Baumporträt

Erle erkennen: Zapfen, Knospen und Blätter der drei heimischen Erlen

Ein Laubbaum mit kleinen schwarzen Zäpfchen, fast immer am Wasser. So erkennst du die Erle in jeder Jahreszeit und trennst Schwarzerle, Grauerle und Grünerle.

Illustration der Erle: rundliches gesägtes Blatt, hängende männliche Kätzchen, kleine rote weibliche Blüten, verholzte Zäpfchen, Zweig mit gestielten Knospen und Rinde
Illustration (KI-generiert, nur zur Orientierung)

Kurz gesagt

Eine Erle erkennen kannst du an kleinen, verholzten Fruchtzäpfchen, die an einem Laubbaum über den Winter hängen bleiben und nicht zerfallen wie bei der Birke. Dazu kommen gestielte Knospen mit nur zwei Schuppen und wechselständige, gesägte Blätter. Die Schwarzerle hat ein rundliches Blatt mit stumpfer oder eingekerbter Spitze, die Grauerle ein spitzes Blatt ohne Haarbüschel, die Grünerle wächst als Strauch in den Alpen.

  • Holzige Zäpfchen an einem Laubbaum, dazu nasser Boden: Das ist fast immer eine Erle.
  • Blattspitze stumpf oder eingekerbt und gelbbraune Haarbüschel unter dem Blatt: Schwarzerle. Blatt spitz, unten grau behaart, Rinde auch im Alter glatt und hellgrau: Grauerle.
  • Gestielte Knospen mit zwei Schuppen haben Schwarz- und Grauerle; die Grünerle hat sitzende Knospen mit drei bis sechs Schuppen.

Bestimmungsmerkmale auf einen Blick

Wissenschaftlicher Name
Alnus glutinosa, Alnus incana, Alnus viridis
Familie
Betulaceae (Birkengewächse)
Typ
Laubbaum, sommergrün
Fruchtzäpfchen
Klein, verholzt, schwarzbraun, zu mehreren an kurzen Stielen. Sie zerfallen bei der Samenreife nicht (anders als bei der Birke) und hängen oft bis ins nächste Jahr.
Knospen
Schwarz- und Grauerle: gestielt, mit nur zwei Schuppen. Grünerle: sitzend, mit drei bis sechs Schuppen.
Blätter (Schwarzerle)
Wechselständig, oval bis rundlich, Spitze stumpf oder ausgerandet, 4 bis 7 Paar Seitennerven, unten gelbbraune Haarbüschel in den Nervenwinkeln, junge Blätter klebrig.
Blätter (Grauerle)
Eiförmig und spitz, meist 10 bis 15 Paar Seitennerven, jung unten grauhaarig, aber nie mit Haarbüscheln in den Nervenwinkeln.
Kätzchen
Männliche Kätzchen 5 bis 10 cm, violett, hängend; weibliche Blütenstände um 0,5 cm, rötlich. Schwarzerle blüht laut Info Flora Februar bis April, vor dem Laubaustrieb.
Rinde
Schwarzerle anfangs glatt, später dunkelgrau bis schwarz und längsrissig. Grauerle auch im Alter glatt und hellgrau.
Holz
Frisch gefällte Stämme färben sich an der Schnittfläche vorübergehend auffällig orangerot (LWF). Im Holzhandel heißt die Schwarzerle auch Roterle.
Standort
Bach- und Flussufer, Auwald, Erlenbruch. Schwarzerle in den Nordalpen bis rund 1.000 m; darüber übernimmt die Grauerle, die Grünerle bildet Gebüsche bis über die Waldgrenze.
Größe und Alter
Schwarzerle laut Info Flora bis 20 m, auf besten Standorten laut LWF bis 35 m. Lebenserwartung laut LWF höchstens 100 bis 120 Jahre.
Anteil am Wald
Die Baumartengruppe Erle wächst laut Bundeswaldinventur 2022 auf rund 281.000 Hektar in Deutschland.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz wachsen drei heimische Erlen: die Schwarzerle (Alnus glutinosa) an Bächen und in Bruchwäldern, die Grauerle (Alnus incana) in den Flussauen der Berge und die Grünerle (Alnus viridis) als Strauch in den Alpen. Laut Gregor Aas von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft sind die drei trotz großer Variabilität leicht zu unterscheiden. Die Gattung erkennst du an einem Merkmal, das kein anderer heimischer Laubbaum hat.

