Baumporträt
Weide erkennen: die wichtigsten Weiden an Blatt, Kätzchen und Knospe
Schmale Blätter am Fluss oder rundliche Blätter am Waldrand, Kätzchen im März: So erkennst du eine Weide und trennst die häufigen Baumweiden voneinander.

Kurz gesagt
Eine Weide erkennen kannst du an wechselständigen, meist schmalen Blättern, an Kätzchen, die im Frühjahr vor oder mit dem Laub erscheinen, und an schlanken Knospen; bei der Silberweide trägt jede Knospe nur eine einzige Schuppe. Seidig silbrige Blätter von 5 bis 10 cm zeigen die Silberweide, ovale Blätter mit grauem Filz unten die Salweide, glänzende Blätter und knackend abbrechende Zweige die Bruchweide.
- Silberweide: Blätter beidseitig seidig behaart und silbrig, Baum bis über 25 m an Flüssen.
- Salweide: ovale bis rundliche Blätter mit kraus grauhaariger Unterseite, dicke Kätzchen schon im März.
- Bruchweide: Zweige brechen am Grund mit hörbarem Knacken, Blätter oben glänzend dunkelgrün.
Bestimmungsmerkmale auf einen Blick
- Wissenschaftlicher Name
- Salix alba, Salix caprea, Salix fragilis, Salix purpurea, Salix babylonica
- Familie
- Salicaceae (Weidengewächse)
- Typ
- Laubbaum, sommergrün
- Blätter
- Wechselständig. Silberweide lanzettlich, laut Uni Göttingen bis 10 cm lang und bis 2 cm breit; Salweide oval bis rundlich, 3 bis 10 cm lang (Info Flora).
- Blattunterseite
- Silberweide dicht seidig behaart und silbrig; Salweide kraus hellgrau behaart; Bruchweide und Lorbeerweide oben glänzend dunkelgrün.
- Knospen
- Schlank und spitz. Bei der Silberweide hat jede Knospe nur eine Knospenschuppe, grau bis hellbraun und behaart (Uni Göttingen); Blütenknospen sind deutlich größer als Blattknospen.
- Kätzchen
- Zweihäusig: männliche und weibliche Kätzchen auf getrennten Pflanzen, männliche gelb. Salweide und Purpurweide blühen vor dem Laub, Silberweide mit dem Laub im April und Mai.
- Samen
- Zweiklappige Kapseln mit weiß behaarten Samen; laut LWF ab Ende Mai als weiße „Wolle“ zu sehen.
- Rinde
- Silberweide anfangs glatt und hell, später dick und längsrissig. Salweide laut NW-FVA mit auffällig rautenförmiger Rindenstruktur.
- Wuchs
- Silberweide bis 20 m (Info Flora) oder über 25 m (NW-FVA), Bruchweide 10 bis 25 m, Salweide bis 9 m (Info Flora) oder bis 12 m (NW-FVA), Purpurweide Strauch bis 6 m.
- Standort
- Silber- und Bruchweide in Fluss- und Bachauen, Salweide als Pionier an Waldrändern und auf Freiflächen, Purpurweide vom Meer bis 2.000 m.
Weiden (Salix) wachsen bei uns von der Kriechweide mit 30 bis 50 cm Höhe bis zur Silberweide mit über 25 m. Die Gattung erkennst du an wenigen Merkmalen: wechselständige, meist schmale Blätter, Kätzchen im Frühjahr und schlanke Knospen. Welche Weide vor dir steht, verraten Blattform, Behaarung und Wuchs. Diese Seite nimmt die Baumweiden zuerst, weil sie die Fragen auslösen.
So erkennst du eine Weide in vier Schritten
1. Wo steht sie? Silber- und Bruchweide sind laut den Bildtafeln der NW-FVA Arten der Fluss- und Bachauen, die Silberweide in sommerwarmen, die Bruchweide eher in sommerkühlen Gebieten bis weit ins Bergland. Die Salweide wächst als Pioniergehölz an sonnigen bis halbschattigen Stellen außerhalb der Auen, also an Waldrändern, Böschungen und auf Kahlflächen.
