Familie und Schule
Bäume bestimmen mit Kindern, Schritt für Schritt
Eine Anleitung für Eltern, Lehrkräfte und Waldkindergärten, mit kurzen Schritten für Kinder, einer Blattformen-Tabelle, Sicherheitsregeln und Ideen nach Alter.

Kurz gesagt
Bäume bestimmen mit Kindern klappt am besten als kurze, immer gleiche Runde, die ein Erwachsener anleitet: erst die Form des ganzen Baums, dann ein Blatt (Nadel oder Blatt, einfach oder gefiedert, glatter oder gesägter Rand, Lappen oder nicht), dann die Rinde und was unter dem Baum liegt, etwa Eicheln, Bucheckern oder Zapfen. Ein Erwachsener prüft jede Pflanze, und nichts kommt in den Mund.
- Sicherheit zuerst: Nichts kommt in den Mund. Bei der Eibe sind alle Teile giftig außer dem reifen roten Samenmantel, und den sollen Kinder trotzdem nicht essen.
- Ein Baum, den das Kind ein Jahr lang jeden Monat besucht, lehrt mehr als eine lange Namensliste.
- Stammumfang in 1,30 m Höhe mit Kreide und Maßband messen: Ein frei stehender Baum legt pro Jahr grob 2,5 cm Umfang zu.
Kinder lernen Bäume genauso wie Erwachsene: indem sie wenige Merkmale in fester Reihenfolge ansehen. Diese Anleitung richtet sich an Eltern, Lehrkräfte und Waldkindergärten. Jeder Schritt ist kurz genug für ein Kind; die Aufgabe des Erwachsenen ist es, für Sicherheit zu sorgen, die nächste Frage zu stellen und beim Namen zu helfen.
Sicherheitsregeln vor dem ersten Spaziergang
Lies die Regeln vor dem Losgehen laut vor und wiederhole sie am ersten Baum:
- Nichts kommt in den Mund. Keine Blätter, Beeren, Nüsse, Samen oder Blüten, auch wenn sie wie Essen aussehen. Iss nie eine Beere, Nuss oder Frucht, nur weil eine Webseite oder eine App sie benennt; frag eine kundige Person vor Ort.
- Die Eibe zuerst lernen. Sie steht in vielen Gärten, Parks und auf Friedhöfen, und ihre leuchtend roten „Beeren“ ziehen Kinder an. Laut dem Infoblatt des Botanischen Gartens der Universität Wien stecken die giftigen Taxine in allen Pflanzenteilen außer dem reifen roten Samenmantel, den die Botanik Arillus nennt. Der Samen darin ist giftig, deshalb gilt die Regel ohne Ausnahme. Erkennen kann man die Eibe an flachen, weichen Nadeln, oben dunkelgrün, unten hellgrün.
- Erst fragen, dann anfassen. Kinder dürfen alles genau ansehen, die Hände bleiben aber weg, bis ein Erwachsener Ja gesagt hat. Gepflückt wird nur mit Erlaubnis, und dann ein Blatt, kein Zweig.
Wenn doch etwas verschluckt wurde: Tox Info Suisse rät in seinen Erste-Hilfe-Hinweisen, kein Erbrechen herbeizuführen und den Mund auszuspülen. In der Schweiz ist die Giftinformation rund um die Uhr unter 145 erreichbar; in Deutschland und Österreich rufst du die Giftinformationszentrale deines Landes an. Bei Bewusstlosigkeit gilt sofort der Notruf.
Schritt für Schritt: So bestimmt ein Kind einen Baum
Geht an jedem Baum dieselben sieben Schritte durch. Nach ein paar Spaziergängen stellen Kinder die Fragen selbst.
- Der ganze Baum. Ein paar Schritte zurücktreten und die Form beschreiben: spitz wie ein Kegel (Fichte), rund wie ein Lutscher (Linde) oder breit wie ein Schirm (alte Eiche). Ein Stamm oder mehrere?
- Nadeln oder Blätter. Dünne Nadeln oder Schuppen bedeuten einen Nadelbaum, etwa Fichte, Tanne, Kiefer oder Lärche. Flache, breite Blätter bedeuten einen Laubbaum.
- Einfach oder gefiedert. Dem Blattstiel bis zum Zweig folgen. Eine Blattfläche am Stiel ist ein einfaches Blatt; viele kleine Blättchen an einem Stiel sind ein gefiedertes Blatt wie bei Esche oder Vogelbeere.
- Der Rand. Mit dem Finger entlangfahren: glatt oder gesägt wie eine Säge?
- Lappen. Hat das Blatt runde oder spitze „Finger“? Zählen.
- Die Rinde. Fühlen und einen Abdruck machen: glatt, rissig, abblätternd, weiß?
- Der Boden. Unter dem Baum nach Eicheln, Bucheckern, Zapfen, Kastanien oder geflügelten Samen suchen, ohne etwas aufzuheben, bevor ein Erwachsener zugestimmt hat.