So erkennst du eine Erle: Zäpfchen, Knospen, Blatt

1. Die Zäpfchen. Such im Geäst oder am Boden nach kleinen, schwarzbraunen, holzigen Zapfen. Es sind die verholzten weiblichen Blütenstände. Bei der Birke zerfallen diese Fruchtstände zur Samenreife; bei der Erle bleiben sie ganz und hängen leer bis ins nächste Jahr am Baum. Das beschreibt Aas in LWF Wissen 42 als kennzeichnend für die Gattung. Ein Laubbaum mit Zäpfchen im Winter ist deshalb fast immer eine Erle.

2. Die Knospen. Schau dir einen Zweig an. Bei Schwarz- und Grauerle sitzt jede Knospe auf einem kurzen Stiel und hat nur zwei Schuppen. Das ist unter unseren Bäumen selten und funktioniert auch ohne Laub; mehr Knospen vergleicht der Ratgeber Bäume bestimmen im Winter.

3. Das Blatt. Erlenblätter sitzen wechselständig und sind gesägt. Bei der Schwarzerle ist das Blatt laut Info Flora oval bis rundlich, vorne stumpf oder eingekerbt, mit 4 bis 7 Paar Seitennerven. Dreh es um: In den Nervenwinkeln sitzen gelbbraune Haarbüschel. Junge Blätter sind klebrig, daher der Artname glutinosa.

4. Der Standort. Erlen brauchen Wasser. Laut LWF verträgt keine heimische Baumart mehr stehende Nässe als die Schwarzerle; sie bildet Reinbestände in Bruchwäldern auf dauernd nassem Torf und säumt Bäche, Flüsse und Seen.

Wenn die Zweige zu hoch hängen, hilft ein Foto der Zäpfchen am Boden oder der Rinde. Tree Identifier schlägt aus einem Foto einen Namen vor, zeigt aber keine Liste ähnlicher Arten; prüf das Ergebnis deshalb an Blattspitze und Knospen. Die Schwarzerle gehört zu den Arten der Sammlung in der App, einem Katalog von 138 Arten, der sich beim Bestimmen füllt.

Schwarzerle, Grauerle, Grünerle im Vergleich

Merkmal Schwarzerle Grauerle Grünerle
Wuchs Baum, laut Info Flora bis 20 m Baum Strauch bis etwa 3 m
Blattspitze Stumpf oder eingekerbt Spitz Spitz
Seitennerven 4 bis 7 Paare Meist 10 bis 15 Paare 5 bis 7 (9) Paare
Blattunterseite Gelbbraune Haarbüschel in den Nervenwinkeln Jung grauhaarig, nie mit Haarbüscheln Grün, an den Nerven kurz behaart
Knospen Gestielt, zwei Schuppen Gestielt, zwei Schuppen Sitzend, drei bis sechs Schuppen
Rinde Später dunkelgrau, rissig Auch im Alter glatt, hellgrau Glatt, graubraun
Blüte Vor dem Laubaustrieb Vor dem Laubaustrieb Mit dem Laubaustrieb, April bis Juni
Höhenlage Kollin bis montan Kollin bis montan, selten subalpin Vor allem montan bis subalpin, bis alpin

Die Blattmerkmale stammen von Info Flora für die Grauerle und die Grünerle, Knospen und Blütezeitpunkt aus der Tabelle der LWF. Dort steht auch der Grund, warum die Grünerle anders aussieht: Sie gehört zu einer eigenen Untergattung, die manche Botaniker als Gattung Duschekia abtrennen. Ihre weiblichen Kätzchen erscheinen wie bei den Birken erst im Frühjahr aus Knospen. Kreuzungen gibt es laut LWF, wenn überhaupt, nur zwischen Schwarz- und Grauerle.