2. Wie sieht das Blatt aus? Schmal und lanzettlich, mehrfach so lang wie breit: Silber-, Bruch-, Purpur- oder Korbweide. Oval bis rundlich: Salweide. Info Flora gibt das Verhältnis für die Salweide mit dem 1,5- bis 2,5-Fachen der Breite an, für die Silberweide mit dem 4- bis 6-Fachen.
3. Dreh das Blatt um. Die Silberweide ist auf der Unterseite dicht seidig behaart und wirkt deshalb silbrig. Die Salweide ist unten kraus hellgrau behaart, oben matt olivgrün mit eingesenkten Nerven. Die Bruchweide ist oben glänzend dunkelgrün, die Lorbeerweide völlig kahl und glänzend.
4. Schau auf die Knospe. Die Uni Göttingen beschreibt die Knospen der Silberweide mit nur einer Knospenschuppe, grau bis hellbraun und behaart. Pappelknospen, die oft am selben Ufer stehen, tragen dagegen mehrere glänzende, klebrige Schuppen. Wenn du ein Foto machst, nimm Blattunterseite und Knospe aus der Nähe auf; Tree Identifier bestimmt aus einem einzelnen Foto, und eine Nahaufnahme zeigt mehr als die ganze Krone.
Silberweide, Bruchweide und Fahlweide am Fluss
Die Silberweide (Salix alba) ist die größte Weide. Die NW-FVA nennt einen raschwüchsigen Baum über 25 m mit länglicher Krone und leicht überhängenden Starkästen, Info Flora bis 20 m. Ihre Blätter sind 5 bis 9 cm lang und tragen laut NW-FVA zwei Drüsen am Stiel. Die Zähne am Rand sind fein und laut Info Flora meist im Haarkleid versteckt. Die Borke älterer Bäume ist dick, längsrissig und relativ hell. Oft wird sie als Kopfweide geschnitten: ein kurzer, dicker Stamm mit einem Schopf aus Ruten.
Die Bruchweide (Salix fragilis) wird 10 bis 25 m hoch. Ihr bester Test ist der Name: Die Zweige brechen am Grund leicht ab, mit knackendem Geräusch. Die Blätter sind oben glänzend dunkelgrün, an Langtrieben sitzen halbherzförmige Nebenblätter.
Beide Arten kreuzen sich. Der Bastard heißt Fahlweide (Salix × rubens). Laut LWF-Bericht 24 liegt er in Wuchs und Verbreitung zwischen den Eltern und variiert stark. Die LWF nennt außerdem etwa 60 bekannte Weidenkombinationen und Hybridschwärme, die gebietsweise häufiger sind als die reinen Arten. Ein Blatt, das halb silbrig und halb glänzend wirkt, ist deshalb oft keine Bestimmungsschwäche, sondern eine Fahlweide.
Salweide: die Weide mit den Palmkätzchen
Die Salweide (Salix caprea) ist ein großer Strauch oder kleiner Baum, laut Info Flora bis 9 m, laut NW-FVA bis 12 m. Ihre Blätter sind oval bis rundlich, 3 bis 10 cm lang, am breitesten in oder knapp unter der Mitte, der Rand unregelmäßig gezähnt bis fast ganzrandig und oft gewellt. Ein Merkmal für Fortgeschrittene: Unter der Rinde zwei- bis vierjähriger Triebe hat das Holz keine Längsrippen.
Im März fällt sie früher auf als alle anderen Weiden. Die NW-FVA beschreibt große, kurz gestielte Kätzchen von 4 bis 5 cm, die vor dem Laubaustrieb erscheinen, und nennt die Salweide eine Bienenweide. Die Staubbeutel der männlichen Kätzchen sind gelb. Die Zweige sind schmutzig gelbgrün mit rhombisch aufreißenden Korkwarzen, die Rinde älterer Stämme rautenförmig gemustert.
