Ratgeber Nadelbäume
Nadelbäume bestimmen, an Nadeln und Zapfen
Ein Schlüssel für die sechs häufigsten Nadelbäume in Deutschland, von der Fichte, die sticht, bis zur Lärche, die im Winter kahl ist.

Kurz gesagt
Nadelbäume bestimmen gelingt mit zwei Blicken auf den Zweig. Sitzen viele weiche Nadeln gebüschelt und ist der Baum im Winter kahl, ist es eine Lärche; zwei lange Nadeln pro Kurztrieb heißen Kiefer. Einzelne, vierkantige, stechende Nadeln hat die Fichte; flache, vorn eingekerbte mit zwei weißen Streifen die Tanne. Weiche Nadeln mit Zitrusduft hat die Douglasie, flache ohne weiße Streifen und ohne Zapfen die Eibe.
- Die Lärche ist laut SDW der einzige heimische Nadelbaum, der im Winter seine Nadeln abwirft.
- „Die Fichte sticht, die Tanne nicht“: Fichtennadeln sind spitz, Tannennadeln vorn eingekerbt.
- Tannenzapfen stehen aufrecht und zerfallen am Baum; ganze Zapfen am Boden stammen deshalb nicht von einer Tanne.
- Die Eibe ist laut SDW für Menschen und viele Tierarten giftig.
Dieser Ratgeber deckt sechs Nadelbäume aus deutschen Wäldern, Parks und Gärten ab: Fichte, Tanne, Kiefer, Lärche, Douglasie und Eibe. Allein die Waldkiefer wächst laut SDW auf 24 % der Waldfläche Deutschlands. Du unterscheidest sie an drei Dingen, die du an jedem Zweig findest: wie die Nadeln sitzen, wie sie geformt sind und welche Zapfen der Baum trägt. Diese Seite gibt dir dafür einen Schlüssel und für jede Art die Prüfmerkmale. Iss nie eine Frucht, Nuss oder Beere, nur weil eine Webseite oder eine App sie benennt; frag eine kundige Person vor Ort.
Der Nadel- und Zapfenschlüssel
Der Schlüssel folgt dem Nadelteil des Kieler Schulschlüssels „Wir bestimmen Bäume im Sommer“ und ergänzt Maße aus den Faltblättern der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW).
| Nadeln | Baum | Zapfen | Prüfmerkmal |
|---|---|---|---|
| Viele weiche Nadeln gebüschelt an Kurztrieben, im Winter kahl | Europäische Lärche | Klein, eiförmig, 1,5 bis 2 cm, selten bis 4 cm | Goldgelbe Nadeln im Herbst |
| Zwei Nadeln pro Kurztrieb, gedreht, 3 bis 5 cm | Waldkiefer | 3 bis 8 cm, kurz gestielt | Oben fuchsrote, unten graubraune Rinde |
| Einzeln, vierkantig, spitz und stechend | Fichte | Hängend, 10 bis 16 cm, fällt ganz ab | Kahler Zweig rau wie eine Raspel |
| Einzeln, flach, vorn eingekerbt, unten zwei weiße Streifen | Weißtanne | Aufrecht, 10 bis 16 cm, zerfällt am Baum | Rinde silbergrau bis weißgrau |
| Einzeln, weich, stumpf, unten zwei weiße Streifen, Zitrusduft | Douglasie | Hängend, 5 bis 8 cm, dreispitzige Deckschuppen | Duft beim Zerreiben |
| Einzeln, flach, oben dunkelgrün glänzend, unten gelbgrün | Eibe | Keine Zapfen, roter Samenmantel | Endzweige grün |
Für das häufigste Paar gibt es eine eigene Seite: Tanne und Fichte unterscheiden.
Nadeln einzeln oder gebündelt
Der erste Blick entscheidet über die halbe Bestimmung. Der Kieler Schlüssel beginnt bei den Nadelbäumen mit genau dieser Frage: Sitzen zwei oder mehrere Nadeln zusammen, oder sitzen sie einzeln am Zweig?
Lärche. Laut SDW-Faltblatt zur Europäischen Lärche wachsen an den typischen Kurztrieben Büschel von bis zu 50 Nadeln, an den gelblichen Langtrieben stehen die Nadeln einzeln. Die Nadeln sind weich, abgeflacht, vorn fast stumpf und 15 bis 30 mm lang.