Wo welche Erle wächst

Die Schwarzerle ist ein Baum der Tieflagen und des Hügellands. In den Nordalpen steigt sie laut LWF bis rund 1.000 m, in den Zentralalpen bis 1.800 m. Weil sie Sommerwärme braucht, wird sie in höheren Lagen von der Grauerle abgelöst. Die Grauerle verträgt außerdem das Austrocknen von Flussschotter, das die Schwarzerle meidet; an Gebirgsflüssen mit stark schwankendem Wasserstand findest du deshalb eher die Grauerle. Die Grünerle wächst laut Info Flora auf steinigen, felsigen Hängen und in Runsen, vor allem in den höheren Lagen der Alpen, bis über die Waldgrenze.

Laut Bundeswaldinventur 2022 wächst die Baumartengruppe Erle auf rund 281.000 Hektar in Deutschland. Die Schwarzerle gehört zu den elf Baumarten und Baumartengruppen, die zusammen 90 % des Holzbodens einnehmen.

Erlen im Jahreslauf

Februar bis April. Die Schwarzerle blüht vor dem Laubaustrieb. Die männlichen Kätzchen sind laut Universität Göttingen violett und 5 bis 10 cm lang; darüber sitzen die unscheinbaren, rotbraunen weiblichen Blütenstände von etwa 0,5 cm. Beide werden schon im Vorjahr angelegt und überwintern ohne Knospenschuppen. Auch die Hasel trägt hängende männliche Kätzchen, die denen der Erle ähneln; wie du sie trennst, steht unter Hasel erkennen.

Sommer. Die neuen Zäpfchen sind grün und geschlossen, daneben hängen oft noch die geöffneten vom Vorjahr; so zeigt es auch ein Foto in LWF Wissen 42.

Herbst. Die Schwarzerle wirft ihr Laub grün ab. Laut LWF liegt das an der Symbiose mit Bakterien der Gattung Frankia in Wurzelknöllchen, die bis apfelgroß werden: Sie binden Stickstoff aus der Luft, und die Erle muss ihn vor dem Laubfall nicht zurückholen. Die kleinen, geflügelten Samen fallen aus den Zäpfchen und werden von Wind und Wasser verbreitet.

Winter. Jetzt erkennst du die Erle am leichtesten: leere Zäpfchen, gestielte Knospen und die neuen männlichen Kätzchen, alles gleichzeitig am selben Zweig.

Rinde und Holz

Die Rinde der Schwarzerle ist laut Info Flora zuerst glatt, später zerklüftet und dunkelgrau; die Universität Göttingen beschreibt alte Stämme als dunkelgrau bis schwarz und längsrissig. Der Stamm läuft oft gerade bis in die Krone, weshalb man die Schwarzerle regional „Fichte der Täler“ nennt. Die Grauerle behält dagegen auch im Alter eine glatte, hellgraue Rinde; das trennt die beiden im Winter schon von Weitem. Weitere Borken vergleicht der Ratgeber Baum bestimmen an der Rinde.

Eine Erle, die gerade gefällt wurde, verrät sich an der Schnittfläche: Laut LWF färbt sich das Stirnholz vorübergehend auffällig orangerot und verblasst beim Trocknen. Wenn du eine alte Erle an einem Bach wiederfinden willst, speichere sie in Tree Identifier mit Standort; die Karte der App zeigt deine Funde später wieder an.

Ähnliche Arten und wie du sie unterscheidest

Hängebirke (Betula pendula)

Auch die Birke trägt Kätzchen und wächst gern auf feuchtem Boden, aber ihre Fruchtkätzchen zerfallen im Herbst in Schuppen und Samen. Holzige Zäpfchen im Winter hat nur die Erle; die Birke hat außerdem dreieckige Blätter und weiße Rinde.

Hasel (Corylus avellana)

Rundliche, gesägte Blätter und hängende männliche Kätzchen wie bei der Erle. Holzige Zäpfchen fehlen aber: Die Hasel trägt Nüsse in einer blattartigen Hülle, wie die LWF für Hasel und Hainbuche beschreibt. Prüf auch die Knospen, die bei der Erle gestielt sind.