Purpurweide, Korbweide und die Trauerweide im Park
Die Purpurweide (Salix purpurea) ist ein dünnzweigiger Strauch bis 6 m mit rotgrauen, biegsamen Zweigen. Sie blüht sehr früh, im März und April, mit dicht besetzten Zweigen. Ihre Blätter sind schlank lanzettlich, an Langtrieben bis 12 cm, und haben keine Nebenblätter. Laut NW-FVA wächst sie vom Meer bis 2.000 m.
Die Korbweide (Salix viminalis) erkennst du an Blättern bis 15 cm Länge, aber nur 2,5 cm Breite, mit silbriger Unterseite und eingerollten Rändern. Sie und die Mandelweide wurden als Binde- und Korbweiden genutzt.
Die Trauerweide am Teich ist meist keine heimische Art. Die Hängeweide (Salix babylonica) stammt laut NW-FVA aus China und dem mittleren Osten, wird unter 15 m hoch und gilt als frostgefährdet. Viele Parkbäume sind Kreuzungen: Die LWF nennt die Goldweide (S. × sepulcralis), eine Kreuzung aus Silberweide und Babylonischer Weide, als häufige Kulturhybride. Die Silberweide und Salix babylonica gehören zu den Arten der Sammlung in Tree Identifier, einem Katalog von 138 Arten, der sich beim Bestimmen füllt.
Weiden im Winter und im Frühsommer
Ohne Laub helfen Knospen und Zweige. Bei der Silberweide trägt jede Knospe eine einzige Schuppe, und die Blütenknospen sind deutlich größer als die Blattknospen, so dass du schon im Winter siehst, wo Kätzchen kommen. Rötliche, glatte Ruten an einem Strauch am Bach deuten auf die Purpurweide, gelbbraune junge Triebe auf die Silberweide. Mehr zu Knospen und Zweigen steht im Ratgeber Bäume bestimmen im Winter.
Ende Mai fallen Weiden ein zweites Mal auf. Laut LWF reifen die Samen der Silberweide etwa vier Wochen nach der Blüte und sind ab Ende Mai als weiße Wolle gut zu sehen. Die Samen sind nur 1,5 mm lang und wenige Tage keimfähig. Dieselbe Watte bilden auch Pappeln, die zur selben Familie gehören; wie du die beiden trennst, zeigt die Seite Pappel erkennen. Für Blattformen allgemein hilft der Ratgeber Baum bestimmen am Blatt.
Kurzübersicht: die häufigen Weiden
| Weide | Wuchs | Blatt | Das entscheidende Merkmal |
|---|---|---|---|
| Silberweide | Baum bis über 25 m, Flussauen | lanzettlich, 5 bis 9 cm, silbrig behaart | seidig silbrige Unterseite, eine Knospenschuppe |
| Bruchweide | Baum 10 bis 25 m | lanzettlich, oben glänzend dunkelgrün | Zweige brechen mit Knacken ab |
| Salweide | Strauch oder Baum bis 9 bis 12 m | oval bis rundlich, unten grauhaarig | dicke Kätzchen vor dem Laub im März |
| Purpurweide | Strauch bis 6 m | schlank, bis 12 cm, ohne Nebenblätter | rotgraue, biegsame Zweige |
| Korbweide | Strauch bis 10 m | bis 15 cm lang, 2,5 cm breit | eingerollte Blattränder |
| Hängeweide | Baum unter 15 m, Parks | lanzettlich, 5 bis 9 cm | peitschenförmig hängende Zweige |
Werte nach den Bildtafeln der NW-FVA und Info Flora. Wenn du eine Weide später wiederfinden willst, speichere sie in Tree Identifier mit Standort; die Kartenansicht zeigt deine Funde wieder an.
Ähnliche Arten und wie du sie unterscheidest
Fahlweide (Salix × rubens)
Kreuzung aus Silber- und Bruchweide, laut LWF in der Natur häufig. Sie liegt in Wuchs und Behaarung zwischen den Eltern; die NW-FVA nennt Drüsen auf den Zahnspitzen und halbherzförmige Nebenblätter. Ohne Lupe bleibt sie oft „Silber- oder Bruchweide“.
