Baumporträt

Ulme erkennen: Berg-, Feld- und Flatterulme sicher unterscheiden

Ein doppelt gesägtes Blatt mit ungleich großen Hälften am Grund und runde, ringsum geflügelte Früchte im Mai: So erkennst du eine Ulme und die drei heimischen Arten.

Illustration: Ulmenzweig mit doppelt gesägten Blättern, ein Büschel runder, geflügelter Früchte, ein Stück längsrissige Borke und eine Ulme mit breiter Krone
Illustration (KI-generiert, nur zur Orientierung)

Kurz gesagt

Eine Ulme erkennen kannst du am asymmetrischen Blattgrund: Die beiden Hälften des doppelt gesägten Blatts setzen ungleich hoch am Stiel an. Blätter und Knospen stehen streng zweizeilig, und im Frühjahr hängen runde, ringsum geflügelte Früchte am Zweig. Drei- oder mehrspitzige Blätter zeigen die Bergulme, Korkleisten an den Zweigen die Feldulme, lang gestielte, am Rand bewimperte Früchte die Flatterulme.

  • Schiefer Blattgrund plus doppelt gesägter Rand: Ulme. Die Linde hat auch einen schiefen Grund, aber ein herzförmiges, einfach gesägtes Blatt.
  • Spitze Knospen mit hellbraunen, dunkel geränderten Schuppen trennen die Flatterulme schon ab dem Sommer von Berg- und Feldulme.
  • Wegen des Ulmensterbens sind die meisten Berg- und Feldulmen jung und dünn; alte Ulmen sind oft Flatterulmen.

Bestimmungsmerkmale auf einen Blick

Wissenschaftlicher Name
Ulmus glabra, Ulmus minor, Ulmus laevis
Familie
Ulmaceae (Ulmengewächse)
Typ
Laubbaum, sommergrün
Blätter
Streng zweizeilig, doppelt gesägt, am Grund deutlich asymmetrisch. Bergulme 7 bis 16 cm und oft drei- oder mehrspitzig, Feldulme 2 bis 10 cm, Flatterulme 5 bis 15 cm.
Blattoberfläche
Bergulme oben rau, unten kurzhaarig; Feldulme oben kahl und glänzend; Flatterulme sehr weich behaart oder oben kahl.
Blattstiel
Bergulme kurz, 2 bis 7 mm (LWF), höchstens 1 cm (Info Flora); Flatterulme 4 bis 8 mm und behaart; Feldulme 5 bis 15 mm.
Knospen
Flatterulme schlank und spitz, Schuppen hellbraun mit dunkelbraunem Rand. Berg- und Feldulme eiförmig oder rundlich, einfarbig dunkelbraun.
Blüten
Ende Februar bis Anfang April, lange vor dem Laub, in Büscheln. Flatterulme mit bis über 2 cm langen Blütenstielen, Berg- und Feldulme in dichten, fast sitzenden Büscheln.
Früchte
Runde, ringsum geflügelte Scheiben, reif im Mai. Bergulme 2 bis 3 cm, Same in oder unter der Mitte; Feldulme 1 bis 2 cm, Same über der Mitte; Flatterulme 1 bis 1,5 cm, Rand dicht bewimpert, bis 4 cm lang gestielt.
Zweige und Stamm
Feldulme oft mit Korkleisten an den Zweigen. Flatterulme häufig mit Brettwurzeln am Stammfuß und Nestern von Wasserreisern am Stamm.
Rinde
Flatterulme anfangs glatt und graubraun, früh rissig und dünnschuppig abblätternd. Das Holz aller heimischen Ulmen wird als Rüster gehandelt.
Größe und Alter
Flatterulme bis 35 m, maximal 40 m, bis 300 (max. 500) Jahre; Bergulme bis 30 m (Info Flora).

In Mitteleuropa sind drei Ulmen heimisch: die Bergulme (Ulmus glabra), die Feldulme (Ulmus minor) und die Flatterulme (Ulmus laevis). Seit dem Ulmensterben sind große Ulmen selten geworden; die meisten Berg- und Feldulmen, die du findest, sind jung und dünn. Die Gattung erkennst du am Blatt; welche Art es ist, zeigen Knospe, Frucht und Zweig.

