Baumvergleich
Rosskastanie und Esskastanie: so erkennst du den Unterschied
Zwei Bäume, ein Name, aber keine Verwandtschaft. Ein Blick auf das Blatt genügt meist; Hülle, Blüte und Rinde bestätigen es.

Kurz gesagt
Der Unterschied zwischen Rosskastanie und Esskastanie zeigt sich zuerst am Blatt: Die Rosskastanie hat handförmige Blätter aus 5 bis 7 Teilblättern, die Esskastanie (Edelkastanie) einzelne, lanzettliche Blätter von 10 bis 25 cm mit stachelig gezähntem Rand. Die Rosskastanie trägt eine grüne Kapsel mit derben Stacheln und meist ein bis zwei Samen, die Esskastanie eine dicht bestachelte Hülle mit meist drei Nüssen.
- Iss nie eine Frucht, Nuss oder einen Samen, nur weil eine Webseite oder eine App sie benennt; frag eine kundige Person vor Ort.
- Hand aus 5 bis 7 Teilblättern: Rosskastanie. Ein langes Einzelblatt mit stacheligen Zähnen: Esskastanie.
- Die beiden sind nicht verwandt: Die Esskastanie ist ein Buchengewächs wie Eiche und Buche, die Rosskastanie gehört zu den Seifenbaumgewächsen, wie heute auch die Ahorne.
Bestimmungsmerkmale auf einen Blick
- Wissenschaftlicher Name
- Aesculus hippocastanum und Castanea sativa
- Familie
- Sapindaceae (Seifenbaumgewächse) und Fagaceae (Buchengewächse)
- Typ
- Laubbaum, sommergrün
- Blatt
- Rosskastanie: handförmig mit 5 bis 7 gesägten Teilblättern, die einzeln über 20 cm lang werden. Esskastanie: einzelnes, lanzettliches Blatt, 10 bis 25 cm, Rand stachelig gezähnt.
- Fruchthülle
- Rosskastanie: grüne, kugelige Kapsel bis 6 cm mit derben Stacheln, meist 1 bis 2 Samen. Esskastanie: dicht bestachelte Hülle, bis faustgroß, meist 3 Nüsse.
- Die „Kastanie“ selbst
- Rosskastanie: glänzend brauner Samen, 2 bis 4 cm, mit großem hellem, mattem Fleck. Esskastanie: Nussfrucht 1 bis 3 cm, reif im Oktober, botanisch eine Frucht und kein Samen.
- Knospen der Rosskastanie
- Dick, braun und klebrig, 20 bis 35 mm lang und bis 15 mm breit (FVA). Daran erkennst du die Rosskastanie auch ohne Laub.
- Blüte
- Rosskastanie: April bis Mai, aufrechte „Kerzen“ von 20 bis 30 cm, weiß mit gelbem Fleck, der sich rötlich färbt. Esskastanie: Ende Mai bis Mitte Juli, männliche Blütenstände bis 20 cm, mit unangenehmem Geruch.
- Rinde
- Esskastanie: jung glatt und olivbraun, alt netzartig, graubraun und rissig, meist spiralig um den gedrehten Stamm (WSL).
- Familie
- Rosskastanie: Seifenbaumgewächse, mit den Ahornen verwandt. Esskastanie: Buchengewächse, mit Buche und Eiche verwandt.
- Herkunft
- Rosskastanie: südlicher Balkan, Nordgriechenland, Kleinasien; seit dem 16. Jahrhundert in Mitteleuropa. Esskastanie: in der Schweiz zu 98 % auf der Alpensüdseite, in Deutschland vor allem im Südwesten.
- Giftigkeit
- Laut Giftinformationszentrale Bonn sind alle Teile der Rosskastanie giftig (gering giftig), besonders grüne Fruchtschalen und unreife Früchte.
Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) und Esskastanie (Castanea sativa), auch Edelkastanie genannt, teilen sich einen Namen und eine braune, glänzende „Kastanie“ in einer stacheligen Hülle. Verwandt sind sie nicht. Gregor Aas von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) zeigt in seinem Beitrag Rosskastanie und Marone, dass sogar die „Kastanie“ selbst botanisch etwas anderes ist: bei der Rosskastanie ein Samen, bei der Esskastanie eine Nussfrucht. Iss nie eine Frucht, Nuss oder einen Samen, nur weil eine Webseite oder eine App sie benennt; frag eine kundige Person vor Ort.
Der schnelle Unterschied: das Blatt
Schau dir ein ganzes Blatt mit Stiel an und zähl die Teile.
Rosskastanie: Das Blatt ist handförmig geteilt. Fünf bis sieben Teilblätter gehen wie Finger von einem Punkt am Ende des Stiels aus, einfach oder doppelt gesägt, so beschreibt es die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA auf waldwissen.net). Laut Info Flora wird ein einzelnes Teilblatt über 20 cm lang. Die Blätter stehen gegenständig, also paarweise am Zweig (LWF Wissen 48).
Esskastanie: Das Blatt ist ein einzelnes, langes, lanzettliches Blatt. Laut WSL auf waldwissen.net wird es bis 25 cm lang und 8 bis 10 cm breit, mit stachelig zugespitzter Spitze und gezähntem Rand. Info Flora nennt den Rand „stachelig gezähnt“: Jeder Zahn läuft in eine kleine Spitze aus.
Wenn du nur ein einzelnes Blatt am Boden findest, prüf den Rand. Ein Teilblatt der Rosskastanie ist laut Info Flora fein gezähnt; ein Esskastanienblatt hat Zähne, die in kleine Stacheln auslaufen. Mit Tree Identifier reicht ein Foto eines ganzen Blattes, um einen Namen vorgeschlagen zu bekommen; die Rosskastanie und die Esskastanie gehören beide zu den Arten der Sammlung in der App, einem Katalog von 138 Arten.
Hülle und „Kastanie“ im Vergleich
| Merkmal | Rosskastanie | Esskastanie (Edelkastanie) |
|---|---|---|
| Hülle | Kapsel, grün, kugelig, bis 6 cm, derb bestachelt | Fruchtbecher, dicht bestachelt, bis faustgroß |
| Was die Hülle ist | Die Fruchtwand selbst | Ein Fruchtbecher aus der Blütenstandsachse, wie bei Buche und Eiche |
| Inhalt | Meist 1 bis 2 Samen, selten 3 | Meist 3 Nüsse |
| Die „Kastanie“ | Samen, glänzend braun, 2 bis 4 cm, großer heller Fleck | Nussfrucht, 1 bis 3 cm, reif im Oktober |
| Giftig | Ja, laut GIZ Bonn alle Organe | Siehe Abschnitt unten |
Die Angaben folgen der LWF für Fruchtaufbau und Inhalt, Info Flora für Kapselgröße und Samen der Rosskastanie und der WSL für die Esskastanie. Der Fruchtbecher ist laut LWF typisch für alle Buchengewächse: Bei der Buche umhüllt er zwei Bucheckern, bei der Eiche bildet er den Napf der Eichel. Wie Eichen und ihre Becher aussehen, zeigt die Seite Eiche erkennen. Weitere Bäume mit stacheligen Früchten vergleicht der Ratgeber Baum mit stacheligen Früchten.
Blüte, Knospen und Rinde
Blüte. Die Rosskastanie blüht laut FVA im Mai mit aufrechten Rispen von 20 bis 30 cm und bis zu 100 Einzelblüten, den „Kerzen“. Die Blüten sind weiß mit gelbem Fleck; der Fleck zeigt Insekten Nektar an, leere Blüten färben sich rötlich. Die Esskastanie blüht später: Die männlichen Blütenstände erscheinen laut WSL Ende Mai bis Mitte Juli, sind laut Info Flora bis 20 cm lang und riechen unangenehm. Im Juni steht also ein Baum mit langen, hellen Kätzchen da, wo die Rosskastanie längst verblüht ist.
