Baumporträt

Linde erkennen: Winterlinde und Sommerlinde sicher unterscheiden

Ein schiefes Herzblatt, ein zungenförmiges Hochblatt am Blütenstand und Haare in den Nervenwinkeln. So erkennst du die Linde und trennst die heimischen Arten von Silber- und Holländischer Linde.

Illustration der Linde: herzförmiges Blatt, Blüten und Früchte am Hochblatt, Winterzweig mit roten Knospen und Rinde
Illustration (KI-generiert, nur zur Orientierung)

Kurz gesagt

Eine Linde erkennen kannst du an herzförmigen, gesägten, wechselständigen Blättern mit schiefem Grund und an einem zungenförmigen Hochblatt, an dem Blüten und später die Nüsschen hängen. Dreh dann ein Blatt um: Rostbraune Achselbärte auf blaugrüner, kahler Unterseite zeigen die Winterlinde, weißliche Achselbärte auf behaarter Unterseite die Sommerlinde, eine silbrig-filzige Unterseite die Silberlinde. Kantige, harte Früchte bestätigen die Sommerlinde.

  • Das Hochblatt am Fruchtstand hat nur die Linde: Es dient als Flugorgan und trägt die Früchte über kurze Strecken.
  • Achselbärte rostbraun: Winterlinde. Achselbärte weißlich und Blatt behaart: Sommerlinde.
  • Drück eine Frucht zwischen den Fingern: Zerdrückbar heißt Winterlinde, hart und deutlich kantig heißt Sommerlinde.

Bestimmungsmerkmale auf einen Blick

Wissenschaftlicher Name
Tilia cordata, Tilia platyphyllos, Tilia tomentosa, Tilia × europaea
Familie
Malvaceae (Malvengewächse)
Typ
Laubbaum, sommergrün
Blätter
Wechselständig, herzförmig, gesägt, Grund oft schief. Winterlinde 3 bis 6 cm, Sommerlinde deutlich größer (LWF: im Mittel 7 bis 12 cm breit).
Achselbärte
Haarbüschel in den Winkeln der Blattnerven auf der Unterseite: rostbraun bei der Winterlinde, weißlich bei der Sommerlinde (im Herbst auch bräunlich).
Blattunterseite
Winterlinde grau- bis blaugrün und kahl; Sommerlinde hellgrün und behaart, Seitennerven als helle Linien; Silberlinde dicht silbrig behaart.
Blüten
Gelblich-weiß, stark duftend, an einem zungenförmigen Hochblatt. Winterlinde 3 bis 11 Blüten je Stand, Sommerlinde 2 bis 5; die Sommerlinde blüht 1 bis 2 Wochen früher.
Früchte
Winterlinde 5 bis 8 mm, dünnschalig, zerdrückbar, kaum kantig. Sommerlinde 8 bis 10 mm, hart, mit 4 bis 5 deutlichen Längsrippen.
Winterzweige
Zweizeilig verzweigt, leicht zickzackförmig. Knospen 4 bis 6 mm, oft rot glänzend, mit nur zwei ungleichen Knospenschuppen; bei der Winterlinde kahl, bei der Sommerlinde meist behaart.
Rinde
Lange glatt; die Borke der Winterlinde anfangs grau, später schwarzbraun. Am Stammfuß oft Stockausschläge und Wasserreiser.
Größe und Alter
Im Wald 25 bis 35 m, freistehend niedriger mit bis 20 m breiter Krone. Höchstalter laut SDW etwa 1.000 Jahre.
Anteil am Wald
Laut SDW-Steckbrief etwa 0,5 % des deutschen Waldes; viel häufiger als Allee-, Park- und Dorfbaum.

In Mitteleuropa wachsen zwei heimische Linden, die Winterlinde (Tilia cordata) und die Sommerlinde (Tilia platyphyllos). Dazu kommen in Städten die Silberlinde aus Südosteuropa und die Holländische Linde, eine Kreuzung der beiden heimischen Arten. Die Gattung erkennst du an zwei Merkmalen; welche Art vor dir steht, verrät die Unterseite des Blattes.