Schwarzpappel (Populus nigra)
Gleiche Familie, aber dreieckige bis rautenförmige Blätter mit lang ausgezogener Spitze und langem, seitlich abgeflachtem Stiel. Die Knospen sind 6 bis 15 mm lang, klebrig und haben mehrere glänzende Schuppen statt einer.
Korbweide (Salix viminalis)
Großer Strauch bis 10 m mit bis 15 cm langen, nur 2,5 cm breiten Blättern, deren Ränder kahnförmig eingerollt sind. Bei der Silberweide ist der Blattrand laut Info Flora nicht eingerollt.
Trauerweide (Salix babylonica und Hybriden)
Stark hängende, peitschenförmige Zweige an einem Baum unter 15 m. Viele Trauerweiden in Parks sind Kreuzungen mit der Silberweide, etwa die Goldweide (S. × sepulcralis); dort helfen nur Wuchs und Herkunft, keine einzelne Blattregel.
Was ein Foto nicht klären kann
- Weiden kreuzen sich leicht: Die LWF kennt etwa 60 Weidenkombinationen, und Hybridschwärme sind gebietsweise häufiger als reine Arten. Viele Weiden lassen sich ohne Blüten, Lupe und Fachschlüssel nicht sicher auf die Art bestimmen.
- Männliche und weibliche Kätzchen sitzen auf verschiedenen Pflanzen. Ein Foto eines einzelnen Zweigs zeigt nur ein Geschlecht und sagt wenig über Nebenblätter und Behaarung.
- Strauchweiden wie Ohr-, Asch- und Kriechweide sind auf einem Kronenfoto kaum zu trennen. Fotografiere Blattunterseite, Nebenblätter und Knospe aus der Nähe.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich eine Weide im Winter?
An schlanken Knospen, die bei der Silberweide nur eine einzige Schuppe tragen; Blütenknospen sind dort deutlich größer als Blattknospen. Ab März verraten dicke Kätzchen vor dem Laub die Salweide. Biegsame, gelbbraune bis rötliche Ruten an Gewässern deuten auf Baum- und Strauchweiden; Pappeln haben dagegen klebrige Knospen mit mehreren Schuppen.
Wie unterscheide ich Salweide und Silberweide?
Am Blatt: Die Salweide hat ovale bis rundliche Blätter, nur 1,5- bis 2,5-mal so lang wie breit, unten kraus grauhaarig. Die Silberweide hat schmale, 4- bis 6-mal so lange wie breite Blätter mit seidig silbriger Unterseite. Die Salweide blüht vor dem Laub, die Silberweide mit dem Laub.
Sind Palmkätzchen von der Salweide?
Oft. Dicke, silbrige Kätzchen, die im März vor dem Laub an den Zweigen sitzen, können gut von der Salweide stammen. Die NW-FVA beschreibt ihre Kätzchen als groß, kurz gestielt und 4 bis 5 cm lang; sie sind eine frühe Bienenweide. Auch andere Weiden tragen solche Kätzchen.
Warum heißt die Bruchweide so?
Weil ihre Zweige am Grund leicht abbrechen, laut NW-FVA mit einem knackenden Geräusch. Mit einem leichten Druck gegen einen dünnen Zweig kannst du das prüfen.
Ist eine Trauerweide eine heimische Weide?
Nein. Die Hängeweide (Salix babylonica) stammt laut NW-FVA aus China und dem mittleren Osten und gilt bei uns als frostgefährdet. Viele hängende Parkweiden sind Kreuzungen mit der heimischen Silberweide, etwa die Goldweide.
Quellen
- Bildtafeln zur Bestimmung von Weidenarten — Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA), Dr. Karl Gebhardt
- Silberweide (Salix alba): Morphologie, äußere Merkmale — Georg-August-Universität Göttingen, Forstbotanischer Garten
- Zur Genetik und Vermehrung der Silberweide (Salix alba), LWF-Bericht 24 — Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), Randolf Schirmer
- Salix caprea L. (Sal-Weide) — Info Flora, Schweiz
- Salix alba L. (Silber-Weide) — Info Flora, Schweiz
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