Grauerle (Alnus incana)

Die nächste Verwandte: Blatt spitz statt stumpf, unten grau behaart ohne Haarbüschel in den Nervenwinkeln, Rinde auch an alten Stämmen glatt und hellgrau. Sie bildet Wurzelbrut, die Schwarzerle nicht.

Grünerle (Alnus viridis)

Ein Strauch bis etwa 3 m auf steinigen Hängen der Alpen. Die Knospen sitzen ohne Stiel, und sie blüht erst mit dem Laubaustrieb im April bis Juni, nicht vorher wie Schwarz- und Grauerle.

Was ein Foto nicht klären kann

  • Schwarz- und Grauerle kreuzen sich laut LWF. Ein Baum mit gemischten Merkmalen lässt sich am Foto nicht sicher zuordnen; prüf mehrere Blätter und die Rinde am Stamm.
  • Die Haarbüschel in den Nervenwinkeln sind nur wenige Millimeter groß. Ein Foto der Krone zeigt sie nicht; fotografiere die Blattunterseite aus der Nähe.
  • Bei der Grünerle im Gebirge verwechselt man junge Pflanzen leicht mit Birken oder Hasel. Die sitzenden Knospen und die Zäpfchen am vorjährigen Holz entscheiden, nicht die Blattform allein.

Häufige Fragen

Wie erkenne ich eine Erle im Winter?

An den schwarzbraunen Holzzäpfchen vom Vorjahr, die noch am Baum hängen, und an den gestielten Knospen mit nur zwei Schuppen. Schon im Herbst sind auch die neuen männlichen Kätzchen da: Sie werden laut LWF im Jahr vor der Blüte angelegt und überwintern nackt am Zweig.

Wie erkenne ich eine junge Erle?

An den Blättern und Knospen, denn Zäpfchen trägt sie erst später. Junge Schwarzerlenblätter sind laut Info Flora klebrig und haben eine stumpfe oder eingekerbte Spitze. Die Knospen sitzen schon an jungen Pflanzen auf kurzen Stielen, und am Stammfuß stehen oft viele Triebe, weil die Erle gut aus dem Stock ausschlägt.

Woran erkennt man Erlenholz?

Frisch geschnitten an der orangeroten Färbung der Schnittfläche, die laut LWF beim Trocknen verblasst. Trockenes Erlenholz ist rötlichweiß bis hell rötlichbraun, Kern und Splint sind farblich nicht getrennt, und die Poren sind so fein, dass man sie ohne Lupe kaum sieht.

Warum wirft die Erle grüne Blätter ab?

Weil sie mit Bakterien der Gattung Frankia in Wurzelknöllchen Stickstoff aus der Luft bindet. Laut LWF leistet sie sich deshalb, im Herbst grüne Blätter mit kaum verringertem Stickstoffgehalt abzuwerfen. Darum fallen ihre Blätter oft noch grün vom Baum.

Ist die Erle ein Nadelbaum?

Nein. Die Erle ist ein Laubbaum aus der Familie der Birkengewächse, auch wenn ihre Fruchtstände wie winzige Zapfen aussehen. Es sind verholzte weibliche Kätzchen; mit den Zapfen von Kiefer oder Fichte sind sie nicht verwandt.

Quellen

  1. Die Schwarzerle, Alnus glutinosa: Dendrologische Anmerkungen (LWF Wissen 42, Beiträge zur Schwarzerle) — Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), Gregor Aas
  2. Alnus glutinosa (L.) Gaertn., Schwarz-Erle — Info Flora (Flora Helvetica)
  3. Alnus incana (L.) Moench, Grau-Erle — Info Flora (Flora Helvetica)
  4. Alnus viridis (Chaix) DC., Grün-Erle — Info Flora (Flora Helvetica)
  5. Alnus glutinosa / Schwarz-Erle: Biologie und Ökologie — Forstbotanischer Garten, Georg-August-Universität Göttingen
  6. Der Wald in Deutschland – Ausgewählte Ergebnisse der vierten Bundeswaldinventur — BMEL, Thünen-Institut für Waldökosysteme

Aktualisiert am · Geschrieben vom Tree-Identifier-Team · So schreiben wir unsere Ratgeber

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