So erkennst du eine Linde: Blatt, Hochblatt, Achselbärte

1. Das Blatt. Lindenblätter sind herzförmig, am Rand gesägt und sitzen einzeln und versetzt am Zweig, also wechselständig. Der Blattgrund ist oft schief: Eine Hälfte setzt tiefer am Stiel an als die andere. Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft beschreibt in LWF Wissen 78 außerdem die streng zweizeilige Blattstellung: Die Seitenzweige bilden flache Fächer.

2. Das Hochblatt. Im Juni und Juli hängen die Blüten an einem Stiel, der mit einem langen, zungenförmigen, hellgrünen Hochblatt verwachsen ist. Daraus werden kugelige Nüsschen, und das Hochblatt bleibt dran. Laut LWF verbreitet der Wind die ganzen Fruchtstände mit Hilfe dieses Hochblatts über kurze Distanzen, bis etwa 60 m. Viele Fruchtstände bleiben als „Wintersteher“ bis weit in den Winter am Baum. Kein anderer heimischer Baum hat dieses Merkmal.

3. Die Achselbärte. Dreh ein Blatt um und schau, wo die Seitennerven von der Mittelrippe abzweigen. Dort sitzen kleine Haarbüschel, die Achselbärte. Ihre Farbe ist das schnellste Artmerkmal (Tabelle im nächsten Abschnitt).

Wenn die Blätter zu hoch hängen, reicht für Tree Identifier ein Foto eines heruntergefallenen Fruchtstands mit Hochblatt oder der Rinde. Die App zeigt keine Liste ähnlicher Arten, also prüf ihr Ergebnis an der Blattunterseite.

Winterlinde oder Sommerlinde: die Merkmale im Vergleich

Merkmal Winterlinde (Tilia cordata) Sommerlinde (Tilia platyphyllos)
Blattgröße Im Mittel kleiner, 3 bis 6 cm Größer, 7 bis 12 cm breit
Blattunterseite Grau- bis blaugrün, kahl Hellgrün, behaart; Nerven als helle Linien
Achselbärte Rostbraun (anfangs mitunter weißlich) Weißlich (im Herbst auch bräunlich)
Blattstiel Kahl Behaart
Blüten je Stand 3 bis 11 (16) 2 bis 5
Blütezeit 1 bis 2 Wochen nach der Sommerlinde Mitte bis Ende Juni
Früchte 5 bis 8 mm, dünnschalig, zerdrückbar, undeutlich kantig 8 bis 10 mm, hart, mit 4 bis 5 starken Längsrippen
Winterzweige Sprossachse und Knospen kahl Triebspitze und meist auch Knospen behaart

Die Tabelle folgt dem Bestimmungsvergleich von Gregor Aas in LWF Wissen 78 und dem SDW-Steckbrief Linde für die Fruchtrippen; die Blattgröße der Winterlinde stammt von der NW-FVA. Der Fruchttest funktioniert auch im Winter: Drück eine Frucht vom Boden zwischen Daumen und Zeigefinger. Gibt sie nach, ist es eine Winterlinde; bleibt sie hart und zeigt deutliche Rippen, eine Sommerlinde.

Silberlinde und Holländische Linde in der Stadt

Von den bei uns winterharten fremden Linden ist die Silberlinde (Tilia tomentosa) laut LWF die häufigste. Sie stammt aus Südosteuropa und Kleinasien und wird als Park- und Straßenbaum gepflanzt. Auffällig ist die dicht silbrig behaarte Blattunterseite, die im Wind hell aufblitzt. Laut SDW-Faltblatt ist sie dürreresistenter und unempfindlicher gegenüber Abgasen als die heimischen Arten und blüht noch später als die Winterlinde.

Die Holländische Linde (Tilia × europaea) ist die Kreuzung aus Winter- und Sommerlinde. Die LWF nennt als bekannte Sorte die Kaiserlinde ('Pallida'), einen Park- und Straßenbaum. Weil sie Merkmale beider Eltern mischt, liegen Achselbärte und Früchte oft zwischen den Arten. Eine weitere Stadtlinde ist die Krimlinde (Tilia × euchlora), eine Kreuzung aus Winterlinde und Kaukasischer Linde.