Waldkiefer. Laut SDW-Faltblatt zur Waldkiefer sitzen je zwei gedrehte, blaugrüne bis silbergraue Nadeln an einem Kurztrieb, im Text drei bis fünf Zentimeter lang; der Steckbrief desselben Faltblatts nennt 2,5 bis 8 cm. Die Nadeln bleiben zwei bis vier Jahre am Zweig. Die Zahl der Nadeln je Kurztrieb ist das wichtigste Merkmal, um Kiefernarten zu unterscheiden.
Einzelne Nadeln: Fichte, Tanne, Douglasie, Eibe
Fichte. Die Nadeln sind relativ starr, stachelspitzig und im Querschnitt vierkantig; sie sitzen auf stark vorspringenden Blattkissen, weshalb sich ein entnadelter Zweig rau anfühlt (SDW). Die Länge geben die Quellen unterschiedlich an: 10 bis 25 mm laut SDW, 6 bis 15 mm laut NW-FVA. Die NW-FVA vergleicht den kahlen Zweig mit einer Raspel, weil der Nadelgrund nach dem Abfallen am Zweig bleibt.
Weißtanne. Laut SDW-Faltblatt zur Weißtanne hat die Tanne „im Gegensatz zu den spitzen stechenden Fichtennadeln“ vorn eingekerbte, nicht stechende Nadeln mit zwei weißen Wachsstreifen auf der Unterseite. Sie sind 1,5 bis 3 cm lang und 2 bis 3 mm breit. Der Kieler Schlüssel ergänzt, dass die Nadeln am Grund ein kleines Scheibchen tragen.
Douglasie. Auch sie hat zwei weiße Streifen, aber die Nadeln sind weich und stumpf, etwa 3 cm lang und duften laut SDW zerrieben aromatisch nach Zitrusfrüchten. Der Kieler Schlüssel nennt den Duft nach Apfelsinen oder Zitronen.
Eibe. Ihre Nadeln sind laut SDW oben dunkelgrün und glänzend, unten gelbgrün, zweizeilig angeordnet, etwa 30 mm lang und fast 2,5 mm breit. Weiße Streifen fehlen, und die Endzweige sind grün.
Zapfen und Samen
Zapfen sind das sicherste Merkmal, wenn du sie findest. Die SDW-Faltblätter und das NW-FVA-Poster beschreiben sie so:
- Fichte. Braune, zylindrische Zapfen von 10 bis 16 cm, die nach unten hängen. Nachdem die Samen ausgeflogen sind, fallen die leeren Zapfen als Ganzes ab; laut NW-FVA ein Jahr nach der Samenreife im Oktober.
- Weißtanne. Rötlich-braune, walzenförmige Zapfen von 10 bis 16 cm, die wie Kerzen aufrecht auf den Zweigen stehen. Nach der Samenreife zerfallen sie, nur die Spindel bleibt am Zweig stehen. Ganze „Tannenzapfen“ am Waldboden stammen deshalb nicht von einer Tanne.
- Waldkiefer. Dunkelbraune bis schwärzliche, kurz gestielte Zapfen von 3 bis 8 cm. Sie springen nach zweijähriger Reife im dritten Jahr auf.
- Lärche. Hellbraune, eiförmige Zapfen von 1,5 bis 2, selten bis 4 cm. Sie öffnen sich erst im Frühling des zweiten Jahres und bleiben danach noch bis zu drei Jahre am Baum.
- Douglasie. Hängende, eiförmige Zapfen von 5 bis 8 cm mit weit herausragenden, dreispitzigen Deckschuppen.
- Eibe. Keine Zapfen. Die Samen sitzen in einem roten, fleischigen, becherartigen Samenmantel. Laut SDW enthält die Eibe das für Menschen und viele Tierarten gefährliche Gift Taxin; für Pferde gelten dort schon 100 bis 200 Gramm Nadeln oder Rindenstücke als tödlich.
Rinde, Wuchs und Jahreszeit
Die Rinde hilft vor allem bei Kiefer und Tanne. Die Waldkiefer hat unten eine gefurchte, grau- bis rotbraune Schuppenborke und oben eine glatte, fuchsrote Rinde. Die Weißtanne trägt ihren Namen wegen der silbergrauen bis weißgrauen Rinde; die der Fichte ist rötlich (SDW). Die Lärche bildet im Alter eine bis zu 10 cm dicke, rotbraune, tief gefurchte Borke, die Douglasie eine dunkelrotbraune bis grauschwarze Borke mit tiefer Längsfurchung, die laut SDW an alte Lärchen erinnert. Mehr dazu auf Baum an der Rinde bestimmen.