Knospen. Im Winter erkennst du die Rosskastanie an ihren dicken, braunen, klebrigen Knospen: laut FVA 20 bis 35 mm lang und bis 15 mm breit. Laut FVA erkennst du sie daran auch ganz ohne Laub. Mehr Winterknospen vergleicht der Ratgeber Bäume bestimmen im Winter.
Rinde. Die Rinde der Esskastanie ist laut WSL jung glatt und olivbraun, im Alter netzförmig, graubraun und rissig, meist spiralig um den gedrehten Stamm.
Wo du welche Kastanie findest
Die Rosskastanie stammt laut FVA aus dem südlichen Balkan, Nordgriechenland und Kleinasien und kam im 16. Jahrhundert über Konstantinopel nach Mitteleuropa. In Mitteleuropa steht sie laut FVA meist frei und wird 25 bis 30 m hoch, in ihrer Heimat im geschlossenen Wald 30 bis 35 m. In der Schweiz führt Info Flora sie als gepflanzten, nur selten verwilderten Neophyten. Sie war 2005 Baum des Jahres in Deutschland.
Die Esskastanie wächst laut WSL in Deutschland vor allem im Südwesten im Weinbauklima. In der Schweiz ist sie mit etwa 2,3 % der Waldbäume vertreten, davon 98 % auf der Alpensüdseite; im Tessin ist sie ein häufiger Waldbaum. Sie wird 20 bis 30 m hoch, in Ausnahmefällen 35 m, und 400 bis 600 Jahre alt. Die WSL stellte sie 2018 als Baum des Jahres vor.
In der Stadt siehst du außerdem die rotblühende Rosskastanie. Die Sorte 'Briotii' blüht rot und bleibt laut FVA fruchtlos, weshalb man sie dort pflanzt, wo herabfallende Früchte stören. Die Rosskastanien-Miniermotte, deren Larven die Blätter im Sommer braun werden lassen, befällt laut FVA fast ausschließlich die weißblühenden Bäume.
Giftigkeit und Maronen
Laut Giftinformationszentrale Bonn sind alle Organe der Rosskastanie giftig, besonders die grünen Samenschalen und unreifen Früchte; die Zentrale stuft sie als gering giftig ein und nennt Saponine als Inhaltsstoffe. Rosskastanien sind ungenießbar. Wenn ein Kind oder ein Tier etwas davon gegessen hat, ruf den Giftnotruf deines Landes an.
Die Maronen, die im Herbst an Ständen verkauft werden, sind die Früchte der Edelkastanie; die LWF stellt genau diese beiden als „Rosskastanie und Marone“ gegenüber. Die WSL nennt eine Frucht, die allein im Fruchtbecher heranreift, Marroni. Diese Seite hilft dir, die Bäume zu unterscheiden; sie ist keine Anleitung zum Sammeln. Wenn du in der App unter einem Ergebnis nachfragen willst, nutze den Chat unter dem Ergebnis, aber verlass dich bei allem, was in den Mund kommt, nie auf eine App.
Ähnliche Arten und wie du sie unterscheidest
Rotblühende Rosskastanie (Aesculus × carnea)
Gleiches handförmiges Blatt und gleiche Kerzen wie die Rosskastanie, aber die Blüten sind rosa bis rot. Die Sorte 'Briotii' bleibt laut FVA fruchtlos und wird deshalb an Straßen gepflanzt; die Miniermotte befällt sie kaum.
Eiche (Quercus)
Wie die Esskastanie ein Buchengewächs, aber mit gelappten Blättern und einzelnen Eicheln in einem schuppigen Becher. Eine stachelige Hülle hat die Eiche nie.