Die Linde im Winter und an der Rinde

Ohne Laub erkennst du die Linde an den Zweigen. Die Triebe wachsen leicht zickzackförmig und verzweigen sich flach und zweizeilig. Die NW-FVA beschreibt die Knospen der Winterlinde als 4 bis 6 mm groß, wechselständig, oft rot glänzend und mit nur zwei ungleichen Knospenschuppen; gesonderte Endknospen bildet sie nicht. Bei der Winterlinde sind Zweig und Knospen kahl, bei der Sommerlinde zumindest die Triebspitze behaart. Mehr zu Knospen und Zweigen steht im Ratgeber Bäume bestimmen im Winter.

Die Borke der Winterlinde ist laut NW-FVA anfangs grau, später schwarzbraun. Typisch für ältere Linden sind Stockausschläge und viele Wasserreiser am Stamm: Linden treiben bis ins hohe Alter aus schlafenden Knospen aus, was laut LWF dazu beiträgt, dass sie zu unseren langlebigsten Bäumen gehören. Weitere Borken vergleicht der Ratgeber Baum bestimmen an der Rinde.

Lindenblüten, Bienen und Honigtau

Lindenblüten duften stark und liefern zuckerreichen Nektar. Die LWF nennt Honigbienen, Hummeln und Schwebfliegen als häufige Besucher, nachts auch Motten. Die Winterlinde blüht laut NW-FVA als letzte unserer heimischen Baumarten, Ende Juni bis Mitte Juli, und gehört mit ihrer späten Blüte und hohen Nektarproduktion zu den wichtigsten Trachtpflanzen. Welche Bäume vorher blühen, zeigt der Ratgeber Welcher Baum blüht jetzt.

Dazu kommt Honigtau: Laut SDW besiedeln Blattläuse beide heimischen Linden regelmäßig stark, und Honigtaupilze färben die Blätter darunter schwarz. Wer sein Auto unter eine Linde stellt, findet es mit „Zuckerguss“ überzogen, schreibt die NW-FVA; für die Honigbiene ist dieser Honigtau eine wichtige Zusatznahrung.

Tote Hummeln unter blühenden Silberlinden galten lange als Beweis für giftigen Nektar. Olaf Schmidt (LWF) fasst auf waldwissen.net zusammen, dass Zoologen der Universität Münster in den 1990er-Jahren nicht den Nektar, sondern Nahrungsmangel als Ursache fanden: Zur späten Silberlindenblüte bieten gepflegte Grünanlagen kaum andere Nektarquellen.

Dorflinde und Gerichtslinde

Linden standen über Jahrhunderte als Dorf-, Tanz- und Gerichtslinden mitten im Ort. Gerhard Robert Richter beschreibt in der Kulturgeschichte der Linde (LWF Wissen 78), dass unter Linden Gericht gehalten wurde, und nennt über zehn erhaltene, mehrhundertjährige Gerichtslinden; meist handelt es sich um Winterlinden, gelegentlich um Sommerlinden. Laut SDW verdanken über 850 deutsche Städte der Linde ihren Namen. Wenn du eine alte Dorflinde wiederfinden willst, speichere sie in Tree Identifier mit Standort; die Kartenansicht der App zeigt deine Funde später wieder an. Die Winterlinde gehört außerdem zu den Arten der Sammlung in der App, einem Katalog von 138 Arten, der sich beim Bestimmen füllt.

Ähnliche Arten und wie du sie unterscheidest

Silberlinde (Tilia tomentosa)

Die Blattunterseite ist dicht silbrig behaart und fast weiß, die Oberseite dunkelgrün glänzend; im Wind blitzen die Kronen hell. Sie blüht später als Winter- und Sommerlinde und steht bei uns als Park- und Straßenbaum.

Holländische Linde (Tilia × europaea)

Kreuzung aus Winter- und Sommerlinde mit Merkmalen beider Eltern, zum Beispiel der Sorte Kaiserlinde. Achselbärte, Behaarung und Fruchtform liegen oft zwischen denen der Eltern; sie steht vor allem in Parks und Alleen.