So erkennst du eine Ulme: der schiefe Blattgrund

Leg ein Blatt flach auf die Hand und schau auf den Grund, wo die Spreite in den Stiel übergeht. Bei Ulmen ist die Spreite dort asymmetrisch: Die beiden Hälften links und rechts von Stiel und Mittelrippe sind ungleich groß, die zum Zweig zeigende Seite ist größer. Gregor Aas beschreibt das in LWF Wissen 83 als typisch für Ulmen. Dazu kommen ein doppelt gesägter Rand, bei dem auf jedem großen Zahn kleinere sitzen, und viele gerade, parallele Seitennerven.

Das zweite Gattungsmerkmal ist die Stellung. Blätter und Knospen stehen bei Ulmen streng zweizeilig, selbst an aufrechten Trieben. Daraus entstehen fächerartige Zweigsysteme, die in einer Ebene liegen, wie eine einholmige Leiter. Im Frühjahr kommt die Frucht dazu: eine flache, runde bis breit ovale Nuss, ringsum häutig geflügelt, die der Wind verbreitet.

Wenn du mit Tree Identifier ein Foto machst, fotografiere ein einzelnes Blatt mit Stiel von oben, so dass der schiefe Grund zu sehen ist. Für Rückfragen, etwa ob ein Baum am Waldrand Berg- oder Feldulme ist, hilft die Chat-Funktion unter dem Ergebnis.

Bergulme, Feldulme oder Flatterulme

Die drei Arten trennst du am besten mit dieser Tabelle. Sie folgt Tabelle 1 in LWF Wissen 83 und den Artbeschreibungen von Info Flora.

Merkmal Bergulme Feldulme Flatterulme
Blattspitze oft drei- oder mehrspitzig stets einspitzig stets einspitzig
Blattlänge 7 bis 16 cm 2 bis 10 cm 5 bis 15 cm
Blattoberseite rau kahl und glänzend weich behaart oder kahl
Blattstiel 2 bis 7 mm 5 bis 15 mm 4 bis 8 mm
Blattzähne kaum nach vorn gekrümmt kaum nach vorn gekrümmt deutlich zur Spitze gekrümmt
Knospen eiförmig, dunkelbraun eiförmig, dunkelbraun spitz, hellbraun mit dunklem Rand
Frucht 2 bis 3 cm, Same in der Mitte 1 bis 2 cm, Same über der Mitte 1 bis 1,5 cm, bewimpert, lang gestielt
Zweige ohne Korkleisten oft mit Korkleisten ohne Korkleisten
Stammfuß Brettwurzeln sehr selten ohne Brettwurzeln Brettwurzeln häufig

Die Bergulme erkennst du am schnellsten an großen, oben rauen Blättern, die laut Info Flora 7 bis 16 cm lang werden und oft neben der Hauptspitze zwei seitliche Zipfel tragen. Die Feldulme hat kleinere, oben glänzende Blätter mit 8 bis 14 Seitennerven je Seite, die laut Info Flora unten kahl oder in den Nervenwinkeln bärtig sind; an jungen Zweigen sitzen oft Korkleisten. Sie verjüngt sich laut LWF auch über Wurzelbrut.

Flatterulme: die Ulme der Flussauen

Die Flatterulme ist laut LWF die Art, die sich am klarsten von den beiden anderen abgrenzen lässt. Ihren Namen hat sie von der Blüte: Die Einzelblüten hängen an bis über 2 cm langen Stielen, der Blütenstand wirkt „flattrig“. Auch die Früchte hängen lang gestielt; ihr Flügelrand ist dicht abstehend behaart. Berg- und Feldulme blühen dagegen in dichten, fast sitzenden Büscheln, und ihre Früchte sind kahl.