Danach setzt der Erwachsene die Hinweise zusammen. Unser Bestimmungsschlüssel für Bäume stellt eine Frage nach der anderen und eignet sich zum gemeinsamen Durchklicken; die ausführliche Methode für Erwachsene steht unter Baum bestimmen.
Blattformen-Tabelle für Kinder
Kinder merken sich Formen schneller, wenn jede ein Bildwort hat. Nehmt die Tabelle mit oder malt sie ins Heft ab.
| Was das Kind sieht | So heißt es | Bäume dazu |
|---|---|---|
| Lange Nadeln, immer zu zweit | Nadeln im Paar | Waldkiefer |
| Kurze Nadeln einzeln rund um den Zweig | Einzelnadeln | Fichte |
| Weiche Nadeln in Büscheln, im Herbst gelb | Nadelbüschel | Lärche |
| Blatt wie eine Hand mit spitzen Fingern | Handförmig gelappt | Ahorn |
| Blatt mit runden Buchten wie eine Wolke | Gebuchtet | Eiche |
| Glattes, ovales Blatt mit welligem Rand | Ganzrandig | Buche |
| Dreieckiges Blatt mit Sägezähnen | Gesägt | Birke |
| Blatt wie ein Herz | Herzförmig | Linde |
| Viele Blättchen in zwei Reihen an einem Stiel | Gefiedert | Esche, Vogelbeere |
| Fünf bis sieben große Blättchen wie eine Hand | Gefingert | Rosskastanie |
Mehr Formen und Ränder zeigt der Ratgeber Baum bestimmen nach Blatt.
Einen Baum adoptieren und ein Jahr begleiten
Ein Baum, den ein Kind das ganze Jahr besucht, lehrt mehr als zwanzig Bäume, die es einmal gesehen hat. Das Umweltbildungsprogramm „Umweltdetektive“ des Kantons Solothurn macht es so: Die Kinder wählen einen Baum und verfolgen seine Veränderungen im Lauf eines Jahres, mit einem Forschungsauftrag pro Monat. Die Aufgaben aus dem Arbeitsblatt von 2022 eignen sich auch für Familien:
- Umfang schätzen und messen. Erst raten (20 bis 60 cm, 61 cm bis 1 m oder mehr), dann in 1,30 m Höhe einen Kreidestrich machen und den Umfang mit dem Maßband messen.
- Alter grob schätzen. Ein frei stehender Baum mit voll entwickelter Krone legt laut Arbeitsblatt etwa 2,5 cm Umfang pro Jahr zu, ein Baum im Waldinneren nur etwa 1,25 cm. Die Faustregel ist sehr grob und passt nicht für schnell wachsende Pappeln und Weiden oder langsam wachsende Eichen und Eiben.
- Höhe schätzen. Mit einem Geodreieck vor dem Auge so weit zurückgehen, bis die schräge Kante die Baumspitze trifft, dann in großen Schritten zum Stamm gehen. Unser Rechner Baumhöhe messen erklärt die Methode genauer.
Bei jedem Besuch zeichnet das Kind den Baum oder macht einen Rindenabdruck und notiert, was neu ist: Knospen, Blüten, Früchte, Herbstfarbe, kahle Zweige.
Rindenabdruck und Blättersammlung
Für einen Rindenabdruck brauchst du dünnes Papier und Wachsmalstifte ohne Papierhülle. Das Papier in Brusthöhe des Kindes flach an den Stamm halten, zu zweit geht es leichter, und mit der Längsseite des Stifts darüberreiben, nicht mit der Spitze. Datum und Baumname oder einen Spitznamen dazuschreiben. Danach dasselbe an einem zweiten Baum: Die glatte Rinde der Buche, die rissige Borke der Eiche und die weiße Birkenrinde ergeben ganz verschiedene Bilder. Blattabriebe gehen genauso, mit der Blattunterseite nach oben unter dem Papier.
Für eine Blättersammlung (ein Herbarium) legt ihr trockene, flache Blätter zwischen mehrere Lagen Zeitungspapier, beschwert den Stapel mit dicken Büchern und lasst ihn an einem trockenen Ort liegen, bis die Blätter ganz trocken und flach sind. Dann klebt ihr die Blätter in ein Heft und beschriftet sie: Name, Fundort, Datum. Ältere Kinder ergänzen, ob das Blatt einfach oder gefiedert ist und ob es wechselständig oder gegenständig am Zweig sitzt.
Was eine Baumscheibe erzählt
Ab dem Grundschulalter lohnt sich ein Blick in den Stamm. Eine Baumscheibe vom Förster, aus dem Brennholzstapel oder ein frischer Baumstumpf genügt. Das Unterrichtsmaterial von proHolz Niederösterreich beschreibt den Aufbau von außen nach innen: Borke, Bast, Kambium, Splintholz und bei manchen Arten ein dunkleres Kernholz. Pro Jahr entsteht ein Jahresring, deshalb lässt sich das Alter des Baums durch Zählen bestimmen. Dicke Ringe stehen für gut versorgte Jahre, dünne für schlechte. Bei Nadelbäumen erscheint das Frühholz hell und das Spätholz dunkler. Kinder können Ringe zählen, die Jahre ihres eigenen Lebens markieren und nach Narben von Feuer, Steinschlag oder Tierfraß suchen. Wie man das Alter auch am lebenden Baum schätzt, zeigt unser Rechner zum Baumalter.