Rotbuche (Fagus sylvatica)
Ebenfalls ein Buchengewächs mit Fruchtbecher, aber laut LWF umhüllt er immer zwei kleine Bucheckern statt großer Kastanien. Das Blatt ist ungelappt, nur 5 bis 10 cm lang und hat einen welligen, nicht stachelig gezähnten Rand.
Was ein Foto nicht klären kann
- Ein einzelnes Teilblatt der Rosskastanie, das vom Blatt abgefallen ist, ähnelt einem Esskastanienblatt. Prüf ein ganzes Blatt mit Stiel oder schau auf den Rand: stachelig gezähnt heißt Esskastanie.
- Eine App oder Webseite kann sich irren, und Tree Identifier zeigt keine Liste ähnlicher Arten. Die Bestimmung des Baums ist keine Aussage darüber, ob eine Frucht essbar ist.
- Junge, grüne Hüllen sind schwerer zu unterscheiden als reife. Warte im Zweifel auf den Herbst und vergleiche Blätter, Hülle und Samen zusammen.
Häufige Fragen
Ist die Rosskastanie eine Esskastanie?
Nein. Es sind zwei verschiedene Bäume aus zwei Familien. Die Rosskastanie gehört zu den Seifenbaumgewächsen, die Esskastanie oder Edelkastanie zu den Buchengewächsen. Laut LWF haben die beiden außer dem Namen und dem ähnlichen Aussehen der braunen „Kastanien“ nichts gemeinsam.
Was ist der Unterschied zwischen Kastanie und Marone?
Mit „Kastanie“ meinen viele die Rosskastanie, mit „Marone“ die Frucht der Edelkastanie. Die LWF stellt genau diese beiden gegenüber: Rosskastanie und Marone. In der Schweiz nennt die WSL eine Frucht, die allein im Fruchtbecher heranreift, Marroni.
Welche Kastanien sind giftig?
Die Rosskastanie. Laut Giftinformationszentrale Bonn sind alle ihre Organe giftig, besonders grüne Fruchtschalen und unreife Früchte, und Rosskastanien sind ungenießbar. Wenn ein Kind oder ein Tier etwas davon gegessen hat, ruf den Giftnotruf deines Landes an. Iss nie etwas, nur weil eine Webseite oder eine App es benennt.
Wie unterscheide ich die Blätter von Rosskastanie und Esskastanie?
Zähl die Teile: Ein Rosskastanienblatt besteht aus 5 bis 7 Teilblättern, die wie Finger von einem Punkt am Stiel ausgehen. Ein Esskastanienblatt ist ein einzelnes, langes Blatt von 10 bis 25 cm mit einer Reihe stachelig zugespitzter Zähne am Rand.
Warum werden Rosskastanienblätter schon im Sommer braun?
Meist wegen der Rosskastanien-Miniermotte. Laut FVA wurde sie in Deutschland 1993 bei Passau erstmals gefunden; ihre Larven fressen Gänge in die Blätter, die welken und früh abfallen. Die Motte befällt fast ausschließlich weißblühende Rosskastanien.
Quellen
- Warum Rosskastanie und Marone – obwohl so ähnlich – dennoch nichts gemeinsam haben — Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), Gregor Aas
- Die Edelkastanie (Castanea sativa). Baum des Jahres 2018 — waldwissen.net, Koni Häne, Redaktion WSL
- Die Rosskastanie – Baum des Jahres 2005 — waldwissen.net, Manuel Karopka, Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
- Aesculus hippocastanum L., Rosskastanie — Info Flora (Flora Helvetica)
- Castanea sativa Mill., Edel-Kastanie — Info Flora (Flora Helvetica)
- Roßkastanie (Aesculus hippocastanum) — Informationszentrale gegen Vergiftungen, Universitätsklinikum Bonn
- Die Gemeine Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) als Neubürger in unserer Flora (LWF Wissen 48) — Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (Aas, G. und Lauerer, M.)