Hängebirke (Betula pendula)

Auch wechselständig und gesägt, aber das Blatt ist dreieckig bis rautenförmig statt herzförmig und deutlich gesägt, die Rinde weiß. Es fehlen Hochblatt und Achselbärte.

Kaiser-Paulownie (Paulownia tomentosa)

Viel größere, breit herzförmige Blätter, ganzrandig bis schwach gelappt, die paarweise gegenüber sitzen statt einzeln. Ein Zierbaum, der in warmen Städten verwildert; ein Hochblatt am Fruchtstand fehlt.

Was ein Foto nicht klären kann

  • Winter- und Sommerlinde kreuzen sich; die Holländische Linde und ihre Sorten tragen Merkmale beider Eltern, und in Alleen ist ohne Lupe und Früchte oft keine sichere Zuordnung möglich.
  • Die Achselbärte sind wenige Millimeter groß. Ein Foto der ganzen Krone zeigt sie nicht; fotografiere die Blattunterseite aus der Nähe.
  • Die Achselbärte der Sommerlinde können sich im Herbst bräunlich färben (LWF). Prüf im Herbst zusätzlich die Behaarung von Blatt und Stiel und die Früchte.

Häufige Fragen

Wie unterscheidet man Sommerlinde und Winterlinde?

Am sichersten an der Behaarung: Bei der Winterlinde sind Zweige, Blattstiele und Blätter kahl, nur die Achselbärte unter dem Blatt sind rostbraun. Bei der Sommerlinde sind Stiel und Blatt behaart und die Achselbärte weißlich. Laut LWF trennt die Behaarung der Triebe die Arten zu jeder Jahreszeit.

Wie erkenne ich eine Linde im Winter?

An zickzackförmigen, zweizeilig verzweigten Zweigen und an den Knospen: 4 bis 6 mm groß, oft rot glänzend, mit nur zwei ungleichen Schuppen, wie die NW-FVA beschreibt. Oft hängen noch Fruchtstände mit Hochblatt am Baum. Kahle Knospen sprechen für die Winterlinde, behaarte für die Sommerlinde.

Warum tropft es unter Linden?

Das ist Honigtau, eine zuckrige Ausscheidung von Blattläusen. Laut SDW werden beide heimischen Linden regelmäßig stark von Blattläusen besiedelt, und Honigtaupilze färben die Blätter darunter schwarz. Für Honigbienen ist der Honigtau laut NW-FVA eine wichtige Zusatznahrung, für geparkte Autos ein klebriger Überzug.

Ist die Linde ein Baum?

Ja. Winterlinde und Sommerlinde sind die beiden in Mitteleuropa heimischen Lindenarten und große Laubbäume von 25 bis 35 m Höhe im Wald. Die Gattung Tilia umfasst laut LWF etwa 25 sommergrüne Baum- und Straucharten der gemäßigten Nordhalbkugel.

Wann blühen Linden?

Im Frühsommer. Laut SDW blüht die Sommerlinde Mitte bis Ende Juni, die Winterlinde ab Anfang Juli, als letzte unserer heimischen Baumarten. Die Silberlinde blüht noch später und ergänzt die Bienentracht in blütenarmer Zeit.

Quellen

  1. Die Winterlinde (Tilia cordata): Verwandtschaft, Morphologie und Ökologie (LWF Wissen 78) — Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF)
  2. Winterlinde, Baum des Jahres 2016 — Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA)
  3. Die Linden (Faltblatt) — Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), Bundesverband
  4. Linde (Steckbrief, Reihe „Der Wald, seine Bäume und Sträucher“) — Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, bereitgestellt vom Regierungspräsidium Freiburg
  5. Das Märchen von der „bösen“ Silberlinde — waldwissen.net (Olaf Schmidt, LWF)
  6. Zur Kulturgeschichte der Linde (LWF Wissen 78) — Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF)

Aktualisiert am · Geschrieben vom Tree-Identifier-Team · So schreiben wir unsere Ratgeber

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