Ganzjährig hilft die Knospe. Ab dem Sommer, sobald die Winterknospen in den Blattachseln ausgebildet sind, siehst du bei der Flatterulme schlanke, spitze Knospen mit hellbraunen Schuppen und dunklem Rand. Am Stammfuß älterer Bäume bilden sich oft Brettwurzeln, breite, brettartige Wurzelanläufe, die in der europäischen Baumflora sonst fast nur die Schwarzpappel zeigt.

Die Flatterulme wächst einzeln oder in kleinen Gruppen in Au- und Bruchwäldern großer Flüsse. In Deutschland ist sie sehr selten, in weiten Teilen der Alpen fehlt sie. Info Flora führt sie in der Schweiz als stark gefährdet. Sie war Baum des Jahres 2019.

Ulmensterben: warum du meist junge Ulmen findest

Das Ulmensterben wird von Pilzen verursacht, die der Ulmensplintkäfer überträgt. Laut den Beiträgen zur Flatterulme der LWF kam der Pilz Ophiostoma ulmi aus Asien und hat seit dem Ersten Weltkrieg die Ulmen Europas stark zurückgedrängt; seit Ende der 1960er-Jahre verstärkt ein aggressiverer Pilz, Ophiostoma novo-ulmi, den Rückgang. Die Flatterulme ist deutlich weniger betroffen, weil Inhaltsstoffe ihrer Rinde sie für den Käfer unattraktiv machen.

Die Folgen siehst du im Wald. In bayerischen Auwäldern liegen laut LWF 68 % der Bergulmen und 73 % der Feldulmen unter 7 cm Brusthöhendurchmesser; nur 8 % der Berg- und 3 % der Feldulmen sind stärker als 20 cm. Ein dicker, alter Ulmenstamm in einer Aue kann deshalb gut eine Flatterulme sein. Weltweit gibt es laut LWF rund 40 bis 45 Ulmenarten; Resistenzzüchtungen, in den Niederlanden von 1928 bis 1992, kreuzten oft asiatische Ulmen ein.

Ulme im Winter, an der Rinde und am Holz

Im Winter erkennst du Ulmen an der zweizeiligen Verzweigung und an den Knospen: spitz und zweifarbig bei der Flatterulme, eiförmig und einfarbig dunkelbraun bei Berg- und Feldulme. Die Blütenknospen von Berg- und Feldulme sind laut LWF eher rundlich. Ulmen blühen laut LWF schon Ende Februar bis Anfang April, lange vor dem Laubaustrieb; dann helfen die Blütenbüschel. Mehr zu Winterknospen steht im Ratgeber Bäume bestimmen im Winter.

Die Rinde der Flatterulme ist anfangs glatt und graubraun und bildet früh eine rissige, in dünnen Schuppen abblätternde Borke. Am Holz kannst du die Arten kaum trennen: Laut LWF wird das Holz aller heimischen Ulmen gemeinsam als Rüster gehandelt. Weitere Borken vergleicht der Ratgeber Baum bestimmen an der Rinde, und wie du den schiefen Blattgrund der Ulme von dem der Linde trennst, zeigt die Seite Linde erkennen.

Die europäischen Ulmen gehören nicht zur Sammlung von 138 Arten in Tree Identifier; dort steht nur die Amerikanische Ulme. Speicherst du eine alte Ulme mit Standort, zeigt die Kartenansicht der App sie später wieder an.

Ähnliche Arten und wie du sie unterscheidest

Hainbuche (Carpinus betulus)

Ebenfalls doppelt gesägte, zweizeilig stehende Blätter mit geraden Seitennerven, aber der Blattgrund ist symmetrisch. Die Früchte sind Nüsschen an einem dreilappigen Flügel, keine runden Scheiben.

Linde (Tilia cordata, Tilia platyphyllos)

Auch schiefer Blattgrund, aber das Blatt ist herzförmig und nur einfach gesägt. Die Früchte hängen an einem zungenförmigen Hochblatt, und unter dem Blatt sitzen Haarbüschel in den Nervenwinkeln.