Ideen nach Alter
- 3 bis 6 Jahre (Kindergarten). Mit allen Sinnen: Rinde fühlen, Blätter rascheln hören, gefallenes Laub nach Farbe und Größe sortieren, Rindenabdrücke. Ein adoptierter Baum reicht.
- 6 bis 10 Jahre (Grundschule). Die sieben Schritte, die Blattformen-Tabelle und eine kleine Blättersammlung. Ziel: fünf bis sechs Bäume, die das Kind auf dem Schulweg benennen kann, etwa Eiche, Buche, Ahorn, Birke, Linde und Fichte.
- Ab 10 Jahren. Den Bestimmungsschlüssel gemeinsam benutzen, gefiederte und einfache Blätter, wechsel- und gegenständige Blattstellung, eine beschriftete Sammlung und die Baumscheibe. Welche Arten in eurer Gegend wachsen, zeigt unsere Seite zu heimischen Bäumen.
Wo das Handy hilft
Tree Identifier ist eine iPhone-App für Erwachsene, keine Kinder-App, kann aber Eltern und Lehrkräften auf dem Spaziergang helfen. Kennt niemand einen Baum, macht der Erwachsene ein Foto von Blatt, Rinde oder dem ganzen Baum, und Tree Identifier schlägt einen Namen mit wichtigen Merkmalen vor; dafür braucht die App eine Internetverbindung. Fragt das Kind weiter, etwa warum die Blätter im Herbst rot werden, tippt der Erwachsene die Frage in den Chat unter dem Ergebnis und liest die Antwort vor. Danach prüft das Kind die Antwort am echten Baum: Nadel oder Blatt, Rand, Lappen, Rinde. Ob eine Pflanze sicher anzufassen oder zu essen ist, entscheidet nie eine App, sondern der Erwachsene vor Ort.
Was ein Foto nicht klären kann
- Keine App und keine Webseite kann einem Kind sagen, ob eine Pflanze sicher anzufassen oder zu essen ist; das entscheidet ein Erwachsener vor Ort, und Beeren, Nüsse und Samen bleiben aus dem Mund.
- Junge Bäumchen und Schattenblätter sehen oft anders aus als die Blätter in einer Tabelle; ein einzelnes Blatt aus dem Unterholz passt nicht immer zu einem Bild.
Häufige Fragen
Wie bringe ich Kindern Bäume bei?
Mit einer kurzen Runde, die ihr an jedem Baum wiederholt: Form des Baums, Nadel oder Blatt, einfach oder gefiedert, Rand, Lappen, dann Rinde und Boden. Lernt pro Spaziergang ein oder zwei Namen und besucht denselben Baum in jeder Jahreszeit wieder.
Welche Bäume sollten Kinder zuerst kennen?
Die, an denen sie täglich vorbeigehen, und solche mit auffälligen Früchten: Eiche mit Eicheln, Buche mit Bucheckern, Ahorn mit Propellern, Rosskastanie mit Kastanien, Birke mit weißer Rinde, Fichte und Kiefer mit Zapfen. Dazu die Eibe, damit Kinder ihre roten Beeren als giftige Pflanze erkennen.
Was tun, wenn ein Kind eine Beere gegessen hat?
Ruhe bewahren, Pflanze sichern, die Giftinformation anrufen. Tox Info Suisse rät, kein Erbrechen herbeizuführen und den Mund auszuspülen; in der Schweiz erreichst du sie rund um die Uhr unter 145. In Deutschland und Österreich gilt die Giftinformationszentrale deines Landes; bei Bewusstlosigkeit sofort den Notruf wählen.
Wie macht man mit Kindern einen Rindenabdruck?
Ein dünnes Papier flach an den Stamm halten, am besten zu zweit, und mit der Längsseite eines Wachsmalstifts ohne Papierhülle darüberreiben. Datum und Baumname dazuschreiben. Tiefe Furchen, glatte und abblätternde Rinde ergeben ganz verschiedene Muster.
Gibt es eine Baum-App für Kinder?
Tree Identifier ist eine App für Erwachsene, keine Kinder-App. Bewährt hat sich, dass Mutter, Vater oder die Lehrkraft das Handy hält, ein Foto macht und das Ergebnis vorliest. Danach prüft das Kind die Merkmale am echten Baum: Das Kind schaut, der Erwachsene bedient die App.
Quellen
- Eibe, Taxus baccata – Taxaceae (Infoblatt, überarbeitet 2007) — Botanischer Garten der Universität Wien
- Erste Hilfe — Tox Info Suisse
- Baum genau erfassen … mit Messband, Kreide und Geodreieck (Umweltdetektive, Baumbeobachtung 2022) — Kanton Solothurn, Amt für Umwelt
- Unterrichtsmaterial 2: Holz – das Innere der Bäume (Grundlagen Holz) — proHolz Niederösterreich
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