlappen am Grund und riecht beim Zerreiben unangenehm.

Ist der Götterbaum das Gleiche wie der Essigbaum?

Nein. Der Essigbaum (Rhus typhina) wird laut Info Flora nur 5 bis 8 m hoch, hat gezähnte Fiederblättchen, kompakte, kegelförmige Blütenstände und Früchte mit purpurroten Haaren. Der Götterbaum wird 20 bis 25 m hoch und trägt gedrehte Flügelfrüchte. Beide gelten als invasive Neophyten.

Ist der Götterbaum giftig?

Die Österreichischen Bundesforste nennen Samen und Rinde giftig und die Blätter leicht giftig. Info Flora berichtet, dass Rinde und Blätter starke Hautreizungen verursachen können und dass Haare junger Zweige und Pollen Allergien auslösen können. Fass ihn nur mit Handschuhen und langer Kleidung an.

Darf man einen Götterbaum pflanzen?

In der EU nicht: Seit dem 15.08.2019 steht er auf der Unionsliste, die Haltung, Handel, Zucht, Vermehrung und Freisetzung verbietet. In der Schweiz gilt nach Freisetzungsverordnung ein Umgangsverbot. Stand 21.10.2026; frag bei deiner Gemeinde nach, was für bestehende Bäume gilt.

Wie erkenne ich einen Götterbaum im Winter?

An den großen, herzförmigen Blattnarben auf dicken Zweigen, an der grauen Rinde mit rautenförmigen Lentizellen und, bei weiblichen Bäumen, an Büscheln gedrehter Flügelfrüchte, die laut Info Flora bis in den Mai fallen. Im Frühjahr zeigen die ersten, oft rötlichen Blätter wieder die Drüsenlappen.

Quellen

  1. Götterbaum (Ailanthus altissima), Info Flora Neophyten-Merkblatt — Info Flora (2025)
  2. Götterbaum (Ailanthus altissima), Neophyten-Steckbrief — Österreichische Bundesforste, Biosphärenpark Wienerwald (2024)
  3. Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen für in Deutschland wild lebende gebietsfremde Gefäßpflanzen (BfN-Skripten 352) — Bundesamt für Naturschutz (Nehring, Kowarik, Rabitsch, Essl, 2013)
  4. Art. 4: Unionsliste — Bundesamt für Naturschutz (BfN)
  5. Robinie (Robinia pseudoacacia), Info Flora Neophyten-Merkblatt — Info Flora (2020)

Aktualisiert am · Geschrieben vom Tree-Identifier-Team · So schreiben wir unsere Ratgeber

Veröffentlicht am

Diese Seite bietet allgemeine Informationen zur Baumbestimmung. Entscheide nie anhand einer Seite oder App, ob eine Pflanze essbar, hautverträglich oder für Tiere unbedenklich ist; frage eine fachkundige Person vor Ort.