Auch die Nadeln altern unterschiedlich: Laut SDW behält die Tanne ihre Nadeln 8 bis 11 Jahre, die Fichte 6 bis 8 und die Kiefer nur 3 bis 6 Jahre. Und im Winter fällt die Lärche auf, weil sie als einziger heimischer Nadelbaum kahl dasteht. Laubbäume im Winter bestimmst du an den Knospen, siehe Bäume bestimmen im Winter.
Wann eine Foto-App hilft
Bei Nadelbäumen liegt die Schwierigkeit oft nicht im Wald, sondern im Garten: Zierformen, Zypressen, Lebensbäume und fremdländische Tannen stehen in keinem Waldschlüssel. Mit Tree Identifier, einer iPhone-App, kannst du einen Zweig, einen Zapfen oder den ganzen Baum fotografieren; die App nutzt ein Cloud-KI-Modell und braucht eine Internetverbindung.
Tree Identifier zeigt keinen Sicherheitswert und keine Liste ähnlicher Arten. Prüf den Vorschlag deshalb mit dem Schlüssel oben: Stellung der Nadeln, Spitze, Unterseite und Zapfen müssen passen. Fragen zur Giftigkeit, etwa bei der Eibe, gehören zu einer Fachperson, nicht in eine App.
Was ein Foto nicht klären kann
- Gartenformen und fremdländische Nadelbäume wie Zypressen, Lebensbäume, Zedern oder Nordmanntannen fehlen in diesem Schlüssel und sehen auf Fotos heimischen Arten oft ähnlich.
- Junge Bäume und Schattenzweige zeigen Nadeln, die von den Maßen ausgewachsener Bäume abweichen; die Zentimeterangaben sind Richtwerte.
- Ob eine Pflanze giftig ist und ob ein Kontakt gefährlich war, entscheidet weder diese Seite noch eine App; frag eine Fachperson.
Häufige Fragen
Welcher Baum verliert im Winter seine Nadeln?
Die Lärche. Laut SDW ist sie der einzige einheimische Nadelbaum, der im Winter die Nadeln abwirft. Im Herbst färben sich die Nadeln golden, im Frühjahr treiben sie hellgrün aus. Ein kahler Nadelbaum im Winter kann deshalb eine gesunde Lärche sein.
Wie unterscheide ich Fichte und Tanne?
Tipp auf die Nadeln: Fichtennadeln sind spitz und stechen, Tannennadeln sind vorn eingekerbt, stechen nicht und haben unten zwei weiße Streifen. Die Fichtenzapfen hängen und fallen ganz ab; die Tannenzapfen stehen aufrecht und zerfallen am Zweig, nur die Spindel bleibt stehen.
Wie viele Nadeln hat eine Kiefer pro Büschel?
Die heimische Waldkiefer hat zwei Nadeln pro Kurztrieb, laut SDW gedreht, blaugrün bis silbergrau und meist 3 bis 5 cm lang. Andere Kiefernarten unterscheiden sich gerade in der Zahl der Nadeln je Kurztrieb; der Kieler Schlüssel nennt zwei oder fünf.
Ist die Eibe giftig?
Laut SDW ja: Die Eibe enthält das für Menschen und viele Tierarten gefährliche Gift Taxin. Für Pferde sind dort schon 100 bis 200 Gramm Nadeln oder Rindenstücke als tödlich angegeben. Ob ein Kontakt gefährlich war, klärt eine Fachperson, nicht eine Webseite oder App.
Woran erkenne ich eine Douglasie?
An den Zapfen: Sie hängen, sind 5 bis 8 cm lang und haben weit herausragende, dreispitzige Deckschuppen. Die Nadeln sind weich, stumpf, etwa 3 cm lang, haben unten zwei weiße Streifen und duften zerrieben nach Zitrusfrüchten (SDW).
Quellen
- Wir bestimmen Bäume im Sommer (Mitteilungen Heft 28) — Arbeitsgemeinschaft Geobotanik in Schleswig-Holstein und Hamburg, K.-T. Schreitling (über MACAU, Universität Kiel)
- Faltblatt Die Fichte — Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) Bundesverband
- Gemeine Fichte, Baum des Jahres 2017 — Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) und Baum des Jahres – Dr. Silvius Wodarz Stiftung
- Faltblatt Die Weißtanne — Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) Bundesverband
- Faltblatt Die Waldkiefer — Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) Bundesverband
- Faltblatt Die Europäische Lärche — Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) Bundesverband
- Faltblatt Die Douglasie — Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) Bundesverband
- Faltblatt Die Eibe — Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) Bundesverband