Holländische Ulme (Ulmus × hollandica)

Kreuzung aus Berg- und Feldulme, laut LWF in Parks und Städten gepflanzt. Sie mischt die Merkmale beider Eltern; Blattgröße, Stiellänge und Samenlage liegen oft dazwischen.

Sibirische Ulme (Ulmus pumila)

Auffallend kleinblättrige Ulme, die laut LWF gelegentlich in Parks und Gärten gepflanzt wird. Im Wald spielt sie keine Rolle; ein sehr kleines Ulmenblatt in einer Stadtpflanzung kann von ihr stammen.

Was ein Foto nicht klären kann

  • Berg- und Feldulme kreuzen sich; die Holländische Ulme und ihre Sorten tragen Merkmale beider Eltern. Laut LWF gilt die Bestimmung der heimischen Ulmen als schwierig; sicher abgrenzbar ist vor allem die Flatterulme.
  • Viele Ulmen sind nach dem Ulmensterben nur noch junge Bäume oder Sträucher aus Wurzelbrut, ohne Blüten und Früchte. Dann bleiben nur Blatt und Knospe.
  • Den schiefen Blattgrund zeigt ein Kronenfoto nicht. Fotografiere ein einzelnes Blatt mit Stiel von oben und, wenn möglich, eine Knospe aus der Nähe.

Häufige Fragen

Wie erkenne ich eine Ulme im Winter?

An streng zweizeilig stehenden Knospen, die fächerartige Zweigsysteme in einer Ebene bilden. Spitze Knospen mit hellbraunen, dunkel geränderten Schuppen zeigen die Flatterulme; eiförmige, einfarbig dunkelbraune Knospen Berg- oder Feldulme. Korkleisten an den Zweigen sprechen für die Feldulme. Ab Ende Februar blühen Ulmen schon vor dem Laub.

Wie unterscheide ich Bergulme und Feldulme?

Am Blatt: Die Bergulme hat große, oben raue, oft dreispitzige Blätter von 7 bis 16 cm an sehr kurzen Stielen. Die Feldulme hat kleinere, oben glatte und glänzende Blätter von 2 bis 10 cm an längeren Stielen. Bei der Frucht sitzt der Same der Bergulme in der Mitte, der Feldulme darüber.

Warum sieht man so wenige alte Ulmen?

Wegen des Ulmensterbens, einer Pilzkrankheit, die der Ulmensplintkäfer überträgt. Laut LWF hat sie seit dem Ersten Weltkrieg die Ulmen Europas stark dezimiert, seit Ende der 1960er-Jahre mit einem aggressiveren Pilz. In bayerischen Auwäldern sind nur 8 % der Bergulmen und 3 % der Feldulmen stärker als 20 cm.

Was ist Rüster?

Rüster ist ein anderer Name für die Ulme und der Handelsname ihres Holzes. Laut LWF wird das Holz aller heimischen Ulmen zusammen als Rüster gehandelt; Stammknollen mit lebhafter Maserung heißen Rüstermaser. Die Flatterulme heißt regional auch Wasser- oder Weißrüster.

Ist die Flatterulme selten?

Ja. Laut LWF ist sie in Deutschland sehr selten und wächst vor allem in den Auen von Rhein, Main, Donau, Elbe und Oder, im Osten häufiger als im Westen und Süden. In der Schweiz führt Info Flora sie als stark gefährdet. Sie war Baum des Jahres 2019.

Quellen

  1. Die Flatterulme (Ulmus laevis): Verwandtschaft, Morphologie und Ökologie (LWF Wissen 83) — Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), Gregor Aas
  2. Beiträge zur Flatterulme (LWF Wissen 83) — Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF)
  3. Ulmus glabra Huds. (Berg-Ulme) — Info Flora, Schweiz
  4. Ulmus minor Mill. (Feld-Ulme) — Info Flora, Schweiz
  5. Ulmus laevis Pall. (Flatter-Ulme) — Info Flora, Schweiz

Aktualisiert am · Geschrieben vom Tree-Identifier-Team · So schreiben wir unsere Ratgeber

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